Daisenpuu
Shoot´em up

Minrod
Juli 10
 


In den 80´er sowie frühen 90´er Jahren sprießten militärische Arcade-Shooter regelrecht wie Pilze aus dem Boden. Allem Anschein nach wollte sich kein renommierter Hersteller von Videospielen das lukrative Geschäft mit der damals stark gefragten Weltkrieg-Thematik durch die Lappen gehen lassen. Die Flut an beinahe gleichen Vertikal-Shootern, bei denen man entweder mit einem flinken Jäger oder einem Helikopter riesige feindliche Militärfuhrparks vernichtet, ist deshalb gewaltig. Nur wenige dieser Spiele heben sich etwas von der Masse ab. Eines davon heißt "Daisenpuu" und wurde von Toaplan entwickelt, dem Hersteller, der sich bereits im Vorfeld mit "Tiger Heli", "Flying Shark" sowie "Kyuukyoku Tiger" einen guten Namen machte. Obwohl das Spiel nie einen simultanen 2-Player-Modus hatte, wurde es für den westlichen Markt mit "Twin Hawk" betitelt. Diesen Namen hört man in Verbindung mit diesem Spiel jedoch selten, denn die japanische PC-Engine-Konvertierung ist die bekannteste. Und sie steht auch im Mittelpunkt meines Reviews, da ich das Original niemals gespielt habe.

Die Handlung des Spieles setzt nach einem alternativen Zweiten Weltkrieg an und handelt von einem Putschversuch in einem neu gegründeten europäischen Staat. Als Pilot und treuer Gefolgsmann der Regierung bricht man deshalb in einem wendigen Flieger sofort zum Gegenschlag auf. Das übliche Szenario lässt einen über vom Krieg gekennzeichnete Gebiete fliegen, die nur so von diversen feindlichen Boden- und Seestreitkräften wimmeln. Fliegende Einheiten spielen hier keine Rolle, da man bei "Daisenpuu" wirklich nur gegen Bodenziele kämpft! Dies ist eine der Besonderheiten des Spieles, die mögliche Kollisionen bereits im Vorfeld ausschließt. Man muss sich also nur auf das feindliche Gegenfeuer konzentrieren, das jedoch nicht zu knapp ausfällt. Glücklicherweise darf man selbst ebenfalls auf ein wahres Feuerinferno zurückgreifen, das sich in einer unterstützenden Flieger-Schwadron und somit der zweiten Eigenart des Spieles äußert. Durch das Abrufen der stark beschränkten Hilfe übernimmt man automatisch das Kommando über sechs weitere Flugzeuge, die einen solange begleiten, bis sie abgeschossen werden oder aufgrund eines Befehls einen Kamikaze-Angriff starten. Das Steuern dieser Flugzeuge erweist sich als recht trickreich, da sie nur ganz träge dem Manöver unseres Fliegers folgen. Gekonnt eingesetzt, verursachen sie zumindest unter den Standardgegnern massiv Schaden. Bei den aus allen Rohren wild um sich feuernden Bossen sind sie dagegen weniger brauchbar, da sie einfach zu schnell das Zeitliche segnen. Der Einsatz eines sofortigen Kamikaze-Kommandos durch das zweimalige Drücken des vorgesehenen Buttons, das sich in einer vernichtenden Explosion entlädt, ist bei den schweren Brocken weitaus sinnvoller. Um dem Feind noch zusätzlich das Leben schwerer zu machen, sollte man genretypisch möglichst viele Power up-Symbole aufsammeln, die die eigene Feuerkraft erheblich verstärken. Nur treffen sollte man sich nicht lassen, da man ansonsten mit der Standardbewaffnung zurück zum letzten Checkpoint versetzt wird.

Der Schwierigkeitsgrad fällt recht ausgewogen aus, lässt sich bei Bedarf jedoch noch senken oder erhöhen. Im einfachen Modus ist das Spiel aber schon viel zu leicht und deshalb zu monoton. Zumal es aus einem einzigen langen Spielabschnitt besteht, der das Spiel relativ kurz erscheinen lässt. Bewältigt man seine Aufgabe erfolgreich, wird man jedes Mal an den Anfang des Spieles befördert, um es in einer schwierigeren Variante erneut in Angriff zu nehmen. Egal auf welchem Schwierigkeitsgrad, spätestens ab dem dritten Loop wird das zu einseitig gestrickte Spiel langweilig. Mit den farbenfrohen und größtenteils schönen Grafiken, der netten musikalischen Untermalung sowie einer sauberen Programmierung hätte es sicherlich besser sein können. Aber gut, es hält sich an die Spielhallen-Vorlage und lässt sich ohne Zweifel als eine gelungene Konvertierung dieser bezeichnen.

Fazit: "Daisenpuu" ist, wenn auch zu kurz und etwas zu einseitig, recht gut und für wenig Geld mit Sicherheit eine lohnende Anschaffung, zumal es gerade mit seiner Kamikaze-Schwadron-Option recht interessant ist. Getestet habe ich dabei nur die HuCard-Variante, die laut allgemeiner Übereinstimmung der verschlimmbesserten CD-Ausgabe mit dem Namenszusatz "Custom" deutlich vorzuziehen ist.