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Diesmal möchte ich mich mit dem Titel Electroplankton befassen,
den Nintendo unter ihrem exklusiven Label "Touch! Generations"
herausgebracht hat. Aufgrund dessen, dass das simple Spielprinzip auch
ohne zuerst eine ellenlange Anleitung lesen zu müssen sofort für
jedermann zugänglich ist, avancierte Electroplankton direkt nach
dem Japan-Release im Jahre 2005 zu einem der größten Importschlager
auf dem Software-Sektor. Erst durch die ca. ein Jahr später folgende
Lokalisierung in den Vereinigten Staaten und in Europa änderte
sich dieser Zustand. Das ungewöhnliche Musikspiel wurde von Toshio
Iwai entwickelt, welcher zuvor unter anderem die nur in Japan erschienenen
Spiele Otocky für den Famicom und Sound Fantasy für den Super
Famicom entwickelt hatte. In Japan wurde Electroplankton zudem noch
mit blauen Kopfhörern ausgeliefert.
Bei diesem ungewöhnlichen Musikspiel, das neben dem Touchpen auch
noch das Mikrophon unterstützt, muss weder ein bestimmtes Spielziel
erreicht noch der Rhythmus irgendwelcher vorgegebenen Lieder eingehalten
werden. Der Spieler erzeugt hier seine Melodien selbst. Im Menü
stehen dafür zwei Spielmodi zur Auswahl: Performance und Audience.
Während man sich bei dem aus zehn Spielvarianten bestehenden Performance-Modus
kreativ betätigen darf, hört man im Audience-Modus einer automatisch
ablaufenden Plankton-Reihenfolge zu, bei der jedoch ebenfalls mit dem
Touchpen oder dem Mikrophon nach Lust und Laune eingegriffen werden
kann. Leider lassen sich die Melodien nicht speichern, obwohl im Entwicklungsprozess
diese Möglichkeit eingeplant war. Nintendo befürchtete, dass
Electroplankton dadurch zu einem Tool verkommen würde. Zudem wären
auch die Speicher- und Ladezeiten viel zu lang gewesen und man hätte
auch genügend Speicherkapazität zur Verfügung stellen
müssen. Aus diesen Gründen entschied man sich letztendlich
gegen eine Speicherfunktion. Der obere Screen des Nintendo DS wird nicht
wirklich benutzt, er zeigt lediglich einen vergrößerten Ausschnitt
des unteren Touchscreens. Nachfolgend möchte ich noch die zehn
Spielvarianten, welche durch die verschiedenartigen Planktons definiert
werden und das eigentliche Spiel bilden, etwas näher erläutern.
Spielvariante 1 - Tracy/Trapy
Sechs Tracy-Planktons in verschiedenen Farben stehen dem Spieler zur
Auswahl. Mit dem Touchpen werden die Pfade, denen sie folgen sollen,
gezeichnet. Je nachdem wie schnell und in welcher Form man die Linie
zeichnet oder welche Planktonfarbe man wählt, kommt eine andere
Melodie zustande. Mit den Schultertasten wird außerdem die Geschwindigkeit,
in der sich die Planktons bewegen, geändert, während mit Select
deren Pfade und Bewegungen gestoppt werden.
Spielvariante 2 - Hanenbow
Hanenbow schießt aus einem Blatt, welches sich zum Teil im Wasser
befindet. Der Winkel des Blattes kann dabei mit dem Touchpen geändert
werden. Auf der anderen Seite befinden sich weitere Blätter an
einer Art Stamm, welche sich ebenfalls im Winkel verändern lassen.
Trifft ein Plankton auf eines der anderen Blätter, erzeugt dieses
einen Ton und ändert seine Farbe. Dies hat nicht nur einen visuellen
Effekt zur Folge, denn auch die Tiefe des Tons ändert sich. Werden
alle Blätter dunkelrot gefärbt, erscheint eine Blüte.
