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Lang, lang ist es her, dass mit "Resident Evil" das Survival
Horror-Genre erfolgreich zum Leben erweckte wurde und sich auf Anhieb
großer Beliebtheit erfreuen durfte. Dass sich von dem eingestellten
Erfolg auch andere Hersteller Profit erhofften, war so sicher wie das
Amen in der Kirche. So auch der Rollenspiel-Gigant Square Enix, der
mit "Parasite Eve" seine eigene Reihe auf die Beine stellte.
Lang, lang ist es jedoch her, dass die Protagonistin Aya Brea gegen
die Mitochondrien antreten dufte, da die einzigen beiden Teile der Reihe
auf Sonys erster Playstation erschienen, also auf der Konsole, auf der
das Genre geboren wurde. Seitdem war es um Aya Brea still und kaum einer
hätte noch mit einem Revival gerechnet, als Square Enix nach fast
13 Jahren Pause doch noch einen Nachfolger ankündigte. "The
3rd Birthday" heißt das gute Stück Software, das erst
vor kurzem für Sonys mobile PSP erschien. Den hohen Ansprüchen
der ausgedörrten Fans konnte es aber nicht gerecht werden, da es
sich komplett in einer anderen Sparte bewegt. Square Enix hat statt
des erwarteten schockierenden Action-Adventures ein experimentelles
Action-Spiel mit RPG-Elementen daraus gemacht, das meiner Ansicht nach
herzlich wenig mit den Vorgängern zu tun hat. Dies muss aber nicht
gleich automatisch heißen, dass es schlecht ist, weshalb ich es
unbedingt spielen musste, zumal mich der zweite Teil seinerzeit regelrecht
begeistern konnte. Somit könnt ihr nun meinen Erfahrungsbericht
lesen.
Nach dem Start von "The 3rd Birthday" in einem der drei verfügbaren
Schwierigkeitsgrade wird man wie von Square Enix nicht anders zu erwarten
mit einem technisch überragenden Intro konfrontiert, in dem gezeigt
wird, wie Manhattan von einem gigantischen, pflanzenähnlichen Organismus
zerstört und besetzt wird. Das als Babel bezeichnete Ungetüm
sorgt sogleich dafür, dass unzählige Menschen zu sogenannten
Twisted mutieren, nur um unserer Protagonistin als Kanonenfutter zu
dienen. Deren und somit unser Einsatz kommt erst einige Jahre nach der
Tragödie zum Tragen, als Aya mit Hilfe des Overdive-Systems in
die Vergangenheit geschickt wird. Die Zeitreise erfolgt aber nicht auf
körperlicher sondern nur auf geistiger Ebene, so dass Aya auf einen
neuen Körper angewiesen ist. Daher schlüpft sie am Anfang
jeder der sieben Episoden in den Körper eines Soldaten, mit dem
man dann sogleich unterwegs ist. Seltsamerweise sieht dieser wie Aya
aus, was sehr unlogisch ist. Dies dient aber selbstverständlich
einem gewissen Zweck, denn "The 3rd Birthday" weist ein sehr
umfangreiches Fan-Service-Paket auf. So werden Ayas Kleider nach und
nach zerfetzt, bis sie fast nur noch in Unterwäsche unterwegs ist.
Bei einem Soldaten würde keiner so etwas wollen, aber bei Aya?
Genauso überflüssig ist auch die Duschszene, die optional
zur Verfügung steht, sowie die zahlreichen freispielbaren hautengen
Kostüme, die sich ganz sicher für alles andere außer
einen Militäreinsatz eignen. Square Enix hat somit viel Aufwand
für Elemente betrieben, die nicht richtig in das Ursprungskonzept
passen und meiner Ansicht nach völlig deplaziert wirken, technisch
jedoch grandios in Szene gesetzt wurden. Wie die gesamte Grafik des
Spieles. Das Auge des Spielers wird auf Schritt und Tritt verwöhnt,
so dass man nicht aus dem Staunen herauskommt. Die Steuerung wurde gut
gelöst und funktioniert tadellos. Das tolle technische Gesamtbild
wird lediglich durch kleine Kameraprobleme minimal getrübt. Dann
bleibt nur zu hoffen, dass es sich beim Gameplay nicht allzu anders
verhält.
