3rd Birthday, The
Action


Minrod
Oktober 11

 


Lang, lang ist es her, dass mit "Resident Evil" das Survival Horror-Genre erfolgreich zum Leben erweckte wurde und sich auf Anhieb großer Beliebtheit erfreuen durfte. Dass sich von dem eingestellten Erfolg auch andere Hersteller Profit erhofften, war so sicher wie das Amen in der Kirche. So auch der Rollenspiel-Gigant Square Enix, der mit "Parasite Eve" seine eigene Reihe auf die Beine stellte. Lang, lang ist es jedoch her, dass die Protagonistin Aya Brea gegen die Mitochondrien antreten dufte, da die einzigen beiden Teile der Reihe auf Sonys erster Playstation erschienen, also auf der Konsole, auf der das Genre geboren wurde. Seitdem war es um Aya Brea still und kaum einer hätte noch mit einem Revival gerechnet, als Square Enix nach fast 13 Jahren Pause doch noch einen Nachfolger ankündigte. "The 3rd Birthday" heißt das gute Stück Software, das erst vor kurzem für Sonys mobile PSP erschien. Den hohen Ansprüchen der ausgedörrten Fans konnte es aber nicht gerecht werden, da es sich komplett in einer anderen Sparte bewegt. Square Enix hat statt des erwarteten schockierenden Action-Adventures ein experimentelles Action-Spiel mit RPG-Elementen daraus gemacht, das meiner Ansicht nach herzlich wenig mit den Vorgängern zu tun hat. Dies muss aber nicht gleich automatisch heißen, dass es schlecht ist, weshalb ich es unbedingt spielen musste, zumal mich der zweite Teil seinerzeit regelrecht begeistern konnte. Somit könnt ihr nun meinen Erfahrungsbericht lesen.

Nach dem Start von "The 3rd Birthday" in einem der drei verfügbaren Schwierigkeitsgrade wird man wie von Square Enix nicht anders zu erwarten mit einem technisch überragenden Intro konfrontiert, in dem gezeigt wird, wie Manhattan von einem gigantischen, pflanzenähnlichen Organismus zerstört und besetzt wird. Das als Babel bezeichnete Ungetüm sorgt sogleich dafür, dass unzählige Menschen zu sogenannten Twisted mutieren, nur um unserer Protagonistin als Kanonenfutter zu dienen. Deren und somit unser Einsatz kommt erst einige Jahre nach der Tragödie zum Tragen, als Aya mit Hilfe des Overdive-Systems in die Vergangenheit geschickt wird. Die Zeitreise erfolgt aber nicht auf körperlicher sondern nur auf geistiger Ebene, so dass Aya auf einen neuen Körper angewiesen ist. Daher schlüpft sie am Anfang jeder der sieben Episoden in den Körper eines Soldaten, mit dem man dann sogleich unterwegs ist. Seltsamerweise sieht dieser wie Aya aus, was sehr unlogisch ist. Dies dient aber selbstverständlich einem gewissen Zweck, denn "The 3rd Birthday" weist ein sehr umfangreiches Fan-Service-Paket auf. So werden Ayas Kleider nach und nach zerfetzt, bis sie fast nur noch in Unterwäsche unterwegs ist. Bei einem Soldaten würde keiner so etwas wollen, aber bei Aya? Genauso überflüssig ist auch die Duschszene, die optional zur Verfügung steht, sowie die zahlreichen freispielbaren hautengen Kostüme, die sich ganz sicher für alles andere außer einen Militäreinsatz eignen. Square Enix hat somit viel Aufwand für Elemente betrieben, die nicht richtig in das Ursprungskonzept passen und meiner Ansicht nach völlig deplaziert wirken, technisch jedoch grandios in Szene gesetzt wurden. Wie die gesamte Grafik des Spieles. Das Auge des Spielers wird auf Schritt und Tritt verwöhnt, so dass man nicht aus dem Staunen herauskommt. Die Steuerung wurde gut gelöst und funktioniert tadellos. Das tolle technische Gesamtbild wird lediglich durch kleine Kameraprobleme minimal getrübt. Dann bleibt nur zu hoffen, dass es sich beim Gameplay nicht allzu anders verhält.

