Eliminator
Geschicklichkeit

Minrod
Januar 11
 

In der guten alten sowie wunderbaren C-64-Zeit habe ich wirklich kein einziges Spiel der damals renommierten Software-Schmiede Hewson verpasst. Dabei zeichneten sich die Spiele dieses Herstellers nicht nur durch eine saubere technische Umsetzung sondern vor allem durch einen extrem hohen Schwierigkeitsgrad aus. Die tollen Grafiken, meistens mit einer grandiosen musikalischen Untermalung gepaart, lockten uns jedoch immer wieder aufs Neue, auch wenn man im Vorfeld wusste, dass man wegen des unmenschlich schweren, teilweise unfairen Spielprinzips den Kauf allzu bald bereuen würde. Und bis auf eine Handvoll von Ausnahmen bestätigte sich dies meistens. Einer dieser Glückstreffer hört auf den Namen "Eliminator" und überzeugt mit einem simplen, aber äußerst frischen und unterhaltsamen Spielprinzip.

Im Rahmen eines außerirdischen Konfliktes ist man bei diesem Spiel mit der titelgebenden Killermaschine auf diversen kosmischen Straßen unterwegs. Diese ziehen sich wie Fäden durch die unendlichen Weiten des Weltalls und entsprechen keineswegs gewöhnlichen Vorstellungen von einer Straße sondern vielmehr diversen Achterbahnstrecken. So geht es mal links, mal rechts, mal gemächlich, mal steil ab- oder aufwärts, bis man mit einer plötzlich aus dem Nichts auftauchenden Barriere kollidiert und dadurch eines der wenigen Leben einbüßt. Und das ist auch gut so, andernfalls wäre das Spiel ja langweilig. So gilt es mit seinem etwas träge auf die Joystick-Bewegungen reagierenden Raumschiff ganze acht Spielabschnitte zu überstehen, die mit vielseitigen Überraschungen aufwarten. Die bereits erwähnten Barrieren tauchen in verschiedensten Formationen auf und lassen zumindest noch im ersten Level genügend Spielraum zum Ausweichen. Ab dem zweiten Spielabschnitt ist jedoch ein präzises Vorgehen lebenswichtig. Solange man abwärts saust, erkennt man die Hindernisse im Vorfeld, so dass man genügend Zeit für die Feinjustierung hat. Bei den Aufwärtsabschnitten ist man jedoch vom Glück abhängig, da die todbringenden Barrieren so plötzlich erscheinen, dass einem keine Zeit zum Reagieren übrig bleibt. "Eliminator" mutiert somit zu einer richtigen Gedächtnisprüfung. Ein munter dahinfließendes Wasserrinnsal, das die Strecke des zweiten Levels zerteilt, bekräftigt diesen Eindruck. Dass das Wasser unser schweres Gerät direkt abblubbern lässt, versteht sich von selbst, weshalb man sich beim Überqueren der ab und zu auftauchenden Sprungrampen stets überlegen muss, auf welcher Seite man weiterfährt. Eine falsche Entscheidung lässt einen meistens auf eine undurchlässige Barriere prallen. Wie im ersten Level hilft auch hier eine vorausschauende Spielweise meistens weiter, da die Weitsicht für C-64-Verhältnisse recht beeindruckend ist. Im dritten Level kriegt man es mit der gespiegelten Strecke in Form einer Überdachung zu tun, die durch das Aufsammeln des passenden Items auch befahrbar ist. Hier muss man bereits im Vorfeld wissen, ob es besser ist unten oder oben zu bleiben. Der nachfolgende Spielabschnitt präsentiert sich mit zwei Wasserrinnsalen als besonders hart, zumal die aufwärts verlaufenden Streckenabschnitte immer öfter zum Zuge kommen. Aber keine Angst, denn das ist noch lange nicht die Spitze des Eisberges. Irgendwann kriegt man es nämlich mit ganzen vier Rinnsalen zu tun! So weit schaffen es aber nur die wenigsten. Die meisten werden bereits im zweiten Level das Handtuch schmeißen. Das Auswendiglernen der Strecken sowie die exakte Abfrage der etwas schwammigen Steuerung machen es niemandem leicht, wobei man zumindest das erste Problem durch die Kartographierung der einzelnen Strecken beheben kann.

Zu allem Überfluss wird man auch noch von Gegnern belästigt, die feuern oder es auf eine Kollision ankommen lassen wollen. Während der erste Fall aufgrund eines großzügigen und sich langsam selbständig regenerierenden Energievorrats zu verschmerzen ist, endet der zweite tödlich. Glücklicherweise darf man selbst auch schießen. Der Munitionsvorrat ist allerdings begrenzt, weshalb man den Feuerknopf mit Bedacht einsetzen sollte. In regelmäßigen Abständen tauchen aber zwei pyramidenähnliche Items auf, die je nach Wahl den Munitionsvorrat aufstocken oder uns zu einer neuen Waffe verhelfen. Das Waffenarsenal reicht von Doppel-, Zickzack- und Luftschüssen gegen fliegende Feinde bis hin zur vernichtenden Smartbombe. Man kann nach Belieben zwischen den einzelnen Waffen wechseln, büsst mit dem Verlust eines Lebens aber die letzte ein. Das Überleben im Weltall ist eben nicht leicht, auch nicht mit einem unbesiegbaren Raumschiff, wenn man der Anleitung glauben schenken möchte. ^^

Mit "Eliminator" hat man ein interessantes Spiel vorliegen, dass etwas von einem Shooter und einem Rennspiel hat, sich letztendlich aber als ein beinhartes Geschicklichkeitsspiel erweist. Von Hewson darf man eben nichts anderes erwarten. Nichtsdestotrotz macht es unheimlich viel Spaß. Das mag zum einen an der guten Grafik liegen, zu verdanken ist es aber vorwiegend der absolut genialen Musik von den Maniacs of Noise. Das Spiel besitzt nur drei unterschiedliche Musikstücke, aber jedes einzelne ist ein kleines Meisterwerk für sich. Deshalb macht das Spiel trotz aller Misserfolge und Frusterlebnisse immer wieder Spaß. Der Weg an sich ist hier das Ziel und dieser ist ziemlich cool, sowohl spielerisch als auch optisch, aber ganz besonders musikalisch.

Einen Lichtblick stellen noch die Passwörter dar, die mit etwas Glück am Ende eines Levels verraten werden. Welche außerirdischen Kriterien dafür verantwortlich sind, das verrät aber nicht einmal das Handbuch.