Wie bereits im Vorfeld verraten, kommt das Gameplay aufgrund der simplen
Action-Ballerei nicht an die Komplexität der Vorgänger heran.
Auf den ersten Blick erscheint "The 3rd Birthday" wie ein
x-beliebiger Ego-Shooter, hebt sich allerdings von diesen mit einigen
Eigenarten ab. Zum einen mit dem erwähnten Overdive-System, durch
das Aya in der Lage ist, jederzeit ihren Wirtkörper zu verlassen,
um einen neuen zu besetzen. Durch überlegte Verwendung der Overdive-Fähigkeit
kann man sich stets taktische Vorteile verschaffen oder im Notfall aus
dem sterbenden Körper fliehen. Um besonders gute Erfolge zu erzielen,
sollte man jedoch stets bemüht sein, alle Soldaten am Leben zu
erhalten. Beim Einsatz des Crossfire-Befehls etwa ist eine große
Mannstärke von Bedeutung. Des Weiteren darf man per Overdive auch
in die Körper von geschwächten Feinden schlüpfen, um
sie dann stilecht Implodieren zu lassen. Während die Overdives
permanent zum Einsatz kommen, steht der übermächtige Liberation-Modus
eher begrenzt zur Verfügung. In diesem Stadium vervielfacht sich
Ayas Stärke enorm und sie weicht jedem feindlichen Angriff mit
spektakulären Manövern aus. Da dieser Zustand nur relativ
kurz anhält und ewig lange bis zur erneuten Verfügbarkeit
benötigt, sollte er mit Bedacht eingesetzt werden. Zu guter letzt
gibt es noch die RPG-Elemente. Wie bei einem Rollenspiel verbessert
man seine Werte durch das Sammeln von Erfahrungspunkten, erlangt dadurch
Zugang auf durchschlagskräftigere Waffen und darf auch an Ayas
DNA herumschrauben, um sie mit diversen Fähigkeiten auszustatten.
In der Praxis hat man trotz all der beschriebenen Gimmicks dennoch
das Gefühl, einen reinen Ego-Shooter zu spielen. Man ballert permanent
auf diverse Ziele, wirft hier und da eine Granate, flüchtet in
einen neuen Körper, lässt bei jeder Gelegenheit die Gegner
implodieren und ballert weiterhin auf die eklig bunte Monsterschar.
Kleine Einsätze im Panzer, Hubschrauber oder im Körper eines
Scharfschützen lockern das eintönige Geschehen etwas auf,
können über die etwas zu einfallslose Action aber nicht hinwegtäuschen.
Die dicken Endbosse sowie zahlreiche optionale Missionsziele gehören
mittlerweile zum Standard und können keinen mehr überraschen.
So betrachtet ist "The 3rd Birthday" nett und brauchbar, von
der bombastischen Aufmachung abgesehen aber nichts Besonderes. Zu allem
Überfluss nervt es mit einer wirren und undurchsichtigen Erzählung,
die schwer nachzuvollziehen ist. Den Bezug zum Vorgänger konnte
ich nicht erkennen. Wahrscheinlich offenbart er sich nur waschechten
Parasite Eve-Fans. Von der Handlung war ich deshalb mehr als enttäuscht.
Fazit: "The 3rd Birthday" war für mich nicht mehr als
eine kurzweilige Spielerfahrung, der ich maximal sechs Punkte vergeben
kann. Die vorhandene Twisted Edition mit einigen Extras vermag auch
nichts daran zu ändern. Mit einem Umfang von ca. zehn Stunden ist
es aufgrund des monotonen Spielverlaufs genau richtig dosiert, obwohl
man es mehrmals durchspielen muss, um wirklich alle Waffen und Extras
freizuschalten.
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