Ninja Baseball Bat Man
Beat´em up

Riemann80
Juni 11
 

Ich liebe Spiele mit abgedrehtem Humor wie "Sam & Max", "Earthworm Jim", "Dynamite Dux" (Würstchenelch!) oder das schrullige "Panic!", um ein paar Beispiele zu nennen. Alleine schon (aber nicht nur) der absurden Komik wegen spiele ich sie immer wieder gerne. Das Spiel, um das sich dieses Review dreht, fügt sich dabei nahtlos in die Reihe der soeben aufgelisteten Titel ein. Es handelt sich um ein Beat´em up mit dem schrillen Titel "Ninja Baseball Bat Man" ("Yakyuu Kakutou League Man" in Japan), das 1993 von Irem auf den Markt gebracht wurde und bis heute leider nur in Automatenform existiert.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. Aus der "Baseball Hall of Fame" wurde eine goldene Spielerstatue gestohlen, und der "Commissioner of Baseball" bittet die Ninja Baseball Bat Men darum, sie wiederzubeschaffen. Da mittlerweile die einzelnen Komponenten an verschiedenen Orten in den USA gesichtet wurden, macht sich das Team auf den Weg, sie an den einzelnen Stationen, sprich Levels, zurückzuholen. Bei unserem Team handelt es sich um eine Gruppe von Ninjas, die mit Baseballutensilien kämpft, daher auch der Name. Vier Charaktere stehen insgesamt zur Auswahl, die sich in punkto Schnelligkeit, Reichweite, Durchschlagskraft, Schwung sowie Spezialangriffe unterscheiden. Bis zu vier Spieler können dann auch gleichzeitig zur Tat schreiten.

Der Spielablauf ist ganz klassisch. Man bewegt sich seitwärts durch einen Level, während Horden von Gegnern, die sich am eigenen Leib von der Verarbeitungsqualität des verwendeten Schlaginstrumentes überzeugen wollen, auf einen einstürmen. Am Ende wartet dann noch jeweils ein Boss auf eine gehörige Abreibung, nach der man einen Teil der Statue erhält und es nach einer kurzen Zwischenszene in den nächsten der insgesamt sieben Level geht. Gesteuert wird neben dem Steuerknüppel mit zwei Tasten, zum Springen und zum Zuschlagen, wobei jeder Charakter eine Reihe von Sonderattacken besitzt, die durch ansprechende Tastenkombinationen ausgelöst werden. Die Steuerung ist dabei sehr präzise und reagiert immer prompt, so dass man keine Schläge einstecken muss, weil das Programm nicht auf eine Eingabe reagiert hat. Das Spieltempo geht glücklicherweise nie in die Knie, auch wenn sich viele Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm tummeln, die allesamt viele Animationsphasen aufweisen.

Damit kommen wir zum Hauptaugenmerk des Spieles, der Grafik und der optischen Gestaltung. Hier fällt zu allererst die skurrile Gestaltung der Helden und Gegner auf. Sind die mit knallbunten Kostümen, Baseballkappen und -schlägern ausstaffierten Ninjas schon lustig anzusehen, so sind die Gegner einfach nur zum Brüllen komisch. Man kämpft nämlich vorwiegend gegen animierte Baseballs und anderes Sportzubehör mit Armen, Beinen und Augen. Neben "einfachen" Exemplaren gesellen sich im Laufe des Spiels Zombie-Bälle, die aus der Erde aufsteigen, Ball-Schamanen oder Cyborg-Bälle hinzu, sowie etwas abweichende Highlights wie feuerspeiende Spielkarten oder im Trenchcoat steckende Hunde mit Maschinengewehren. Wenn dann noch kleine Baseballs Stachelwalzen mit Katzenstatuen vor sich herschieben, wird es völlig surreal. Die Animationen sind ebenfalls köstlich. Bei Treffern tränen allen die Augen, man kann beinahe alles spalten oder in Brand setzen, und die Schergen greifen ähnlich ihrem Aussehen auf absurde Angriffstechniken zurück. Sowohl die Sprites als auch die Hintergründe sind farbenfroh und hervorragend gezeichnet. Untermalt wird das Ganze von flotter Musik, die Laune macht und dem Geschehen noch mal zusätzlich Schwung gibt, sowie sehr gelungenen und witzigen Soundeffekten. Alleine das tiefe "Oh Yeah!" beim Einwerfen einer Münze ist herrlich.

Die Pluspunkte des Spiels enden zum Glück nicht bei der gelungenen Präsentation, denn "Ninja Baseball Bat Man" macht auch eine Menge Spaß. Für ein Beat´em up hat es den notwendigen Suchtfaktor, der einen bei der Stange hält und die andauernde Prügelei nicht ermüdend wirken lässt. In späteren Levels wird man immer wieder mit neuen Gegnern konfrontiert, so dass man nicht so schnell einen Abnutzungseffekt spürt. Außerdem gibt es einige nette kleine Ideen, wie zum Beispiel ein Auto, mit dem man eine Weile alles plattfahren kann, oder besessene Hamburger als Gegner, die man erst verkloppt und dann zwecks Lebensenergiegewinnung aufessen kann. Schön ist auch, dass die größtenteils mechanischen Endgegner durch die Attacken unserer Ninjas regelrecht demontiert werden und dann auch ihr Angriffsschema ändern. Bemängeln kann man nur die Tatsache, dass "Ninja Baseball Bat Man" natürlich nicht das Rad neu erfindet, sondern einem bewährten Spielkonzept folgt. Dieses wurde dafür allerdings außerordentlich gut und umfassend umgesetzt.

Fazit: "Ninja Baseball Bat Man" ist schlicht und einfach ein Feuerwerk an brillanter 2D-Grafik und abgefahrener optischer Gestaltung, unter dessen glänzender Oberfläche sich ein mehr als solides Beat´em up befindet. Ich wüsste nicht, was man, am Genre gemessen, groß an diesem Spiel aussetzen könnte. Selbst der rot leuchtende Dachshund-Kabeljau auf meiner Schulter fragt mich, wie man einem Spiel mit Ninjas, Zombie-Basebällen und Kühlschränke werfenden Geisterbullen keine zehn Punkte geben kann. Da ich auch sonst kein nennenswertes Gegenargument finde, tue ich das dann auch.