Pokémon Gold
RPG

Motherfreak
Dezember 10
 

Da vor kurzem das Remake "Pokémon Heart Gold" für den Nintendo DS herausgebracht wurde, ist es allerhöchste Zeit, das goldene Original etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Das für den Game Boy Color konzipierte "Pokémon Gold" erschien zusammen mit der silbernen Edition 1999 in Japan, 2000 in den Vereinigten Staaten und 2001 schließlich auch bei uns. Eine der größten Neuerungen neben der neuen Johto-Region stellen die hundert neuen Pokémon dar, welche von Ken Sugimori entworfen wurden. Wie auch bei den vorherigen Editionen Rot, Blau und Gelb, welche zur ersten Pokémon-Generation gezählt werden, leitete Satoshi Tajiri das Projekt. Es wurde 1999 erstmalig auf Nintendo Space World in Japan vorgestellt und avancierte prompt zur begehrtesten sich in Arbeit befindenden Ankündigung jener Zeit. Im Laufe der Entwicklung änderte und "modernisierte" sich das Design der angekündigten Editionen. Schon früh wurde der Beutel mit seiner Unterteilung nach technischen bzw. versteckten Maschinen, Pokébällen und anderen Items bekannt, welcher als revolutionär angesehen wurde. Die Möglichkeit, alle Pokémon mit einem Item auszurüsten, das sie unter Umständen sogar selbstständig verwenden, wurde ebenfalls mit dieser Edition ganz neu eingeführt, genau wie die Beeren, die verschiedene Heileffekte in sich bergen.

Allerdings möchte ich für eventuelle Einsteiger erstmal das grundlegende Kampfsystem dieses Rollenspiels vorstellen. Pokémon sind kämpfende Monster, welche in kleinen Pokébällen gefangen werden können (daher ihr Name, der sich aus Pocket Monsters ableitet). Diese Bälle können vom Spieler entweder gefunden, in Kaufhäusern erworben oder speziell in dieser Edition aus Aprikokos (einer bestimmten Beerenart) hergestellt werden. Bis zu sechs dieser Bälle kann man gleichzeitig bei sich tragen, allerdings wird im Falle eines Kampfes nur das Monster des ersten Balls in die Schlacht geschickt - die Reihenfolge kann jedoch beliebig bestimmt werden. Hat man bereits sechs Pokémon bei sich, werden alle weiteren in ein aus zwölf Boxen bestehendes Lagersystem geschickt. In jeder dieser Boxen finden dann bis zu 30 Pokémon Platz. Erst wenn alle Kapazitäten erschöpft sind, kann man keinen weiteren Pokémon mehr fangen. Wilde Pokémon lassen sich im hohen Gras, in Höhlen oder auch auf dem Wasser finden. Insgesamt existieren in dieser Version 251 verschiedene Pokémon, die man zum Teil allerdings nur unter bestimmten Bedingungen bekommen kann.

Jedes einzelne Pokémon gehört einem bestimmten Element/Typ an und ist gegen gegensätzliche/andere anfällig und/oder resistent(er). So sind Wasser-Pokémon empfindlich gegenüber Feuer, mit dem sich wiederum Stahl-Pokémon einheizen lassen. Insgesamt gibt es 17 verschiedene Typen, wovon in dieser Edition zwei gänzlich neu hinzugekommen sind. Jedes Pokémon kann bis zu vier Attacken gleichzeitig beherrschen, die durch Aktionspunkte begrenzt werden. Sind alle Aktionspunkte verbraucht, lassen sich keine Attacken mehr ausführen. In solchen Fällen müssen die Pokémon entweder mit einem entsprechenden Item behandelt oder ins Pokémon-Center gebracht werden. Letztere sind allgemein für das Heilen der Pokémon zuständig, beinhalten aber auch einen PC, auf dem Pokémon, Items und Briefe gelagert werden können. Das Erlernen neuer Attacken erfolgt durch Levelaufstiege oder durch den Einsatz einer technischen oder versteckten Maschine. Technische Maschinen beherbergen diverse Attacken, jedoch nur für einmaligen Gebrauch. Versteckte Maschinen können dagegen beliebig oft verwendet werden, sind dafür aber recht selten. Die Attacken können beziehungsweise müssen auch eingesetzt werden, um Hindernisse zu überwinden wie etwa die Überquerung eines dunklen Tunnels oder eines großen Gewässers. Pokémon können sich auch weiterentwickeln. Dadurch werden die Grundattribute verstärkt, sie erlernen eventuell neue Attacken oder verändern gar ihren Typus. Allerdings erlernt ein solches Pokémon neue Attacken langsamer und die Entwicklung kann nicht rückgängig gemacht werden. Man kann aber den Entwicklungsprozess stoppen, indem man während des Vorgangs die Taste B drückt oder den Pokémon mit einem Ewigstein ausstattet. Die meisten Pokémon entwickeln sich auf einem bestimmten Level von selbst weiter. Aber es existieren auch welche, die dazu entweder ein Item brauchen, sich durch Tausch oder eine Kombination aus beiden entwickeln. Tauschen kann man entweder mit einigen Nichtspielercharakteren oder mittels Link-Kabel mit anderen Spielern, welche selbst ein Modul von "Pokémon Gold" oder "Pokémon Silber" (später auch "Pokémon Kristall") besitzen. Mit dem Link-Kabel kann man außerdem gegen andere Spieler antreten, wenn man möchte. Das letzte neue Feature stellt die Zeitkapsel dar, welche einen Tausch mit den alten Editionen Rot, Blau und Gelb ermöglicht, sofern die Voraussetzungen stimmen (Nur die ersten 151 Pokémon mit den nur dort vorhandenen Attacken usw.).

