Meine Erfahrungen mit "Dick Tracy" beschränken sich auf
das Gucken von zwei bzw. drei Episoden einer alten, auf Comics basierenden
Zeichentrickserie sowie einen Teil der 1990´er Verfilmung. Zu letzterer
erschienen zeitgleich mehrere Videospiele auf diversen Systemen, von denen
einige wegen ihrer schlechten Qualität schon einen semi-legendären
Status haben. Ob man um die hier besprochene Umsetzung für den Sega
Mega Drive (von der noch eine Konvertierung für das Master System
erschien) ebenfalls einen großen Bogen machen sollte, soll dieser
Test zeigen.
Die Handlung des Spieles orientiert sich dabei nur lose am Kinofilm.
Tracy zieht aus, um, wie auch im Film, den Hauptbösewicht Big Boy
zur Strecke zu bringen. Der Weg dorthin führt wenig überraschend
über diverse Handlanger und andere prominente Gangster, deren Festnahme
Tracy Stück für Stück der Konfrontation mit Big Boy und
dem Aufdecken und Vereiteln eines Komplotts näher bringen.
Anders als andere Versoftungen involviert die Mega Drive-Umsetzung
jedoch keine Form von Detektivarbeit. Vielmehr ist "Dick Tracy"
ein reinrassiges Action-Spiel. Im Wesentlichen ist Tracy zu Fuß
unterwegs und muss innerhalb eines Zeitlimits das Ende des Levels erreichen.
Wie es sich für ein Action-Spiel gehört, werfen sich ihm dabei
zahlreiche Gegner in den Weg. Um sie abzuwehren oder vielmehr niederzumähen,
ist Tracy mit einer Pistole und einem Maschinengewehr mit jeweils unendlicher
Munition ausgestattet. Die Pistole dient dabei zur Erledigung der Gegner
im Vordergrund, wo sich auch Tracy stets aufhält, während
man mit dem Maschinengewehr die zweite Ebene im Hintergrund bearbeiten
muss, in der sich ebenfalls Gangster tummeln. Während der Ablauf
im Vordergrund eher an ein Plattformspiel erinnert, mutet der Einsatz
des Maschinengewehrs wie ein Fadenkreuz-Shooter an. Eine wirklich sehr
interessante Kombination, die nicht alltäglich ist. Die einzelnen
Level sind im Normalfall in drei Teile aufgeteilt, wobei der dritte
Teil den Bosskampf beinhaltet, während der zweite zwecks Abwechslung
andere Spielmodi bietet. So gehen zum Beispiel Tracy mal die Kugeln
aus, so dass er sich nur auf seine Fäuste verlassen muss, oder
es steht eine rasante Autoverfolgungsjagd an, bei der man allerdings
auch fleißig auf alles schießt, was sich bewegt. Zwischen
den Levels versucht sich der Herr im gelben Trenchcoat noch in einer
Bonusrunde am Schießstand, in der man zusätzliche Continues
gewinnen kann.
Grafisch gibt das Programm einiges her. Soweit ich es beurteilen kann,
wurde der optische Stil der Comicvorlage gut eingefangen, sowohl bei
den Zwischenbildern als auch im Spiel. Die Animationen und Zeichnungen
sind für ein Mega Drive-Spiel von 1990 ebenfalls sehenswert. Als
nettes Detail fällt noch auf, dass man mit dem MG doch einiges
in der Umgebung zerstören kann. (Ich will den Bürgermeistern
dabei nicht die Aufwand/Nutzen-Relation von Tracys Arbeitsweise verkaufen
müssen.)
Die einzelnen Musikstücke im Spiel passen gut zum Geschehen und
sind nett anzuhören, auch wenn sie nicht bahnbrechend sind und
es vor allem ein paar mehr hätten sein dürfen. Die Soundeffekte
machen dafür Spaß, Schüsse und MG-Salven werden gemessen
an der Hardware akustisch ordentlich untermalt.
Die Steuerung funktioniert präzise, was auch bitter nötig
ist, denn der Schwierigkeitsgrad ist wirklich gesalzen. Selbst auf "Einfach"
braucht es einiges an Übung und vor allem Reflexen, um gut voran
zu kommen. Der stete Wechsel zwischen Pistole und MG muss auf jeden
Fall in Fleisch und Blut übergehen. Die Gegner kommen in Scharen
und haben schon früh im Spiel zusätzliche Manöver wie
Ducken oder Wegrollen drauf, so dass auch das Timing eine wichtige Rolle
spielt. Obendrein ist das Zeitlimit mehr als knapp bemessen, in höheren
Level darf man quasi gar nicht mehr stehenbleiben.
Auch wenn es sich bislang noch nicht danach angehört hat, muss
ich gestehen, dass mir die gradlinige Action von "Dick Tracy"
doch viel Spaß gemacht hat. Nach einiger Eingewöhnungszeit
für die Steuerung habe ich es immer wieder gerne angeschmissen.
Und wenn man einen Level beherrscht, macht es einfach Spaß, die
Gegner hordenweise in die Knie zu zwingen, auch wenn es etwas eigentümlich
ist, dass Tracy als Polizist genug Leute niederschießt, um ein
ganzes Stadtviertel zu entvölkern. Allerdings muss ich noch einen
nicht unwesentlichen Kritikpunkt aufführen, und zwar die Langzeitmotivation.
Trotz angesprochener Variationen wiederholt sich doch einiges auf dem
Weg zu Big Boy, was dann auch den Antrieb, sich durch die knochenharten
höheren Level zu beißen durchaus etwas untergräbt.
Fazit: "Dick Tracy" ist sicherlich kein Überspiel geworden,
kann aber trotz seiner Schwächen als ein solider Action-Titel betrachtet
werden, der auch Stil und Atmosphäre seiner Vorlage ausreichend
wiedergibt. Und beides kann man bis heute leider nicht zwingend von
Lizenzspielen, besonders von Filmumsetzungen, erwarten. Freunde von
Action-Spielen können deshalb auch heute noch durchaus einen Blick
riskieren.
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