In der guten alten sowie wunderbaren C-64-Zeit habe ich wirklich kein
einziges Spiel der damals renommierten Software-Schmiede Hewson verpasst.
Dabei zeichneten sich die Spiele dieses Herstellers nicht nur durch eine
saubere technische Umsetzung sondern vor allem durch einen extrem hohen
Schwierigkeitsgrad aus. Die tollen Grafiken, meistens mit einer grandiosen
musikalischen Untermalung gepaart, lockten uns jedoch immer wieder aufs
Neue, auch wenn man im Vorfeld wusste, dass man wegen des unmenschlich
schweren, teilweise unfairen Spielprinzips den Kauf allzu bald bereuen
würde. Und bis auf eine Handvoll von Ausnahmen bestätigte sich
dies meistens. Einer dieser Glückstreffer hört auf den Namen
"Eliminator" und überzeugt mit einem simplen, aber äußerst
frischen und unterhaltsamen Spielprinzip.
Im Rahmen eines außerirdischen Konfliktes ist man bei diesem
Spiel mit der titelgebenden Killermaschine auf diversen kosmischen Straßen
unterwegs. Diese ziehen sich wie Fäden durch die unendlichen Weiten
des Weltalls und entsprechen keineswegs gewöhnlichen Vorstellungen
von einer Straße sondern vielmehr diversen Achterbahnstrecken.
So geht es mal links, mal rechts, mal gemächlich, mal steil ab-
oder aufwärts, bis man mit einer plötzlich aus dem Nichts
auftauchenden Barriere kollidiert und dadurch eines der wenigen Leben
einbüßt. Und das ist auch gut so, andernfalls wäre das
Spiel ja langweilig. So gilt es mit seinem etwas träge auf die
Joystick-Bewegungen reagierenden Raumschiff ganze acht Spielabschnitte
zu überstehen, die mit vielseitigen Überraschungen aufwarten.
Die bereits erwähnten Barrieren tauchen in verschiedensten Formationen
auf und lassen zumindest noch im ersten Level genügend Spielraum
zum Ausweichen. Ab dem zweiten Spielabschnitt ist jedoch ein präzises
Vorgehen lebenswichtig. Solange man abwärts saust, erkennt man
die Hindernisse im Vorfeld, so dass man genügend Zeit für
die Feinjustierung hat. Bei den Aufwärtsabschnitten ist man jedoch
vom Glück abhängig, da die todbringenden Barrieren so plötzlich
erscheinen, dass einem keine Zeit zum Reagieren übrig bleibt. "Eliminator"
mutiert somit zu einer richtigen Gedächtnisprüfung. Ein munter
dahinfließendes Wasserrinnsal, das die Strecke des zweiten Levels
zerteilt, bekräftigt diesen Eindruck. Dass das Wasser unser schweres
Gerät direkt abblubbern lässt, versteht sich von selbst, weshalb
man sich beim Überqueren der ab und zu auftauchenden Sprungrampen
stets überlegen muss, auf welcher Seite man weiterfährt. Eine
falsche Entscheidung lässt einen meistens auf eine undurchlässige
Barriere prallen. Wie im ersten Level hilft auch hier eine vorausschauende
Spielweise meistens weiter, da die Weitsicht für C-64-Verhältnisse
recht beeindruckend ist. Im dritten Level kriegt man es mit der gespiegelten
Strecke in Form einer Überdachung zu tun, die durch das Aufsammeln
des passenden Items auch befahrbar ist. Hier muss man bereits im Vorfeld
wissen, ob es besser ist unten oder oben zu bleiben. Der nachfolgende
Spielabschnitt präsentiert sich mit zwei Wasserrinnsalen als besonders
hart, zumal die aufwärts verlaufenden Streckenabschnitte immer
öfter zum Zuge kommen. Aber keine Angst, denn das ist noch lange
nicht die Spitze des Eisberges. Irgendwann kriegt man es nämlich
mit ganzen vier Rinnsalen zu tun! So weit schaffen es aber nur die wenigsten.
Die meisten werden bereits im zweiten Level das Handtuch schmeißen.
Das Auswendiglernen der Strecken sowie die exakte Abfrage der etwas
schwammigen Steuerung machen es niemandem leicht, wobei man zumindest
das erste Problem durch die Kartographierung der einzelnen Strecken
beheben kann.
Zu allem Überfluss wird man auch noch von Gegnern belästigt,
die feuern oder es auf eine Kollision ankommen lassen wollen. Während
der erste Fall aufgrund eines großzügigen und sich langsam
selbständig regenerierenden Energievorrats zu verschmerzen ist,
endet der zweite tödlich. Glücklicherweise darf man selbst
auch schießen. Der Munitionsvorrat ist allerdings begrenzt, weshalb
man den Feuerknopf mit Bedacht einsetzen sollte. In regelmäßigen
Abständen tauchen aber zwei pyramidenähnliche Items auf, die
je nach Wahl den Munitionsvorrat aufstocken oder uns zu einer neuen
Waffe verhelfen. Das Waffenarsenal reicht von Doppel-, Zickzack- und
Luftschüssen gegen fliegende Feinde bis hin zur vernichtenden Smartbombe.
Man kann nach Belieben zwischen den einzelnen Waffen wechseln, büsst
mit dem Verlust eines Lebens aber die letzte ein. Das Überleben
im Weltall ist eben nicht leicht, auch nicht mit einem unbesiegbaren
Raumschiff, wenn man der Anleitung glauben schenken möchte. ^^
Mit "Eliminator" hat man ein interessantes Spiel vorliegen,
dass etwas von einem Shooter und einem Rennspiel hat, sich letztendlich
aber als ein beinhartes Geschicklichkeitsspiel erweist. Von Hewson darf
man eben nichts anderes erwarten. Nichtsdestotrotz macht es unheimlich
viel Spaß. Das mag zum einen an der guten Grafik liegen, zu verdanken
ist es aber vorwiegend der absolut genialen Musik von den Maniacs of
Noise. Das Spiel besitzt nur drei unterschiedliche Musikstücke,
aber jedes einzelne ist ein kleines Meisterwerk für sich. Deshalb
macht das Spiel trotz aller Misserfolge und Frusterlebnisse immer wieder
Spaß. Der Weg an sich ist hier das Ziel und dieser ist ziemlich
cool, sowohl spielerisch als auch optisch, aber ganz besonders musikalisch.
Einen Lichtblick stellen noch die Passwörter dar, die mit etwas
Glück am Ende eines Levels verraten werden. Welche außerirdischen
Kriterien dafür verantwortlich sind, das verrät aber nicht
einmal das Handbuch.
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