Ein Programmierer mit dem Namen Bob Morlock und dem Pseudonym "Blood"
ist auf der Suche nach dem ultimativen Spiel. Deshalb programmiert er
sich eines Tages in seinen Computer hinein. Dieser entpuppt sich als ein
riesiges Universum, das er mit dem biologischen Raumschiff "Arche"
bereisen kann. Star Trek Voyager Spezies 8472 lässt Grüßen.
;)
Doch wie das Leben so spielt, hat sich Blood dabei unabsichtlich in 30 Klone
aufgespalten. Zu Beginn des Spieles muss er nur noch fünf finden
und deren Lebensenergie assimilieren, denn durch die Aufspaltung stirbt
sein Körper bzw. das Raumschiff, dessen Teil er zu sein scheint,
was sich in seiner immer mehr zitternden Hand widerspiegelt. Dazu hat
er aber wenig Zeit. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als seine
Computer-Galaxie zu erforschen. Doch mit 32768 Planeten ist diese riesig!
Ohne fremde Hilfe sehen seine Chancen, die Klone zu finden und somit
zu überleben, sehr schlecht aus. Glücklicherweise sind viele
Planeten bewohnt, so dass man vielen fremden, seltsamen, aber auch hilfreichen
Lebensformen wie zum Beispiel den Ondoyantes (Traumwesen) begegnen kann.
Um zu einem Planeten zu gelangen, wählt man auf der Galaxiekarte
zunächst die passenden Koordinaten aus und fliegt diesen mit einem
Hypersprung an. Das Spiel fängt aber immer bei einem Planeten an,
auf dem man die Koordinaten für seinen ersten Flug bekommt. Sobald
ein Planet erscheint, kann man auf ihm landen (Oder ihn auch zerstören!
;-) ). Der Spieler steuert dabei die organische Flugdrone "Oorxx"
über der Planetenoberfläche, die in dreidimensionaler Vektor-
bzw. Fraktalgrafik in Form eines Canyons dargestellt wird. Irgendwann
trifft man dort auf eine fremde Lebensform (Oder aber auch nicht. ^^
Beim Startplaneten ist aber immer eine vorhanden.). Und damit kommen
wir zum spannendsten und wesentlichsten Aspekt des Spieles, dem Kommunikationscomputer
"Upcom", mit dem man mit der fremden Lebensform reden kann.
Dabei greift man auf satte 120 verschiedene Icons zurück, mit denen
man etwas seltsam klingende Dialoge führt. Hierzu ein Beispiel:
Frage der Lebensform: "Ich Nr. 5. Wer sein du?" Mögliche
Antwort: "Ich Blood. Ich nett. Du mir sagen wo Klone?". Unzählige
solche Gespräche muss man bestreiten, um an die Koordinaten der
Planeten mit den Klonen, diverse Codes und ähnliches zu gelangen.
Nicht alle Spezies verstehen dabei alle Icons (Wörter), wodurch
das Spiel viel an Komplexität und Realismus gewinnt. Manchmal bekommt
man auch Aufträge erteilt. So müssen bestimmte Planeten in
die Luft gejagt oder die Gesprächspartner durch die Galaxie befördert
werden. In letzterem Fall muss man die Lebensformen auf die "Arche"
beamen, wobei nur Platz für eine einzige vorhanden ist. Sie werden
dann im "Fridgitorium" in Tiefschlaf versetzt. Die in Frage
kommenden Lebewesen müssen dafür jedoch ihre Zustimmung erteilen,
da das System psychische Energie verwendet, die aus dem Willen der Lebewesen
generiert wird. Das Fridgitorium besitzt noch eine Desintegrations-Einäscherungs-Anlage,
die aus dem desintegrierten (getöteten) Wesen die Lebensenergie
wiedergewinnt. Mit dieser Anlage sollen primär die fünf Klone
beseitigt werden, die Blood durch den Prozess jeweils einen Teil seiner
Lebensenergie zurückgeben. Alle anderen Lebewesen vertragen sich
leider nicht mit seinem Organismus.
Hat man alle fünf Klone gefunden und ihre Lebensenergie assimiliert,
muss nur noch eine letzte Aufgabe erfüllt werden. Diese wird hier
aber nicht verraten. ^^
Fazit: "Captain Blood" ist sehr stimmungsvoll und weist eine
für die damalige Zeit unglaublich hohe Komplexität auf. Auf
meinem Commodore 64 habe ich wirklich Wochen vor dem Spiel verbracht
und es gefällt mir nach wie vor, ohne mich zu langweilen. Allein
die Interaktion mit den Spezies, ihre Eigenarten und auch die Kommunikationsschwierigkeiten,
wenn die "Deppen" (^^) nur die Hälfte der Icons verstanden
haben, reizen mich immer wieder aufs Neue. Man sollte dabei aber auch
den Zeitdruck, den man im Nacken hat, nicht vergessen - eine Partie
dauert maximal 45 Stunden. Aber bitte nicht alles auf einmal essen,
sonst reicht es nicht für später. ^^ Deswegen starte ich das
Spiel öfters von vorne, einfach um mich nur mit den Wesen zu unterhalten.
"Captain Blood" ist wahrlich verrückt, kreativ und fesselnd,
was heutzutage oft Mangelware ist. Die Grafik ist für C-64-Verhältnisse
super und auch die musikalische Untermalung kann begeistern, auch wenn
sie nur im Titelbild vorkommt. Dieses Spiel ist ein echter Geheimtipp
für all jene, die sich gerne lange und intensiv mit Spielen auseinandersetzen.
Meine persönliche Wertung lautet deshalb: zehn von zehn Punkten,
auch wenn der eine oder andere "Captain Blood" ganz sicher
als monoton und langweilig empfinden wird.
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