Captain Blood
Simulation

Acid Andy
Juli 10
 

Ein Programmierer mit dem Namen Bob Morlock und dem Pseudonym "Blood" ist auf der Suche nach dem ultimativen Spiel. Deshalb programmiert er sich eines Tages in seinen Computer hinein. Dieser entpuppt sich als ein riesiges Universum, das er mit dem biologischen Raumschiff "Arche" bereisen kann. Star Trek Voyager Spezies 8472 lässt Grüßen. ;)

Doch wie das Leben so spielt, hat sich Blood dabei unabsichtlich in 30 Klone aufgespalten. Zu Beginn des Spieles muss er nur noch fünf finden und deren Lebensenergie assimilieren, denn durch die Aufspaltung stirbt sein Körper bzw. das Raumschiff, dessen Teil er zu sein scheint, was sich in seiner immer mehr zitternden Hand widerspiegelt. Dazu hat er aber wenig Zeit. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als seine Computer-Galaxie zu erforschen. Doch mit 32768 Planeten ist diese riesig! Ohne fremde Hilfe sehen seine Chancen, die Klone zu finden und somit zu überleben, sehr schlecht aus. Glücklicherweise sind viele Planeten bewohnt, so dass man vielen fremden, seltsamen, aber auch hilfreichen Lebensformen wie zum Beispiel den Ondoyantes (Traumwesen) begegnen kann.

Um zu einem Planeten zu gelangen, wählt man auf der Galaxiekarte zunächst die passenden Koordinaten aus und fliegt diesen mit einem Hypersprung an. Das Spiel fängt aber immer bei einem Planeten an, auf dem man die Koordinaten für seinen ersten Flug bekommt. Sobald ein Planet erscheint, kann man auf ihm landen (Oder ihn auch zerstören! ;-) ). Der Spieler steuert dabei die organische Flugdrone "Oorxx" über der Planetenoberfläche, die in dreidimensionaler Vektor- bzw. Fraktalgrafik in Form eines Canyons dargestellt wird. Irgendwann trifft man dort auf eine fremde Lebensform (Oder aber auch nicht. ^^ Beim Startplaneten ist aber immer eine vorhanden.). Und damit kommen wir zum spannendsten und wesentlichsten Aspekt des Spieles, dem Kommunikationscomputer "Upcom", mit dem man mit der fremden Lebensform reden kann. Dabei greift man auf satte 120 verschiedene Icons zurück, mit denen man etwas seltsam klingende Dialoge führt. Hierzu ein Beispiel: Frage der Lebensform: "Ich Nr. 5. Wer sein du?" Mögliche Antwort: "Ich Blood. Ich nett. Du mir sagen wo Klone?". Unzählige solche Gespräche muss man bestreiten, um an die Koordinaten der Planeten mit den Klonen, diverse Codes und ähnliches zu gelangen. Nicht alle Spezies verstehen dabei alle Icons (Wörter), wodurch das Spiel viel an Komplexität und Realismus gewinnt. Manchmal bekommt man auch Aufträge erteilt. So müssen bestimmte Planeten in die Luft gejagt oder die Gesprächspartner durch die Galaxie befördert werden. In letzterem Fall muss man die Lebensformen auf die "Arche" beamen, wobei nur Platz für eine einzige vorhanden ist. Sie werden dann im "Fridgitorium" in Tiefschlaf versetzt. Die in Frage kommenden Lebewesen müssen dafür jedoch ihre Zustimmung erteilen, da das System psychische Energie verwendet, die aus dem Willen der Lebewesen generiert wird. Das Fridgitorium besitzt noch eine Desintegrations-Einäscherungs-Anlage, die aus dem desintegrierten (getöteten) Wesen die Lebensenergie wiedergewinnt. Mit dieser Anlage sollen primär die fünf Klone beseitigt werden, die Blood durch den Prozess jeweils einen Teil seiner Lebensenergie zurückgeben. Alle anderen Lebewesen vertragen sich leider nicht mit seinem Organismus.

Hat man alle fünf Klone gefunden und ihre Lebensenergie assimiliert, muss nur noch eine letzte Aufgabe erfüllt werden. Diese wird hier aber nicht verraten. ^^

Fazit: "Captain Blood" ist sehr stimmungsvoll und weist eine für die damalige Zeit unglaublich hohe Komplexität auf. Auf meinem Commodore 64 habe ich wirklich Wochen vor dem Spiel verbracht und es gefällt mir nach wie vor, ohne mich zu langweilen. Allein die Interaktion mit den Spezies, ihre Eigenarten und auch die Kommunikationsschwierigkeiten, wenn die "Deppen" (^^) nur die Hälfte der Icons verstanden haben, reizen mich immer wieder aufs Neue. Man sollte dabei aber auch den Zeitdruck, den man im Nacken hat, nicht vergessen - eine Partie dauert maximal 45 Stunden. Aber bitte nicht alles auf einmal essen, sonst reicht es nicht für später. ^^ Deswegen starte ich das Spiel öfters von vorne, einfach um mich nur mit den Wesen zu unterhalten. "Captain Blood" ist wahrlich verrückt, kreativ und fesselnd, was heutzutage oft Mangelware ist. Die Grafik ist für C-64-Verhältnisse super und auch die musikalische Untermalung kann begeistern, auch wenn sie nur im Titelbild vorkommt. Dieses Spiel ist ein echter Geheimtipp für all jene, die sich gerne lange und intensiv mit Spielen auseinandersetzen. Meine persönliche Wertung lautet deshalb: zehn von zehn Punkten, auch wenn der eine oder andere "Captain Blood" ganz sicher als monoton und langweilig empfinden wird.