Wenn man sich ernsthaft mit japanischen Videospielen beschäftigt,
stößt man früher oder später zwangsläufig auf
den Begriff "Doujin". Darunter werden alle Spiele von unabhängigen
Hobbyprogrammierern zusammengefasst, die aufgrund ihrer professionellen
Qualität nicht mehr kostenlos angeboten, sondern meistens in Selbstregie
und in kleinen Auflagen veröffentlicht werden. Der größte
Anteil der im Westen bekannten Doujin-Spiele gehört dem Shoot´em
up-Genre an, was mit der Zugänglichkeit der Projekte zu begründen
ist. Da die meisten davon jedoch dem hammerschweren Bullet-Hell-Subgenre
angehören, empfand ich meistens schon die Demos als ausreichend.
Ab und zu findet sich aber dennoch ein geniales Spiel darunter, das voll
und ganz meinem Geschmack entspricht. Im aktuellen Fall trifft dies auf
"Gigantic Army" von Astro Port zu, ein Action-Spiel, das sich
sehr stark an Konamis "Cybernator" bzw. "Assault Suits
Valken" orientiert.
Das Spielprinzip ist dabei erdenklich klassisch und einfach. In Form
eines zweidimensionalen Action-Plattformers muss man sich mit einem
gepanzerten Kampfroboter, der auf den Namen GMR-34 SALADIN hört,
durch sechs umfangreiche Spielabschnitte durchkämpfen. Mit einer
enormen Gegenwehr, die wohl dem Titel des Spieles entsprechend mit einer
ganzen Reihe gigantischer Bossgegner aufwartet, ist das Unterfangen
aber kein Zuckerschlecken. Um dem feindlichen Aufgebot überhaupt
gewappnet zu sein, verfügt unser stählerner Koloss über
eine permanente Haupt- und eine beschränkte Subwaffe, die jeweils
zu Beginn des Spieles aus folgenden Optionen ausgewählt werden
dürfen:
Main Weapons
1. ZAT-39 Assault Rifle - Ein gebündeltes und frontal gerichtetes
Vulcan-Geschoss mit sehr hoher Frequenz.
2. SRI-U6 Riot Gun - Ein flächendeckendes Mehrfachgeschoss mit
ebenfalls sehr hoher Schussfrequenz, das sich besonders für Anfänger
eignet.
3. UG-M Grenade Gun - Ein sehr starkes Granatengeschütz, das beim
Aufprall flächendeckenden Schaden verursacht, jedoch eine gute
Zielgenauigkeit voraussetzt.
Special Weapons
1. SHAD-S1 Cluster Bomb - Lässt einen vernichtenden Bombenhagel
auf die Feinde niederprasseln. Hohe Verfügbarkeit.
2. MJ-88 Missile Pod - Feuert eine Salve aus Zielsuchraketen auf die
Gegner ab. Mittlere Verfügbarkeit.
3. GDW-76 Beam Cannon - Ein geballter Strahl purer Energie, der alles
auf seinem Weg vernichtet. Niedrige Verfügbarkeit.
Die Wahl der Waffen bestimmt neben den vier vorhandenen Schwierigkeitsgraden,
wovon die beiden letzten erst freigespielt werden müssen, den Ablauf
des Spieles, da sich die Handhabung des eigenen Kampfroboters dadurch
recht gravierend ändert. Zudem ist ab dem normalen Schwierigkeitsgrad
noch eine gehörige Portion Verteidigungstaktik notwendig, die mit
einem flexiblen, aber nicht ewig haltenden Schutzschild umgesetzt werden
muss, da Ausweichmanöver aufgrund der stark eingeschränkten
Schubkraft meistens riskanter sind. Bei jedem eingesteckten Treffer
schrumpft nicht nur die Energieleiste gehörig zusammen, sondern
man büsst auch die mit roten P-Symbolen eindrucksvoll verstärkte
Durchschlagskraft der Hauptwaffe ein. Mit den ab und zu auftauchenden
H-Symbolen dürfen glücklicherweise die Energiereserven unserer
Kampfmaschine aufgefrischt werden, was aufgrund der Tatsache, dass man
nur ein einziges Leben besitzt, mehr als notwendig ist. Beim Einsatz
eines der drei verfügbaren Continues muss der letzte Level von
vorne in Angriff genommen werden. Ein nicht unbedingt komfortables Zeitlimit,
das mit entsprechenden T-Symbolen aufgewertet werden kann, sorgt noch
zusätzlich für etwas Hektik. Das Spiel ist deshalb immer fordernd,
aber trotz allem ausgewogen.
Das Leveldesign ist gut durchdacht und sehr abwechslungsreich, was
vor allem den zahlreichen interessanten Feinden zu verdanken ist. Bereits
der gigantische Panzer, der als Mittelgegner des ersten Levels dient,
oder die mechanische Spinne an dessen Ende, sorgen schon alleine wegen
ihrer Größe für Aufsehen. "Gigantic Army"
zeigt sich hier wahrlich von seiner besten Seite. Die Schokoladenseite
stellt aber die detailverliebte Grafik dar, die sowohl in allen Sprites
als auch in den mit Parallax-Scrolling unterlegten Hintergründen
zur Geltung kommt. Unser eigener Kampfroboter sieht bereits durch die
Auswahl der unterschiedlichen Waffensysteme jedes Mal etwas anders aus,
beim Feuern sieht man die Patronenhülsen fliegen und die Nutzung
der einzelnen Subwaffen öffnet gänzlich unterschiedliche Schiessvorrichtungen.
Im Hintergrund spielen sich horrende Kämpfe zwischen anderen Gegnern
ab, Laser-Strahlen fliegen einem scheinbar um die Ohren. Die umständlich
aussehenden Bauwerke im zweiten Level lassen einen nur erahnen, mit
wie viel Liebe man hierbei zu Werke gegangen ist. Akustisch verhält
es sich nicht allzu anders, auch wenn die eher dezenteren Musikstücke
kaum in Erinnerung haften bleiben. Die ständigen Funksignale und
Geräusche, die das futuristische Kampfszenario gekonnt untermauern,
aber umso mehr. "Gigantic Army" ist definitiv ein Spiel von
Fans für Fans, das sich kein Mech-Freund entgehen lassen sollte.
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