Auf der Suche nach interessanten Rollenspielen für den guten alten
schwarz-weißen Game Boy bin ich zufällig über "Knight
Quest" gestolpert. Sowohl der Name als auch das Cover, auf dem ein
tapferer Ritter einem blutrünstigen Drachen gegenüber steht,
versprachen spannende Abenteuer. Deshalb war ich richtig gespannt, was
sich wirklich dahinter versteckt.
Wir schlüpfen in die Rolle des jungen Will, dessen sehnlichster
Wunsch es ist, ein Ritter zu werden. Der König ist damit einverstanden
und stellt uns einige Aufgaben, um unseren Mut unter Beweis zu stellen.
Insgesamt müssen vier Herausforderungen bewältigt werden,
die allesamt in der Nähe des Schlosses angesiedelt sind. Der Ablauf
ist dabei immer gleich. Wir holen uns vom Herrscher die nötigen
Infos und kämpfen uns durch einen Dungeon, an dessen Ende der Boss
zum entscheidenden Kampf gestellt wird. Zwischendurch wird aufgelevelt
und in den umliegenden Dörfern eingekauft. Etwas Eigenwilligkeit
beweist das Spiel erst beim Kampfsystem. Die Oberwelt und die Dungeons
werden aus der Vogelperspektive gezeigt und die Gegner sind stets sichtbar.
Darum war ich mir zunächst ganz sicher, dass das Gameplay sich
an der Zelda-Reihe orientieren würde. Doch kaum hatte ich ein Monster
berührt, schaltete das Spiel in die Seitenansicht und rief ein
rundenbasiertes Menü auf, bei dem uns vier verschiedene Schwertangriffe
zur Verfügung stehen. Die Anfälligkeit der Monster gegenüber
eine der vier Attacken muss zunächst durch stures Ausprobieren
herausgefunden werden. Die Tatsache, dass die Schwächen innerhalb
der unterschiedlichen Monsterfamilien stets gleich bleiben, ist dabei
hilfreich. So sind "Terrorfly" und "Giantfly" gleichermaßen
gegen "Eagle" chancenlos. Spätestens im dritten Dungeon,
in dem fast nur noch diverse Varianten bekannter Gegner vorkommen, ist
die richtige Auswahl leicht zu treffen. Mit dem Menüpunkt "Medi"
bringt man die hart verdienten Heilpotions bzw. Herzen zum Einsatz.
Wer Geld sparen möchte, geht natürlich zur nächsten Gaststätte.
Auch Magie kann für den einmaligen Gebrauch gekauft werden. Da
alle Kontrahenten jedoch bei einem der vier Schwertstreiche nachgeben,
kann man darauf komplett verzichten. Hier wurde eindeutig Potenzial
verschenkt, denn mit ein paar nützlichen Zaubersprüchen hätte
man dem Spiel mehr Pep verleihen können.
Bis jetzt hört sich alles eher bescheiden an. Was mir an "Knight
Quest" jedoch wirklich gut gefallen hat, das ist die Präsentation.
Die Sprites sind groß, die Hintergründe im Kampfmodus richtig
hübsch und die Schwertangriffe sowie Monsterattacken individuell
animiert. Zwar sind NPC´s nur in Form von Standbildern in ihren
Häusern anzutreffen, aber auch sie sind nicht starr sondern bewegen
zumindest ihre Augen und Hände. Die optische Vielfalt der Monster
ist dagegen nur zufriedenstellend. Bisweilen wurden einfach nur die
Namen für eine stärkere Form ausgetauscht, ohne dass sich
die Bilder ändern. Dies wirkt billig, passiert aber zum Glück
nur gelegentlich. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, oder habt ihr
schon mal gegen einen "Funky Orc" gekämpft? Die vier
Dungeons sind abwechslungsreich und umfassen eine Tropfsteinhöhle,
ein verwunschenes Anwesen, einen verwinkelten Wald sowie zuletzt das
obligatorische dunkle Schloss. Die Hintergründe wirken detailreicher
als in der etwas kargen Oberwelt. Der Strand sowie der Friedhof beim
Anwesen sind meine Favoriten.
Der Umfang ist mit den vier Bereichen jedoch recht kurz. Wills Abenteuer
ist bereits in wenigen Stunden zu Ende. Erfreulicherweise wurde die
Spielzeit nicht durch einen erhöhten Schwierigkeitsgrad künstlich
gestreckt, auch wenn Aufleveln manchmal notwendig ist. Es artet aber
nicht in stundenlangem Schnetzeln aus , wie es oft bei anderen alten
Schinken der Fall ist. Eine Speicherbatterie gibt es nicht, dafür
spendiert uns der König bei jedem Besuch ein Passwort. Die Musik
bleibt zwar nicht im Ohr hängen, untermalt aber stets passend.
Fazit: Nüchtern betrachtet ist "Knight Quest" viel zu
kurz und monoton. Trotzdem hat das Spiel einen gewissen Charme und punktet
mit schönen Animationen sowie dem einzigartigen Kampfsystem. Mit
etwas mehr Sorgfalt wäre daraus sicherlich ein gutes Rollenspiel
geworden. Somit kann ich keine wirkliche Empfehlung aussprechen, Game
Boy-Puristen, die eine kurzweilige Unterhaltung suchen, können
damit aber durchaus glücklich werden.
Noch ein Wort zum Cover! Entgegen meinen Erwartungen ist keiner der
Endgegner ein Drache. Im Gegenteil, die geflügelte Echse hilft
uns sogar. Dieses Missverständnis klärte sich auf, als ich
mir das japanische Originalcover anschaute. Dort ist nämlich ein
junger Knabe im Manga-Stil vor einem Schloss, auf dessen Zinnen ein
Drache hockt, zu sehen. Um einen Kulturschock zu vermeiden, wurden früher
in Amerika die meisten japanischen Titelbilder durch neue, westlich
angepasste ausgetauscht. Doch die Zeichner haben sich wohl nie mit den
Spielen auseinandergesetzt sondern die Vorlagen nach eigenen Vorstellungen
interpretiert. Oft falsch, wie es "Knight Quest" eindeutig
beweist. Und diese Anekdote ist schon fast genauso interessant wie Wills
Reise durch das Königreich. :)
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