Als Fan der Shinobi-Reihe bin ich auf der Suche nach weiterer, mir noch
unbekannter Ninja-Software zufällig über das kleine MSX-Spiel
mit dem Titel "Ninjya Kage" (die ungewöhnliche Schreibweise
hängt vermutlich mit der Umschreibung der Kanji-Zeichen zusammen,
oder sie ist pure Absicht) gestolpert. Von der schlichten, aber niedlichen
Optik angetan, habe ich mich über diesen Fund sehr gefreut und mich
sofort in die viel Spaß versprechende Ninja-Action gestürzt.
Leider musste ich bereits nach nur wenigen Spielversuchen feststellen,
dass dieses Spiel der Kategorie der Frust-Software zugeordnet werden muss.
Und das sehr zu meinem Bedauern.
Das ganze Spiel besteht aus drei sich andauernd wiederholenden und
immer schwieriger werdenden Stages, in denen man mit dem rot dargestellten
Ninja Iga Kage im Alleingang eine gut bewachte feindliche Festung infiltrieren
muss. Das primäre Ziel, eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen,
ist somit klar definiert. In der ersten Stage läuft man vor einer
hohen, von einem Wassergraben umgebenen Mauer und muss sich der auf
den Wehrgängen auftauchenden Ninjas, welche als Kouga Ningun bezeichnet
werden, entledigen. Dazu greift man traditionsgemäß auf das
Syuriken Ninjutsu zurück. Hat man mit seinen unendlich zur Verfügung
stehenden Wurfsternen eine vorgegebene Anzahl an Gegnern besiegt, geht
es durch das große Tor in die nächste Stage. Diese erinnert
etwas an die Bonusrunde von "Shinobi" und stellt das Innere
der Burg dar, wo man von noch mehr Ninjas, die sich teilweise sogar
hinter beweglichen Wänden verstecken und somit nicht zu sehen sind,
angegriffen wird. In dieser wie auch in der dritten Stage hat man aber
aus unerklärlichen Gründen ein nicht zu unterschätzendes
Problem mit einer relativ stark eingeschränkten Bewegungsfreiheit,
denn nur der mittlere Bereich der scheinbar begehbaren Bodenfläche
ist auch wirklich für den Spieler zugänglich. Bewegt man sich
zu weit nach links oder rechts, läuft man buchstäblich gegen
eine unsichtbare Mauer, wodurch manche Ausweichmanöver in einem
Selbstmordkommando enden. In der dritten Stage, welche auf dem Dach
der Burg stattfindet, kämpft man gegen "fliegende", sich
aus Rauchwolken manifestierende Ninjas. Die eingeschränkte Spielfläche
stört da weniger, weil die Gegner dort nicht gezielt, sondern immer
nur nach dem gleichen Angriffsmuster agieren.
Gelegentliche Hilfestellung in Form von Ninja-Rollen, Makimono genannt,
sollen den rasch härter werdenden Schwierigkeitsgrad etwas entschärfen.
In jeder Stage tauchen jeweils zwei verschiedene Rollen auf, die zeitlich
begrenzte Power up´s darstellen. In der ersten Stage gewährt
die hellblaue Rolle einen schnellen Vorwärtsangriff, während
die rote einen flächendeckenden Rundumangriff erlaubt. Die weiße
Rolle in der zweiten Stage macht dagegen Kages Syuriken zu Zielsuch-Syuriken,
während die grüne Rolle denselben Effekt wie die rote bewirkt,
nur halt in Grün. Mit der gelben Rolle wird über dem Dach
eine Blitzwolke beschworen, und die dunkelblaue Rolle macht Kage unsichtbar
und damit unverwundbar. Aber trotz dieser massiven Unterstützung
wird der Schwierigkeitsgrad allerspätestens ab dem dritten Durchgang
(Level 7) dermaßen angezogen, dass man als Spieler nur noch sehr
schwer den vielen feindlichen Angriffen folgen kann. Auf die Spitze
getrieben wird das Ganze schon in Level 8, denn im stark eingeschränkten
Bewegungsfeld wird man ununterbrochen ins Syuriken- und Bomben-Kreuzfeuer
genommen. Da hagelt es auf einen dermaßen schnell und gezielt
nieder, durch das hohe Aufkommen der Geschosse sogar mit störenden
Flacker-Effekten untermalt, dass man als Spieler nur das Handtuch werfen
kann. Ja, man kommt selber gar nicht mehr zum Angreifen, da man permanent
mit dem Ausweichen beschäftigt ist. Von Spielspaß kann hier
nicht mehr die Rede sein, ab hier macht sich viel eher nur noch Frustration
breit. Und wenn man es dennoch irgendwie schaffen sollte lange genug
auszuharren, um sich das Makimono für die Zielsuch-Syuriken zu
schnappen, dann wird man nur noch umso mehr ins Gamepad beißen
wollen, da durch die eigenen Wurfsterne noch viel mehr Geflacker entsteht
und man dann auf einmal von unsichtbarer Hand erledigt wird. An dieser
Stelle heißt es dann "Game Over", so oder so.
Diese unausbalancierte Steigerung des Schwierigkeitsgrades dämpft
abrupt den Spielspaß und lässt das anfänglich nette
Spielchen zu einer ultimativ schwierigen und daher kaum schaffbaren
Ninja-Prüfung werden. Leider hat der Programmierer dabei nicht
bedacht, dass nur die allerwenigsten Menschen das Zeug zu einem wahren
Ninja-Meister haben. So wird sich wahrscheinlich niemand länger
als eine halbe Stunde mit diesem Spiel beschäftigen wollen. Aus
diesem Grund kann ich "Ninjya Kage" nur wohlwollende vier
Punkte vergeben, und das auch nur, weil die sehr nette Optik und die
Ninja-Thematik mir zusagen.
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