Diesmal soll es um den ersten Teil der Golden Sun-Reihe gehen, eines der
ersten Rollenspiele für den Game Boy Advance. Das Spiel wurde zu
einem großen Verkaufsschlager, allein in Japan und in den Vereinigten
Staaten gingen über eine Million Spiele über die Ladentheke.
So ist es nicht verwunderlich, dass große Fan-Gemeinden um das Spiel
entstanden, und es ist nach wie vor eines der berühmtesten Rollenspiele
für den GBA. Dabei hat Camelot die Entwicklung von "Golden Sun"
zunächst für den Nintendo 64 geplant. Als jedoch das 64DD in
Japan scheiterte und der Game Cube angekündigt wurde, hat man sich
umentschieden. Letztendlich wurde das Projekt auf dem Game Boy Advance
fortgeführt und in einer Zeitspanne von ungefähr einem Jahr
fertiggestellt. Da das gesamte Spiel wegen der Hardware-Kapazität
nicht auf ein Modul passte, wurde es in zwei Teile geteilt.
Einst beherrschte Alchemie Weyard und die Welt erlebte eine Blütezeit
der Zivilisation, der Bildung und des Fortschritts. Allerdings missbrauchten
die Menschen ihre Macht, was in Kriegen und Konflikten ausartete, und
so wurde die Alchemie, welche durch die Elementarleuchttürme freigesetzt
wurde, mit Hilfe von vier Juwelen, den so genannten Elementarsternen,
versiegelt. Die Geschichte des Spieles beginnt in einer stürmischen
Nacht auf dem Aleph-Berg, einem heiligen Ort der Bewohner von Vale.
Als ein riesiger Brocken durch den wütenden Sturm herabzustürzen
droht, können ihn die magiebegabten Adepten nur mit Mühe zurückhalten.
Trotz aller Anstrengungen und der laufenden Evakuierung reißt
der Felsbrocken dennoch einige Bewohner mit in den Tod. Als Isaac, der
primäre Hauptcharakter, und sein bester Freund Garet Hilfe holen
wollen, belauschen sie zwei Fremde, welche durch ihr gewaltsames Eindringen
in das Heiligtum von Sol auf dem Aleph-Berg diesen schrecklichen Sturm
ausgelöst haben. Als sie Isaac und Garet entdecken, prügeln
sie die beiden Freunde bewusstlos und rauben ihnen so die Erinnerung
an diese Begegnung. Drei Jahre später versuchen die beiden Fremden
erneut in das Heiligtum von Sol einzudringen. Als Isaac und Garet die
Gefahr riechen, machen sie sich zusammen mit ihrer Freundin Jenna und
dem Gelehrten Kraden ebenfalls auf den Weg ins Heiligtum, um den beiden
Störenfrieden zuvorzukommen und sie aufzuhalten. Mehr wird an dieser
Stelle nicht verraten, allerdings möchte ich noch die vier Hauptcharaktere
des Spieles etwas näher vorstellen:
Isaac verlor seinen Vater vor drei Jahren. Seitdem lebt er mit seiner
Mutter allein in seinem Haus. Sein bester Freund ist Garet, mit dem
er viel Zeit verbringt. Isaac ist ein Venus-Adept, welcher mit Psynergy
und Schwert gleichermaßen gut umgehen kann.
Garet ist ein Mars-Adept und gilt bei den meisten Vale-Bewohnern nicht
gerade als eine Intelligenzbestie. Dafür ist er mehr für sein
impulsives Verhalten bekannt. Dennoch ist er ein zuverlässiger
und ehrlicher Freund, welcher eine große Stärke besitzt.
Zudem ist er der Enkel des Bürgermeisters von Vale.
Ivan ist ein Schutzbefohlener von Meister Hammet, welcher die Stadt
Kalay gründete. Er selbst ist sich seiner Sache recht unsicher,
aber wenn es darauf ankommt, kann man sich auf seine Unterstützung
verlassen. Der Jupiter-Adept ist bekannt für seine Pfiffigkeit
und seine außergewöhnlichen Fähigkeiten.
Mia wohnt direkt in der Nähe des Merkur-Leuchtturms in dem kleinen,
winterlichen Ort Imil. Die Merkur-Adeptin hat herausragende Fähigkeiten
als Heilerin und ist deswegen bei den Bewohnern recht beliebt. Wenn
man sie jedoch hintergeht, zeigt die sonst warmherzige Mia ihre andere
Seite.
"Golden Sun" ist ein Rollenspiel mit eher klassischen Elementen.
Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab und die zufällig erscheinenden
Gegner sind mit Ausnahme der Endgegner im Vorfeld nicht sichtbar. Magie
wird hier durch Psynergy-Punkte (PP) dargestellt, und beinahe jede Psynergy
ist einem der vier klassischen Elemente zugeordnet. Aber nicht nur die
Zauber, auch die Charaktere gehören jeweils einem der vier Elemente
an und lernen die Zauber des entsprechenden Elements. Mit diesem System
fällt die maximal vierköpfige Gruppe recht ausgewogen aus.
Kommt es zum Kampf, wobei auch die Option zur Flucht existiert, können
die Charaktere normal angreifen, sich verteidigen, Items benutzen sowie
Psynergy, Beschwörungen und Dschinns, mit welchen sehr effektive
Beschwörungsangriffe ausgeführt werden können, einsetzen.
Die Dschinns sind magische Wesen, welche im Laufe des Abenteuers gefunden
werden können. Insgesamt gibt es 28 Dschinns, sieben zu jedem Element.
Da die Dschinns den Charakteren zugeordnet werden können, haben
sie auch maßgebliche Auswirkungen auf diese und ihre Entwicklung.
So kann z.B. ein Erd-Adept seine Attribute wie etwa Stärke und
Magie verändern, wenn er einen Wasser-Dschinn zugewiesen bekommt.
Aber auch die einsetzbare Psynergy ändert sich, was durchaus eine
gewisse taktische Vorgehensweise vom Spieler verlangen kann. Die Psynergy
muss auch außerhalb der Kämpfe eingesetzt werden, um Rätsel
zu lösen. Einige der Zauber sind extra dafür konzipiert. Die
Rätsel umfassen von einfachen Schieberätseln bis hin zu komplizierten
Kopfnüssen ein sehr breites Spektrum, welches das Herz von Adventure-
und Rätsel-Fans höher schlagen lässt. Um einen schnellen
Zugriff auf die bevorzugten Zauber zu haben, lassen sich zwei Psynergy-Arten
auf die Schultertasten legen. Die verbrauchten Psynergy-Punkte laden
sich einfach durch Herumlaufen wieder auf. Man kann sich aber auch bei
den sogenannten Psynergy-Steinen aufladen, die an manchen Stellen im
Spiel zu finden sind. Von ihnen gibt es zwei Arten: während die
ersten nach Gebrauch verschwinden, bleiben die anderen an ihrem Standort
erhalten.
Wie in jedem anderen Rollenspiel gibt es hier ebenfalls Rüstungen
und Waffen, von denen sich manche nur einmal finden lassen. Manche Gegenstände,
die im Kampf benutzt wurden, zerbrechen, sie können jedoch gegen
Entgelt in entsprechenden Läden wieder repariert werden. Eine weitere
Einrichtung stellt die altbekannte Herberge dar, wo sich die Protagonisten
durch Schlaf vollständig regenerieren. Im örtlichen Heiligtum
können die Charaktere wiederbelebt und von Vergiftungen, Flüchen
sowie verfluchten Ausrüstungsgegenständen befreit werden.
Zusätzlich gibt es noch die Link Lobby, in der man hintereinander
gegen alle im Hauptspiel bereits besiegten Gegner antreten kann. Außerdem
kann man dort per Link-Kabel seine Kräfte mit dem Team eines anderen
Spielers messen.
Die Grafik galt damals als wegweisend auf dem Handheld-Markt, denn
die Hintergründe, Charaktere und Animationen sind allesamt sehr
aufwendig gestaltet und sehen noch heute sehr gut aus, so dass jeder
damit glücklich werden müsste, es sei denn man ist ein 3D-Fetischist.
Besonders hervorheben möchte ich hier die Beschwörungen, die
wirklich toll aussehen und einen besonders guten Eindruck auf dem Game
Boy Advance machen. Und auch der Soundtrack, der von Motoi Sakuraba
komponiert wurde, braucht sich nicht zu verstecken. Jede Situation wird
wirklich passend untermalt, was dem Spiel noch mehr Atmosphäre
verleiht. Etwas negativ fällt dagegen die sehr linear ablaufende
Handlung auf. Jenseits der Hauptgeschichte gibt es aber viele Sidequests
mit optionalen Dungeons und Bossgegnern sowie netten Gimmicks. Eine
weitere kleine Schwäche des Spiels stellen die vielen belanglosen
Textpassagen dar, die schon mal am Geduldsfaden ziehen können.
Mich persönlich stört dies wenig, aber für einige andere
Spieler könnte das nervtötend sein. Auch die Charaktere sind
meiner Ansicht nach nicht ganz so detailliert ausgearbeitet worden,
allerdings sind sie alle sehr sympathisch.
Fazit: "Golden Sun" ist trotz der linearen Handlung bis heute
einer meiner Top-Favoriten im Bereich der Rollenspiele. Aus diesem Grund
vergebe ich - wenn auch nur SEHR knapp an der Höchstwertung vorbei
- neun von zehn möglichen Punkten.
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