Golden Sun
RPG

Motherfreak
August 10
 

Diesmal soll es um den ersten Teil der Golden Sun-Reihe gehen, eines der ersten Rollenspiele für den Game Boy Advance. Das Spiel wurde zu einem großen Verkaufsschlager, allein in Japan und in den Vereinigten Staaten gingen über eine Million Spiele über die Ladentheke. So ist es nicht verwunderlich, dass große Fan-Gemeinden um das Spiel entstanden, und es ist nach wie vor eines der berühmtesten Rollenspiele für den GBA. Dabei hat Camelot die Entwicklung von "Golden Sun" zunächst für den Nintendo 64 geplant. Als jedoch das 64DD in Japan scheiterte und der Game Cube angekündigt wurde, hat man sich umentschieden. Letztendlich wurde das Projekt auf dem Game Boy Advance fortgeführt und in einer Zeitspanne von ungefähr einem Jahr fertiggestellt. Da das gesamte Spiel wegen der Hardware-Kapazität nicht auf ein Modul passte, wurde es in zwei Teile geteilt.

Einst beherrschte Alchemie Weyard und die Welt erlebte eine Blütezeit der Zivilisation, der Bildung und des Fortschritts. Allerdings missbrauchten die Menschen ihre Macht, was in Kriegen und Konflikten ausartete, und so wurde die Alchemie, welche durch die Elementarleuchttürme freigesetzt wurde, mit Hilfe von vier Juwelen, den so genannten Elementarsternen, versiegelt. Die Geschichte des Spieles beginnt in einer stürmischen Nacht auf dem Aleph-Berg, einem heiligen Ort der Bewohner von Vale. Als ein riesiger Brocken durch den wütenden Sturm herabzustürzen droht, können ihn die magiebegabten Adepten nur mit Mühe zurückhalten. Trotz aller Anstrengungen und der laufenden Evakuierung reißt der Felsbrocken dennoch einige Bewohner mit in den Tod. Als Isaac, der primäre Hauptcharakter, und sein bester Freund Garet Hilfe holen wollen, belauschen sie zwei Fremde, welche durch ihr gewaltsames Eindringen in das Heiligtum von Sol auf dem Aleph-Berg diesen schrecklichen Sturm ausgelöst haben. Als sie Isaac und Garet entdecken, prügeln sie die beiden Freunde bewusstlos und rauben ihnen so die Erinnerung an diese Begegnung. Drei Jahre später versuchen die beiden Fremden erneut in das Heiligtum von Sol einzudringen. Als Isaac und Garet die Gefahr riechen, machen sie sich zusammen mit ihrer Freundin Jenna und dem Gelehrten Kraden ebenfalls auf den Weg ins Heiligtum, um den beiden Störenfrieden zuvorzukommen und sie aufzuhalten. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten, allerdings möchte ich noch die vier Hauptcharaktere des Spieles etwas näher vorstellen:

Isaac verlor seinen Vater vor drei Jahren. Seitdem lebt er mit seiner Mutter allein in seinem Haus. Sein bester Freund ist Garet, mit dem er viel Zeit verbringt. Isaac ist ein Venus-Adept, welcher mit Psynergy und Schwert gleichermaßen gut umgehen kann.

Garet ist ein Mars-Adept und gilt bei den meisten Vale-Bewohnern nicht gerade als eine Intelligenzbestie. Dafür ist er mehr für sein impulsives Verhalten bekannt. Dennoch ist er ein zuverlässiger und ehrlicher Freund, welcher eine große Stärke besitzt. Zudem ist er der Enkel des Bürgermeisters von Vale.

Ivan ist ein Schutzbefohlener von Meister Hammet, welcher die Stadt Kalay gründete. Er selbst ist sich seiner Sache recht unsicher, aber wenn es darauf ankommt, kann man sich auf seine Unterstützung verlassen. Der Jupiter-Adept ist bekannt für seine Pfiffigkeit und seine außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Mia wohnt direkt in der Nähe des Merkur-Leuchtturms in dem kleinen, winterlichen Ort Imil. Die Merkur-Adeptin hat herausragende Fähigkeiten als Heilerin und ist deswegen bei den Bewohnern recht beliebt. Wenn man sie jedoch hintergeht, zeigt die sonst warmherzige Mia ihre andere Seite.