Mit A können die Winkelgrade der einzelnen Blätter angezeigt
werden, mit Select wird zwischen vier Anordnungsvarianten der Blätter
gewechselt. Mit dem Steuerkreuz wird die Häufigkeit und der Zeitpunkt
des Sprungs eines Hanenbows bestimmt.
Spielvariante 3 - Luminaria
Es gibt insgesamt vier Luminaria-Planktons, die jeweils ein anderes
Musikinstrument darstellen und sich unterschiedlich schnell bewegen.
Sie bewegen sich nur auf festgelegten Pfaden, welche durch Pfeile vorgegeben
sind. Die Pfeile können jedoch geändert oder sogar dauerhaft
zum Drehen gebracht werden. Mit den Richtungstasten kann man auch wellenähnliche
Funktionen auslösen, so dass alle Pfeile gleichzeitig in eine bestimmte
Position gebracht werden können. Lediglich die sich dauerhaft drehenden
Pfeile müssen nochmals angetippt werden, damit sie mit dem Drehen
aufhören. Mit der Select-Taste werden alle vier Luminaria-Planktons
gestoppt und die Pfeile werden in ihren Ursprungszustand zurückversetzt.
Spielvariante 4 - Sun-Animalcule
Diese Planktons sind kleine und kurzlebige Zellen, welche mit Hilfe
des Touchpens platziert werden und während ihrer Wachstumsphase
Töne von sich geben. Je größer die Zelle, desto lauter
die Töne, welche zusätzlich noch vom Standort der Planktons
abhängig sind. Die Wachstumsphase entspricht einem Zeitzyklus von
einem Tag, der in fünf Phasen unterteilt insgesamt fünf Minuten
andauert. Der Zeitzyklus kann jedoch durch das Steuerkreuz beeinflusst
werden. In den beiden Nachtphasen erscheinen Halbmond-Formen, die andere
Arten von Tönen von sich geben als die Sonnen-Formen. Berührt
man eine Zelle zum zweiten Mal, verschwindet diese. Mit Select werden
dagegen alle Zellen auf einmal gelöscht.
Spielvariante 5 - Rec-Rec
Mit den Rec-Rec-Planktons kann man verschiedene vier Sekunden andauernde
Geräusche aus seiner Umwelt mit Hilfe des Mikrophons aufnehmen
und verzerren. Die Planktons bewegen sich vom rechten zum linken Bildschirmrand
und wiederholen diese Bewegung permanent. Im Hintergrund läuft
eine bestimmte Musik, die mit dem Steuerkreuz, nach oben und unten,
verändert werden kann. Mit den beiden anderen Richtungen des Steuerkreuzes,
links und rechts, lässt sich die Geschwindigkeit des Aufgenommenen
beeinflussen. Die Aufnahme kann gestartet werden, indem man einen der
vier Rec-Rec-Planktons berührt und wartet, bis dieser wieder am
anderen Bildschirmrand erscheint. Nach einem weiteren Durchlauf wird
dann die Aufnahme durch ihn wiedergegeben. So können nach und nach
vier verschiedene Aufnahmen gleichzeitig wiedergegeben werden. Durch
das erneute Berühren eines Rec-Rec wird eine neue Aufnahme gestartet.
Mit Select werden alle getätigten Aufnahmen der Rec-Rec-Planktons
gelöscht.
Spielvariante 6 - Nanocarp
Die Nanocarps lassen der Kreativität richtig viel Spielraum, denn
sie reagieren auf unterschiedliche Aktionen wie zum Beispiel Klatschen
oder Pfeifen und nehmen dementsprechend bestimmte Formationen ein. Ansonsten
kann man sie nicht steuern, sie schwimmen einfach selbständig herum.
Ähnlich wie bei der Spielvariante Luminaria kann man auch hier
mit dem Steuerkreuz Wellen auslösen. Bei Berührung mit einer
Welle geben die Tierchen dann Töne von sich. Durch die Berührung
des Touchscreens wird eine schwächere und kreisrunde Welle ausgelöst.
