Süßes Charakterdesign im Anime-Stil gehört zu vielen japanischen
Spielen einfach dazu. Einige Produktionen gehen aber noch weiter und quellen
geradezu über vor kindlicher Niedlichkeit. Das dürfte wohl auch
der Grund dafür gewesen sein, warum die Rollenspiel-Serie Madou Monogatari
es nie in den Westen geschafft hat. Dabei kann sie als ein echtes Urgestein
auf eine stattliche Anzahl von Veröffentlichungen zurückblicken,
die vom ersten Auftritt auf dem MSX-Heimcomputer bis hin zu modernen Handy-Interpretationen
reicht. Alleine schon für den kleinen Game Gear gab es vier Publikationen,
die jedoch allesamt Remakes der MSX-Originale sind. Das erste davon möchte
ich euch nun näher vorstellen.
Der übersetzte Titel bedeutet ungefähr soviel wie "Ein
magisches Abenteuer" und beschreibt die Erlebnisse des Zauberlehrlings
Arle. Wer jetzt eine flotte jungendliche Magierin in hautenger Kleidung
erwartet, erhält sogleich den ersten Schock. Arle ist erst fünf
Jahre alt und geht in den Zauberkindergarten. Um diesen erfolgreich
abzuschließen, muss sie sich in einem dunklen Turm behaupten und
mit drei magischen Steinen zurückkehren.
Die zweite Überraschung erfolgt, als man sich nach der Eröffnungssequenz
endlich im dunklen Turm wiederfindet. Waffe? Fehlanzeige! Statusanzeige?
Wer braucht die schon! Der Bildschirm ist in vier Abschnitte geteilt.
Oben links blickt man aus der Egoperspektive in den Dungeon, darunter
findet man das Menü, während daneben die Textboxen eingeblendet
werden. In der rechten oberen Ecke sehen wir zu guter Letzt Arles niedliches
Gesicht, von dem sich ihr Wohlbefinden ablesen lässt. Je mehr sie
im Kampf verletzt wird, desto trauriger schaut sie uns an. Unterstützt
wird das Ganze von der Musik und den Sprachsamples, die ebenfalls variieren
und Hinweise auf die momentane Situation geben. Sprachausgabe auf dem
Game Gear?! Einige werden jetzt sicherlich aufhorchen. Ja, und zwar
nicht zu knapp! So gut wie jede Handlung im Spiel ist vertont. Ob Speichern,
das Wirken von Magie oder die enttäuschten Rufe der am Boden liegenden
Gegner, alles erklingt gut verständlich aus den kleinen Lautsprechern.
Dabei werden japanische, aber auch englische Wörter verwendet.
Das Gameplay selbst ist unspektakulär. Arle erforscht den Turm,
verklopft jede Menge niedliche Monster und löst simple Rätsel.
Dabei verlässt sie sich voll und ganz auf ihre magischen Kräfte.
Feuer und Eis stehen von Anfang an zur Verfügung, nützliche
Sprüche wie Warp können erst im Laufe der Zeit gefunden werden.
Das Kampfsystem ist rundenbasiert und sehr eingeschränkt. Während
des gesamten Spieles habe ich fast nur die beiden Basissprüche
verwendet. Items werden in Shops erworben und dienen hauptsächlich
der Heilung oder fungieren als Bestandteile von Rätseln. Die vier
Bildschirmabschnitte sind von einem verzierten Rahmen eingefasst, der
einige leere Blasen enthält. Nach jedem Kampf füllen sich
diese mit Erfahrungspunkten auf. Beim Vollenden der Runde gibt es einen
Levelaufstieg.
Die Grafik ist für ein Game Gear-Spiel sehr hübsch. Die Gegner-Sprites
sind groß, animiert und natürlich sooo knuffig. Leider treten
sie nicht in besonders vielen Variationen auf, pro Ebene erscheinen
meistens nur zwei verschiedene Monster. Einige Gegner dürften vielen
bekannt vorkommen, denn es handelt sich bei ihnen um die bekannten Puyos.
Die bunten Kugeln haben überraschenderweise hier ihren Ursprung
und haben erst später ihre große Karriere im gleichnamigen
Puzzle-Spiel gemacht. Jeweils am Anfang und am Ende des Spieles gibt
es eine Zwischensequenz zu bewundern. Die Musik ist zwar nicht besonders
erwähnenswert, passt aber gut zur heiteren Atmosphäre.
Madou Monogatari spielt sich durch die vorhandene Automap-Funktion
und den moderaten Schwierigkeitsgrad sehr angenehm. Etwas gewöhnungsbedürftig
ist nur die Tatsache, dass sich die Figur beim Rückwärtsgang
automatisch um 180 Grad dreht. Gespeichert werden kann jederzeit, dabei
verbringen wir mit Arle nur wenige Stunden im Turm. Die kurze Spielzeit
lässt sich leicht erklären, denn das MSX-Original war nur
ein Teil einer Trilogie.
Fazit: Madou Monogatari überzeugt durch die leichte Zugänglichkeit
sowie die herzige Präsentation. Für den kurzen Umfang und
das flache Kampfsystem gibt es aber Abzüge. Wer sich für den
ersten Madou Monogatari-Teil interessiert, kann aus mehreren Remakes
wählen, da das Spiel nicht nur für den Game Gear sondern auch
für den Mega Drive und die PC-Engine vorliegt. Auch wenn Madou
Monogatari nicht das beste Rollenspiel ist, das niedlichste jedoch ganz
bestimmt!
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