Gigantic Army
Action

Minrod
Februar 11
 

Wenn man sich ernsthaft mit japanischen Videospielen beschäftigt, stößt man früher oder später zwangsläufig auf den Begriff "Doujin". Darunter werden alle Spiele von unabhängigen Hobbyprogrammierern zusammengefasst, die aufgrund ihrer professionellen Qualität nicht mehr kostenlos angeboten, sondern meistens in Selbstregie und in kleinen Auflagen veröffentlicht werden. Der größte Anteil der im Westen bekannten Doujin-Spiele gehört dem Shoot´em up-Genre an, was mit der Zugänglichkeit der Projekte zu begründen ist. Da die meisten davon jedoch dem hammerschweren Bullet-Hell-Subgenre angehören, empfand ich meistens schon die Demos als ausreichend. Ab und zu findet sich aber dennoch ein geniales Spiel darunter, das voll und ganz meinem Geschmack entspricht. Im aktuellen Fall trifft dies auf "Gigantic Army" von Astro Port zu, ein Action-Spiel, das sich sehr stark an Konamis "Cybernator" bzw. "Assault Suits Valken" orientiert.

Das Spielprinzip ist dabei erdenklich klassisch und einfach. In Form eines zweidimensionalen Action-Plattformers muss man sich mit einem gepanzerten Kampfroboter, der auf den Namen GMR-34 SALADIN hört, durch sechs umfangreiche Spielabschnitte durchkämpfen. Mit einer enormen Gegenwehr, die wohl dem Titel des Spieles entsprechend mit einer ganzen Reihe gigantischer Bossgegner aufwartet, ist das Unterfangen aber kein Zuckerschlecken. Um dem feindlichen Aufgebot überhaupt gewappnet zu sein, verfügt unser stählerner Koloss über eine permanente Haupt- und eine beschränkte Subwaffe, die jeweils zu Beginn des Spieles aus folgenden Optionen ausgewählt werden dürfen:

Main Weapons
1. ZAT-39 Assault Rifle - Ein gebündeltes und frontal gerichtetes Vulcan-Geschoss mit sehr hoher Frequenz.
2. SRI-U6 Riot Gun - Ein flächendeckendes Mehrfachgeschoss mit ebenfalls sehr hoher Schussfrequenz, das sich besonders für Anfänger eignet.
3. UG-M Grenade Gun - Ein sehr starkes Granatengeschütz, das beim Aufprall flächendeckenden Schaden verursacht, jedoch eine gute Zielgenauigkeit voraussetzt.

Special Weapons
1. SHAD-S1 Cluster Bomb - Lässt einen vernichtenden Bombenhagel auf die Feinde niederprasseln. Hohe Verfügbarkeit.
2. MJ-88 Missile Pod - Feuert eine Salve aus Zielsuchraketen auf die Gegner ab. Mittlere Verfügbarkeit.
3. GDW-76 Beam Cannon - Ein geballter Strahl purer Energie, der alles auf seinem Weg vernichtet. Niedrige Verfügbarkeit.

Die Wahl der Waffen bestimmt neben den vier vorhandenen Schwierigkeitsgraden, wovon die beiden letzten erst freigespielt werden müssen, den Ablauf des Spieles, da sich die Handhabung des eigenen Kampfroboters dadurch recht gravierend ändert. Zudem ist ab dem normalen Schwierigkeitsgrad noch eine gehörige Portion Verteidigungstaktik notwendig, die mit einem flexiblen, aber nicht ewig haltenden Schutzschild umgesetzt werden muss, da Ausweichmanöver aufgrund der stark eingeschränkten Schubkraft meistens riskanter sind. Bei jedem eingesteckten Treffer schrumpft nicht nur die Energieleiste gehörig zusammen, sondern man büsst auch die mit roten P-Symbolen eindrucksvoll verstärkte Durchschlagskraft der Hauptwaffe ein. Mit den ab und zu auftauchenden H-Symbolen dürfen glücklicherweise die Energiereserven unserer Kampfmaschine aufgefrischt werden, was aufgrund der Tatsache, dass man nur ein einziges Leben besitzt, mehr als notwendig ist. Beim Einsatz eines der drei verfügbaren Continues muss der letzte Level von vorne in Angriff genommen werden. Ein nicht unbedingt komfortables Zeitlimit, das mit entsprechenden T-Symbolen aufgewertet werden kann, sorgt noch zusätzlich für etwas Hektik. Das Spiel ist deshalb immer fordernd, aber trotz allem ausgewogen.

Das Leveldesign ist gut durchdacht und sehr abwechslungsreich, was vor allem den zahlreichen interessanten Feinden zu verdanken ist. Bereits der gigantische Panzer, der als Mittelgegner des ersten Levels dient, oder die mechanische Spinne an dessen Ende, sorgen schon alleine wegen ihrer Größe für Aufsehen. "Gigantic Army" zeigt sich hier wahrlich von seiner besten Seite. Die Schokoladenseite stellt aber die detailverliebte Grafik dar, die sowohl in allen Sprites als auch in den mit Parallax-Scrolling unterlegten Hintergründen zur Geltung kommt. Unser eigener Kampfroboter sieht bereits durch die Auswahl der unterschiedlichen Waffensysteme jedes Mal etwas anders aus, beim Feuern sieht man die Patronenhülsen fliegen und die Nutzung der einzelnen Subwaffen öffnet gänzlich unterschiedliche Schiessvorrichtungen. Im Hintergrund spielen sich horrende Kämpfe zwischen anderen Gegnern ab, Laser-Strahlen fliegen einem scheinbar um die Ohren. Die umständlich aussehenden Bauwerke im zweiten Level lassen einen nur erahnen, mit wie viel Liebe man hierbei zu Werke gegangen ist. Akustisch verhält es sich nicht allzu anders, auch wenn die eher dezenteren Musikstücke kaum in Erinnerung haften bleiben. Die ständigen Funksignale und Geräusche, die das futuristische Kampfszenario gekonnt untermauern, aber umso mehr. "Gigantic Army" ist definitiv ein Spiel von Fans für Fans, das sich kein Mech-Freund entgehen lassen sollte.