Madou Monogatari
RPG

Patricia
Juli 10
 

Süßes Charakterdesign im Anime-Stil gehört zu vielen japanischen Spielen einfach dazu. Einige Produktionen gehen aber noch weiter und quellen geradezu über vor kindlicher Niedlichkeit. Das dürfte wohl auch der Grund dafür gewesen sein, warum die Rollenspiel-Serie Madou Monogatari es nie in den Westen geschafft hat. Dabei kann sie als ein echtes Urgestein auf eine stattliche Anzahl von Veröffentlichungen zurückblicken, die vom ersten Auftritt auf dem MSX-Heimcomputer bis hin zu modernen Handy-Interpretationen reicht. Alleine schon für den kleinen Game Gear gab es vier Publikationen, die jedoch allesamt Remakes der MSX-Originale sind. Das erste davon möchte ich euch nun näher vorstellen.

Der übersetzte Titel bedeutet ungefähr soviel wie "Ein magisches Abenteuer" und beschreibt die Erlebnisse des Zauberlehrlings Arle. Wer jetzt eine flotte jungendliche Magierin in hautenger Kleidung erwartet, erhält sogleich den ersten Schock. Arle ist erst fünf Jahre alt und geht in den Zauberkindergarten. Um diesen erfolgreich abzuschließen, muss sie sich in einem dunklen Turm behaupten und mit drei magischen Steinen zurückkehren.

Die zweite Überraschung erfolgt, als man sich nach der Eröffnungssequenz endlich im dunklen Turm wiederfindet. Waffe? Fehlanzeige! Statusanzeige? Wer braucht die schon! Der Bildschirm ist in vier Abschnitte geteilt. Oben links blickt man aus der Egoperspektive in den Dungeon, darunter findet man das Menü, während daneben die Textboxen eingeblendet werden. In der rechten oberen Ecke sehen wir zu guter Letzt Arles niedliches Gesicht, von dem sich ihr Wohlbefinden ablesen lässt. Je mehr sie im Kampf verletzt wird, desto trauriger schaut sie uns an. Unterstützt wird das Ganze von der Musik und den Sprachsamples, die ebenfalls variieren und Hinweise auf die momentane Situation geben. Sprachausgabe auf dem Game Gear?! Einige werden jetzt sicherlich aufhorchen. Ja, und zwar nicht zu knapp! So gut wie jede Handlung im Spiel ist vertont. Ob Speichern, das Wirken von Magie oder die enttäuschten Rufe der am Boden liegenden Gegner, alles erklingt gut verständlich aus den kleinen Lautsprechern. Dabei werden japanische, aber auch englische Wörter verwendet.

Das Gameplay selbst ist unspektakulär. Arle erforscht den Turm, verklopft jede Menge niedliche Monster und löst simple Rätsel. Dabei verlässt sie sich voll und ganz auf ihre magischen Kräfte. Feuer und Eis stehen von Anfang an zur Verfügung, nützliche Sprüche wie Warp können erst im Laufe der Zeit gefunden werden. Das Kampfsystem ist rundenbasiert und sehr eingeschränkt. Während des gesamten Spieles habe ich fast nur die beiden Basissprüche verwendet. Items werden in Shops erworben und dienen hauptsächlich der Heilung oder fungieren als Bestandteile von Rätseln. Die vier Bildschirmabschnitte sind von einem verzierten Rahmen eingefasst, der einige leere Blasen enthält. Nach jedem Kampf füllen sich diese mit Erfahrungspunkten auf. Beim Vollenden der Runde gibt es einen Levelaufstieg.

Die Grafik ist für ein Game Gear-Spiel sehr hübsch. Die Gegner-Sprites sind groß, animiert und natürlich sooo knuffig. Leider treten sie nicht in besonders vielen Variationen auf, pro Ebene erscheinen meistens nur zwei verschiedene Monster. Einige Gegner dürften vielen bekannt vorkommen, denn es handelt sich bei ihnen um die bekannten Puyos. Die bunten Kugeln haben überraschenderweise hier ihren Ursprung und haben erst später ihre große Karriere im gleichnamigen Puzzle-Spiel gemacht. Jeweils am Anfang und am Ende des Spieles gibt es eine Zwischensequenz zu bewundern. Die Musik ist zwar nicht besonders erwähnenswert, passt aber gut zur heiteren Atmosphäre.

Madou Monogatari spielt sich durch die vorhandene Automap-Funktion und den moderaten Schwierigkeitsgrad sehr angenehm. Etwas gewöhnungsbedürftig ist nur die Tatsache, dass sich die Figur beim Rückwärtsgang automatisch um 180 Grad dreht. Gespeichert werden kann jederzeit, dabei verbringen wir mit Arle nur wenige Stunden im Turm. Die kurze Spielzeit lässt sich leicht erklären, denn das MSX-Original war nur ein Teil einer Trilogie.

Fazit: Madou Monogatari überzeugt durch die leichte Zugänglichkeit sowie die herzige Präsentation. Für den kurzen Umfang und das flache Kampfsystem gibt es aber Abzüge. Wer sich für den ersten Madou Monogatari-Teil interessiert, kann aus mehreren Remakes wählen, da das Spiel nicht nur für den Game Gear sondern auch für den Mega Drive und die PC-Engine vorliegt. Auch wenn Madou Monogatari nicht das beste Rollenspiel ist, das niedlichste jedoch ganz bestimmt!