Die Lunar-Spiele gehören meiner Ansicht nach zu den romantischsten
Rollenspielen überhaupt. Der zweite Teil steht dabei immer im Schatten
des ersten. Während es vom Erstling "The Silver Star" mittlerweile
diverse Remakes gibt, können Fans von "Eternal Blue" nur
zwischen dem hier behandelten Sega CD-Original und den beiden Remakes
für die Playstation sowie Sega Saturn wählen. Völlig zu
unrecht, wie ihr im folgenden Review nachlesen könnt.
"Eternal Blue" beginnt viele Jahrzehnte nach "The Silver
Star". Die Göttin Althena verließ damals die brennende
Erde und flüchtete mit wenigen Menschen auf den Mond. Dort blühte
schon bald eine neue Zivilisation und Althena wurde als Mensch wiedergeboren.
Sie verliebte sich in einen Jungen, und zusammen mit treuen Gefährten
konnten sie den wahnsinnig gewordenen Ghaleon in seine Schranken weisen.
Aber anscheinend war Althena nicht das einzige himmlische Fräulein
auf Erden. In der wunderschönen Introsequenz von "Eternal
Blue" erwacht die Göttin Lucia und spürt, dass auf dem
Mond die teuflische Macht Zophars kurz vor der Wiedererweckung steht.
Von der Tatsache verwirrt, dass Althena nicht einschreitet, reist sie
hinauf auf den Erdtrabanten und trifft dort auf unseren Helden Hiro.
Dieser versteht zunächst nur Bahnhof, kann aber auf keinen Fall
zulassen, dass die geldgierigen Schergen des Althena-Kultes Lucia hinrichten.
Wer will Lucias Tod, wo ist Althena und ist es überhaupt möglich,
ohne ihre Hilfe Zophar zu bezwingen? Die Geschichte weist den klassischen
Rollenspielplot à la "durch Freundschaft können wir
alles erreichen" auf, wird aber charmant und märchenhaft erzählt.
Der Humor spielt dabei eine große Rolle, auch wenn es tragische
oder düstere Szenen gibt. Die heitere und positive Atmosphäre
zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel. Natürlich
gibt es wieder eine Riege an tatkräftigen Kameraden, die Hiro und
Lucia unterstützen:
Ruby ist Hiros beste Freundin und sieht wie eine fliegende Katze aus.
In Wirklichkeit ist sie jedoch ein roter Drache im Training. Sie führt
den Spieler durch das Menü und greift manchmal hilfreich in den
Kampf ein.
Ronfar war einmal einer der glühendsten Anhänger Althenas.
Als sich jedoch seine große Liebe Mauri bei einem Reinigungsritual
stark verändert, kehrt er dem Glauben den Rücken. Stattdessen
frönt er nun dem Glücksspiel und den Frauen. Als Heiler ist
er unverzichtbar.
Die Tänzerin Jean kann ihren Fächer in eine tödliche
Waffe verwandeln. Kein Wunder, war sie doch früher eine Meuchelmörderin
und hat noch eine Rechnung mit ihrem früheren Karatemeister offen.
Ihre große Stärke ist die Schnelligkeit, so dass sie bis
zu vier Angriffe auf einen Schlag ausführen kann.
Lemnia ist das zukünftige Oberhaupt der Magierstadt Vane, die
momentan eher einer Geisterstadt gleicht. Sie möchte ihrer Heimat
wieder zu alter Größe verhelfen und ist deshalb immer auf
der Suche nach Geld und magiebegabten Leuten. Natürlich ist sie
auf Magie spezialisiert und beherrscht offensive Feuer- und Eissprüche.
Das Gameplay bietet klassische Kost mit rundenbasierten Kämpfen,
langen verwinkelten Dungeons, Einkaufstouren und vielen Dialogen. Im
Gegensatz zum einsteigerfreundlichen "The Silver Star" wird
bei "Eternal Blue" jedoch mit härteren Bandagen gekämpft.
Die Bosse sind richtig knackig und wer ohne Vorbereitung oder Beobachtung
der Gegner in einen Dungeon stürmt, kann schnell auf die Nase fallen.
Die animierten Monster zeigen durch ihre Haltung an, welcher Angriff
in der nächsten Runde ansteht. Bei Endgegnern bewahrt uns dies
vor unangenehmen Überraschungen. Einige Dungeons im ersten Drittel
fand ich besonders knifflig, denn sie setzen einem mit fliegenden Plattformen,
vermeintlichen Abkürzungen, Teleportern und absichtlich verwirrender
Farbgebung schwer zu. Hier hilft nur ein gutes Gedächtnis und ein
eiserner Wille, denn die vielen Zufallsbegegnungen stellen die Geduld
schnell auf die Probe. Mit ein paar eingestreuten Schaltern und Suchrätseln
wird das Spielerlebnis perfekt abgerundet. Etwas ungewöhnlich fällt
die Speichermethode aus, die Magiepunkte verwendet, die neben Erfahrungspunkten
und Gold im Kampf verdient und auch zum Upgraden von Zaubersprüchen
benötigt werden. Zum Ausgleich darf der Spielstand aber jederzeit
gesichert werden.
Nachdem der Entwickler Game Arts bereits einige Erfahrungen auf dem
Mega CD sammeln konnte, hat er mit "Eternal Blue" alles denkbare
aus Segas CD-Konsole herausgekitzelt. Sehr viele wunderschön präsentierte
Zwischensequenzen mit dazu passender Sprachausgabe lassen die Welt und
ihre Charaktere regelrecht lebendig wirken. Auch die 2D-Grafik in den
Städten und im Kampf braucht sich nicht zu verstecken. Monster,
Angriffe und Nebencharaktere sind hübsch animiert. Der Soundtrack
ist ebenfalls hervorragend und kann sogar mit zwei tollen Liedern aufwarten.
Das einzige, was ich etwas unpassend finde, ist die piepsige Fanfare
am Ende einer jeden Kampfhandlung. Mit etwa 35 Stunden ist die Spielzeit
genau richtig. Wer mit dem ersten Ende nicht glücklich ist, kann
im Nachhinein ein Happy End ansteuern.
Fazit: "Lunar - Eternal Blue" ist nicht nur eine gelungene
Fortsetzung, denn das Spiel macht eigentlich alles besser als der Vorgänger
ohne als dessen Abklatsch zu wirken. Auch die technische Seite passt
und verwöhnt sowohl die Augen wie auch die Ohren. "Lunar -
Eternal Blue" ist ein echter Klassiker der japanischen Rollenspielkunst!
Wer Interesse hat, kann natürlich auch zum Remake greifen, doch
auch beim Mega CD-Original kann der geneigte Spieler nichts falsch machen.
Leider sind alle Versionen nur in Japan und den USA erschienen.
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