G-Darius ist ein typisches Shmup (Shoot´em up) und gehört zu
einer langen Reihe von Darius-Spielen. Man könnte die Darius-Serie
als den kleinen, etwas missgestalteten Bruder der R-Type- oder eher noch
der Gradius-Reihe, der sie sogar etwas mehr ähnelt, betrachten. G-Darius
kam 1997 in die Spielhallen, erschien ein Jahr später als Playstation-Konvertierung
und war fast 12 Jahre lang das Schlusslicht der Serie, bis Darius Burst
für die PSP veröffentlicht wurde. Darius ist ein fast schon
standardmäßiges Shoot´em up, bei dem sämtliche Bosse
durch robotisches Meeresgetier repräsentiert werden. Schon beim ersten
Teil für die Spielhallen wurde man immer wieder von Riesenfischen
und ähnlichen Ungeheuern angegriffen. Die Arcade-Version hatte zusätzlich
noch das Gimmick, dass die gesamte Spielfläche auf drei simultanen
Bildschirmen dargestellt wurde.
In G-Darius kehren die Meeresviecher dank einer bizarren Macht namens
Thiima zurück, womit der Spieler erneut einen der zwei Silver Hawk-Kampfjäger
in die Schlacht führen muss, um sie zu Robot-Sushi zu verarbeiten.
Gegenüber der Arcade-Erstveröffentlichung wartet das Playstation-Spiel
mit ein paar netten Extras wie zum Beispiel dem VS Boss- und dem Beginner-Modus
sowie einer die Finger entlastenden Autofire-Funktion auf.
Die Story ist auf den ersten Blick grässliches Kauderwelsch, aus
den Begriffen im Handbuch und dem Intro-Movie kann man jedoch entnehmen,
dass es offensichtlich einen Konflikt zwischen den Planeten Amnelia
(im deutschen Booklet Amuneria) und Blazar gegeben hat, der letztendlich
mit der Vernichtung von Blazar endete. Die dabei verwendete, als A.N.
(All-Nothing) bezeichnete ultimative Vernichtungswaffe weckte das Interesse
von Thiima an Amnelia. Also müssen zwei mit geklauter Thiima-Technologie
ausgestattete Raumschiffe im Alleingang alles zerballern, was Feind
heißt. Diese Darius-typischen Silver Hawks werden von einem männlichen
(Sameluck Raida) und einem weiblichen (Lutia Feen) Piloten in den modischen
Farben rot und blau kommandiert. Gleichzeitig führen beide die
alte Darius-Tradition von Namen fort, die sich so lesen, als hätten
sie Blinde aus einigen Silben der englischen Sprache aufs Geratewohl
zusammengesetzt.
Soundmäßig zieht G-Darius alle Register. Die Soundeffekte
hören sich gut an und die vollklängige Techno-Musik ist dermaßen
hervorragend, dass es fast schon ein Muss ist, sich den Soundtrack zum
Spiel zu besorgen. Selbst wer normalerweise einen gänzlich anderen
Musikgeschmack hat, wird bei G-Darius genauer hinhören wollen.
Grafisch hat sich im Vergleich zu den Vorgängern allerhand getan.
Die vielen 3D-Polygone fallen da besonders positiv auf. Die Levels sind
auch nicht mehr so… na ja, langweilig und leer und die Gegner,
speziell die riesigen Bosse, klotzen derart viele Attacken über
den Bildschirm, dass Epileptiker bereits Anfälle bekommen, wenn
sie das Wort Darius nur hören. Die knallbunte Optik wird zwar nicht
jeden Science-Fiction-Fan begeistern, aber wer mal eine nette Abwechslung
zur düsteren Grimmigkeit eines R-Type braucht, kann sich im Kampf
gegen Riesenfische und Konsorten mal so richtig austoben. Die Level
ändern sich auch plötzlich mittendrin und schlagen eine von
zwei möglichen Routen ein, abhängig davon, wo sich gerade
der eigene Silver Hawk auf dem Bildschirm befindet.
Die Spielmechanik wird allen Gradius-Kennern wahrscheinlich bekannt
vorkommen. R-Typer werden sich hingegen an die Abwesenheit ihrer aufladbaren
Superwaffe erst einmal gewöhnen müssen. Na gut, als quasi
versteckten Ersatz gibt es hier den Alpha-Beam, aber zu dem komme ich
später noch. Neben den verschiedenen Power up´s, die man
über verschiedenfarbige leuchtende Kugeln einsammeln kann, findet
sich auch ein Schutzschild, der ein paar Treffer auffängt. Dieses
Extra ist bei diesem Spiel auch dringend nötig, da die schiere
Masse der Gegner und ihre Feuerkraft selbst die Reflexe eines echten
Piloten locker schlagen könnte. Eine Abweichung vom Mainstream
stellen die so genannten Capture Balls dar, mit denen man Gegner fangen
kann. Falls es klappt, verbessert man damit die eigene Feuerkraft, solange
der eingefangene Feind mitgeschleift wird. Benötigt man ihn nicht,
lässt er sich als Bombe missbrauchen. Die Anzahl der Capture Balls,
Continues und vieles mehr lässt sich im ausführlichen Options-Menu
glücklicherweise so einstellen, dass Anfänger und Profis gleichermaßen
zufriedengestellt werden. Und wer von den Bossen, die Darius-typisch
mit dem Spruch "WARNING! A HUGE BATTLE SHIP … IS APPROACHING
FAST" angekündigt werden, zu oft auf absolut demütigende
Weise zermalmt wurde (so wie ich), kann im VS Boss-Modus versuchen,
allein nur gegen sie anzutreten, um so die notwendigen Taktiken zu üben.
