Magical Vacation
RPG

Patricia
Oktober 10
 

Wer bei "Magical Vacation" an das ähnlich klingende "Magical Starsign" für den Nintendo DS denken muss, liegt goldrichtig. Als direkter Vorgänger von "Magical Starsign" erschien "Magical Vacation" für den Game Boy Advance, jedoch nur in Japan. Deshalb wird diesem Spiel hierzulande kaum Beachtung geschenkt. Natürlich konnte mich dies nicht aufhalten, so dass ich aufgrund vorhandener Hilfestellungen im Netz über das unbekannte Rollenspiel berichten kann.

Magische Ferien verspricht der Spieltitel, und so fängt auch alles an. Eine Gruppe von Zauberschülern steigt in einen - ganz klar - magischen Bus, um in die Sommerferien zu fahren. Doch irgendetwas geht dabei gewaltig schief und statt am erholsamen Strand findet man sich mitten in einem haarsträubenden Abenteuer wieder. Bösartige Enigmas sind für die Streichung des Urlaubs schuld, die nur mit Magie aufgehalten werden können. Doch die gesamte Klasse wurde zerstreut oder gefangen genommen und von der Lehrerin fehlt jede Spur. Somit liegt es an unserem Helden, alle zusammenzuführen und die teuflischen Wesen aufzuhalten.

Zu Beginn des Spieles kann nicht nur das Geschlecht und der Name der Spielfigur ausgewählt werden, sondern auch deren Attribut. Dabei stehen einem ganze 16 (!) Ausrichtungen zur Verfügung, die neben den üblichen Elementen wie Feuer und Wasser auch ganz originelle Affinitäten zur Liebe, Antike, Schönheit oder zum Sound aufweisen. Damit wird auch gleichzeitig der Schwierigkeitsgrad des Spieles beeinflusst, da die einzelnen Attribute den Härtestufen leicht, mittel und herausfordernd zugeteilt sind. Ich habe mich für ein Mädel mit Feuermagie entschieden.

Magie spielt in diesem Spiel die Hauptrolle, traditionelle Angriffe werden kaum getätigt. Die Kraft für Zauber wird kleinen Geistern (Seirei) entnommen, die beschworen werden. Doch auch die Monster sind jeweils einem Attribut zugeteilt und können ihrerseits Elementargeister beschwören. Bis zu fünf Team-Mitglieder können in den rundenbasierten Kämpfen an der Seite unseres Helden kämpfen. Der Clou dabei ist, dass man auch die vom Feind beschworenen Elementargeister für sich nutzen kann, was jedoch andersrum ebenfalls funktioniert. Für jeden im Kampf aktiven Seirei verdoppelt sich der Schaden für das jeweilige Element. Bei den Standardkämpfen kommt der Spieler noch gut mit normalen Magieangriffen über die Runden, aber spätestens bei den Bossen ist die Taktikschlacht um die mächtigen Geisterwesen richtig am Kochen. Ein weiterer Schwerpunkt im Spielablauf ist das Erkunden. Bei "Magical Vacation" gibt es soviel zu entdecken, dass Spieler mit ausgeprägtem Sammeltrieb ihre helle Freude daran haben werden. Die meisten Seirei helfen euch nur gegen eine entsprechende Bezahlung und jede Sorte hat da so ihre eigene Vorliebe. Aber selbst wenn die richtigen Münzen in eurer Tasche sind, müssen die hilfreichen Racker erst einmal gefunden werden. Feuer-Seirei tarnen sich gerne als Kerzen, während die der Dunkelheit als coole Skelettschädel ihr Dasein fristen. Das leuchtet ein und fällt in Häusern sowie Dungeons auch auf. Wasser- und Holz-Seirei verstecken sich dagegen gerne in Pfützen und Ästen, die in den großen Sumpf- und Waldgebieten nicht leicht auszumachen sind. Ein gutes Auge und gezieltes Suchen gehören somit zum Erfolgserlebnis dazu. Das restliche Gameplay bietet gewohnte Kost, die all das bietet, was ein gutes Rollenspiel so braucht: Ausrüstung kaufen, Schatzkisten finden und hier und da ein paar eingestreute Rätsel lösen.

Die Präsentation kann sich wirklich sehen lassen, denn das Entwicklungsstudio Brownie Brown hat alles nur Denkbare aus Nintendos kleinem Handheld herausgekitzelt. Einige Dungeons wie die Pyramide oder die Sternenhöhle Rakyuo ragen dabei besonders heraus. Auf den drei Planeten, die insgesamt bereist werden müssen, trifft der Spieler jede Menge unterschiedliche Völker. Katzenmenschen, sprechende Töpfe oder blaubärtige Zwerge, bei der Gestaltung wurden viele fantastische Ideen zu einem zuckersüßen Ganzen vermengt. Die Kampfanimationen sind gelungen, lassen sich aber bei Bedarf durch das Drücken des A-Buttons überspringen. Einige Melodien haben mir sehr gut gefallen, in Summe ist die musikalische Untermalung aber eher durchschnittlich.

Steuerung sowie Handhabung sind unkompliziert, und es kann jederzeit gespeichert werden. Das Menü ist aufgrund verständlicher Icons auch für Nichtjapaner gut nachvollziehbar. Wer eine besondere Hürde sucht, der versucht das perfekte Ende zu erreichen. Dafür müssen jedoch schwierige Bestimmungen eingehalten werden wie zum Beispiel der Verzicht auf bestimmte Seirei. Kämpfe gegen die Teams anderer Spieler sind mit Hilfe eines Link-Kabels möglich. Die Spielzeit hängt stark vom gewählten Schwierigkeitsgrad sowie der investierten Zeit in die intensive Suche nach neuen Seirei ab. 20 bis 30 Stunden Spielspaß sind aber garantiert drin.

Fazit: Dass sich zu "Magical Vacation" zahlreiche Informationen und Lösungshilfen auf westlichen Internetseiten finden lassen, ist aufgrund der hohen Qualität dieses Spieles nicht verwunderlich. Durch das frische Elementarkonzept und die hübsche Grafik gehört es definitiv zu den besseren GBA-Spielen. Wer ein heiteres, aber dennoch anspruchsvolles Rollenspiel sucht und die Sprachbarriere nicht scheut, kann hier bedenkenlos einen Blick riskieren.