Legendary Axe 2, The
Action

Minrod
April 11
 

Als großer Freund der Conan-Erzählungen von Robert E. Howard habe ich vor langer Zeit einen Narren an Taitos Arcade-Automaten "Rastan" gefressen. Seitdem studiere ich alle ähnlichen Spiele mit extrem großer Sorgfalt. Auf der PC-Engine hat mir in diesem Zusammenhang "Legendary Axe" unheimlich gut gefallen, weshalb nun auch der Nachfolger dran glauben muss. "Legendary Axe 2" oder "Ankoko Densetsu", wie es in Japan heißt, tritt jedoch direkt am Anfang in ein Fettnäpfchen, da es gegenüber dem Vorgänger einfach nur hässlich wirkt. Hölzerne Figuren, seltsam anmutende Animationen und fehlende Hintergründe lassen direkt das Schlimmste vermuten. Der erste Eindruck ist deshalb wirklich ernüchternd. Dies täuscht aber, denn im innersten Kern steckt ein wahrlich solides Spiel, das sogar eine ganze Menge besser als der Vorgänger macht.

Wie meine Einleitung vermuten lässt, handelt es sich bei "Legendary Axe 2" um einen Action-Plattformer, in dem man die Rolle eines halbnackten Barbaren übernimmt. Durch seinen eigenen Bruder entmachtet und verstoßen, muss man sich mit eigener Manneskraft zurück zum einstmals eigenen Thronsaal durchkämpfen, um den Usurpator zu stürzen. Dieser befindet sich in den höchsten Gefilden eines riesigen Bauwerks, das es nun zu erklimmen gilt. Scrollt noch der erste Level nur von links nach rechts, gestaltet sich das Unterfangen ab dem zweiten bereits erheblich abwechslungsreicher. Einige Erkundungsmöglichkeiten sowie die Erklimmung eines Wasserfalls machen deutlich mehr Laune. Im nachfolgenden Spielabschnitt hat man es mit aus den Wänden herausragenden Knochen zu tun, während im vierten Level ein Turm aus monströsen Totenköpfen erklommen werden muss. Die Programmierer haben sich für jeden der insgesamt sieben Levels immer etwas Neues einfallen lassen, was sich unheimlich positiv auf den Spielspaß auswirkt. Letztendlich artet dies in einem labyrinthartigen Komplex aus, der mit tödlichen Robotern und einer futuristischen Gestaltung eher an ein Science-Fiction-Szenario erinnert.

"Legendary Axe 2" geht somit thematisch seine eigenen Wege, was ebenfalls durchaus positiv zu werten ist. Die anfangs lieblos wirkende Grafik fällt mit der Zeit gar nicht mehr ins Gewicht, da die karge Aufmachung eine düstere Stimmung erzeugt, die sehr zum Spiel passt. Die wenigen grafischen Glanzpunkte sorgen an den richtigen Stellen für die nötige Akzentuierung und unterstreichen die wirklich dichte Atmosphäre. Der anfängliche Grafik-Schock löst sich nach einer längeren Spielsession somit in Luft auf, was ich beim ersten Kontakt mit dem Spiel nie für möglich gehalten hätte. Eine interessante Musikkulisse untermauert diesen Eindruck. Einen Löwenanteil dazu trägt aber noch die gute Spielbarkeit bei.

Mit Zuschlagen, Springen und sich Ducken weist unser Held zwar einen eher beschränkten Aktionsradius auf, hört dafür aber vorbildlich auf alle Gamepad-Befehle. Auflesbare Smartbomben, die alle Feinde auf dem Bildschirm vernichten oder Bossgegnern massiven Schaden zufügen, sowie diverse Waffen sorgen aber noch zusätzlich für Abwechslung. Dem Titel und dem Vorgänger entgegen kämpft man hier nicht nur mit einer Axt, sondern kann auch auf andere Waffen wie zum Beispiel Schwerter ausweichen. Dabei steigt die Stärke der Waffe bei der Aufnahme eines Waffen-Icons um einen Punkt, variiert aber auch in der Art. Die Axt entpuppt sich nach wie vor als die stärkste aller Waffen, enttäuscht allerdings in der Reichweite, was dem etwas schwächeren Schwert wiederum zum Vorteil gereicht. Beim Verlust eines Lebens geht jedoch die gesammelte Kraft der Waffe verloren, was sich im späteren Spielverlauf durchaus rächen kann. Da man glücklicherweise mehrere Treffer einstecken kann, kommt dies zumindest am Anfang eher selten vor, zumal die Energieleiste noch gehörig aufgestockt werden kann. Im Falle eines unerwarteten Todes geht diesmal nur eine Einheit der zusätzlich gesammelten Energie flutschen, was nicht ganz so weh tut. Im fortgeschrittenen Spielverlauf ist eine gut gepolsterte Energieleiste sowieso Pflicht, da die Bosse am Ende eines jeden Levels immer fieser und gemeiner werden. Sie fallen sehr eindrucksvoll, fordernd und vor allem individuell aus, was ich beim Vorgänger wirklich schmerzlich vermisst habe. Lediglich der harte Schwierigkeitsgrad im letzten Spielabschnitt kann schon zuweilen an den Nerven zerren.

Fazit: Lasst euch nicht von den spartanisch aussehenden Bildern täuschen! "Legendary Axe 2" ist einfach nur großartig, sogar einen kleinen Tick besser als der Vorgänger und gehört deshalb in jede gute PC-Engine-Sammlung. Jeder, der was anderes behauptet, kam über den Grafik-Schreck nicht hinweg und hat dieses unscheinbare Glanzstück nur oberflächig begutachtet. Mir persönlich gefällt es mittlerweile genauso gut wie "Rastan", was schon sehr viel heißen will.