Für diejenigen, die selbst im leichtesten Schwierigkeitsgrad des
Arcade-Modus noch zu wenig Selbstbewusstsein haben, gibt es dann noch
den speziellen, bereits erwähnten Beginner-Modus.
Als Alternative zum niedrigen Schwierigkeitsgrad erlaubt G-Darius einen
simultanen Zweispielermodus, bei dem beide Spieler kooperativ und gleichzeitig
das Feld freiballern können. Der einzige Wehrmutstropfen dabei
ist, dass der Spieler die Farbe seines Silver Hawks nicht frei wählen
kann. Wer die Farben wechseln will, muss entweder die Controller austauschen
oder umstecken. Ansonsten wird euer Silver Hawk bis zu seinem feurigen
Ende im Kiefer eines riesigen robotischen Quastenflossers immer exakt
dieselbe Farbe haben. Ein Ende, das sich vermeiden lässt, wenn
man den Alpha-Beam seines Silver Hawks zu beherrschen lernt. Wer einen
Gegner eingefangen hat und die Feuertaste gedrückt hält, bis
eine Art blaues Leuchten auftaucht, kann seinen Feinden eine böse
Überraschung bereiten. Der Beam ermöglicht einem sogar ein
Duell mit den so genannten Beta-Beam-Waffen der Endbosse, die durch
geschickten Autofire-Einsatz von der eigenen Superwaffe verdrängt
werden können.
Der Umfang von G-Darius ist genauso beachtlich wie die Feuerkraft seiner
Bosse - 15 Zonen, welche jeweils auch noch zwei verschiedene Abzweigungen
aufweisen, stehen zusammen mit ihren Bossen im Weg zur Rettung von Amnelia.
Jedes mal wenn ein Boss sein fischiges Ende gefunden hat, muss zwischen
zwei verschiedenen Folgezonen gewählt werden, einer im Levelgrid
weiter oben und einer, die weiter nach unten führt, so dass man
insgesamt fünf Zonen durchfliegen muss, um das Spiel zu beenden.
Jede Flugroute führt irgendwann zu einem finalen Endboss, der je
nach Wahl der Zonen unterschiedlich ausfällt. Der einzige Anhaltspunkt
dabei ist, dass die unteren Routen zunehmend schwerer werden, die oberen
dagegen ein etwas weniger fieses Niveau aufweisen. Wer die vielen gefährlichen
Zonen und die verschiedenen Endbosse überstehen will, sollte sich
also besser ein paar Tage zum Üben frei nehmen oder einen Freund
mit viel Zeit mitbringen.
Insgesamt sind somit neun solide Punkte zu vergeben. Nur wirklich unwesentliche
Kleinigkeiten wie das umständliche Auswählen der Silver Hawk-Farben
stören etwas. G-Darius ist alles in allem kein kleiner solider
Shooter sondern ein absolutes Muss für jeden Fan des gepflegten
Zerballerns. Das Spiel könnte nur ein Problem für Epileptiker
darstellen, was aber auf gefühlte 95% aller japanischen Spiele
zutrifft und somit kein Grund für einen Punktabzug ist. Wer G-Darius
für die PS One verpasst hat, der sollte Ausschau nach Taito Legends
2 halten, denn dieser starke Shooter ist auf eben dieser Compilation
zu finden.
Ein kleiner Kommentar am Ende, falls man sich fragen sollte, warum
das Spiel ausgerechnet G-Darius heißt. Das G am Anfang des Titels
hat nichts mit G-Kräften oder dergleichen zu tun. Es steht vermutlich
für das Wort Genesis, denn bereits im Intro wird darauf hingewiesen,
dass es bei diesem Spiel um die Erschaffung neuen Lebens geht. Eine
andere Sichtweise ist, dass es für Gigantic steht, einem Attribut,
das die Größe der Bosse und den Spielumfang ja treffend beschreibt.
Unbestätigten Gerüchten zu Folge, die sich gegenseitig als
Quellen nennen, soll G-Darius auch absichtlich von Taito als Anagramm
zu Gradius benannt worden sein, das ja als eines der einflussreichsten
Shmups überhaupt gilt, besonders in Japan. Ich habe für kurze
Zeit in Erwägung gezogen, Japanisch zu lernen und anschließend
in der Taito-Zentrale in Japan persönlich nachzufragen, aber das
war mir dann doch zu anstrengend. Und nun entschuldigt mich, ich habe
plötzlich Hunger auf Fisch…
Fazit: Neun von zehn Punkten mit echt frischem Meeresgetier!
Kommentar Nr. 1
Schreiber: Lyrion
Mit G-Darius liegt uns ein sehr schöner Vertreter der klassischen
Shooter-Schule vor, der wirklich in keiner Playstation-Sammlung fehlen
sollte. Allerdings ist es vielleicht nicht ganz so bekannt, dass es
von diesem Spiel gleich zwei Versionen für die Spielhallen gibt.
Die zweite und ein wenig veränderte bzw. verbesserte Arcade-Version
beinhaltet ebenfalls einen Beginner-Modus, der allerdings nur drei Zonen
umfasst, und kommt wie die Playstation-Version mit einer Autofire-Funktion
daher. Aus diesem Grund weist sie wohl auch einen etwas erhöhten
Schwierigkeitsgrad auf. Zudem glänzt diese Version mit Zwischenbossen,
welche bei der ersten Version fehlen. Das Spiel wurde also um noch mehr
leckeres Sushi in Konservendosen für den unersättlichen Shooter-Fan
ergänzt. =) Einige weitere kleine und unauffällige Unterschiede
wie zum Beispiel das Zeitlimit bei den Endbossen runden G-Darius Ver.2,
wie der offiziell Name dieses Spieles lautet, ab.
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