Ich liebe Spiele mit abgedrehtem Humor wie "Sam & Max",
"Earthworm Jim", "Dynamite Dux" (Würstchenelch!)
oder das schrullige "Panic!", um ein paar Beispiele zu nennen.
Alleine schon (aber nicht nur) der absurden Komik wegen spiele ich sie
immer wieder gerne. Das Spiel, um das sich dieses Review dreht, fügt
sich dabei nahtlos in die Reihe der soeben aufgelisteten Titel ein. Es
handelt sich um ein Beat´em up mit dem schrillen Titel "Ninja
Baseball Bat Man" ("Yakyuu Kakutou League Man" in Japan),
das 1993 von Irem auf den Markt gebracht wurde und bis heute leider nur
in Automatenform existiert.
Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. Aus der "Baseball
Hall of Fame" wurde eine goldene Spielerstatue gestohlen, und der
"Commissioner of Baseball" bittet die Ninja Baseball Bat Men
darum, sie wiederzubeschaffen. Da mittlerweile die einzelnen Komponenten
an verschiedenen Orten in den USA gesichtet wurden, macht sich das Team
auf den Weg, sie an den einzelnen Stationen, sprich Levels, zurückzuholen.
Bei unserem Team handelt es sich um eine Gruppe von Ninjas, die mit
Baseballutensilien kämpft, daher auch der Name. Vier Charaktere
stehen insgesamt zur Auswahl, die sich in punkto Schnelligkeit, Reichweite,
Durchschlagskraft, Schwung sowie Spezialangriffe unterscheiden. Bis
zu vier Spieler können dann auch gleichzeitig zur Tat schreiten.
Der Spielablauf ist ganz klassisch. Man bewegt sich seitwärts
durch einen Level, während Horden von Gegnern, die sich am eigenen
Leib von der Verarbeitungsqualität des verwendeten Schlaginstrumentes
überzeugen wollen, auf einen einstürmen. Am Ende wartet dann
noch jeweils ein Boss auf eine gehörige Abreibung, nach der man
einen Teil der Statue erhält und es nach einer kurzen Zwischenszene
in den nächsten der insgesamt sieben Level geht. Gesteuert wird
neben dem Steuerknüppel mit zwei Tasten, zum Springen und zum Zuschlagen,
wobei jeder Charakter eine Reihe von Sonderattacken besitzt, die durch
ansprechende Tastenkombinationen ausgelöst werden. Die Steuerung
ist dabei sehr präzise und reagiert immer prompt, so dass man keine
Schläge einstecken muss, weil das Programm nicht auf eine Eingabe
reagiert hat. Das Spieltempo geht glücklicherweise nie in die Knie,
auch wenn sich viele Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm tummeln,
die allesamt viele Animationsphasen aufweisen.
Damit kommen wir zum Hauptaugenmerk des Spieles, der Grafik und der
optischen Gestaltung. Hier fällt zu allererst die skurrile Gestaltung
der Helden und Gegner auf. Sind die mit knallbunten Kostümen, Baseballkappen
und -schlägern ausstaffierten Ninjas schon lustig anzusehen, so
sind die Gegner einfach nur zum Brüllen komisch. Man kämpft
nämlich vorwiegend gegen animierte Baseballs und anderes Sportzubehör
mit Armen, Beinen und Augen. Neben "einfachen" Exemplaren
gesellen sich im Laufe des Spiels Zombie-Bälle, die aus der Erde
aufsteigen, Ball-Schamanen oder Cyborg-Bälle hinzu, sowie etwas
abweichende Highlights wie feuerspeiende Spielkarten oder im Trenchcoat
steckende Hunde mit Maschinengewehren. Wenn dann noch kleine Baseballs
Stachelwalzen mit Katzenstatuen vor sich herschieben, wird es völlig
surreal. Die Animationen sind ebenfalls köstlich. Bei Treffern
tränen allen die Augen, man kann beinahe alles spalten oder in
Brand setzen, und die Schergen greifen ähnlich ihrem Aussehen auf
absurde Angriffstechniken zurück. Sowohl die Sprites als auch die
Hintergründe sind farbenfroh und hervorragend gezeichnet. Untermalt
wird das Ganze von flotter Musik, die Laune macht und dem Geschehen
noch mal zusätzlich Schwung gibt, sowie sehr gelungenen und witzigen
Soundeffekten. Alleine das tiefe "Oh Yeah!" beim Einwerfen
einer Münze ist herrlich.
Die Pluspunkte des Spiels enden zum Glück nicht bei der gelungenen
Präsentation, denn "Ninja Baseball Bat Man" macht auch
eine Menge Spaß. Für ein Beat´em up hat es den notwendigen
Suchtfaktor, der einen bei der Stange hält und die andauernde Prügelei
nicht ermüdend wirken lässt. In späteren Levels wird
man immer wieder mit neuen Gegnern konfrontiert, so dass man nicht so
schnell einen Abnutzungseffekt spürt. Außerdem gibt es einige
nette kleine Ideen, wie zum Beispiel ein Auto, mit dem man eine Weile
alles plattfahren kann, oder besessene Hamburger als Gegner, die man
erst verkloppt und dann zwecks Lebensenergiegewinnung aufessen kann.
Schön ist auch, dass die größtenteils mechanischen Endgegner
durch die Attacken unserer Ninjas regelrecht demontiert werden und dann
auch ihr Angriffsschema ändern. Bemängeln kann man nur die
Tatsache, dass "Ninja Baseball Bat Man" natürlich nicht
das Rad neu erfindet, sondern einem bewährten Spielkonzept folgt.
Dieses wurde dafür allerdings außerordentlich gut und umfassend
umgesetzt.
Fazit: "Ninja Baseball Bat Man" ist schlicht und einfach
ein Feuerwerk an brillanter 2D-Grafik und abgefahrener optischer Gestaltung,
unter dessen glänzender Oberfläche sich ein mehr als solides
Beat´em up befindet. Ich wüsste nicht, was man, am Genre
gemessen, groß an diesem Spiel aussetzen könnte. Selbst der
rot leuchtende Dachshund-Kabeljau auf meiner Schulter fragt mich, wie
man einem Spiel mit Ninjas, Zombie-Basebällen und Kühlschränke
werfenden Geisterbullen keine zehn Punkte geben kann. Da ich auch sonst
kein nennenswertes Gegenargument finde, tue ich das dann auch.
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