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Innerhalb einer berühmten Reihe kann es auch Titel geben, die keine
allzu große Anerkennung genießen. Als solch ein Fall lässt
sich "Final Fantasy 9" ansehen, mit dem ich mich nun beschäftigen
möchte. Auch wenn das Spiel kommerziell bei weitem nicht so erfolgreich
wie der siebte oder achte Teil war, ist es mit seinen 530 Millionen
verkauften Einheiten dennoch ein weltweiter Erfolg gewesen. "Final
Fantasy 9" erschien 2000 zunächst in Japan und erst ein Jahr
später in den Vereinigten Staaten und in Europa. Das Spiel war
ursprünglich nicht nur für die Playstation sondern auch für
den PC vorgesehen, diese Version wurde aber im Laufe der Entwicklung
verworfen. Als Hommage an die ganz frühen Final Fantasy-Teile unter
dem Motto "Back to the roots" kreiert, unterscheidet es sich
deutlich von den vorherigen zwei Playstation-Teilen, die eine moderne
und realistische Richtung einschlugen.
Das Setting von "Final Fantasy 9" ist in einer mittelalterlich
anmutenden Welt angesiedelt, die den ersten sechs Final Fantasy-Spielen
nicht unähnlich ist. Die von Yoshitaka Amano erstellten Charaktere
bilden einen starken Gegensatz zu den in "Final Fantasy 8"
realistisch dargestellten Figuren. Ob dies positiv oder negativ zu werten
ist, sei jedem selbst überlassen. Für mich persönlich
ist die an japanische Manga angelehnte Gestaltung recht charmant und
durchaus sympathisch. Zudem können erstmalig nach "Final Fantasy
6" wieder vier Kämpfer gleichzeitig am Kampfgeschehen teilnehmen,
womit wir gleich beim Kampfsystem wären. Dieses orientiert sich
an den ersten Teilen der Reihe, indem hier wieder das in "Final
Fantasy 4" zuerst verwendete Active Time Battle-System (ATB) Verwendung
findet. Das wohl markanteste Merkmal dieses Systems ist die Zeitleiste,
die sich abhängig vom Charakter, dessen Zustand und seiner Ausrüstung
individuell füllt. Ist diese voll, kann eine Aktion ausgewählt
und auch ausgeführt werden. Neben dem normalen Angriff, dem Einsatz
von Items sowie der altbewährten Magie gibt es noch Spezialangriffe,
die individuell auf jeden Charakter zugeschnitten sind. So kann zum
Beispiel der Hauptcharakter Zidane stehlen und der Ritter Steiner mit
Hilfe von Vivis Schwarzmagie auf Zauber basierende Schwerthiebe ausführen.
Zudem existiert noch der so genannte Trance-Zustand, welcher durch eine
weitere sich mit erlittenen Schadenspunkten auffüllende Leiste
definiert wird. Ist diese voll, wechseln die Charaktere in den Trance-Modus.
In diesem Modus werden die individuellen Spezialfähigkeiten der
Charaktere durch stärkere ersetzt beziehungsweise verstärkt
oder erweitert. Dieser Zustand, der nur ein paar Runden anhält,
kann bei Bedarf jederzeit abgebrochen werden, die Leiste wird dabei
aber trotzdem vollständig geleert. Leider ist der Zeitpunkt der
Aktivierung nicht frei wählbar. Dies ist schade, denn somit ist
eine taktische Vorgehensweise mit diesem Feature nicht wirklich möglich.
Besonders schön finde ich die Einführung des Ability-Systems.
Jeder angelegte Ausrüstungsgegenstand, sei es eine Rüstung,
eine Waffe oder ein Accessoire, bringt bestimmte aktive oder passive
Fähigkeiten mit sich, die beim Ablegen jedoch wieder verloren gehen.
Um diese dauerhaft zu erlangen, müssen die entsprechenden Gegenstände
solange benutzt bzw. getragen werden, bis man sich die jeweilige Fähigkeit
durch das Sammeln einer entsprechenden Menge an Ability-Punkten vollständig
aneignet.
Außerhalb des Kampfes steuert man die Spielfigur mit dem Analogstick
oder klassisch mit den Richtungstasten durch die Oberwelt, prächtige
Städte und verschiedene Dungeons. Dabei kann es vorkommen, dass
über dem Kopf des Charakters ein Icon erscheint, was auf besondere
Begebenheiten wie Rätsel, Truhen oder ähnliches hinweist.
