Electroplankton
Musikspiel


Motherfreak
September 10

 


Diesmal möchte ich mich mit dem Titel Electroplankton befassen, den Nintendo unter ihrem exklusiven Label "Touch! Generations" herausgebracht hat. Aufgrund dessen, dass das simple Spielprinzip auch ohne zuerst eine ellenlange Anleitung lesen zu müssen sofort für jedermann zugänglich ist, avancierte Electroplankton direkt nach dem Japan-Release im Jahre 2005 zu einem der größten Importschlager auf dem Software-Sektor. Erst durch die ca. ein Jahr später folgende Lokalisierung in den Vereinigten Staaten und in Europa änderte sich dieser Zustand. Das ungewöhnliche Musikspiel wurde von Toshio Iwai entwickelt, welcher zuvor unter anderem die nur in Japan erschienenen Spiele Otocky für den Famicom und Sound Fantasy für den Super Famicom entwickelt hatte. In Japan wurde Electroplankton zudem noch mit blauen Kopfhörern ausgeliefert.

Bei diesem ungewöhnlichen Musikspiel, das neben dem Touchpen auch noch das Mikrophon unterstützt, muss weder ein bestimmtes Spielziel erreicht noch der Rhythmus irgendwelcher vorgegebenen Lieder eingehalten werden. Der Spieler erzeugt hier seine Melodien selbst. Im Menü stehen dafür zwei Spielmodi zur Auswahl: Performance und Audience. Während man sich bei dem aus zehn Spielvarianten bestehenden Performance-Modus kreativ betätigen darf, hört man im Audience-Modus einer automatisch ablaufenden Plankton-Reihenfolge zu, bei der jedoch ebenfalls mit dem Touchpen oder dem Mikrophon nach Lust und Laune eingegriffen werden kann. Leider lassen sich die Melodien nicht speichern, obwohl im Entwicklungsprozess diese Möglichkeit eingeplant war. Nintendo befürchtete, dass Electroplankton dadurch zu einem Tool verkommen würde. Zudem wären auch die Speicher- und Ladezeiten viel zu lang gewesen und man hätte auch genügend Speicherkapazität zur Verfügung stellen müssen. Aus diesen Gründen entschied man sich letztendlich gegen eine Speicherfunktion. Der obere Screen des Nintendo DS wird nicht wirklich benutzt, er zeigt lediglich einen vergrößerten Ausschnitt des unteren Touchscreens. Nachfolgend möchte ich noch die zehn Spielvarianten, welche durch die verschiedenartigen Planktons definiert werden und das eigentliche Spiel bilden, etwas näher erläutern.

Spielvariante 1 - Tracy/Trapy
Sechs Tracy-Planktons in verschiedenen Farben stehen dem Spieler zur Auswahl. Mit dem Touchpen werden die Pfade, denen sie folgen sollen, gezeichnet. Je nachdem wie schnell und in welcher Form man die Linie zeichnet oder welche Planktonfarbe man wählt, kommt eine andere Melodie zustande. Mit den Schultertasten wird außerdem die Geschwindigkeit, in der sich die Planktons bewegen, geändert, während mit Select deren Pfade und Bewegungen gestoppt werden.

Spielvariante 2 - Hanenbow
Hanenbow schießt aus einem Blatt, welches sich zum Teil im Wasser befindet. Der Winkel des Blattes kann dabei mit dem Touchpen geändert werden. Auf der anderen Seite befinden sich weitere Blätter an einer Art Stamm, welche sich ebenfalls im Winkel verändern lassen. Trifft ein Plankton auf eines der anderen Blätter, erzeugt dieses einen Ton und ändert seine Farbe. Dies hat nicht nur einen visuellen Effekt zur Folge, denn auch die Tiefe des Tons ändert sich. Werden alle Blätter dunkelrot gefärbt, erscheint eine Blüte. Mit A können die Winkelgrade der einzelnen Blätter angezeigt werden, mit Select wird zwischen vier Anordnungsvarianten der Blätter gewechselt. Mit dem Steuerkreuz wird die Häufigkeit und der Zeitpunkt des Sprungs eines Hanenbows bestimmt.

