Ein typisches Szenario in den 80´er und 90´er Jahren: Kind
will Spiel X und hat Plattform Y, jedoch gibt es das Spiel nur für
Plattform Z. Handelte es sich dann bei Y um einen PC und bei X um ein
Spiel für die Konsole einer großen japanischen Firma, so sah
es mit gleichwertigem Ersatz doch recht düster aus, zumindest im
Bereich der damals allseits beliebten Plattformer. Auf dem PC erschienen
in diesem Genre bis Mitte der 90´er nur relativ wenige Titel, vor
allem außerhalb des Shareware-Marktes, und die meisten davon konnten
technisch und/oder spielerisch nicht überzeugen. Allerdings gab es
auch hin und wieder Lichtblicke, so zum Beispiel "James Pond 2 -
Codename RoboCod", das ursprünglich 1991 für Commodore
Amiga, Atari ST sowie Sega Mega Drive erschien und 1993 für den PC
portiert wurde. Als eine Art Parodie auf die James Bond-Filme, leiht sich
der zweite Teil auch einen Aspekt aus den RoboCop-Streifen aus, wie man
aus dem Untertitel nicht schwer erraten kann.
Kommen wir zur Geschichte: Nachdem unser Held, der Fischagent James
Pond, die Pläne seines Erzfeindes Dr. Maybe im ersten Teil durchkreuzte,
zieht jener sich an den Nordpol zurück und besetzt dort die Spielzeugfabrik
des Weihnachtsmannes. Um die Fabrik zu zerstören, nimmt er Pinguine
(Ja, Pinguine am Nordpol!) gefangen und versieht sie mit Sprengladungen,
während er alle Spielzeuge zu mechanischen Schergen umbaut. Dies
ruft natürlich abermals James Pond auf den Plan, der mit seinem
brandneuen RoboCod-Anzug loszieht, um die Bomben zu entschärfen
und Dr. Maybe endgültig dingfest zu machen.
Das Spiel beginnt vor der Fabrik, wo die einzelnen Level durch Türen,
von denen immer nur höchstens zwei offen sind, betreten werden.
Neue Türen werden erst entriegelt, wenn die offenen Level absolviert
wurden. Die einzelnen Spielabschnitte verzweigen sich jeweils in mehrere
Unterbereiche und alle paar Level gibt es einen Endgegner. Um in einem
Level weiter zu kommen, muss nur der Ausgang gefunden werden. Allerdings
ist dieser erst offen, wenn alle Pinguinbomben entschärft wurden.
Der zahlreich auftretenden Gegner entledigt man sich klassisch durch
Draufhüpfen. Neben Rennen und Springen kann James seinen RoboCod-Anzug
verwenden, um sich beliebig in die Höhe auszudehnen. Trifft er
dabei auf eine solide Plattform, kann er sich daran festkrallen und
an dieser entlang hangeln. Als Extras kann man des Öfteren Transportmittel
wie Autos oder Flugzeuge finden, Sterne geben Lebensenergie zurück,
Rüstungen verleihen befristete Unverwundbarkeit, Schirme bremsen
den freien Fall und Flügel ermöglichen bodenunabhängige
Fortbewegung ohne Flugzeug.
Grafisch ist das Spiel sehr ansehnlich. James und seine Widersacher
wurden knuffig gezeichnet und vorzüglich animiert. Auch die Umgebung
und die Hintergründe sind sehr gut gelungen, lediglich bei letzteren
gibt es auf der hintersten Ebene manchmal eine psychedelisch-grelle
Farbkombination, die auf die Dauer etwas anstrengt. Davon abgesehen
wussten die Grafiker sehr gut mit der VGA-Palette umzugehen. Was bei
"RoboCod" allerdings wirklich noch besonders hervorsticht,
ist das absolut flüssige, ruckelfreie Scrolling, das sich auch
in Höchstgeschwindigkeit keine Blöße gibt. Auf dem PC
war das zu jener Zeit eine nicht gerade geringe technische Leistung.
Musikalisch sieht es allerdings einen Tick schlechter aus. Das Spiel
bietet eine ganze Reihe fröhlicher Melodien (teils bekannte Stücke
wie "We Wish You a Merry Christmas"), jedoch können diese
bei längerem Spielen auch mal an den Nerven sägen, zumindest
wenn man sich an einer Stelle im Spiel festgefahren hat und einen Abschnitt
zum x-ten Mal wiederholt. Die zum Untertitel passende Eingangsmusik
fällt dagegen ganz witzig aus, da sie eindeutig als eine modifizierte
Version des RoboCop-Hauptthemas zu erkennen ist. An den Soundeffekten
gibt es nichts auszusetzen.
Die saubere Technik schließt zum Glück auch die Steuerung
mit ein. Das Programm reagiert auf alle Eingaben präzise, selbst
mit der Tastatur lässt sich noch sehr gut spielen. Einziger Schwachpunkt
ist die Tatsache, dass James zum Anhalten stets einen Bremsweg benötigt,
was bei längeren Sprungpassagen über schmale Plattformen schon
mal für Abstürze sorgt. Zum Glück gibt es im Levelaufbau
keine absolut unfairen Stellen, sämtliche Abschnitte sind gut bis
sehr gut durchdacht, uninspirierte Passagen kommen nur ganz selten vor.
Positiv fällt auf, dass es ziemlich viel zu entdecken gibt. Oft
kann man versteckte oder außerhalb des "Hauptweges"
platzierte Boni oder Items finden, welche nicht selten für einen
wesentlich schnelleren und entspannteren Weg zum Ausgang sorgen. Weiterhin
gibt es auch oft versteckte oder alternative Ausgänge, die in alternative,
oft mit vielen Boni versehene Abschnitte führen. Der RoboCod-Anzug
kommt bei den teilweise auch vertikal aufgebauten Levels ausreichend
zum Tragen, vereinzelt kann man damit sogar lästige Sprungetappen
umgehen. Im Wesentlichen gibt es nur zwei große Mankos. Das eine
betrifft die Innovation, denn sehr viel Neues wirft "James Pond
2" trotz der "Dehnmechanik" nicht in die Waagschale.
Das andere hingegen ist das Fehlen von Passwörtern und jeglicher
Speichermöglichkeit. Hat man alle Leben ausgehaucht, gibt es noch
zwei Continues, die einen glücklicherweise in den letzten Levelabschnitt
befördern und nicht an den Anfang des Levels, aber danach ist Sense
und die Mission gescheitert. Das Spiel ist zwar am damaligen Standard
gemessen nicht allzu schwer, aber man will auch nicht zwingend alles
in einem Rutsch durchspielen müssen.
Noch ein Kuriosum am Rande: "James Pond 2 - Codename RoboCod"
ist eines der ersten Spiele mit Product-Placement. Die Pinguine sind
als Werbung für die britische Keksmarke "Penguin" gedacht.
Zudem findet man des Öfteren Verpackungen der "Penguin Biscuits"
in der Levelumgebung. Optisch verfolgt jeder Level immer ein Thema wie
zum Beispiel Musik, Kuscheltiere oder Süßigkeiten, die sich
im Bezug auf die Kekse natürlich regelrecht anboten.
Fazit: Wie auch immer man dieses Spiel auf Heimcomputern und Konsolen
angesichts der schlagkräftigen und umfangreichen Konkurrenz sehen
mag, auf dem PC sticht "RoboCod" technisch und spielerisch
absolut hervor. Wer gerne auch unter DOS Jump´n´run´s
spielt oder einfach mal sehen will, was damals auf dem PC machbar war,
sollte das Spiel unbedingt mal antesten.
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