Moonstone - A Hard Days Knight
Action-Adventure

Lyrion
Januar 11
 

The druids sent their best knights to Stonehenge so they may be dubbed into the Quest for the MOONSTONE.

Mit diesen von einem sehr schönen und an einen europäischen Comic erinnernden Intro begleiteten Worten beginnt das ritterliche Spektakel "Moonstone - A Hard Days Knight". Von Rob Anderson konzipiert und unter dem Label von Mindscape 1991 auf den Amiga-Markt geworfen, sorgte das Spiel für sehr gemischte Gefühle unter den vielen Bewertern. Während es in anderen Ländern vorwiegend recht gute Wertungen in diversen Zeitschriften erhielt, wurde "Moonstone" hierzulande als zu brutal angesehen und daher auch oft viel schlechter beurteilt. Die nicht gerade sparsame und dezente Beigabe von Pixel-Blut führte bei einigen Magazinen sogar zu einer Wertungsenthaltung, was letztendlich bei uns zu einem Verkaufsverbot des Spieles führte. In der heutigen Zeit, in der nur so vor Pixel-Blut triefende Spiele wie "God of War" oder "Dante´s Inferno" die Verkaufslisten dominieren und Videospiele sogar als Kulturerbe angesehen werden, wäre dieses Schicksal dem Spiel womöglich erspart geblieben. Vor über zwanzig Jahren waren aber Computerspiele für die meisten Erwachsenen nur wertloser Schund, der die Jugend, die primäre Zielgruppe für eine derartig unseriöse Freizeitbeschäftigung, vom Weg der Tugend abbrachte. Daher sah man so ein Spiel lieber verbannt als mit einer altersgerechten Kennzeichnung versehen. Wenn man aber noch etwas weiter zurückblickt, dann wird man über den 1981 gedrehten Film "Excalibur" von John Boorman stoßen, welcher nicht minder brutal ist. Dieser sehr gute Fantasy-Streifen mit realistisch dargestellten Szenarien von Ritterschlachten ist ein echtes Meisterstück der Filmkunst. Dort wurde zum ersten Mal in der Filmgeschichte die unverhüllte und blutige wie verstümmelte Wahrheit der glorifizierten Artus-Legende gezeigt, und das gefiel allen Kritikern. Warum wird dann bitte schön zehn Jahre später so ein Spiel wie "Moonstone", das im Grunde dieselbe Thematik und Darstellung beinhaltet, sich jedoch eines anderen Mediums bedient, derartig schlecht gemacht? Weil es ein Spiel und kein Film ist und man sich als Spieler womöglich selbst mit der Figur identifizieren könnte? Wahrscheinlich ist das die Antwort, aber nur die halbe Wahrheit. Aber es ist wie es ist, und heute wird sich wohl kaum noch jemand an diesem Spiel anstoßen, das ich hier nun vorstellen möchte.

Prepare yourself, for the season of the Moonstones is upon you!

In dieser angsteinflößenden und nur alle tausend Jahre ein einziges Mal aufkommenden Zeit der Mondsteine wendet sich der Mondgott Danu vom kosmischen Geschehen ab und richtet seine volle Aufmerksamkeit auf die Erde. Es ist eine Zeit, in der dem besten Ritter im Lande ein sagenhaftes Geschenk des Himmels zuteil werden kann. Aus diesem Grund nehmen die mutigsten Recken die Herausforderung der Druiden an, wohlwissend, dass es sich dabei um eine harte, selbstaufopfernde und tödliche Bewährungsprobe handelt. Um die Queste erfolgreich zu bestehen, müssen die vier gefährlichsten Regionen des Landes, die Northern Wastelands im Nordosten, die Misty Moors im Nordwesten, der Great Forest im Südwesten sowie die Wetlands im Südosten, auf der Suche nach vier Schlüsseln bereist werden. Diese ermöglichen erst den Zugang zum zentral zwischen den vier Landschaften liegenden Tal der Götter (The Valley of the Gods), wo ein Wächter auf den wagemutigen Ritter wartet und ihm bei erfolgreichem Verlauf des Kampfes einen Mondstein überlässt. Doch bevor es soweit ist, müssen erst viele Gefahren überstanden werden.

Um Danus Gunst kann man nicht nur alleine sondern mit bis zu drei weiteren Mitspielern gleichzeitig wetteifern. Die Bewegungen der einzelnen Spieler finden dabei immer abwechselnd statt. Die wartenden Spieler sollten daher beim Zug des gerade aktiven Streiters am besten diskret weggucken, um sich ja nicht versehentlich irgendwelche Wissensvorteile zu verschaffen. So ein nur auf einem einzigen Computer stattfindender Mehrspieler-Modus ist im Allgemeinen unter dem Begriff "Hot Seat" bekannt. Um Kämpfe zwischen den Spielern ausfechten zu können, werden allerdings zwei Joysticks benötigt. Finden sich weniger als vier Spieler für eine Spielsitzung zusammen, übernimmt der Computer den Part der gegnerischen Ritter. Diese werden dann als die Black Knights beschrieben, welche der Sekte "The Dark Hall of Purity" angehören und gegen die Druiden und deren Ziele kämpfen.