Die Handlung ist nicht das Gelbe vom Ei, erfüllt jedoch ihren Zweck und lässt aufgrund der vielen Nebenhandlungen die Pokémon-Welt authentisch erscheinen. Der Trainer Gold (der Protagonist) soll für Professor Lind ein rätselhaftes Ei bei Mr. Pokémon abholen. Damit ihn die wilden Pokémon nicht angreifen, wird ihm ein Pokémon seiner Wahl zur Seite gestellt. Bei Mr. Pokémon begegnet Gold Professor Eich, der ihm ein Pokédex (ein Lexikon der Pokémon) überreicht. Auf dem Rückweg zum Labor begegnet Gold dem skrupellosen Trainer Silber, der ihn sofort zum Kampf herausfordert. Im Labor angekommen, erfährt er, dass Silber ein Pokémon gestohlen hat und nun gesucht wird. Als Professor Lind bei Gold den Pokédex bemerkt, fragt er ihn, ob er nicht auf Reisen gehen möchte, um alle Pokémon zu sammeln, um so Pokémon-Meister zu werden - natürlich aber auch, um Silber ausfindig zu machen. So begibt sich Trainer Gold auf den Weg zu seinem ersten Orden.

Das eigentliche Hauptziel des Spieles dreht sich um die acht Arena-Leiter von Johto, deren Orden es zu ergattern gilt, um mit deren Hilfe die Pokémon-Liga herausfordern zu können. Danach kann man noch Kanto bereisen und sich weitere acht Orden von den dort ansässigen Arena-Leitern sichern (zum Teil aus den vorigen Editionen bekannt), um sich anschließend mit Trainer Red, dem Protagonisten aus den Editionen Rot, Blau und Gelb zu messen. Nebenbei können viele Sidequests gelöst werden, wovon das Auffinden aller 251 Pokémon als größte und richtig süchtig machende Herausforderung angesehen werden darf. Jedes gefangene Pokémon wird mit allen wichtigen Zusatzinformationen wie etwa Verhalten und Fußabdrücken im Pokédex eingetragen, wobei das Aufspüren aller 26 Formen des Icognito-Pokémon die Krönung des ganzen Vorhabens darstellt. Des Weiteren kann man noch auf ein Fahrrad zurückgreifen, welches automatisch mit dem Select-Knopf benutzt wird. Ebenso ist es im späteren Spielverlauf möglich, nach weiteren Pokémon in den Gewässern zu angeln. Ein weiteres neues und großes Feature ist das sogenannte PokéCom, ein technisches Gerät, welches nicht nur die Uhrzeit und Karte anzeigt, sondern auch als Handy (Die entsprechenden Telefonnummern erhält man von bestimmten Personen im Spielverlauf.) und Radio fungiert. Letzteres wirkt sich unterschiedlich auf wilde Pokémon aus, indem es deren Auftreten vermehrt oder vermindert. Dann gibt es noch den Pokémon Talk von Professor Eich, der Fundorte einiger Pokémon verrät. Zuletzt gibt es noch die Glücks-Show mit einem Gewinnspiel. Zudem ist es jederzeit möglich, im Menü zu speichern, sowie seinen Trainerpass einzusehen.

Die Grafik ist für die damaligen Verhältnisse recht detailreich und hat sich besonders bei der Darstellung der Trainer und Pokémon stark verbessert. So gibt es hier auch die Möglichkeit, sich mit dem Game Boy Printer Sticker der eigenen Pokémon ausdrucken zu lassen.

Fazit: Ich liebe dieses Spiel - damals im großen Pokémon-Hype freute ich mich besonders auf das Spiel. Als ich es endlich in die Finger bekam, war ich sofort wieder von der Pokémon-Welt fasziniert, was auch lange anhalten sollte. "Pokémon Gold" ist bis heute eines meiner Lieblingsspiele und ich vergebe - rein subjektiv wie immer - zehn von zehn möglichen Punkten. Wer das Original nicht mehr spielen möchte, der sollte zum Remake greifen. Man wird es ganz sicher nicht bereuen.