Dick Tracy
Action

Riemann80
Juni 11
 

Meine Erfahrungen mit "Dick Tracy" beschränken sich auf das Gucken von zwei bzw. drei Episoden einer alten, auf Comics basierenden Zeichentrickserie sowie einen Teil der 1990´er Verfilmung. Zu letzterer erschienen zeitgleich mehrere Videospiele auf diversen Systemen, von denen einige wegen ihrer schlechten Qualität schon einen semi-legendären Status haben. Ob man um die hier besprochene Umsetzung für den Sega Mega Drive (von der noch eine Konvertierung für das Master System erschien) ebenfalls einen großen Bogen machen sollte, soll dieser Test zeigen.

Die Handlung des Spieles orientiert sich dabei nur lose am Kinofilm. Tracy zieht aus, um, wie auch im Film, den Hauptbösewicht Big Boy zur Strecke zu bringen. Der Weg dorthin führt wenig überraschend über diverse Handlanger und andere prominente Gangster, deren Festnahme Tracy Stück für Stück der Konfrontation mit Big Boy und dem Aufdecken und Vereiteln eines Komplotts näher bringen.

Anders als andere Versoftungen involviert die Mega Drive-Umsetzung jedoch keine Form von Detektivarbeit. Vielmehr ist "Dick Tracy" ein reinrassiges Action-Spiel. Im Wesentlichen ist Tracy zu Fuß unterwegs und muss innerhalb eines Zeitlimits das Ende des Levels erreichen. Wie es sich für ein Action-Spiel gehört, werfen sich ihm dabei zahlreiche Gegner in den Weg. Um sie abzuwehren oder vielmehr niederzumähen, ist Tracy mit einer Pistole und einem Maschinengewehr mit jeweils unendlicher Munition ausgestattet. Die Pistole dient dabei zur Erledigung der Gegner im Vordergrund, wo sich auch Tracy stets aufhält, während man mit dem Maschinengewehr die zweite Ebene im Hintergrund bearbeiten muss, in der sich ebenfalls Gangster tummeln. Während der Ablauf im Vordergrund eher an ein Plattformspiel erinnert, mutet der Einsatz des Maschinengewehrs wie ein Fadenkreuz-Shooter an. Eine wirklich sehr interessante Kombination, die nicht alltäglich ist. Die einzelnen Level sind im Normalfall in drei Teile aufgeteilt, wobei der dritte Teil den Bosskampf beinhaltet, während der zweite zwecks Abwechslung andere Spielmodi bietet. So gehen zum Beispiel Tracy mal die Kugeln aus, so dass er sich nur auf seine Fäuste verlassen muss, oder es steht eine rasante Autoverfolgungsjagd an, bei der man allerdings auch fleißig auf alles schießt, was sich bewegt. Zwischen den Levels versucht sich der Herr im gelben Trenchcoat noch in einer Bonusrunde am Schießstand, in der man zusätzliche Continues gewinnen kann.

Grafisch gibt das Programm einiges her. Soweit ich es beurteilen kann, wurde der optische Stil der Comicvorlage gut eingefangen, sowohl bei den Zwischenbildern als auch im Spiel. Die Animationen und Zeichnungen sind für ein Mega Drive-Spiel von 1990 ebenfalls sehenswert. Als nettes Detail fällt noch auf, dass man mit dem MG doch einiges in der Umgebung zerstören kann. (Ich will den Bürgermeistern dabei nicht die Aufwand/Nutzen-Relation von Tracys Arbeitsweise verkaufen müssen.)

Die einzelnen Musikstücke im Spiel passen gut zum Geschehen und sind nett anzuhören, auch wenn sie nicht bahnbrechend sind und es vor allem ein paar mehr hätten sein dürfen. Die Soundeffekte machen dafür Spaß, Schüsse und MG-Salven werden gemessen an der Hardware akustisch ordentlich untermalt.

Die Steuerung funktioniert präzise, was auch bitter nötig ist, denn der Schwierigkeitsgrad ist wirklich gesalzen. Selbst auf "Einfach" braucht es einiges an Übung und vor allem Reflexen, um gut voran zu kommen. Der stete Wechsel zwischen Pistole und MG muss auf jeden Fall in Fleisch und Blut übergehen. Die Gegner kommen in Scharen und haben schon früh im Spiel zusätzliche Manöver wie Ducken oder Wegrollen drauf, so dass auch das Timing eine wichtige Rolle spielt. Obendrein ist das Zeitlimit mehr als knapp bemessen, in höheren Level darf man quasi gar nicht mehr stehenbleiben.

Auch wenn es sich bislang noch nicht danach angehört hat, muss ich gestehen, dass mir die gradlinige Action von "Dick Tracy" doch viel Spaß gemacht hat. Nach einiger Eingewöhnungszeit für die Steuerung habe ich es immer wieder gerne angeschmissen. Und wenn man einen Level beherrscht, macht es einfach Spaß, die Gegner hordenweise in die Knie zu zwingen, auch wenn es etwas eigentümlich ist, dass Tracy als Polizist genug Leute niederschießt, um ein ganzes Stadtviertel zu entvölkern. Allerdings muss ich noch einen nicht unwesentlichen Kritikpunkt aufführen, und zwar die Langzeitmotivation. Trotz angesprochener Variationen wiederholt sich doch einiges auf dem Weg zu Big Boy, was dann auch den Antrieb, sich durch die knochenharten höheren Level zu beißen durchaus etwas untergräbt.

Fazit: "Dick Tracy" ist sicherlich kein Überspiel geworden, kann aber trotz seiner Schwächen als ein solider Action-Titel betrachtet werden, der auch Stil und Atmosphäre seiner Vorlage ausreichend wiedergibt. Und beides kann man bis heute leider nicht zwingend von Lizenzspielen, besonders von Filmumsetzungen, erwarten. Freunde von Action-Spielen können deshalb auch heute noch durchaus einen Blick riskieren.