Lunar - Eternal Blue
RPG

Patricia
September 11
 

Die Lunar-Spiele gehören meiner Ansicht nach zu den romantischsten Rollenspielen überhaupt. Der zweite Teil steht dabei immer im Schatten des ersten. Während es vom Erstling "The Silver Star" mittlerweile diverse Remakes gibt, können Fans von "Eternal Blue" nur zwischen dem hier behandelten Sega CD-Original und den beiden Remakes für die Playstation sowie Sega Saturn wählen. Völlig zu unrecht, wie ihr im folgenden Review nachlesen könnt.

"Eternal Blue" beginnt viele Jahrzehnte nach "The Silver Star". Die Göttin Althena verließ damals die brennende Erde und flüchtete mit wenigen Menschen auf den Mond. Dort blühte schon bald eine neue Zivilisation und Althena wurde als Mensch wiedergeboren. Sie verliebte sich in einen Jungen, und zusammen mit treuen Gefährten konnten sie den wahnsinnig gewordenen Ghaleon in seine Schranken weisen. Aber anscheinend war Althena nicht das einzige himmlische Fräulein auf Erden. In der wunderschönen Introsequenz von "Eternal Blue" erwacht die Göttin Lucia und spürt, dass auf dem Mond die teuflische Macht Zophars kurz vor der Wiedererweckung steht. Von der Tatsache verwirrt, dass Althena nicht einschreitet, reist sie hinauf auf den Erdtrabanten und trifft dort auf unseren Helden Hiro. Dieser versteht zunächst nur Bahnhof, kann aber auf keinen Fall zulassen, dass die geldgierigen Schergen des Althena-Kultes Lucia hinrichten. Wer will Lucias Tod, wo ist Althena und ist es überhaupt möglich, ohne ihre Hilfe Zophar zu bezwingen? Die Geschichte weist den klassischen Rollenspielplot à la "durch Freundschaft können wir alles erreichen" auf, wird aber charmant und märchenhaft erzählt. Der Humor spielt dabei eine große Rolle, auch wenn es tragische oder düstere Szenen gibt. Die heitere und positive Atmosphäre zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel. Natürlich gibt es wieder eine Riege an tatkräftigen Kameraden, die Hiro und Lucia unterstützen:

Ruby ist Hiros beste Freundin und sieht wie eine fliegende Katze aus. In Wirklichkeit ist sie jedoch ein roter Drache im Training. Sie führt den Spieler durch das Menü und greift manchmal hilfreich in den Kampf ein.

Ronfar war einmal einer der glühendsten Anhänger Althenas. Als sich jedoch seine große Liebe Mauri bei einem Reinigungsritual stark verändert, kehrt er dem Glauben den Rücken. Stattdessen frönt er nun dem Glücksspiel und den Frauen. Als Heiler ist er unverzichtbar.

Die Tänzerin Jean kann ihren Fächer in eine tödliche Waffe verwandeln. Kein Wunder, war sie doch früher eine Meuchelmörderin und hat noch eine Rechnung mit ihrem früheren Karatemeister offen. Ihre große Stärke ist die Schnelligkeit, so dass sie bis zu vier Angriffe auf einen Schlag ausführen kann.

Lemnia ist das zukünftige Oberhaupt der Magierstadt Vane, die momentan eher einer Geisterstadt gleicht. Sie möchte ihrer Heimat wieder zu alter Größe verhelfen und ist deshalb immer auf der Suche nach Geld und magiebegabten Leuten. Natürlich ist sie auf Magie spezialisiert und beherrscht offensive Feuer- und Eissprüche.

Das Gameplay bietet klassische Kost mit rundenbasierten Kämpfen, langen verwinkelten Dungeons, Einkaufstouren und vielen Dialogen. Im Gegensatz zum einsteigerfreundlichen "The Silver Star" wird bei "Eternal Blue" jedoch mit härteren Bandagen gekämpft. Die Bosse sind richtig knackig und wer ohne Vorbereitung oder Beobachtung der Gegner in einen Dungeon stürmt, kann schnell auf die Nase fallen. Die animierten Monster zeigen durch ihre Haltung an, welcher Angriff in der nächsten Runde ansteht. Bei Endgegnern bewahrt uns dies vor unangenehmen Überraschungen. Einige Dungeons im ersten Drittel fand ich besonders knifflig, denn sie setzen einem mit fliegenden Plattformen, vermeintlichen Abkürzungen, Teleportern und absichtlich verwirrender Farbgebung schwer zu. Hier hilft nur ein gutes Gedächtnis und ein eiserner Wille, denn die vielen Zufallsbegegnungen stellen die Geduld schnell auf die Probe. Mit ein paar eingestreuten Schaltern und Suchrätseln wird das Spielerlebnis perfekt abgerundet. Etwas ungewöhnlich fällt die Speichermethode aus, die Magiepunkte verwendet, die neben Erfahrungspunkten und Gold im Kampf verdient und auch zum Upgraden von Zaubersprüchen benötigt werden. Zum Ausgleich darf der Spielstand aber jederzeit gesichert werden.

Nachdem der Entwickler Game Arts bereits einige Erfahrungen auf dem Mega CD sammeln konnte, hat er mit "Eternal Blue" alles denkbare aus Segas CD-Konsole herausgekitzelt. Sehr viele wunderschön präsentierte Zwischensequenzen mit dazu passender Sprachausgabe lassen die Welt und ihre Charaktere regelrecht lebendig wirken. Auch die 2D-Grafik in den Städten und im Kampf braucht sich nicht zu verstecken. Monster, Angriffe und Nebencharaktere sind hübsch animiert. Der Soundtrack ist ebenfalls hervorragend und kann sogar mit zwei tollen Liedern aufwarten. Das einzige, was ich etwas unpassend finde, ist die piepsige Fanfare am Ende einer jeden Kampfhandlung. Mit etwa 35 Stunden ist die Spielzeit genau richtig. Wer mit dem ersten Ende nicht glücklich ist, kann im Nachhinein ein Happy End ansteuern.

Fazit: "Lunar - Eternal Blue" ist nicht nur eine gelungene Fortsetzung, denn das Spiel macht eigentlich alles besser als der Vorgänger ohne als dessen Abklatsch zu wirken. Auch die technische Seite passt und verwöhnt sowohl die Augen wie auch die Ohren. "Lunar - Eternal Blue" ist ein echter Klassiker der japanischen Rollenspielkunst! Wer Interesse hat, kann natürlich auch zum Remake greifen, doch auch beim Mega CD-Original kann der geneigte Spieler nichts falsch machen. Leider sind alle Versionen nur in Japan und den USA erschienen.