Jim Power in Mutant Planet
Action

Minrod
Februar 11
 

Der mutigste Recke der bekannten Galaxie hört auf den Namen Jim Power, weshalb er auch als der einzig richtige Kandidat für die Rettungsaktion der entführten Präsidententochter in Frage kommt, zumal sie auf den berüchtigt gefährlichen Planeten der Mutanten verschleppt wurde. Damit wären die dramatischen Ereignisse des französischen Action-Spieles aus dem Hause Loriciel, das bereits mit dem heldenhaft ehrlichen Titel "Jim Power in Mutant Planet" punktet, geklärt. Das auf dem Commodore Amiga erschienene Spiel hebt sich mit besonders detail- wie farbreichen Grafiken sowie einem unglaublich melodisch-eingängigen Soundtrack, der von keinem geringeren als dem deutschen (Turrican-)Musik-Guru Chris Hülsbeck stammt, hervor. Über die spielerischen Qualitäten von "Jim Power" liest man dagegen leider wenig gutes, was ich persönlich nicht ganz nachvollziehen kann. Deshalb möchte ich das geneigte Zielpublikum, das der Coverillustration des Spieles entsprechend unheimlich männlich und cool sein muss, vom Gegenteil überzeugen. Weicheier weichen an dieser Stelle bitte auf das nächstbeste Pokémon-Review aus. ^^

Nachdem man es schafft, sich endlich von der genialen Titelmusik loszulösen, landet man in einer geradezu überladenen und kunterbunten Spielumgebung. Durch diese Darstellung weiß man zunächst nicht, welche Elemente dem Hinter- und welche dem Vordergrund zuzuordnen sind. Die blitzartig auftauchenden Feinde nimmt man dadurch auch oft zu spät wahr, was in der Regel zum sofortigen Verlust eines Lebens führt. Gelegenheitsspielern kann deswegen der Geduldsfaden schon im ersten Spielabschnitt reißen, zumal er unheimlich lang ist. Bewegliche Plattformen, plötzlich aus dem Boden sprießende Bolzen, tödliche Säuretropfen oder Fallgruben gestalten die Plattform-Action abwechslungsreich, aber nicht gerade leicht. "Jim Power" vereinigt schonungslos die besten Ansätze zahlreicher Vorgängerspiele zu etwas Neuem, wie man es ganz deutlich am ersten Mittelgegner erkennen kann. Von der grafischen Gestaltung abgesehen ist dieser nämlich eine Kopie des ersten Bosses aus "Ghouls´n Ghosts". Nichtsdestotrotz fügt sich alles zu einem eigenständig wirkenden und durchaus anspruchsvollen Gesamtbild zusammen. Die Steuerung von Jim funktioniert problemlos, nur die Kollisionsabfrage erscheint übersensibel. Mit einem nach und nach aufrüstbaren Schießeisen, einem Dutzend Smartbomben im Gepäck, zahlreichen Extraleben sowie einer gehörigen Portion Umsicht, lässt sich der erste Level jedoch gut meistern. Einen Jetpack am Ende auflesend, wechselt das Spiel dann zu einem Shoot´em up. Bevor das Ballervergnügen im zweiten Abschnitt eröffnet wird, will aber noch ein bildschirmgroßer Boss beerdigt werden. Da die Überlebenschancen unseres Helden spätestens ab hier von einer gewissen Vorkenntnis des Spieles abhängen, werden viele an dieser Stelle die Flinte ins Korn werfen. Das Parallax-Scrolling, das in den Fluglevels richtig gut zur Geltung kommt, sowie die nach wie vor berauschende musikalische Untermalung vermögen nicht jeden bei guter Laune zu halten, zumal man bei einem "Game Over" wieder alles von neuem in Angriff nehmen muss.

