Der mutigste Recke der bekannten Galaxie hört auf den Namen Jim Power,
weshalb er auch als der einzig richtige Kandidat für die Rettungsaktion
der entführten Präsidententochter in Frage kommt, zumal sie
auf den berüchtigt gefährlichen Planeten der Mutanten verschleppt
wurde. Damit wären die dramatischen Ereignisse des französischen
Action-Spieles aus dem Hause Loriciel, das bereits mit dem heldenhaft
ehrlichen Titel "Jim Power in Mutant Planet" punktet, geklärt.
Das auf dem Commodore Amiga erschienene Spiel hebt sich mit besonders
detail- wie farbreichen Grafiken sowie einem unglaublich melodisch-eingängigen
Soundtrack, der von keinem geringeren als dem deutschen (Turrican-)Musik-Guru
Chris Hülsbeck stammt, hervor. Über die spielerischen Qualitäten
von "Jim Power" liest man dagegen leider wenig gutes, was ich
persönlich nicht ganz nachvollziehen kann. Deshalb möchte ich
das geneigte Zielpublikum, das der Coverillustration des Spieles entsprechend
unheimlich männlich und cool sein muss, vom Gegenteil überzeugen.
Weicheier weichen an dieser Stelle bitte auf das nächstbeste Pokémon-Review
aus. ^^
Nachdem man es schafft, sich endlich von der genialen Titelmusik loszulösen,
landet man in einer geradezu überladenen und kunterbunten Spielumgebung.
Durch diese Darstellung weiß man zunächst nicht, welche Elemente
dem Hinter- und welche dem Vordergrund zuzuordnen sind. Die blitzartig
auftauchenden Feinde nimmt man dadurch auch oft zu spät wahr, was
in der Regel zum sofortigen Verlust eines Lebens führt. Gelegenheitsspielern
kann deswegen der Geduldsfaden schon im ersten Spielabschnitt reißen,
zumal er unheimlich lang ist. Bewegliche Plattformen, plötzlich
aus dem Boden sprießende Bolzen, tödliche Säuretropfen
oder Fallgruben gestalten die Plattform-Action abwechslungsreich, aber
nicht gerade leicht. "Jim Power" vereinigt schonungslos die
besten Ansätze zahlreicher Vorgängerspiele zu etwas Neuem,
wie man es ganz deutlich am ersten Mittelgegner erkennen kann. Von der
grafischen Gestaltung abgesehen ist dieser nämlich eine Kopie des
ersten Bosses aus "Ghouls´n Ghosts". Nichtsdestotrotz
fügt sich alles zu einem eigenständig wirkenden und durchaus
anspruchsvollen Gesamtbild zusammen. Die Steuerung von Jim funktioniert
problemlos, nur die Kollisionsabfrage erscheint übersensibel. Mit
einem nach und nach aufrüstbaren Schießeisen, einem Dutzend
Smartbomben im Gepäck, zahlreichen Extraleben sowie einer gehörigen
Portion Umsicht, lässt sich der erste Level jedoch gut meistern.
Einen Jetpack am Ende auflesend, wechselt das Spiel dann zu einem Shoot´em
up. Bevor das Ballervergnügen im zweiten Abschnitt eröffnet
wird, will aber noch ein bildschirmgroßer Boss beerdigt werden.
Da die Überlebenschancen unseres Helden spätestens ab hier
von einer gewissen Vorkenntnis des Spieles abhängen, werden viele
an dieser Stelle die Flinte ins Korn werfen. Das Parallax-Scrolling,
das in den Fluglevels richtig gut zur Geltung kommt, sowie die nach
wie vor berauschende musikalische Untermalung vermögen nicht jeden
bei guter Laune zu halten, zumal man bei einem "Game Over"
wieder alles von neuem in Angriff nehmen muss.
Fünf Level warten insgesamt auf ihren Meister, drei ellenlange
Plattform-Parcours und zwei Shooter-Abschnitte. Aufgrund des üppigen
Schwierigkeitsgrades werden jedoch nur die hartnäckigsten Spieler
bis zum Ende gelangen. Bereits der massive Angriff der ständig
aus dem Boden aufsteigenden untoten Mutanten im dritten Level, die erneut
ein Bindeglied zur Ghosts´n Goblins-Reihe darstellen, wird manch
einen Spieler an den Rand des Zusammenbruchs bringen. Vor allem, wenn
man zum zwanzigsten Mal in ein und demselben Level den Löffel abgibt.
