31.01.2001 - das ist das Datum, das ich im Netz fand, an dem Sega offiziell
die Einstellung der Dreamcast und den Rückzug aus dem Hardware-Geschäft
bekannt gab. Eigentlich sollte das System also seit mittlerweile 10 Jahren
tot sein, doch Dank der Mühe von unabhängigen Entwicklern wird
die Konsole bis heute mit kommerziellen Spielen versorgt. Ein Vertreter
dieser Titel soll hier besprochen werden, nämlich der Vertikal-Shooter
"Fast Striker" vom deutschen Hersteller NG:Dev.Team, der Ende
2010 für die Dreamcast erschien (davor bereits für Neo Geo MWS).
"Fast Striker" hat ein für das Genre typisches Science-Fiction-Szenario,
weist jedoch keine Hintergrundgeschichte auf, was bei dieser Art von
Spielen allerdings nicht ernsthaft ins Gewicht fällt. Hauptanreiz
ist damit - neben dem reinen Absolvieren der Level - die Jagd nach Punkten,
auf die das Spiel auch zugeschnitten ist. So gibt es eine ganze Reihe
an Spielmechaniken, die zu höheren Punktzahlen verhelfen und mit
höherem Schwierigkeitsgrad üppiger ausfallen. So geben Gegner
zum Beispiel mehr Punkte, wenn man sie aus kürzerer Distanz abschießt,
oder man kriegt Boni, wenn Feinde möglichst lange ohne Unterbrechung
eliminiert oder große Widersacher mit einer bestimmten Waffe beschossen
werden. Das eigene Raumschiff verfügt über insgesamt drei
feste Waffen- und Schutzsysteme, die nicht mehr verbessert oder ergänzt
werden können. Neben dem selbsterklärenden Front Shot darf
mit dem Rear Shot nach hinten gefeuert werden. Ferner kann durch das
Halten der jeweiligen Feuertaste der Front Shot in einen konzentrierteren
Hyper Beam (Strahl) und der Rear Shot in einen Spread Shot (Streuschuss)
umgewandelt werden, wobei letzterer weniger Schaden verursacht und somit
auch weniger Punkte einbringt. Darüber hinaus hat man noch eine
Anzahl an Schutzschilden zur Verfügung, die einen für ein
paar Sekunden unverwundbar machen. Während sie im niedrigsten Schwierigkeitsgrad
automatisch aktiviert werden, müssen sie ansonsten manuell eingeschaltet
werden. Ein gezielter Einsatz zur rechten Zeit hilft dabei enorm, denn
"Fast Striker" ist ein sogenannter "Bullet Hell Shooter"
und macht diesem Begriff alle Ehre. Schon im einfachen Modus sind nicht
selten dutzende Projektile gleichzeitig auf dem Bildschirm, die laut
Eigenwerbung auf 180 anwachsen können.
Trotz der hohen Anzahl an bewegten Objekten bleibt die Geschwindigkeit
des Spiels permanent konstant, was angenehm auffällt. Grafisch
ist "Fast Striker" schön anzusehen, allerdings sind die
Hintergründe relativ eintönig geraten (auch wenn sie nicht
schlecht sind), da allzu oft dieselbe Struktur am Stück eingeblendet
wird. Dafür entschädigen aber die Gegner, allem voran die
riesigen Endgegner, die sehr eindrucksvoll gestaltet und animiert worden
sind.
Akustisch wird ein eher kühl klingender elektronischer Soundtrack
aufgefahren, der jedoch sehr angenehm im Ohr liegt und auf die Dauer
nicht störend wirkt. Die Soundeffekte sind ordentlich, allerdings
könnten es durchaus einige mehr sein, denn die Schieß- und
Explosionsorgie auf dem Bildschirm wird für meinen Geschmack etwas
unzureichend untermauert.
Spielerisch lässt "Fast Striker" dagegen nichts anbrennen.
Die einzelnen Stufen sind gut designt und bieten auch die nötige
Abwechslung. Die sechs Abschnitte sind insgesamt nicht allzu lang, allerdings
wird man schon eine Weile benötigen, bis man sie wirklich schafft.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Schwierigkeitsgraden motivieren
zum wiederholten Durchspielen. Davon abgesehen ist der Suchtfaktor nicht
zu unterschätzen, da zwei oder drei Durchgänge mehr als geplant
schnell gespielt sind. Viele nette Details versüßen einem
noch zusätzlich die Ballerfreude. Anstatt die Endgegner direkt
zu erledigen, kann man erst diverse Komponenten abschießen, was
eine Änderung des Angriffsmusters und vor allem einen fetten Bonus
nach sich zieht. Ferner stockt das Spiel die Anzahl der Continues mit
der Zahl der Game Over auf (man beginnt zunächst mit 3 Credits).
Dadurch wird geschickt umgangen, dass man das Spiel tendenziell zu schnell
durchspielt, gleichzeitig aber verhindert, dass man dutzende Male an
der gleichen Stelle sein letztes Bildschirmleben aushaucht.
Zu guter Letzt kann man seinen Highscore auch weltweit mit anderen
vergleichen, denn das Spiel gibt bei Einträgen in die eigene Bestenliste
einen Code aus, welcher auf der Homepage zum Spiel eingegeben werden
kann. Daraufhin wird die eigene Punktzahl in die globale Bestenliste
eingetragen, vorausgesetzt, sie ist hoch genug.
Fazit: Trotz geringer Schwächen in der Präsentation ist "Fast
Striker" ein spaßiger und motivierender Shooter geworden,
der sich vor den "regulären" Veröffentlichungen
in seinem Genre auf der Dreamcast nicht zu verstecken braucht und sein
Geld definitiv wert ist. Jeder Dreamcast-Besitzer ohne massive Aversion
gegen Shooter sollte sich das Spiel deshalb nicht entgehen lassen.
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