Fünf Level warten insgesamt auf ihren Meister, drei ellenlange Plattform-Parcours und zwei Shooter-Abschnitte. Aufgrund des üppigen Schwierigkeitsgrades werden jedoch nur die hartnäckigsten Spieler bis zum Ende gelangen. Bereits der massive Angriff der ständig aus dem Boden aufsteigenden untoten Mutanten im dritten Level, die erneut ein Bindeglied zur Ghosts´n Goblins-Reihe darstellen, wird manch einen Spieler an den Rand des Zusammenbruchs bringen. Vor allem, wenn man zum zwanzigsten Mal in ein und demselben Level den Löffel abgibt. Der hohe Schwierigkeitsgrad, der durch die üppige Grafik noch unnötig verstärkt wird (War da was? Man konnte es nicht sehen! Das sah doch wie Hintergrundgrafik aus!), stellt für viele deshalb eine unüberwindbare Barriere dar. Wenn man die Zähne zusammenbeißt und sich auf das Spiel einlässt, kriegt man allerdings ein vorzügliches Unterhaltungsprogramm geboten. Schließlich ist es mehr oder weniger ein futuristisches "Ghosts´n Goblins", und diese Spielreihe gilt als eine der härtesten schlechthin. Aus dieser Sicht gibt es von mir acht Punkte.

Wer es dennoch etwas leichter haben möchte, der sollte auf die PC-Engine-Umsetzung zurückgreifen. Von Micro World in Japan veröffentlicht, überrascht diese Fassung bereits mit einem eindrucksvollen Cover, auf dem zwei Hollywood-Stars posieren: Arnold Schwarzenegger und Marilyn Monroe. Die Gesichtszüge sind aus lizenztechnischen Gründen (Das Spiel wäre wohl unbezahlbar gewesen!) wohl etwas verändert worden, deren berühmte Posen jedoch unverkennbar. Mit einer etwas dezenteren grafischen Gestaltung zeigt sich das Spiel etwas übersichtlicher, was aber wirklich positiv zu werten ist. Die Musik ertönt in bester CD-Qualität und ist deshalb um Längen besser als auf dem Commodore Amiga. Bei dem etwas seltsamen Sprungverhalten unseres Helden muss aber direkt der Rotstift angesetzt werden, denn er hüpft, als hätte er eine Tonne Kaugummi an den Sohlen kleben. Dies ist anfangs recht gewöhnungsbedürftig, stört den Spielverlauf jedoch nicht besonders. Die Entschärfung einiger kritischer Stellen durch den Wegfall bestimmter Spielelemente wie zum Beispiel einiger Schießanlagen gestaltet den Spielablauf erheblich angenehmer. Die Vereinfachung der Mittel- und Endgegner fällt dagegen negativ auf, da sie mit Ausnahme des letzten überhaupt nicht feuern. Der Wegfall der Hintergründe ist aufgrund der riesigen Sprites verständlich, das aber nicht. Die Bosse sind deshalb eher lahm und lassen die ursprünglichen Nervenkitzel vermissen. Aufgrund des eingeführten Passwortsystems, das den Einstieg in jeden einzelnen Level erlaubt, ist mir diese Zensur unverständlich. Wenn es an der technischen Leistung des Systems liegt, dann wäre man mit kleineren, dafür aber aggressiveren Endgegnern besser bedient gewesen. Auf unserer Bewertungsskala gibt es gegenüber dem Original allerdings keinen Abzug, da die verbesserte Zugänglichkeit sowie der unheimlich geniale Soundtrack die negativen Aspekte aufwiegen.

"Jim Power in Mutant Planet" ist zweifelsfrei ein durchdachter und gelungener Titel, der es verdient, fair behandelt zu werden. Aufgrund der offensichtlichen Schwächen mit der Übersicht und Steuerung (PC-Engine-Fassung), wird das Spiel oft zu Unrecht als schlecht abgestempelt. Wer Jim eine echte Chance einräumt, wird ganz sicher positiv überrascht werden.

Mit dem Untertitel "The Lost Dimension in 3D" ist das Spiel ebenfalls auf dem Super Nintendo erschienen. Die Einführung der aus "Contra 3" bekannten Pseudo-3D-Level aus der Vogelperspektive macht das Produkt aber zunichte, weshalb ich meine Finger davon gelassen habe. Die fertig gestellte Mega Drive-Umsetzung wurde dagegen nie veröffentlicht, man kann sie aber problemlos im Internet in Form eines Roms ausfindig machen.

Passwörter (nur PC-Engine):

2. WELLDONE
3. BRAVOJIM
4. SMARTBMB
5. LAST ONE