Nach der Auswahl seines bevorzugten Ritters, wobei der einzige spielerische Unterschied zwischen den vier vorhandenen Recken, die bei Bedarf auch umbenannt werden können, wirklich nur in der Farbgestaltung der Waffenröcke und den Ausgangspunkten auf der Landkarte besteht, beginnt das brandgefährliche Abenteuer. Lediglich mit einem Lederharnisch, einem einfachen Langschwert und zehn Wurfmessern ausgestattet, sollte das erste Ziel des Spielers sein, seinem Ritter eine bessere Ausrüstung zu verschaffen und seine Grundwerte, die für das Kämpfen und Überleben lebenswichtig sind, zu verbessern. Ansonsten sind die fünf anfänglichen Leben mit je zwanzig Lebenspunkten schnell dahin und das Vorhaben gescheitert. Das Spiel, das wohl eine einzigartige Mischung aus einem Rollen- und Hack´n´slay-Spiel ist, fundiert auf der schon eben erwähnten detaillierten Landkarte, die beliebig bereist werden kann. Neben dem Tal der Götter, der Druiden-Mondkultstätte Stonehenge, zwei Großstädten, einem Turm und den vier Heimatdörfern der Ritter gibt es in jeder der vier Regionen jeweils sechs Schatzverstecke (Lairs), wo mit etwas Glück neben Gold oder anderen magischen Gegenständen auch die vier Schlüssel zu finden sind. Schafft man es einen dieser Orte von allen dort hausenden Kreaturen zu säubern, bekommt man einen Erfahrungspunkt gutgeschrieben, ebenso wie für den Fund des Schatzes. Fürs Besiegen des großen roten Drachen, der die Lande auf der Suche nach Beute regelmäßig durchfliegt, gibt es gleich zwei Erfahrungspunkte auf einmal, und für den besiegten Talwächter sogar drei, aber das nur so als Info am Rande. Die gesammelten Erfahrungspunkte können dann im Status- und Ausrüstungsbildschirm, den man mittels der Space-Taste jederzeit auf der Karte aufrufen kann, für die permanente Verbesserung der Kampfkraft des Ritters, welche durch die drei Attribute Stärke (kräftigere Angriffe), Ausdauer (viel größere Mobilität) und Konstitution (zusätzliche Lebenspunkte) definiert wird, nach Belieben eingetauscht werden. Im Einspieler-Modus gilt dabei die Regel, dass für die Verbesserung eines Attributpunktes drei Erfahrungspunkte benötigt werden. Im Zweispieler-Modus sind es nur zwei und im Dreispieler- bzw. Vierspieler-Modus wird Eins zu Eins getauscht, was bei den bedingt durch die gleichbleibende Anzahl der Lairs und Schätze begrenzten Erfahrungspunkten einer viel besseren Spielbalance förderlich ist. Weitere Verbesserungen der Werte erzielt man durch bessere magische Ausrüstung, die nicht nur neue Schwerter und Rüstungen sondern auch andere Schutzgegenstände und Magierollen umfasst. Diese will ich nun auflisten und kurz deren Wirkungsweisen beschreiben.

Potion of Healing: Damit heilt man seine verwundeten Knochen oder gewinnt bei voller Lebenspunktzahl ein Zusatzleben.
Gem of Seeing: Mit dieser magischen Kugel kann man die Schätze eines beliebigen Lairs gefahrlos aus der Ferne einsehen.
Ring of Protection: Vermindert den im Kampf genommenen Schaden und erhöht zudem die Lebenspunkte.
Talisman of the Wyrm: Halbiert den vom Drachen verursachten Schaden. Kann mehrfach getragen werden, um einen noch besseren Schutz zu erlangen.
Scroll of Haste: Mit dieser Rolle kann man auf der Landkarte doppelt so weit wandern wie normalerweise. Sollte die Rolle aber verflucht sein, verursacht sie den umgekehrten Effekt.
Scroll of A(c)quisition: Eine wirklich sehr brauchbare wie auch interessante magische Rolle, die es erlaubt, einem anderen Ritter einen Gegenstand unbemerkt zu entwenden.
Scroll of the Hawk: Damit kann man sich schnellstens zu einem Wunschort, außer dem Tal der Götter, befördern lassen. Auch diese Rolle kann verflucht sein, was sich in einer zufallsbedingten Auswahl des Zielortes bemerkbar macht.
Scroll of the Wyrm: Die Rolle hetzt einem anderen Ritter den Drachen auf den Hals, oder aber auch auf seinen eigenen, falls die Rolle verflucht sein sollte.
Scroll of Protection: Wenn man von einem anderen Ritter zum Kampf gestellt wird, kann man diese Rolle nutzen, um sich magisch aus dem Staub zu machen.

