Als großer Freund der Conan-Erzählungen von Robert E. Howard
habe ich vor langer Zeit einen Narren an Taitos Arcade-Automaten "Rastan"
gefressen. Seitdem studiere ich alle ähnlichen Spiele mit extrem
großer Sorgfalt. Auf der PC-Engine hat mir in diesem Zusammenhang
"Legendary Axe" unheimlich gut gefallen, weshalb nun auch der
Nachfolger dran glauben muss. "Legendary Axe 2" oder "Ankoko
Densetsu", wie es in Japan heißt, tritt jedoch direkt am Anfang
in ein Fettnäpfchen, da es gegenüber dem Vorgänger einfach
nur hässlich wirkt. Hölzerne Figuren, seltsam anmutende Animationen
und fehlende Hintergründe lassen direkt das Schlimmste vermuten.
Der erste Eindruck ist deshalb wirklich ernüchternd. Dies täuscht
aber, denn im innersten Kern steckt ein wahrlich solides Spiel, das sogar
eine ganze Menge besser als der Vorgänger macht.
Wie meine Einleitung vermuten lässt, handelt es sich bei "Legendary
Axe 2" um einen Action-Plattformer, in dem man die Rolle eines
halbnackten Barbaren übernimmt. Durch seinen eigenen Bruder entmachtet
und verstoßen, muss man sich mit eigener Manneskraft zurück
zum einstmals eigenen Thronsaal durchkämpfen, um den Usurpator
zu stürzen. Dieser befindet sich in den höchsten Gefilden
eines riesigen Bauwerks, das es nun zu erklimmen gilt. Scrollt noch
der erste Level nur von links nach rechts, gestaltet sich das Unterfangen
ab dem zweiten bereits erheblich abwechslungsreicher. Einige Erkundungsmöglichkeiten
sowie die Erklimmung eines Wasserfalls machen deutlich mehr Laune. Im
nachfolgenden Spielabschnitt hat man es mit aus den Wänden herausragenden
Knochen zu tun, während im vierten Level ein Turm aus monströsen
Totenköpfen erklommen werden muss. Die Programmierer haben sich
für jeden der insgesamt sieben Levels immer etwas Neues einfallen
lassen, was sich unheimlich positiv auf den Spielspaß auswirkt.
Letztendlich artet dies in einem labyrinthartigen Komplex aus, der mit
tödlichen Robotern und einer futuristischen Gestaltung eher an
ein Science-Fiction-Szenario erinnert.
"Legendary Axe 2" geht somit thematisch seine eigenen Wege,
was ebenfalls durchaus positiv zu werten ist. Die anfangs lieblos wirkende
Grafik fällt mit der Zeit gar nicht mehr ins Gewicht, da die karge
Aufmachung eine düstere Stimmung erzeugt, die sehr zum Spiel passt.
Die wenigen grafischen Glanzpunkte sorgen an den richtigen Stellen für
die nötige Akzentuierung und unterstreichen die wirklich dichte
Atmosphäre. Der anfängliche Grafik-Schock löst sich nach
einer längeren Spielsession somit in Luft auf, was ich beim ersten
Kontakt mit dem Spiel nie für möglich gehalten hätte.
Eine interessante Musikkulisse untermauert diesen Eindruck. Einen Löwenanteil
dazu trägt aber noch die gute Spielbarkeit bei.
Mit Zuschlagen, Springen und sich Ducken weist unser Held zwar einen
eher beschränkten Aktionsradius auf, hört dafür aber
vorbildlich auf alle Gamepad-Befehle. Auflesbare Smartbomben, die alle
Feinde auf dem Bildschirm vernichten oder Bossgegnern massiven Schaden
zufügen, sowie diverse Waffen sorgen aber noch zusätzlich
für Abwechslung. Dem Titel und dem Vorgänger entgegen kämpft
man hier nicht nur mit einer Axt, sondern kann auch auf andere Waffen
wie zum Beispiel Schwerter ausweichen. Dabei steigt die Stärke
der Waffe bei der Aufnahme eines Waffen-Icons um einen Punkt, variiert
aber auch in der Art. Die Axt entpuppt sich nach wie vor als die stärkste
aller Waffen, enttäuscht allerdings in der Reichweite, was dem
etwas schwächeren Schwert wiederum zum Vorteil gereicht. Beim Verlust
eines Lebens geht jedoch die gesammelte Kraft der Waffe verloren, was
sich im späteren Spielverlauf durchaus rächen kann. Da man
glücklicherweise mehrere Treffer einstecken kann, kommt dies zumindest
am Anfang eher selten vor, zumal die Energieleiste noch gehörig
aufgestockt werden kann. Im Falle eines unerwarteten Todes geht diesmal
nur eine Einheit der zusätzlich gesammelten Energie flutschen,
was nicht ganz so weh tut. Im fortgeschrittenen Spielverlauf ist eine
gut gepolsterte Energieleiste sowieso Pflicht, da die Bosse am Ende
eines jeden Levels immer fieser und gemeiner werden. Sie fallen sehr
eindrucksvoll, fordernd und vor allem individuell aus, was ich beim
Vorgänger wirklich schmerzlich vermisst habe. Lediglich der harte
Schwierigkeitsgrad im letzten Spielabschnitt kann schon zuweilen an
den Nerven zerren.
Fazit: Lasst euch nicht von den spartanisch aussehenden Bildern täuschen!
"Legendary Axe 2" ist einfach nur großartig, sogar einen
kleinen Tick besser als der Vorgänger und gehört deshalb in
jede gute PC-Engine-Sammlung. Jeder, der was anderes behauptet, kam
über den Grafik-Schreck nicht hinweg und hat dieses unscheinbare
Glanzstück nur oberflächig begutachtet. Mir persönlich
gefällt es mittlerweile genauso gut wie "Rastan", was
schon sehr viel heißen will.
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