Wer bei "Magical Vacation" an das ähnlich klingende "Magical
Starsign" für den Nintendo DS denken muss, liegt goldrichtig.
Als direkter Vorgänger von "Magical Starsign" erschien
"Magical Vacation" für den Game Boy Advance, jedoch nur
in Japan. Deshalb wird diesem Spiel hierzulande kaum Beachtung geschenkt.
Natürlich konnte mich dies nicht aufhalten, so dass ich aufgrund
vorhandener Hilfestellungen im Netz über das unbekannte Rollenspiel
berichten kann.
Magische Ferien verspricht der Spieltitel, und so fängt auch alles
an. Eine Gruppe von Zauberschülern steigt in einen - ganz klar
- magischen Bus, um in die Sommerferien zu fahren. Doch irgendetwas
geht dabei gewaltig schief und statt am erholsamen Strand findet man
sich mitten in einem haarsträubenden Abenteuer wieder. Bösartige
Enigmas sind für die Streichung des Urlaubs schuld, die nur mit
Magie aufgehalten werden können. Doch die gesamte Klasse wurde
zerstreut oder gefangen genommen und von der Lehrerin fehlt jede Spur.
Somit liegt es an unserem Helden, alle zusammenzuführen und die
teuflischen Wesen aufzuhalten.
Zu Beginn des Spieles kann nicht nur das Geschlecht und der Name der
Spielfigur ausgewählt werden, sondern auch deren Attribut. Dabei
stehen einem ganze 16 (!) Ausrichtungen zur Verfügung, die neben
den üblichen Elementen wie Feuer und Wasser auch ganz originelle
Affinitäten zur Liebe, Antike, Schönheit oder zum Sound aufweisen.
Damit wird auch gleichzeitig der Schwierigkeitsgrad des Spieles beeinflusst,
da die einzelnen Attribute den Härtestufen leicht, mittel und herausfordernd
zugeteilt sind. Ich habe mich für ein Mädel mit Feuermagie
entschieden.
Magie spielt in diesem Spiel die Hauptrolle, traditionelle Angriffe
werden kaum getätigt. Die Kraft für Zauber wird kleinen Geistern
(Seirei) entnommen, die beschworen werden. Doch auch die Monster sind
jeweils einem Attribut zugeteilt und können ihrerseits Elementargeister
beschwören. Bis zu fünf Team-Mitglieder können in den
rundenbasierten Kämpfen an der Seite unseres Helden kämpfen.
Der Clou dabei ist, dass man auch die vom Feind beschworenen Elementargeister
für sich nutzen kann, was jedoch andersrum ebenfalls funktioniert.
Für jeden im Kampf aktiven Seirei verdoppelt sich der Schaden für
das jeweilige Element. Bei den Standardkämpfen kommt der Spieler
noch gut mit normalen Magieangriffen über die Runden, aber spätestens
bei den Bossen ist die Taktikschlacht um die mächtigen Geisterwesen
richtig am Kochen. Ein weiterer Schwerpunkt im Spielablauf ist das Erkunden.
Bei "Magical Vacation" gibt es soviel zu entdecken, dass Spieler
mit ausgeprägtem Sammeltrieb ihre helle Freude daran haben werden.
Die meisten Seirei helfen euch nur gegen eine entsprechende Bezahlung
und jede Sorte hat da so ihre eigene Vorliebe. Aber selbst wenn die
richtigen Münzen in eurer Tasche sind, müssen die hilfreichen
Racker erst einmal gefunden werden. Feuer-Seirei tarnen sich gerne als
Kerzen, während die der Dunkelheit als coole Skelettschädel
ihr Dasein fristen. Das leuchtet ein und fällt in Häusern
sowie Dungeons auch auf. Wasser- und Holz-Seirei verstecken sich dagegen
gerne in Pfützen und Ästen, die in den großen Sumpf-
und Waldgebieten nicht leicht auszumachen sind. Ein gutes Auge und gezieltes
Suchen gehören somit zum Erfolgserlebnis dazu. Das restliche Gameplay
bietet gewohnte Kost, die all das bietet, was ein gutes Rollenspiel
so braucht: Ausrüstung kaufen, Schatzkisten finden und hier und
da ein paar eingestreute Rätsel lösen.
Die Präsentation kann sich wirklich sehen lassen, denn das Entwicklungsstudio
Brownie Brown hat alles nur Denkbare aus Nintendos kleinem Handheld
herausgekitzelt. Einige Dungeons wie die Pyramide oder die Sternenhöhle
Rakyuo ragen dabei besonders heraus. Auf den drei Planeten, die insgesamt
bereist werden müssen, trifft der Spieler jede Menge unterschiedliche
Völker. Katzenmenschen, sprechende Töpfe oder blaubärtige
Zwerge, bei der Gestaltung wurden viele fantastische Ideen zu einem
zuckersüßen Ganzen vermengt. Die Kampfanimationen sind gelungen,
lassen sich aber bei Bedarf durch das Drücken des A-Buttons überspringen.
Einige Melodien haben mir sehr gut gefallen, in Summe ist die musikalische
Untermalung aber eher durchschnittlich.
Steuerung sowie Handhabung sind unkompliziert, und es kann jederzeit
gespeichert werden. Das Menü ist aufgrund verständlicher Icons
auch für Nichtjapaner gut nachvollziehbar. Wer eine besondere Hürde
sucht, der versucht das perfekte Ende zu erreichen. Dafür müssen
jedoch schwierige Bestimmungen eingehalten werden wie zum Beispiel der
Verzicht auf bestimmte Seirei. Kämpfe gegen die Teams anderer Spieler
sind mit Hilfe eines Link-Kabels möglich. Die Spielzeit hängt
stark vom gewählten Schwierigkeitsgrad sowie der investierten Zeit
in die intensive Suche nach neuen Seirei ab. 20 bis 30 Stunden Spielspaß
sind aber garantiert drin.
Fazit: Dass sich zu "Magical Vacation" zahlreiche Informationen
und Lösungshilfen auf westlichen Internetseiten finden lassen,
ist aufgrund der hohen Qualität dieses Spieles nicht verwunderlich.
Durch das frische Elementarkonzept und die hübsche Grafik gehört
es definitiv zu den besseren GBA-Spielen. Wer ein heiteres, aber dennoch
anspruchsvolles Rollenspiel sucht und die Sprachbarriere nicht scheut,
kann hier bedenkenlos einen Blick riskieren.
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