Eines der ersten PC-Engine-Spiele, die ich irgendwann zu Gesicht bekam,
war "The Kung Fu" von NEC. Als das Spiel neu war, sorgte es
mit den großen, für die damalige Zeit gut gezeichneten und
animierten Spielfiguren für mächtig geweitete Augen unter den
Spielern, da man so etwas bis dato noch nicht auf der kleinen Konsole
erblickt hatte. Und da ich bis dahin fast ausschließlich C-64-Grafiken
zu sehen bekam, waren meine Augen an diesem Tag noch um einiges geweiteter.
=) Als waschechter Kung Fu-Fan war ich von "The Kung Fu" sofort
fasziniert, zumal der Hauptcharakter des Spieles namens Wang der Kung
Fu-Legende Bruce Lee zum Verwechseln ähnlich sieht. Und auch die
Gegner lassen zum Teil eine frappierende Ähnlichkeit mit anderen
Ikonen des östlichen Kung Fu-Kinos erkennen. So sieht einer der Charaktere
fast wie Jackie Chan in einer seiner früheren Rollen aus, und auch
der Drunken Master, welcher hier als letzter und schwierigster Gegner
fungiert, scheint aus dem Klassiker "Sie nannten ihn Knochenbrecher"
zu stammen. Doch der ansehnlichen Optik steht eine ziemlich schwache Spielbarkeit
gegenüber, zumindest wenn man das Spiel aus der heutigen Sicht der
Dinge betrachtet. Aber selbst schon beim Release war das Gameplay von
"The Kung Fu" nicht wirklich die wahre Offenbarung. Da ich aber
"The Kung Fu" damals nicht sofort selber testen konnte, ist
es lange Zeit als ein guter Titel in meiner Erinnerung verblieben. Als
ich es nach einer langen Wartezeit endlich in die Finger bekam, musste
ich leider feststellen, dass beim Spielen meine Finger anfingen irgendwie
zu verkrampfen.
"The Kung Fu" bzw. "China Warrior", wie die zwei
Jahre später veröffentlichte Version für das amerikanische
TurboGrafx-System betitelt wurde, besteht aus vier Stages, welche noch
in jeweils drei Spielabschnitte unterteilt sind, so dass man sich hier
insgesamt zwölf Kontrahenten zum Zweikampf stellen muss. Bevor
man aber auf die einzelnen Gegner trifft, muss erst noch eine bestimmte
Wegstrecke zu ihnen zurückgelegt werden. Diese selbstständig
nach rechts scrollenden Abschnitte, in denen man sich unter anderem
gegen fliegende Feuerbälle, Steine, Äste, Messer, Fächer,
Pfeile, Fledermäuse, kriechende Schlangen, rollende Felsen sowie
seltsam ausschauende Mönche behaupten muss, bilden den spannendsten
und unterhaltsamsten Teil des Spieles. Ob man die anstürmenden
Hindernisse mit seinen Kung Fu-Fähigkeiten zerschmettert oder ihnen
lieber ausweicht, bleibt dem Spieler überlassen. Ich würde
jedoch empfehlen, so viel wie möglich kleinzuhauen, da einige Gegenstände
unserem Kämpfer zusätzliche Lebenspunkte bescheren, die mit
zwei Leisten, erst mit silbernen und später mit goldfarbenen Balken,
dargestellt werden. Ein dickeres Lebenspunktekonto erhöht natürlich
die Chancen auf einen Sieg im anschließenden Kampf. Die Zweikämpfe
an sich, die Hauptakte des Spiels, gestalten sich etwas schwierig und
können schnell zu einem wilden Button Smashing ausarten. Auch wenn
man am Anfang noch den Drang verspürt, den Gegnern zeigen zu wollen
wie erstklassiges Kung Fu auszusehen hat, wird man bereits sehr bald
merken, dass die meisten der Kung Fu-Techniken aus dem so schon sehr
begrenzten Repertoire unserer athletischen Spielfigur bei den Gegnern
nicht wirklich funktionieren. Gesprungene Tritte, ob seitlich oder nach
oben ausgeführt, kann man getrost vergessen. Sie eignen sich wirklich
nur für die gefährlichen Spaziergänge. Der schnelle seitliche
Tritt aus dem Stand ist schon etwas brauchbarer, die Trefferquote ist
aber irgendwie zu gering. Somit bleiben nur noch die Fäuste übrig,
die man aus dem Stand und der Hocke für sich sprechen lassen kann.
