Vielen Anime-Fans der ersten Stunde dürfte der Name "Magic Knight
Rayearth" ein Begriff sein, handelt es sich hierbei doch um eine
der erfolgreichsten Magical Girl-Serien der 90´er, die selbstverständlich
auf diversen Konsolen versoftet wurde. Das gleichnamige Game Boy-Abenteuer
erfreut sich jedoch eines geringen Bekanntheitsgrades, und das leider
völlig zu Recht. Trotzdem möchte ich euch dieses Spiel etwas
näherbringen.
Die drei Mädels Hikaru, Umi und Fuu werden von Prinzessin Emeraude
in das magische Königreich Cephiro beordert, um es vom scheinbar
durchgeknallten Oberpriester Zagato zu befreien. Der Anfang der Geschichte
wird anhand einiger Standbilder, die mit einer sehr schönen Midi-Version
des Titelliedes untermalt sind, vorgestellt. Anschließend muss
jedes Girlie ein kleines Abenteuer im Alleingang bestehen, wobei die
Reihenfolge vom Spieler bestimmt werden kann. Leider unterscheiden sich
die drei Episoden kaum voneinander, alle drei Mädchen müssen
sich in kurzen Rollenspielszenarien beweisen und einen Endgegner bezwingen.
Einige wenige Schalter- und Suchrätsel lockern das ganze Geschehen
auf. Der Zeitaufwand beläuft sich dabei auf eine halbe Stunde pro
Charakter. Danach geht es jedoch nicht wie erwartet gemeinsam weiter,
sondern direkt zum letzten Boss!
Manchmal liegt die Würze in der Kürze, doch hier wurde alles
viel zu stark vereinfacht, um jüngere Fans nicht zu überfordern.
Die rundenbasierten Zufallskämpfe unterscheiden lediglich zwischen
Schwert- und Magieangriffen sowie der Option zum Weglaufen. Geheilt
wird automatisch nach ein paar Schritten. Eine Herausforderung ist somit
kaum vorhanden, zumal der Magieangriff alle (End)Gegner mit einem Streich
vernichtet. Umso mehr war ich erstaunt, wie aufwendig die Präsentation
bei einem derart kurzen und belanglosen Spielchen ausgefallen ist. Jeder
einzelne Charakter wird beim Sprechen durch ein eigenes Porträt
hervorgehoben, die Mädchen sogar durch mehrere, um ihre Emotionen
besser zur Geltung zu bringen. In den Kämpfen gibt es eine kratzige,
aber dennoch beeindruckende Sprachausgabe, Angriffe und Gegner, die
mit großen Sprites auffallen, sind animiert. "Mahou Kishi
Rayearth" alias "Magic Knight Rayearth" ist zwar nur
in Japan erschienen, doch eine Hilfe aus dem Netz sorgt schnell für
Klarheit.
Fazit: Selbst puristische Fans der Serie sollten die Finger von diesem
Lizenzschrott lassen. Wer wirklich mit Hikaru und Co. auf Dämonenjagd
gehen möchte, der sollte lieber auf die sehr gelungene Sega Saturn-Adaption
zurückgreifen, die sogar in Amerika erschienen ist. Mit der geringen
Vergabe von drei Punkten strafe ich nicht nur die extreme Kürze,
sondern auch den uninspirierten und langweiligen Spielablauf.
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