Spielvariante 3 - Luminaria
Es gibt insgesamt vier Luminaria-Planktons, die jeweils ein anderes Musikinstrument darstellen und sich unterschiedlich schnell bewegen. Sie bewegen sich nur auf festgelegten Pfaden, welche durch Pfeile vorgegeben sind. Die Pfeile können jedoch geändert oder sogar dauerhaft zum Drehen gebracht werden. Mit den Richtungstasten kann man auch wellenähnliche Funktionen auslösen, so dass alle Pfeile gleichzeitig in eine bestimmte Position gebracht werden können. Lediglich die sich dauerhaft drehenden Pfeile müssen nochmals angetippt werden, damit sie mit dem Drehen aufhören. Mit der Select-Taste werden alle vier Luminaria-Planktons gestoppt und die Pfeile werden in ihren Ursprungszustand zurückversetzt.

Spielvariante 4 - Sun-Animalcule
Diese Planktons sind kleine und kurzlebige Zellen, welche mit Hilfe des Touchpens platziert werden und während ihrer Wachstumsphase Töne von sich geben. Je größer die Zelle, desto lauter die Töne, welche zusätzlich noch vom Standort der Planktons abhängig sind. Die Wachstumsphase entspricht einem Zeitzyklus von einem Tag, der in fünf Phasen unterteilt insgesamt fünf Minuten andauert. Der Zeitzyklus kann jedoch durch das Steuerkreuz beeinflusst werden. In den beiden Nachtphasen erscheinen Halbmond-Formen, die andere Arten von Tönen von sich geben als die Sonnen-Formen. Berührt man eine Zelle zum zweiten Mal, verschwindet diese. Mit Select werden dagegen alle Zellen auf einmal gelöscht.

Spielvariante 5 - Rec-Rec
Mit den Rec-Rec-Planktons kann man verschiedene vier Sekunden andauernde Geräusche aus seiner Umwelt mit Hilfe des Mikrophons aufnehmen und verzerren. Die Planktons bewegen sich vom rechten zum linken Bildschirmrand und wiederholen diese Bewegung permanent. Im Hintergrund läuft eine bestimmte Musik, die mit dem Steuerkreuz, nach oben und unten, verändert werden kann. Mit den beiden anderen Richtungen des Steuerkreuzes, links und rechts, lässt sich die Geschwindigkeit des Aufgenommenen beeinflussen. Die Aufnahme kann gestartet werden, indem man einen der vier Rec-Rec-Planktons berührt und wartet, bis dieser wieder am anderen Bildschirmrand erscheint. Nach einem weiteren Durchlauf wird dann die Aufnahme durch ihn wiedergegeben. So können nach und nach vier verschiedene Aufnahmen gleichzeitig wiedergegeben werden. Durch das erneute Berühren eines Rec-Rec wird eine neue Aufnahme gestartet. Mit Select werden alle getätigten Aufnahmen der Rec-Rec-Planktons gelöscht.

Spielvariante 6 - Nanocarp
Die Nanocarps lassen der Kreativität richtig viel Spielraum, denn sie reagieren auf unterschiedliche Aktionen wie zum Beispiel Klatschen oder Pfeifen und nehmen dementsprechend bestimmte Formationen ein. Ansonsten kann man sie nicht steuern, sie schwimmen einfach selbständig herum. Ähnlich wie bei der Spielvariante Luminaria kann man auch hier mit dem Steuerkreuz Wellen auslösen. Bei Berührung mit einer Welle geben die Tierchen dann Töne von sich. Durch die Berührung des Touchscreens wird eine schwächere und kreisrunde Welle ausgelöst.

