Ninjya Kage
Action

Lyrion
Dezember 10
 

Als Fan der Shinobi-Reihe bin ich auf der Suche nach weiterer, mir noch unbekannter Ninja-Software zufällig über das kleine MSX-Spiel mit dem Titel "Ninjya Kage" (die ungewöhnliche Schreibweise hängt vermutlich mit der Umschreibung der Kanji-Zeichen zusammen, oder sie ist pure Absicht) gestolpert. Von der schlichten, aber niedlichen Optik angetan, habe ich mich über diesen Fund sehr gefreut und mich sofort in die viel Spaß versprechende Ninja-Action gestürzt. Leider musste ich bereits nach nur wenigen Spielversuchen feststellen, dass dieses Spiel der Kategorie der Frust-Software zugeordnet werden muss. Und das sehr zu meinem Bedauern.

Das ganze Spiel besteht aus drei sich andauernd wiederholenden und immer schwieriger werdenden Stages, in denen man mit dem rot dargestellten Ninja Iga Kage im Alleingang eine gut bewachte feindliche Festung infiltrieren muss. Das primäre Ziel, eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen, ist somit klar definiert. In der ersten Stage läuft man vor einer hohen, von einem Wassergraben umgebenen Mauer und muss sich der auf den Wehrgängen auftauchenden Ninjas, welche als Kouga Ningun bezeichnet werden, entledigen. Dazu greift man traditionsgemäß auf das Syuriken Ninjutsu zurück. Hat man mit seinen unendlich zur Verfügung stehenden Wurfsternen eine vorgegebene Anzahl an Gegnern besiegt, geht es durch das große Tor in die nächste Stage. Diese erinnert etwas an die Bonusrunde von "Shinobi" und stellt das Innere der Burg dar, wo man von noch mehr Ninjas, die sich teilweise sogar hinter beweglichen Wänden verstecken und somit nicht zu sehen sind, angegriffen wird. In dieser wie auch in der dritten Stage hat man aber aus unerklärlichen Gründen ein nicht zu unterschätzendes Problem mit einer relativ stark eingeschränkten Bewegungsfreiheit, denn nur der mittlere Bereich der scheinbar begehbaren Bodenfläche ist auch wirklich für den Spieler zugänglich. Bewegt man sich zu weit nach links oder rechts, läuft man buchstäblich gegen eine unsichtbare Mauer, wodurch manche Ausweichmanöver in einem Selbstmordkommando enden. In der dritten Stage, welche auf dem Dach der Burg stattfindet, kämpft man gegen "fliegende", sich aus Rauchwolken manifestierende Ninjas. Die eingeschränkte Spielfläche stört da weniger, weil die Gegner dort nicht gezielt, sondern immer nur nach dem gleichen Angriffsmuster agieren.

Gelegentliche Hilfestellung in Form von Ninja-Rollen, Makimono genannt, sollen den rasch härter werdenden Schwierigkeitsgrad etwas entschärfen. In jeder Stage tauchen jeweils zwei verschiedene Rollen auf, die zeitlich begrenzte Power up´s darstellen. In der ersten Stage gewährt die hellblaue Rolle einen schnellen Vorwärtsangriff, während die rote einen flächendeckenden Rundumangriff erlaubt. Die weiße Rolle in der zweiten Stage macht dagegen Kages Syuriken zu Zielsuch-Syuriken, während die grüne Rolle denselben Effekt wie die rote bewirkt, nur halt in Grün. Mit der gelben Rolle wird über dem Dach eine Blitzwolke beschworen, und die dunkelblaue Rolle macht Kage unsichtbar und damit unverwundbar. Aber trotz dieser massiven Unterstützung wird der Schwierigkeitsgrad allerspätestens ab dem dritten Durchgang (Level 7) dermaßen angezogen, dass man als Spieler nur noch sehr schwer den vielen feindlichen Angriffen folgen kann. Auf die Spitze getrieben wird das Ganze schon in Level 8, denn im stark eingeschränkten Bewegungsfeld wird man ununterbrochen ins Syuriken- und Bomben-Kreuzfeuer genommen. Da hagelt es auf einen dermaßen schnell und gezielt nieder, durch das hohe Aufkommen der Geschosse sogar mit störenden Flacker-Effekten untermalt, dass man als Spieler nur das Handtuch werfen kann. Ja, man kommt selber gar nicht mehr zum Angreifen, da man permanent mit dem Ausweichen beschäftigt ist. Von Spielspaß kann hier nicht mehr die Rede sein, ab hier macht sich viel eher nur noch Frustration breit. Und wenn man es dennoch irgendwie schaffen sollte lange genug auszuharren, um sich das Makimono für die Zielsuch-Syuriken zu schnappen, dann wird man nur noch umso mehr ins Gamepad beißen wollen, da durch die eigenen Wurfsterne noch viel mehr Geflacker entsteht und man dann auf einmal von unsichtbarer Hand erledigt wird. An dieser Stelle heißt es dann "Game Over", so oder so.

Diese unausbalancierte Steigerung des Schwierigkeitsgrades dämpft abrupt den Spielspaß und lässt das anfänglich nette Spielchen zu einer ultimativ schwierigen und daher kaum schaffbaren Ninja-Prüfung werden. Leider hat der Programmierer dabei nicht bedacht, dass nur die allerwenigsten Menschen das Zeug zu einem wahren Ninja-Meister haben. So wird sich wahrscheinlich niemand länger als eine halbe Stunde mit diesem Spiel beschäftigen wollen. Aus diesem Grund kann ich "Ninjya Kage" nur wohlwollende vier Punkte vergeben, und das auch nur, weil die sehr nette Optik und die Ninja-Thematik mir zusagen.