G-Darius
Shoot´em up

R-9
August 10
 

G-Darius ist ein typisches Shmup (Shoot´em up) und gehört zu einer langen Reihe von Darius-Spielen. Man könnte die Darius-Serie als den kleinen, etwas missgestalteten Bruder der R-Type- oder eher noch der Gradius-Reihe, der sie sogar etwas mehr ähnelt, betrachten. G-Darius kam 1997 in die Spielhallen, erschien ein Jahr später als Playstation-Konvertierung und war fast 12 Jahre lang das Schlusslicht der Serie, bis Darius Burst für die PSP veröffentlicht wurde. Darius ist ein fast schon standardmäßiges Shoot´em up, bei dem sämtliche Bosse durch robotisches Meeresgetier repräsentiert werden. Schon beim ersten Teil für die Spielhallen wurde man immer wieder von Riesenfischen und ähnlichen Ungeheuern angegriffen. Die Arcade-Version hatte zusätzlich noch das Gimmick, dass die gesamte Spielfläche auf drei simultanen Bildschirmen dargestellt wurde.

In G-Darius kehren die Meeresviecher dank einer bizarren Macht namens Thiima zurück, womit der Spieler erneut einen der zwei Silver Hawk-Kampfjäger in die Schlacht führen muss, um sie zu Robot-Sushi zu verarbeiten. Gegenüber der Arcade-Erstveröffentlichung wartet das Playstation-Spiel mit ein paar netten Extras wie zum Beispiel dem VS Boss- und dem Beginner-Modus sowie einer die Finger entlastenden Autofire-Funktion auf.

Die Story ist auf den ersten Blick grässliches Kauderwelsch, aus den Begriffen im Handbuch und dem Intro-Movie kann man jedoch entnehmen, dass es offensichtlich einen Konflikt zwischen den Planeten Amnelia (im deutschen Booklet Amuneria) und Blazar gegeben hat, der letztendlich mit der Vernichtung von Blazar endete. Die dabei verwendete, als A.N. (All-Nothing) bezeichnete ultimative Vernichtungswaffe weckte das Interesse von Thiima an Amnelia. Also müssen zwei mit geklauter Thiima-Technologie ausgestattete Raumschiffe im Alleingang alles zerballern, was Feind heißt. Diese Darius-typischen Silver Hawks werden von einem männlichen (Sameluck Raida) und einem weiblichen (Lutia Feen) Piloten in den modischen Farben rot und blau kommandiert. Gleichzeitig führen beide die alte Darius-Tradition von Namen fort, die sich so lesen, als hätten sie Blinde aus einigen Silben der englischen Sprache aufs Geratewohl zusammengesetzt.

Soundmäßig zieht G-Darius alle Register. Die Soundeffekte hören sich gut an und die vollklängige Techno-Musik ist dermaßen hervorragend, dass es fast schon ein Muss ist, sich den Soundtrack zum Spiel zu besorgen. Selbst wer normalerweise einen gänzlich anderen Musikgeschmack hat, wird bei G-Darius genauer hinhören wollen. Grafisch hat sich im Vergleich zu den Vorgängern allerhand getan. Die vielen 3D-Polygone fallen da besonders positiv auf. Die Levels sind auch nicht mehr so… na ja, langweilig und leer und die Gegner, speziell die riesigen Bosse, klotzen derart viele Attacken über den Bildschirm, dass Epileptiker bereits Anfälle bekommen, wenn sie das Wort Darius nur hören. Die knallbunte Optik wird zwar nicht jeden Science-Fiction-Fan begeistern, aber wer mal eine nette Abwechslung zur düsteren Grimmigkeit eines R-Type braucht, kann sich im Kampf gegen Riesenfische und Konsorten mal so richtig austoben. Die Level ändern sich auch plötzlich mittendrin und schlagen eine von zwei möglichen Routen ein, abhängig davon, wo sich gerade der eigene Silver Hawk auf dem Bildschirm befindet.

Die Spielmechanik wird allen Gradius-Kennern wahrscheinlich bekannt vorkommen. R-Typer werden sich hingegen an die Abwesenheit ihrer aufladbaren Superwaffe erst einmal gewöhnen müssen. Na gut, als quasi versteckten Ersatz gibt es hier den Alpha-Beam, aber zu dem komme ich später noch. Neben den verschiedenen Power up´s, die man über verschiedenfarbige leuchtende Kugeln einsammeln kann, findet sich auch ein Schutzschild, der ein paar Treffer auffängt. Dieses Extra ist bei diesem Spiel auch dringend nötig, da die schiere Masse der Gegner und ihre Feuerkraft selbst die Reflexe eines echten Piloten locker schlagen könnte. Eine Abweichung vom Mainstream stellen die so genannten Capture Balls dar, mit denen man Gegner fangen kann. Falls es klappt, verbessert man damit die eigene Feuerkraft, solange der eingefangene Feind mitgeschleift wird. Benötigt man ihn nicht, lässt er sich als Bombe missbrauchen. Die Anzahl der Capture Balls, Continues und vieles mehr lässt sich im ausführlichen Options-Menu glücklicherweise so einstellen, dass Anfänger und Profis gleichermaßen zufriedengestellt werden. Und wer von den Bossen, die Darius-typisch mit dem Spruch "WARNING! A HUGE BATTLE SHIP … IS APPROACHING FAST" angekündigt werden, zu oft auf absolut demütigende Weise zermalmt wurde (so wie ich), kann im VS Boss-Modus versuchen, allein nur gegen sie anzutreten, um so die notwendigen Taktiken zu üben. Für diejenigen, die selbst im leichtesten Schwierigkeitsgrad des Arcade-Modus noch zu wenig Selbstbewusstsein haben, gibt es dann noch den speziellen, bereits erwähnten Beginner-Modus.