Fast all diese Sachen kann man mit etwas Glück selber finden oder im Hohen Tempel der Stadt Highwood käuflich erwerben. Dasselbe gilt für die Rüstungen und Waffen, wobei diese auch in der zweiten Stadt Waterdeep beim Händler zu haben sind. Dort wohnt ferner der Mystiker Mythral, bei dem sich für eine kleine Spende von 10 Goldstücken ebenfalls die Werte der Attribute verbessern lassen, allerdings nur wenn man das Glück auf seiner Seite hat. Diese können sich nämlich auch verschlechtern. In beiden Städten gibt es außerdem Heiler, die für 10 bzw. 15 Goldmünzen die verlorenen Lebenspunkte oder gar ein Leben wiederherstellen, und jeweils eine Taverne, in der man beim Glückspiel "Dragon Dice" sein Glück versuchen kann. Beim maximalen Einsatz von 5 Goldstücken winkt dort bei drei gewürfelten Drachensymbolen der dreißigfache Höchstgewinn. Wahrscheinlicher ist jedoch der totale Verlust des eigenen Goldes. Für Zocker ist es aber eine sehr reizvolle wie interessante Option. Im hohen Turm in den Northern Wastelands residiert der mächtigste aller Zauberer namens Math. Auch er kann zwecks Hilfe für die Queste aufgesucht werden. Diese kann in der Verbesserung eines Attributes oder aus einem Sack Gold bzw. einem magischen Gegenstand bestehen. Bei Missfallen verwandelt er aber den anmaßenden Ritter für mehrere Runden in eine Kröte. Die vier Heimatdörfer der Ritter befinden sich jeweils an den Eckpunkten der Landkarte. Wenn man weniger als drei Leben hat, kann man dorthin zurückkehren, um sich zu heilen und ein Extra-Leben zu bekommen. Derselbe Effekt kann auch jederzeit bei den Druiden in der Mondkultstätte Stonehenge durch die Opferung eines magischen Objektes erzielt werden. Zur Regeneration der Leben und Lebenspunkte bietet das Spiel also viele verschiedene Möglichkeiten. Mit der Taste E kann man übrigens auch seinen Zug vorzeitig beenden, damit die vom letzten Kampf stammenden Wunden etwas abheilen können.