Wie bereits im Vorfeld verraten, kommt das Gameplay aufgrund der simplen Action-Ballerei nicht an die Komplexität der Vorgänger heran. Auf den ersten Blick erscheint "The 3rd Birthday" wie ein x-beliebiger Ego-Shooter, hebt sich allerdings von diesen mit einigen Eigenarten ab. Zum einen mit dem erwähnten Overdive-System, durch das Aya in der Lage ist, jederzeit ihren Wirtkörper zu verlassen, um einen neuen zu besetzen. Durch überlegte Verwendung der Overdive-Fähigkeit kann man sich stets taktische Vorteile verschaffen oder im Notfall aus dem sterbenden Körper fliehen. Um besonders gute Erfolge zu erzielen, sollte man jedoch stets bemüht sein, alle Soldaten am Leben zu erhalten. Beim Einsatz des Crossfire-Befehls etwa ist eine große Mannstärke von Bedeutung. Des Weiteren darf man per Overdive auch in die Körper von geschwächten Feinden schlüpfen, um sie dann stilecht Implodieren zu lassen. Während die Overdives permanent zum Einsatz kommen, steht der übermächtige Liberation-Modus eher begrenzt zur Verfügung. In diesem Stadium vervielfacht sich Ayas Stärke enorm und sie weicht jedem feindlichen Angriff mit spektakulären Manövern aus. Da dieser Zustand nur relativ kurz anhält und ewig lange bis zur erneuten Verfügbarkeit benötigt, sollte er mit Bedacht eingesetzt werden. Zu guter letzt gibt es noch die RPG-Elemente. Wie bei einem Rollenspiel verbessert man seine Werte durch das Sammeln von Erfahrungspunkten, erlangt dadurch Zugang auf durchschlagskräftigere Waffen und darf auch an Ayas DNA herumschrauben, um sie mit diversen Fähigkeiten auszustatten.

In der Praxis hat man trotz all der beschriebenen Gimmicks dennoch das Gefühl, einen reinen Ego-Shooter zu spielen. Man ballert permanent auf diverse Ziele, wirft hier und da eine Granate, flüchtet in einen neuen Körper, lässt bei jeder Gelegenheit die Gegner implodieren und ballert weiterhin auf die eklig bunte Monsterschar. Kleine Einsätze im Panzer, Hubschrauber oder im Körper eines Scharfschützen lockern das eintönige Geschehen etwas auf, können über die etwas zu einfallslose Action aber nicht hinwegtäuschen. Die dicken Endbosse sowie zahlreiche optionale Missionsziele gehören mittlerweile zum Standard und können keinen mehr überraschen. So betrachtet ist "The 3rd Birthday" nett und brauchbar, von der bombastischen Aufmachung abgesehen aber nichts Besonderes. Zu allem Überfluss nervt es mit einer wirren und undurchsichtigen Erzählung, die schwer nachzuvollziehen ist. Den Bezug zum Vorgänger konnte ich nicht erkennen. Wahrscheinlich offenbart er sich nur waschechten Parasite Eve-Fans. Von der Handlung war ich deshalb mehr als enttäuscht.

Fazit: "The 3rd Birthday" war für mich nicht mehr als eine kurzweilige Spielerfahrung, der ich maximal sechs Punkte vergeben kann. Die vorhandene Twisted Edition mit einigen Extras vermag auch nichts daran zu ändern. Mit einem Umfang von ca. zehn Stunden ist es aufgrund des monotonen Spielverlaufs genau richtig dosiert, obwohl man es mehrmals durchspielen muss, um wirklich alle Waffen und Extras freizuschalten.