James Pond 2 - Codename RoboCod
Jump´n´run

Riemann80
Juni 11
 

Ein typisches Szenario in den 80´er und 90´er Jahren: Kind will Spiel X und hat Plattform Y, jedoch gibt es das Spiel nur für Plattform Z. Handelte es sich dann bei Y um einen PC und bei X um ein Spiel für die Konsole einer großen japanischen Firma, so sah es mit gleichwertigem Ersatz doch recht düster aus, zumindest im Bereich der damals allseits beliebten Plattformer. Auf dem PC erschienen in diesem Genre bis Mitte der 90´er nur relativ wenige Titel, vor allem außerhalb des Shareware-Marktes, und die meisten davon konnten technisch und/oder spielerisch nicht überzeugen. Allerdings gab es auch hin und wieder Lichtblicke, so zum Beispiel "James Pond 2 - Codename RoboCod", das ursprünglich 1991 für Commodore Amiga, Atari ST sowie Sega Mega Drive erschien und 1993 für den PC portiert wurde. Als eine Art Parodie auf die James Bond-Filme, leiht sich der zweite Teil auch einen Aspekt aus den RoboCop-Streifen aus, wie man aus dem Untertitel nicht schwer erraten kann.

Kommen wir zur Geschichte: Nachdem unser Held, der Fischagent James Pond, die Pläne seines Erzfeindes Dr. Maybe im ersten Teil durchkreuzte, zieht jener sich an den Nordpol zurück und besetzt dort die Spielzeugfabrik des Weihnachtsmannes. Um die Fabrik zu zerstören, nimmt er Pinguine (Ja, Pinguine am Nordpol!) gefangen und versieht sie mit Sprengladungen, während er alle Spielzeuge zu mechanischen Schergen umbaut. Dies ruft natürlich abermals James Pond auf den Plan, der mit seinem brandneuen RoboCod-Anzug loszieht, um die Bomben zu entschärfen und Dr. Maybe endgültig dingfest zu machen.

Das Spiel beginnt vor der Fabrik, wo die einzelnen Level durch Türen, von denen immer nur höchstens zwei offen sind, betreten werden. Neue Türen werden erst entriegelt, wenn die offenen Level absolviert wurden. Die einzelnen Spielabschnitte verzweigen sich jeweils in mehrere Unterbereiche und alle paar Level gibt es einen Endgegner. Um in einem Level weiter zu kommen, muss nur der Ausgang gefunden werden. Allerdings ist dieser erst offen, wenn alle Pinguinbomben entschärft wurden. Der zahlreich auftretenden Gegner entledigt man sich klassisch durch Draufhüpfen. Neben Rennen und Springen kann James seinen RoboCod-Anzug verwenden, um sich beliebig in die Höhe auszudehnen. Trifft er dabei auf eine solide Plattform, kann er sich daran festkrallen und an dieser entlang hangeln. Als Extras kann man des Öfteren Transportmittel wie Autos oder Flugzeuge finden, Sterne geben Lebensenergie zurück, Rüstungen verleihen befristete Unverwundbarkeit, Schirme bremsen den freien Fall und Flügel ermöglichen bodenunabhängige Fortbewegung ohne Flugzeug.

Grafisch ist das Spiel sehr ansehnlich. James und seine Widersacher wurden knuffig gezeichnet und vorzüglich animiert. Auch die Umgebung und die Hintergründe sind sehr gut gelungen, lediglich bei letzteren gibt es auf der hintersten Ebene manchmal eine psychedelisch-grelle Farbkombination, die auf die Dauer etwas anstrengt. Davon abgesehen wussten die Grafiker sehr gut mit der VGA-Palette umzugehen. Was bei "RoboCod" allerdings wirklich noch besonders hervorsticht, ist das absolut flüssige, ruckelfreie Scrolling, das sich auch in Höchstgeschwindigkeit keine Blöße gibt. Auf dem PC war das zu jener Zeit eine nicht gerade geringe technische Leistung.

Musikalisch sieht es allerdings einen Tick schlechter aus. Das Spiel bietet eine ganze Reihe fröhlicher Melodien (teils bekannte Stücke wie "We Wish You a Merry Christmas"), jedoch können diese bei längerem Spielen auch mal an den Nerven sägen, zumindest wenn man sich an einer Stelle im Spiel festgefahren hat und einen Abschnitt zum x-ten Mal wiederholt. Die zum Untertitel passende Eingangsmusik fällt dagegen ganz witzig aus, da sie eindeutig als eine modifizierte Version des RoboCop-Hauptthemas zu erkennen ist. An den Soundeffekten gibt es nichts auszusetzen.

Die saubere Technik schließt zum Glück auch die Steuerung mit ein. Das Programm reagiert auf alle Eingaben präzise, selbst mit der Tastatur lässt sich noch sehr gut spielen. Einziger Schwachpunkt ist die Tatsache, dass James zum Anhalten stets einen Bremsweg benötigt, was bei längeren Sprungpassagen über schmale Plattformen schon mal für Abstürze sorgt. Zum Glück gibt es im Levelaufbau keine absolut unfairen Stellen, sämtliche Abschnitte sind gut bis sehr gut durchdacht, uninspirierte Passagen kommen nur ganz selten vor. Positiv fällt auf, dass es ziemlich viel zu entdecken gibt. Oft kann man versteckte oder außerhalb des "Hauptweges" platzierte Boni oder Items finden, welche nicht selten für einen wesentlich schnelleren und entspannteren Weg zum Ausgang sorgen. Weiterhin gibt es auch oft versteckte oder alternative Ausgänge, die in alternative, oft mit vielen Boni versehene Abschnitte führen. Der RoboCod-Anzug kommt bei den teilweise auch vertikal aufgebauten Levels ausreichend zum Tragen, vereinzelt kann man damit sogar lästige Sprungetappen umgehen. Im Wesentlichen gibt es nur zwei große Mankos. Das eine betrifft die Innovation, denn sehr viel Neues wirft "James Pond 2" trotz der "Dehnmechanik" nicht in die Waagschale. Das andere hingegen ist das Fehlen von Passwörtern und jeglicher Speichermöglichkeit. Hat man alle Leben ausgehaucht, gibt es noch zwei Continues, die einen glücklicherweise in den letzten Levelabschnitt befördern und nicht an den Anfang des Levels, aber danach ist Sense und die Mission gescheitert. Das Spiel ist zwar am damaligen Standard gemessen nicht allzu schwer, aber man will auch nicht zwingend alles in einem Rutsch durchspielen müssen.

Noch ein Kuriosum am Rande: "James Pond 2 - Codename RoboCod" ist eines der ersten Spiele mit Product-Placement. Die Pinguine sind als Werbung für die britische Keksmarke "Penguin" gedacht. Zudem findet man des Öfteren Verpackungen der "Penguin Biscuits" in der Levelumgebung. Optisch verfolgt jeder Level immer ein Thema wie zum Beispiel Musik, Kuscheltiere oder Süßigkeiten, die sich im Bezug auf die Kekse natürlich regelrecht anboten.

Fazit: Wie auch immer man dieses Spiel auf Heimcomputern und Konsolen angesichts der schlagkräftigen und umfangreichen Konkurrenz sehen mag, auf dem PC sticht "RoboCod" technisch und spielerisch absolut hervor. Wer gerne auch unter DOS Jump´n´run´s spielt oder einfach mal sehen will, was damals auf dem PC machbar war, sollte das Spiel unbedingt mal antesten.