Spielvariante 7 - Lumiloop
Die fünf Lumiloop-Planktons werden mit dem Touchpen gedreht. Dabei
geben sie bis zu drei Töne von sich, je nachdem wie lange man sie
antreibt. Jedes Lumiloop gibt dabei andere Töne von sich. Aber
auch die Drehrichtung hat Einfluss auf die Art der Töne. Mit Select
werden die fünf Lumiloops durch fünf andere ausgetauscht,
die wiederum andere Töne von sich geben.
Spielvariante 8 - Marine-Snow
Gleich 35 Planktons gleichzeitig tummeln sich auf dem Bildschirm. Berührt
man eines, gibt es einen Ton von sich. Berührt man kurz darauf
ein zweites, gibt letzteres ebenfalls einen Ton von sich und die beiden
wechseln den Platz. Ist man schnell genug, kann man die Planktons durcheinanderbringen
und sogar mehreren auf einmal Töne entlocken. Mit Select werden
die Marine-Snow-Planktons ausgetauscht und andere Formationen mit anderen
Tönen erscheinen.
Spielvariante 9 - Beatnes
Diese Spielvariante ist mein persönlicher Favorit. Hierbei findet
man fünf Planktons auf dem Spielfeld vor, während im Hintergrund
eine Melodie aus einem NES-Klassiker läuft. Berührt man eines
der vielen Körperteile von einem der Planktons, ertönen Soundeffekte
aus jenem bekannten Klassiker. Wählt man eine bestimmte Reihenfolge
vieler Körperteile, wird die Melodie eine Weile gespeichert und
fünfmal wiederholt. Mit dem Steuerkreuz kann zudem die Geschwindigkeit
der Melodie geändert werden, allerdings wird die Zeitspanne, in
der die Musik gespeichert wird, verkürzt. Mit Select werden die
Beatnes-Planktons ausgetauscht und die Hintergrundmelodie durch eine
aus einem anderen NES-Spiel ersetzt.
Spielvariante 10 - Volvoice
Berührt man den Körper von Volvoice, beginnt eine Aufnahme,
die durch nochmaliges Berühren oder Warten beendet werden kann.
Anschließend spielt Volvoice diese Aufnahme ab, wobei man diese
mit einer der angezeigten kleinen Figuren recht unterschiedlich verzerren
kann. Mit Berühren des Kreises am Schwanzende des Planktons wird
die Aufnahme gelöscht, aber man kann auch die Figur erneut berühren
und die vorherige Aufnahme überschreiben lassen.
Die Grafik von Electroplankton ist respektabel, auch wenn sie keinen
vom Hocker reißen wird. Dennoch sind die kleinen Tierchen oder
die kleinen Details wie etwa die Luftblasen mit viel Liebe gestaltet
worden. Positiv ist, dass beim Spielen niemals Slowdowns vorkommen,
die den Verlauf des Spieles ansonsten sehr stören würden.
Abgesehen von den erzeugten Melodien der Planktons gibt es hier keinen
anderen Soundtrack. Die Plankton-Melodien können sich aber, wenn
man sich geschickt anstellt, sehr schön anhören und auch Spieler
ohne gutes Rhythmusgefühl müssen Nichts befürchten, denn
die generierten Melodien sind niemals aufdringlich. Eine Handlung existiert
in diesem Spiel nicht, wozu auch? Für ein Spiel aus diesem Genre
wäre das sogar eher ungewöhnlich.
Fazit: Electroplankton ist recht exzentrisch und wird nicht jedem gefallen,
aber Gelegenheitsspieler und jene Menschen mit Willen zur Kreativität
können damit glücklich werden. Zum Entspannen reicht es allemal.
Leider wird das Spiel dem Vollpreis von ca. 40€ nicht gerecht,
wenn man es irgendwo günstig erwischt, sollte man allerdings ruhig
zugreifen. Ich selbst hatte viel Freude daran, es immer wieder herauszukramen
und für ein paar Minuten zu spielen. Daher sind sieben von zehn
Punkten in Ordnung.
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