Der hohe Schwierigkeitsgrad, der durch die üppige Grafik noch unnötig
verstärkt wird (War da was? Man konnte es nicht sehen! Das sah
doch wie Hintergrundgrafik aus!), stellt für viele deshalb eine
unüberwindbare Barriere dar. Wenn man die Zähne zusammenbeißt
und sich auf das Spiel einlässt, kriegt man allerdings ein vorzügliches
Unterhaltungsprogramm geboten. Schließlich ist es mehr oder weniger
ein futuristisches "Ghosts´n Goblins", und diese Spielreihe
gilt als eine der härtesten schlechthin. Aus dieser Sicht gibt
es von mir acht Punkte.
Wer es dennoch etwas leichter haben möchte, der sollte auf die
PC-Engine-Umsetzung zurückgreifen. Von Micro World in Japan veröffentlicht,
überrascht diese Fassung bereits mit einem eindrucksvollen Cover,
auf dem zwei Hollywood-Stars posieren: Arnold Schwarzenegger und Marilyn
Monroe. Die Gesichtszüge sind aus lizenztechnischen Gründen
(Das Spiel wäre wohl unbezahlbar gewesen!) wohl etwas verändert
worden, deren berühmte Posen jedoch unverkennbar. Mit einer etwas
dezenteren grafischen Gestaltung zeigt sich das Spiel etwas übersichtlicher,
was aber wirklich positiv zu werten ist. Die Musik ertönt in bester
CD-Qualität und ist deshalb um Längen besser als auf dem Commodore
Amiga. Bei dem etwas seltsamen Sprungverhalten unseres Helden muss aber
direkt der Rotstift angesetzt werden, denn er hüpft, als hätte
er eine Tonne Kaugummi an den Sohlen kleben. Dies ist anfangs recht
gewöhnungsbedürftig, stört den Spielverlauf jedoch nicht
besonders. Die Entschärfung einiger kritischer Stellen durch den
Wegfall bestimmter Spielelemente wie zum Beispiel einiger Schießanlagen
gestaltet den Spielablauf erheblich angenehmer. Die Vereinfachung der
Mittel- und Endgegner fällt dagegen negativ auf, da sie mit Ausnahme
des letzten überhaupt nicht feuern. Der Wegfall der Hintergründe
ist aufgrund der riesigen Sprites verständlich, das aber nicht.
Die Bosse sind deshalb eher lahm und lassen die ursprünglichen
Nervenkitzel vermissen. Aufgrund des eingeführten Passwortsystems,
das den Einstieg in jeden einzelnen Level erlaubt, ist mir diese Zensur
unverständlich. Wenn es an der technischen Leistung des Systems
liegt, dann wäre man mit kleineren, dafür aber aggressiveren
Endgegnern besser bedient gewesen. Auf unserer Bewertungsskala gibt
es gegenüber dem Original allerdings keinen Abzug, da die verbesserte
Zugänglichkeit sowie der unheimlich geniale Soundtrack die negativen
Aspekte aufwiegen.
"Jim Power in Mutant Planet" ist zweifelsfrei ein durchdachter
und gelungener Titel, der es verdient, fair behandelt zu werden. Aufgrund
der offensichtlichen Schwächen mit der Übersicht und Steuerung
(PC-Engine-Fassung), wird das Spiel oft zu Unrecht als schlecht abgestempelt.
Wer Jim eine echte Chance einräumt, wird ganz sicher positiv überrascht
werden.
Mit dem Untertitel "The Lost Dimension in 3D" ist das Spiel
ebenfalls auf dem Super Nintendo erschienen. Die Einführung der
aus "Contra 3" bekannten Pseudo-3D-Level aus der Vogelperspektive
macht das Produkt aber zunichte, weshalb ich meine Finger davon gelassen
habe. Die fertig gestellte Mega Drive-Umsetzung wurde dagegen nie veröffentlicht,
man kann sie aber problemlos im Internet in Form eines Roms ausfindig
machen.
Passwörter (nur PC-Engine):
2. WELLDONE
3. BRAVOJIM
4. SMARTBMB
5. LAST ONE
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