Die schnellen und blutigen Kämpfe, wobei die Gore-Effekte vor dem Spielbeginn auch ausgeschaltet werden können (Aber wer bitte schön tut das schon?), nehmen den weitaus größten Teil der Spielzeit in Anspruch. Beim Betreten eines Schatzversteckes wechselt die Landkarte in eine Seitenansicht, wie man sie aus zahlreichen klassischen Beat´em up´s wie zum Beispiel dem aus dem selben Jahr stammenden Arcade-Spiel "Knights of the Round" her kennt. Das Monsterkompendium von "Moonstone" reicht dabei von den mit Hämmern, Äxten oder Speeren kämpfenden und an Orks erinnernden Troggs, irgendwelchen sehr schnell anstürmenden und gehörnten Biestern, Baumstämme schwingenden Trollen, wie aus dem Nichts auftauchenden Sumpfmonstern, kleinen, aber bissigen Rattenwesen, mächtigen, magisch erschaffenen und als Baloks bezeichneten Kreaturen mit riesigen Mäulern bis hin zum großen Feuerdrachen und dem an einen Windelementar erinnernden Wächter des Tals der Götter, welcher dem Spieler bei einer Niederlage gleich drei Leben auf einmal abluchst. Bei den vielen Arten, wie man von den unterschiedlich kämpfenden Monstern niedergemäht werden kann, haben sich die Entwickler ganz besonders viele Mühe gegeben und entsprechend viel Herzblut in diese Detailarbeit reingesteckt, was man schon beinahe wortwörtlich nehmen kann. Den Kopf durch das Schwert eines anderen Ritters zu verlieren ist wohl noch die angenehmste und für einen Ritter angemessene Art und Weise zu sterben. So ist der Boden fast immer mit vielen Leichen der gefällten Kreaturen bedeckt und mit einer Unmenge an Blut durchtränkt, nicht selten mit dem eigenen. Damit dies nicht allzu oft passiert, steht den tapferen Rittern eine ganze Reihe an Kampftechniken zur Verfügung, die mit allen acht Richtungen des Joysticks abgefragt werden. Neben fünf mächtigen Schwerthieben und dem Messerwurf beherrschen sie noch eine Parade- sowie eine Ausweichtechnik. Die letztere kann dabei abhängig vom Monstertyp variieren. Bei den kleinen Rattenwesen wird zum Beispiel anstelle des Ausweichmanövers ein Abwärtshieb als Konter ausgeführt. Die Rattenwesen sind auch die einzigen Kreaturen im Spiel, die paarweise angreifen, alle anderen Gegner kommen immer nur einzeln und nacheinander an, um sich eine blutige Nase zu holen. Dies relativiert im Verlauf des Spieles den am Anfang noch als recht hoch angesehenen Schwierigkeitsgrad. Mit einer besseren Rüstung und leicht verbessertem Stärkewert dürfte aber keiner ernsthafte Schwierigkeiten bei diesem Spiel haben, schon gar nicht, wenn man die Angriffsmuster der Monster auswendig kennt. Rechtzeitiges Ausweichen mit einem sofortigen Gegenkonter, und der Sieg ist einem eigentlich gewiss. Zumindest empfinde ich das Spiel als nicht besonders schwer, auch wenn andere Spieler ganz anderer Meinung sind. So konnte ich mit nur wenig Übung relativ schnell zum Tal der Götter vordringen, mir den Mondstein schnappen und das Spiel beenden. Von den Mondsteinen gibt es übrigens vier verschiedene, was von der Mondphase, die am Ende eines jeden Zuges angezeigt wird, abhängig ist. Allerdings hat die Wahl des Mondsteines keine spezielle Auswirkung. Selbst das Outro wird davon nicht beeinflusst, denn bis auf das andere Aussehen des Mondsteines in der Hand des erfolgreichen Ritters verläuft die Endsequenz immer gleich. Schade, denn da hätte man etwas mehr Abwechslung ins Spiel bringen können, was den Wiederspielwert erheblich gesteigert hätte. Selbiges hätte man auch durch unterschiedliche Waffentypen für jeden Ritter erreichen können, wodurch man diese ebenfalls besser charakterisieren hätte können. Dennoch, auch so ist das Spiel sehr spielenswert.

"Moonstone - A Hard Days Knight" weist aus spielerischer Sicht eigentlich kaum Schwächen auf. Natürlich hätte man es hier und da noch besser machen können, aber die Steuerung geht gut von der Hand und mit Übung kommt man stets weiter. Unfaire Stellen im Gameplay sucht man vergebens. Selbst die grobe Animation beim Kämpfen fällt nicht negativ ins Gewicht, da sie meiner Ansicht nach die schnelle und blutige Action noch zusätzlich unterstreicht. Die Grafik ist sehr bunt und das Design erweckt gekonnt den Anschein einer gefährlichen magischen Welt. Das Intro und Outro sowie die gelegentlichen Zwischensequenzen sind vorbildlich und auf dem Amiga sicherlich kaum besser hinzukriegen. Dazu kommt eine sehr gute, wenn auch nur spärlich gestreute musikalische Begleitung. Ob die gemurmelten Druidengesänge im Intro, das Getrommel im Outro, die seltsam summende und Gefahr verheißende Musik währen der Ladezeiten oder die sehr heitere Tavernenmusik, all diese Musikstücke vermitteln die passende Fantasy-Atmosphäre. Bei den Kämpfen gibt es keine Musik, die blutige Action ist aber bestens mit Soundeffekten wie Waffengeklirr, Monstergeschrei oder den letzten Pumpversuchen und Zuckungen eines durchtrennten Trogg-Herzens untermalt. Und auch wenn "Moonstone" keine allzu ausgefallene und komplexe Story aufweist, so machen die Mehrspielerfunktionalität sowie die dichte Atmosphäre dies allemal wett. Würde man aus der Suche nach dem Mondstein eine Suche nach dem Heiligen Gral machen, dann könnte man das Spiel sicherlich als eine Adaption des oben genannten Films "Excalibur" ansehen. Die Einflüsse von "Moonstone" liegen laut Todd Prescott, dem zweiten kreativen Kopf hinter dem Spiel, aber im Pen & Paper-Rollenspiel "Dungeons & Dragons" sowie in den beiden Brettspielen "Talisman" und "The Dark Tower". Die Inspiration für die blutigen Kämpfe kam dagegen von dem einst revolutionären 8-Bit-Computerspiel "Barbarian" von Palace Software.

"Moonstone" ist und bleibt ein echtes Kultspiel!!! Auch wenn es hierzulande verpönt ist. Ich mag das Spiel sehr gerne und vergebe daher acht solide Punkte, auch wenn mich der häufige Wechsel der drei Disketten damals fast an den Rand des Wahnsinns brachte. =)