Spielvariante 7 - Lumiloop
Die fünf Lumiloop-Planktons werden mit dem Touchpen gedreht. Dabei geben sie bis zu drei Töne von sich, je nachdem wie lange man sie antreibt. Jedes Lumiloop gibt dabei andere Töne von sich. Aber auch die Drehrichtung hat Einfluss auf die Art der Töne. Mit Select werden die fünf Lumiloops durch fünf andere ausgetauscht, die wiederum andere Töne von sich geben.

Spielvariante 8 - Marine-Snow
Gleich 35 Planktons gleichzeitig tummeln sich auf dem Bildschirm. Berührt man eines, gibt es einen Ton von sich. Berührt man kurz darauf ein zweites, gibt letzteres ebenfalls einen Ton von sich und die beiden wechseln den Platz. Ist man schnell genug, kann man die Planktons durcheinanderbringen und sogar mehreren auf einmal Töne entlocken. Mit Select werden die Marine-Snow-Planktons ausgetauscht und andere Formationen mit anderen Tönen erscheinen.

Spielvariante 9 - Beatnes
Diese Spielvariante ist mein persönlicher Favorit. Hierbei findet man fünf Planktons auf dem Spielfeld vor, während im Hintergrund eine Melodie aus einem NES-Klassiker läuft. Berührt man eines der vielen Körperteile von einem der Planktons, ertönen Soundeffekte aus jenem bekannten Klassiker. Wählt man eine bestimmte Reihenfolge vieler Körperteile, wird die Melodie eine Weile gespeichert und fünfmal wiederholt. Mit dem Steuerkreuz kann zudem die Geschwindigkeit der Melodie geändert werden, allerdings wird die Zeitspanne, in der die Musik gespeichert wird, verkürzt. Mit Select werden die Beatnes-Planktons ausgetauscht und die Hintergrundmelodie durch eine aus einem anderen NES-Spiel ersetzt.

Spielvariante 10 - Volvoice
Berührt man den Körper von Volvoice, beginnt eine Aufnahme, die durch nochmaliges Berühren oder Warten beendet werden kann. Anschließend spielt Volvoice diese Aufnahme ab, wobei man diese mit einer der angezeigten kleinen Figuren recht unterschiedlich verzerren kann. Mit Berühren des Kreises am Schwanzende des Planktons wird die Aufnahme gelöscht, aber man kann auch die Figur erneut berühren und die vorherige Aufnahme überschreiben lassen.

Die Grafik von Electroplankton ist respektabel, auch wenn sie keinen vom Hocker reißen wird. Dennoch sind die kleinen Tierchen oder die kleinen Details wie etwa die Luftblasen mit viel Liebe gestaltet worden. Positiv ist, dass beim Spielen niemals Slowdowns vorkommen, die den Verlauf des Spieles ansonsten sehr stören würden. Abgesehen von den erzeugten Melodien der Planktons gibt es hier keinen anderen Soundtrack. Die Plankton-Melodien können sich aber, wenn man sich geschickt anstellt, sehr schön anhören und auch Spieler ohne gutes Rhythmusgefühl müssen Nichts befürchten, denn die generierten Melodien sind niemals aufdringlich. Eine Handlung existiert in diesem Spiel nicht, wozu auch? Für ein Spiel aus diesem Genre wäre das sogar eher ungewöhnlich.

Fazit: Electroplankton ist recht exzentrisch und wird nicht jedem gefallen, aber Gelegenheitsspieler und jene Menschen mit Willen zur Kreativität können damit glücklich werden. Zum Entspannen reicht es allemal. Leider wird das Spiel dem Vollpreis von ca. 40€ nicht gerecht, wenn man es irgendwo günstig erwischt, sollte man allerdings ruhig zugreifen. Ich selbst hatte viel Freude daran, es immer wieder herauszukramen und für ein paar Minuten zu spielen. Daher sind sieben von zehn Punkten in Ordnung.