Abgesehen von den standardmäßig belegten Buttons für
Bestätigen (X) und Ablehnen (Kreis), weist auch der Viereck-Knopf
eine besondere Funktion auf, mit der es möglich ist, bestimmte
Personen zum Mini-Spiel "Tetra Master" herauszufordern. Das
Kartenspiel macht eine Menge Spaß und kann zur Sucht verleiten,
so dass man das eigentliche Spiel schleifen lässt. Ein neues Feature
von "Final Fantasy 9" ist das so genannte Active Time Event-System
(ATE), mit dem man als Spieler optionale, gleichzeitig stattfindende
Geschehnisse, zum Beispiel an Stellen, an denen die Gruppe getrennt
wird, mitverfolgen kann. Dies ermöglicht zusätzliche Einblicke
in die Denkweisen der einzelnen Charaktere oder gibt Hinweise auf bestimmte
Objekte und Lösungswege. Bei der deutschen Übersetzung hat
man sich viel mehr Mühe gegeben als bei den beiden direkten Vorgängern,
so dass man die Story diesmal mit wahrer Freude verfolgen kann. Die
Verwendung mehrerer Dialekte unterstreicht die hohe Qualität dieser
Übersetzungsarbeit.
Die Grafik sieht für damalige Verhältnisse sehr gut aus.
Sie gilt im Allgemeinen als der Höhepunkt des auf der Playstation
Machbaren. Stellenweise wird die Spielgrafik von grandiosen Filmsequenzen
unterbrochen, welche sich bis heute vor Nichts zu verstecken brauchen,
ebenso wie der von Nobuo Uematsu komponierte Soundtrack. Akustisch ist
man ebenfalls zu den Wurzeln der Reihe zurückgekehrt. Passend zum
Setting geht es wieder in die klassische mittelalterliche Richtung.
Das weitgehend orchestrale Arrangement stellt dabei einen dicken Pluspunkt
gegenüber den beiden Vorgängern dar. Auch das von Emiko Shiratori
gesungene Lied "Melodies of Life" ist hervorragend und gehört
zu meinen absoluten Lieblingsstücken im Bereich der Videospiele.
Zum Schluss noch ein paar Worte zur Story. Die als Schauspieler getarnte
Diebesgruppe "Tantalus" hat den Auftrag Prinzessin Garnet
von Alexandria zu entführen. Der nach einem Rollenspielklischee
anmutende Anfang wird bewusst sehr schnell widerlegt, als Garnet freiwillig
mitgeht, um der Welt innerhalb des Schlosses und ihrer königlichen
Stiefmutter zu entfliehen. Bei der Flucht mit dem Luftschiff kommen
mehr oder weniger freiwillig zwei weitere Personen mit an Bord, der
Hauptmann Adelbert Steiner und der Schwarzmagier Vivi. Als das Luftschiff
über einem Wald abstürzt, macht sich Zidane zusammen mit Steiner
auf die Suche nach Vivi und Prinzessin Garnet, die nach dem Absturz
vermisst werden. Alle Charaktere, sei es Vivi oder der rätselhafte,
immer nur ans Essen denkende Charakter Quina, sind durchaus liebenswürdig.
Jeder von ihnen besitzt ein paar Macken, die das Spielgeschehen deutlich
humorvoller und lockerer gestalten. Dennoch verfügen alle über
eine gewisse Ernsthaftigkeit, und ihre Schicksale werden dem Spieler
verständlich nähergebracht. Den Entwicklern ist es wirklich
gelungen, den schmalen Grad zwischen Komik und Tragik zu begehen, ohne
eine der Personen ins Lächerliche zu ziehen.
Fazit: Dies ist eines meiner absoluten Lieblingsspiele und bisher der
einzige Final Fantasy-Titel in 3D, der mich angesprochen hat! Ich liebe
klassische Rollenspiele sehr, vor allem wenn sie derart charmant sind.
"Final Fantasy 9" weist unheimlich sympathisch ausgearbeitete
Charaktere, einen stimmungsvollen, sehr zur Situation passenden Soundtrack
sowie eine Welt auf, in die man sich gut hineinversetzen kann. Von solchen
klassischen Rollenspielen möchte ich wieder mehr haben! Zehn von
maximal zehn Punkten.
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