Zu diesen sage und schreibe ganzen fünf Techniken gesellt sich
noch in Verbindung mit der Richtungstaste ein Spezialfaustschlag zum
Kopf oder zum Oberkörper. Leider gelingt dieser starke Schlag nicht
immer. Hierbei habe ich vielmehr das Gefühl, dass es wirklich reine
Glückssache ist, ob dieser Spezialschlag ausgeführt wird oder
nicht. Er ist aber essentiell, gerade bei den späteren und vor
allem beim allerletzten Gegner, welcher sich mit seinem Gesöff
regelmäßig heilt. So wird man spätestens ab dem dritten
Gegner nur noch auf den Faust-Button mit seinem Daumen draufdonnern,
in der Hoffnung den Spezialschlag auszulösen, der beim Kontrahenten
gleich mehrere Lebenspunkte auf einmal killt. Alternativ hofft man auch
auf mehrere hintereinander sitzende einfache Schläge. Dies ist
auch die einzige brauchbare Taktik, denn alles andere führt meiner
Erfahrung nach nur selten zu Erfolg. Das Spielgeschehen bleibt demnach
ziemlich unberechenbar. Die Extra-Leben, die man regelmäßig
für Punkte bekommt, helfen nicht wirklich weiter, da man nach jedem
Ableben den kompletten Abschnitt von vorne in Angriff nehmen muss. Eine
fehlende Continue- oder Passwort-Funktion macht das ganze Unterfangen
zudem noch um einiges aussichtsloser.
Auch wenn die Spielmechanik eindeutig an Taitos "Gladiator"
angelehnt ist und stark zu wünschen übrig lässt (man
hat praktisch nichts zur eigenen Verteidigung, der eine Armblock, der
bei richtigem Timing ausgelöst wird, stellt nämlich eine zwiespältige
Angelegenheit dar), so ist die technische Präsentation des Spieles
noch annehmbar. Die großen Spielfiguren sind, wie bereits angedeutet,
schön anzusehen und bewegen sich ohne Geflacker oder ähnliches
auf dem Bildschirm. Bei der etwas groben, abgehackt wirkenden Animation
muss man aber wieder den Rotstift zücken, denn sie ist dafür
verantwortlich, dass man im Eifer des Kampfes die schnellen Schläge
und Tritte der Gegner meistens gar nicht richtig kommen sehen kann,
so dass man notgedrungen auf die Methode des Button Smashing zurückgreifen
muss, wenn man doch unbedingt weiterkommen möchte. Wirklich viel
zu sehen gibt es bei "The Kung Fu" aber nicht. Alle vier Hintergrundgrafiken
sind relativ langweilig, und die zwölf Gegner werden unter grafischen
Gesichtspunkten auf eine Anzahl von fünf, den Klon der eigenen
Spielfigur miteingeschlossen, reduziert, da auch bei diesem Spiel das
Prinzip der permanenten Wiederverwertung der Grafiken mit unterschiedlichen
Farbvariationen angewandt wurde. So kämpft man direkt im ersten
Level eigentlich gleich dreimal gegen ein und denselben Gegner, nur
dass dieser immer etwas schwieriger und schneller wird. Dies ist irgendwie
eine linke Nummer, die die Motivation ganz und gar nicht fördert.
Und auch die eine, ziemlich unspektakuläre Bonus-Runde zwischen
den Stages, bei der man mit einem Nunchaku eine große Vase mit
möglichst maximaler Power zerschlagen muss, entspricht eher einer
faulen Schokoladenfüllung. Auf den ersten Blick sieht das Spiel
relativ gut aus, nach einer längeren und intensiveren Auseinandersetzung
möchte man es aber am liebsten mit Lichtgeschwindigkeit gegen die
Wand knallen lassen. Die nette Musik kann da leider auch nichts mehr
retten. Weil ich das Spiel so lange in schöner Erinnerung behalten
durfte, gibt es auf meiner Wertungsskala noch vier Punkte.
Falls jemand meinen Worten nicht glauben schenkt oder dennoch neugierig
auf dieses Spiel geworden sein sollte, dem sei die aktuellste Download-Veröffentlichung
über die Wii Virtual Console ans Herz gelegt. Es sollten sich aber
wirklich nur beinharte Beat´em up- und/oder PC-Engine-Fans angesprochen
fühlen. Und von keinem möchte ich dann hören, er sei
nicht gewarnt worden!
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