Als Alternative zum niedrigen Schwierigkeitsgrad erlaubt G-Darius einen simultanen Zweispielermodus, bei dem beide Spieler kooperativ und gleichzeitig das Feld freiballern können. Der einzige Wehrmutstropfen dabei ist, dass der Spieler die Farbe seines Silver Hawks nicht frei wählen kann. Wer die Farben wechseln will, muss entweder die Controller austauschen oder umstecken. Ansonsten wird euer Silver Hawk bis zu seinem feurigen Ende im Kiefer eines riesigen robotischen Quastenflossers immer exakt dieselbe Farbe haben. Ein Ende, das sich vermeiden lässt, wenn man den Alpha-Beam seines Silver Hawks zu beherrschen lernt. Wer einen Gegner eingefangen hat und die Feuertaste gedrückt hält, bis eine Art blaues Leuchten auftaucht, kann seinen Feinden eine böse Überraschung bereiten. Der Beam ermöglicht einem sogar ein Duell mit den so genannten Beta-Beam-Waffen der Endbosse, die durch geschickten Autofire-Einsatz von der eigenen Superwaffe verdrängt werden können.

Der Umfang von G-Darius ist genauso beachtlich wie die Feuerkraft seiner Bosse - 15 Zonen, welche jeweils auch noch zwei verschiedene Abzweigungen aufweisen, stehen zusammen mit ihren Bossen im Weg zur Rettung von Amnelia. Jedes mal wenn ein Boss sein fischiges Ende gefunden hat, muss zwischen zwei verschiedenen Folgezonen gewählt werden, einer im Levelgrid weiter oben und einer, die weiter nach unten führt, so dass man insgesamt fünf Zonen durchfliegen muss, um das Spiel zu beenden. Jede Flugroute führt irgendwann zu einem finalen Endboss, der je nach Wahl der Zonen unterschiedlich ausfällt. Der einzige Anhaltspunkt dabei ist, dass die unteren Routen zunehmend schwerer werden, die oberen dagegen ein etwas weniger fieses Niveau aufweisen. Wer die vielen gefährlichen Zonen und die verschiedenen Endbosse überstehen will, sollte sich also besser ein paar Tage zum Üben frei nehmen oder einen Freund mit viel Zeit mitbringen.

Insgesamt sind somit neun solide Punkte zu vergeben. Nur wirklich unwesentliche Kleinigkeiten wie das umständliche Auswählen der Silver Hawk-Farben stören etwas. G-Darius ist alles in allem kein kleiner solider Shooter sondern ein absolutes Muss für jeden Fan des gepflegten Zerballerns. Das Spiel könnte nur ein Problem für Epileptiker darstellen, was aber auf gefühlte 95% aller japanischen Spiele zutrifft und somit kein Grund für einen Punktabzug ist. Wer G-Darius für die PS One verpasst hat, der sollte Ausschau nach Taito Legends 2 halten, denn dieser starke Shooter ist auf eben dieser Compilation zu finden.

Ein kleiner Kommentar am Ende, falls man sich fragen sollte, warum das Spiel ausgerechnet G-Darius heißt. Das G am Anfang des Titels hat nichts mit G-Kräften oder dergleichen zu tun. Es steht vermutlich für das Wort Genesis, denn bereits im Intro wird darauf hingewiesen, dass es bei diesem Spiel um die Erschaffung neuen Lebens geht. Eine andere Sichtweise ist, dass es für Gigantic steht, einem Attribut, das die Größe der Bosse und den Spielumfang ja treffend beschreibt. Unbestätigten Gerüchten zu Folge, die sich gegenseitig als Quellen nennen, soll G-Darius auch absichtlich von Taito als Anagramm zu Gradius benannt worden sein, das ja als eines der einflussreichsten Shmups überhaupt gilt, besonders in Japan. Ich habe für kurze Zeit in Erwägung gezogen, Japanisch zu lernen und anschließend in der Taito-Zentrale in Japan persönlich nachzufragen, aber das war mir dann doch zu anstrengend. Und nun entschuldigt mich, ich habe plötzlich Hunger auf Fisch…

Fazit: Neun von zehn Punkten mit echt frischem Meeresgetier!

Kommentar Nr. 1
Schreiber: Lyrion

Mit G-Darius liegt uns ein sehr schöner Vertreter der klassischen Shooter-Schule vor, der wirklich in keiner Playstation-Sammlung fehlen sollte. Allerdings ist es vielleicht nicht ganz so bekannt, dass es von diesem Spiel gleich zwei Versionen für die Spielhallen gibt. Die zweite und ein wenig veränderte bzw. verbesserte Arcade-Version beinhaltet ebenfalls einen Beginner-Modus, der allerdings nur drei Zonen umfasst, und kommt wie die Playstation-Version mit einer Autofire-Funktion daher. Aus diesem Grund weist sie wohl auch einen etwas erhöhten Schwierigkeitsgrad auf. Zudem glänzt diese Version mit Zwischenbossen, welche bei der ersten Version fehlen. Das Spiel wurde also um noch mehr leckeres Sushi in Konservendosen für den unersättlichen Shooter-Fan ergänzt. =) Einige weitere kleine und unauffällige Unterschiede wie zum Beispiel das Zeitlimit bei den Endbossen runden G-Darius Ver.2, wie der offiziell Name dieses Spieles lautet, ab.