"Golden Sun" ist ein Rollenspiel mit eher klassischen Elementen. Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab und die zufällig erscheinenden Gegner sind mit Ausnahme der Endgegner im Vorfeld nicht sichtbar. Magie wird hier durch Psynergy-Punkte (PP) dargestellt, und beinahe jede Psynergy ist einem der vier klassischen Elemente zugeordnet. Aber nicht nur die Zauber, auch die Charaktere gehören jeweils einem der vier Elemente an und lernen die Zauber des entsprechenden Elements. Mit diesem System fällt die maximal vierköpfige Gruppe recht ausgewogen aus. Kommt es zum Kampf, wobei auch die Option zur Flucht existiert, können die Charaktere normal angreifen, sich verteidigen, Items benutzen sowie Psynergy, Beschwörungen und Dschinns, mit welchen sehr effektive Beschwörungsangriffe ausgeführt werden können, einsetzen. Die Dschinns sind magische Wesen, welche im Laufe des Abenteuers gefunden werden können. Insgesamt gibt es 28 Dschinns, sieben zu jedem Element. Da die Dschinns den Charakteren zugeordnet werden können, haben sie auch maßgebliche Auswirkungen auf diese und ihre Entwicklung. So kann z.B. ein Erd-Adept seine Attribute wie etwa Stärke und Magie verändern, wenn er einen Wasser-Dschinn zugewiesen bekommt. Aber auch die einsetzbare Psynergy ändert sich, was durchaus eine gewisse taktische Vorgehensweise vom Spieler verlangen kann. Die Psynergy muss auch außerhalb der Kämpfe eingesetzt werden, um Rätsel zu lösen. Einige der Zauber sind extra dafür konzipiert. Die Rätsel umfassen von einfachen Schieberätseln bis hin zu komplizierten Kopfnüssen ein sehr breites Spektrum, welches das Herz von Adventure- und Rätsel-Fans höher schlagen lässt. Um einen schnellen Zugriff auf die bevorzugten Zauber zu haben, lassen sich zwei Psynergy-Arten auf die Schultertasten legen. Die verbrauchten Psynergy-Punkte laden sich einfach durch Herumlaufen wieder auf. Man kann sich aber auch bei den sogenannten Psynergy-Steinen aufladen, die an manchen Stellen im Spiel zu finden sind. Von ihnen gibt es zwei Arten: während die ersten nach Gebrauch verschwinden, bleiben die anderen an ihrem Standort erhalten.

Wie in jedem anderen Rollenspiel gibt es hier ebenfalls Rüstungen und Waffen, von denen sich manche nur einmal finden lassen. Manche Gegenstände, die im Kampf benutzt wurden, zerbrechen, sie können jedoch gegen Entgelt in entsprechenden Läden wieder repariert werden. Eine weitere Einrichtung stellt die altbekannte Herberge dar, wo sich die Protagonisten durch Schlaf vollständig regenerieren. Im örtlichen Heiligtum können die Charaktere wiederbelebt und von Vergiftungen, Flüchen sowie verfluchten Ausrüstungsgegenständen befreit werden. Zusätzlich gibt es noch die Link Lobby, in der man hintereinander gegen alle im Hauptspiel bereits besiegten Gegner antreten kann. Außerdem kann man dort per Link-Kabel seine Kräfte mit dem Team eines anderen Spielers messen.

Die Grafik galt damals als wegweisend auf dem Handheld-Markt, denn die Hintergründe, Charaktere und Animationen sind allesamt sehr aufwendig gestaltet und sehen noch heute sehr gut aus, so dass jeder damit glücklich werden müsste, es sei denn man ist ein 3D-Fetischist. Besonders hervorheben möchte ich hier die Beschwörungen, die wirklich toll aussehen und einen besonders guten Eindruck auf dem Game Boy Advance machen. Und auch der Soundtrack, der von Motoi Sakuraba komponiert wurde, braucht sich nicht zu verstecken. Jede Situation wird wirklich passend untermalt, was dem Spiel noch mehr Atmosphäre verleiht. Etwas negativ fällt dagegen die sehr linear ablaufende Handlung auf. Jenseits der Hauptgeschichte gibt es aber viele Sidequests mit optionalen Dungeons und Bossgegnern sowie netten Gimmicks. Eine weitere kleine Schwäche des Spiels stellen die vielen belanglosen Textpassagen dar, die schon mal am Geduldsfaden ziehen können. Mich persönlich stört dies wenig, aber für einige andere Spieler könnte das nervtötend sein. Auch die Charaktere sind meiner Ansicht nach nicht ganz so detailliert ausgearbeitet worden, allerdings sind sie alle sehr sympathisch.

Fazit: "Golden Sun" ist trotz der linearen Handlung bis heute einer meiner Top-Favoriten im Bereich der Rollenspiele. Aus diesem Grund vergebe ich - wenn auch nur SEHR knapp an der Höchstwertung vorbei - neun von zehn möglichen Punkten.