Fast Striker
Shoot´em up

Riemann80
Mai 11
 

31.01.2001 - das ist das Datum, das ich im Netz fand, an dem Sega offiziell die Einstellung der Dreamcast und den Rückzug aus dem Hardware-Geschäft bekannt gab. Eigentlich sollte das System also seit mittlerweile 10 Jahren tot sein, doch Dank der Mühe von unabhängigen Entwicklern wird die Konsole bis heute mit kommerziellen Spielen versorgt. Ein Vertreter dieser Titel soll hier besprochen werden, nämlich der Vertikal-Shooter "Fast Striker" vom deutschen Hersteller NG:Dev.Team, der Ende 2010 für die Dreamcast erschien (davor bereits für Neo Geo MWS).

"Fast Striker" hat ein für das Genre typisches Science-Fiction-Szenario, weist jedoch keine Hintergrundgeschichte auf, was bei dieser Art von Spielen allerdings nicht ernsthaft ins Gewicht fällt. Hauptanreiz ist damit - neben dem reinen Absolvieren der Level - die Jagd nach Punkten, auf die das Spiel auch zugeschnitten ist. So gibt es eine ganze Reihe an Spielmechaniken, die zu höheren Punktzahlen verhelfen und mit höherem Schwierigkeitsgrad üppiger ausfallen. So geben Gegner zum Beispiel mehr Punkte, wenn man sie aus kürzerer Distanz abschießt, oder man kriegt Boni, wenn Feinde möglichst lange ohne Unterbrechung eliminiert oder große Widersacher mit einer bestimmten Waffe beschossen werden. Das eigene Raumschiff verfügt über insgesamt drei feste Waffen- und Schutzsysteme, die nicht mehr verbessert oder ergänzt werden können. Neben dem selbsterklärenden Front Shot darf mit dem Rear Shot nach hinten gefeuert werden. Ferner kann durch das Halten der jeweiligen Feuertaste der Front Shot in einen konzentrierteren Hyper Beam (Strahl) und der Rear Shot in einen Spread Shot (Streuschuss) umgewandelt werden, wobei letzterer weniger Schaden verursacht und somit auch weniger Punkte einbringt. Darüber hinaus hat man noch eine Anzahl an Schutzschilden zur Verfügung, die einen für ein paar Sekunden unverwundbar machen. Während sie im niedrigsten Schwierigkeitsgrad automatisch aktiviert werden, müssen sie ansonsten manuell eingeschaltet werden. Ein gezielter Einsatz zur rechten Zeit hilft dabei enorm, denn "Fast Striker" ist ein sogenannter "Bullet Hell Shooter" und macht diesem Begriff alle Ehre. Schon im einfachen Modus sind nicht selten dutzende Projektile gleichzeitig auf dem Bildschirm, die laut Eigenwerbung auf 180 anwachsen können.

Trotz der hohen Anzahl an bewegten Objekten bleibt die Geschwindigkeit des Spiels permanent konstant, was angenehm auffällt. Grafisch ist "Fast Striker" schön anzusehen, allerdings sind die Hintergründe relativ eintönig geraten (auch wenn sie nicht schlecht sind), da allzu oft dieselbe Struktur am Stück eingeblendet wird. Dafür entschädigen aber die Gegner, allem voran die riesigen Endgegner, die sehr eindrucksvoll gestaltet und animiert worden sind.

Akustisch wird ein eher kühl klingender elektronischer Soundtrack aufgefahren, der jedoch sehr angenehm im Ohr liegt und auf die Dauer nicht störend wirkt. Die Soundeffekte sind ordentlich, allerdings könnten es durchaus einige mehr sein, denn die Schieß- und Explosionsorgie auf dem Bildschirm wird für meinen Geschmack etwas unzureichend untermauert.

Spielerisch lässt "Fast Striker" dagegen nichts anbrennen. Die einzelnen Stufen sind gut designt und bieten auch die nötige Abwechslung. Die sechs Abschnitte sind insgesamt nicht allzu lang, allerdings wird man schon eine Weile benötigen, bis man sie wirklich schafft. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Schwierigkeitsgraden motivieren zum wiederholten Durchspielen. Davon abgesehen ist der Suchtfaktor nicht zu unterschätzen, da zwei oder drei Durchgänge mehr als geplant schnell gespielt sind. Viele nette Details versüßen einem noch zusätzlich die Ballerfreude. Anstatt die Endgegner direkt zu erledigen, kann man erst diverse Komponenten abschießen, was eine Änderung des Angriffsmusters und vor allem einen fetten Bonus nach sich zieht. Ferner stockt das Spiel die Anzahl der Continues mit der Zahl der Game Over auf (man beginnt zunächst mit 3 Credits). Dadurch wird geschickt umgangen, dass man das Spiel tendenziell zu schnell durchspielt, gleichzeitig aber verhindert, dass man dutzende Male an der gleichen Stelle sein letztes Bildschirmleben aushaucht.

Zu guter Letzt kann man seinen Highscore auch weltweit mit anderen vergleichen, denn das Spiel gibt bei Einträgen in die eigene Bestenliste einen Code aus, welcher auf der Homepage zum Spiel eingegeben werden kann. Daraufhin wird die eigene Punktzahl in die globale Bestenliste eingetragen, vorausgesetzt, sie ist hoch genug.

Fazit: Trotz geringer Schwächen in der Präsentation ist "Fast Striker" ein spaßiger und motivierender Shooter geworden, der sich vor den "regulären" Veröffentlichungen in seinem Genre auf der Dreamcast nicht zu verstecken braucht und sein Geld definitiv wert ist. Jeder Dreamcast-Besitzer ohne massive Aversion gegen Shooter sollte sich das Spiel deshalb nicht entgehen lassen.