Pokémon Mystery Dungeon
RPG


Patricia
Oktober 10

 


Als Ende der Neunziger Nintendo die Pokémon auf die Spieler losließ, gehörte ich ebenfalls zu der Masse von Begeisterten, die von der Monsterjagd auf dem Game Boy nicht genug kriegen konnten. Nach unzähligen mehr oder weniger gleichen Fortsetzungen hat der einstige Zauber jedoch ernsthaft an Stärke verloren. Erst der Ableger "Pokémon Mystery Dungeon" vermochte erneut meine Aufmerksamkeit auf die Reihe zu lenken, weil mir der Zusatz so verdammt bekannt vorkam. Natürlich, dies kennt man doch von der Shiren the Wanderer-Reihe, hinter der sich ein bockschwerer Dungeon-Crawler, der es nur vereinzelt in den Westen geschafft hat, verbirgt. Eine Vermischung der beiden Konzepte klang verlockend, weshalb ich dem zweiten Teil der Pokémon Mystery Dungeon-Reihe auf dem Nintendo DS eine Chance gab.

Bei "Pokémon Mystery Dungeon" übernimmt der Spieler nicht wie üblich die Rolle eines Pokémon-Trainers, sondern schlüpft in die Haut eines Pokémon. In welchen genau, wird indirekt durch eine Befragung sowie einen Aura-Test ermittelt. Dies ist übrigens auch die einzige Stelle im Spiel, bei der der Touchscreen eine sinnvolle Verwendung findet, denn für den Aura-Test müssen beide Daumen an den unteren Bildschirm gepresst werden. Damit wird die "Energie" des Spielers ermittelt, die bei mir rot ausgefallen ist. Durch diese rote Aura wurde mir daraufhin Glumanda zugewiesen. Damit man das Abenteuer nicht alleine bestreiten muss, darf man sich daraufhin noch einen Partner aussuchen. Ich habe mich ganz klassisch für Pikachu entschieden. Zusammen starten wir als Lehrlinge in der Knuddeluff-Gilde. Als Erkundungsteam sollen wir mysteriöse Orte unter die Lupe nehmen, Geheimnisse lüften und dabei natürlich jede Menge Spaß haben. Als roter Faden dient eine überraschend spannende Geschichte um Zeitreisen, die sich auch vor anderen Rollenspielen nicht zu verstecken braucht. Die Pokémon in Schatzstadt und in der Gilde wachsen einem durch unzählige Dialoge und Zwischensequenzen schnell ans Herz. Das coole Gildenoberhaupt Knuddeluff ist mir dabei besonders im Gedächtnis haften geblieben.

Das Hauptaugenmerk des Spieles liegt aber auf den zufallsgenerierten Dungeons, die sich jeweils über mehrere Ebenen erstrecken und mit Geld, Items, Fallen sowie Pokémon-Gegnern vollgestopft sind. Jeder eigene Zug lässt dabei auch die Gegner agieren. Neben dem Standardangriff stehen einem noch vier Spezial-Techniken zur Verfügung. Wenn beim Levelaufstieg eine neue Attacke erlernt werden soll, muss dafür eine der vier vorhandenen vergessen werden. Wenn man Glück hat, schließen sich besiegte Pokémon-Gegner unserer Gilde an. Das bringt enorme Abwechslung in die letztendlich vierköpfige Gruppe, da mehrere hundert (!) der kleinen Monster rekrutierbar sind. Bei den dutzenden Dungeons ist jede Hilfe auch bitter nötig. Dichte Wälder, zauberhafte Grotten, düstere Höhlen, staubige Wüsten und geheimnisvolle Ruinen warten nur darauf, erkundet zu werden. Wer eine Pause von der Story braucht oder auch einfach nur aufleveln möchte, kann diverse Subquests erledigen, die meistens fürstlich belohnt werden.

Neben dem ganzen Lob muss ich aber nun auch etwas an negativer Kritik loswerden, denn technisch betrachtet haben wir es hier mit einem Game Boy Advance-Spiel zu tun. Ich liebe 2D-Grafiken, und es gibt hier auch einige hübsche Hintergründe zu bewundern, aber das Spiel bleibt trotzdem weit hinter den Möglichkeiten eines Nintendo DS zurück. "Pokémon Mystery Dungeon" beruht eindeutig auf der Vorlage des GBA-Vorgängers, die allem Anschein nach ohne Verbesserungen auf den NDS übertragen wurde. Dies macht sich auch bei der Steuerung bemerkbar, die komplett mit den Tasten erfolgt. Eine Touchscreen-Steuerung ist zwar vorhanden, sie fühlt sich aber zu schwammig an, um eine ernsthafte Alternative darzustellen.

Wie bei allen vorangegangenen Pokémon-Spielen ist das gesamte Konzept auch hier primär an Kinder gerichtet. Trotzdem hatte ich meinen Spaß beim Zocken. Gewitzter Humor und eine heitere Atmosphäre haben mich öfters zum Schmunzeln gebracht, was den sehr gut übersetzten deutschen Texten zu verdanken ist. Das Geschehen wird passend durch fröhliche Melodien untermalt, richtige Ohrwürmer gibt es aber nicht. Der Schwierigkeitsgrad ist angenehm und der Einstieg leicht, spätere Dungeons und Endgegner sind ohne Taktik jedoch nicht zu knacken. Beim Scheitern wird man zurück in die Gilde befördert, verliert dabei aber das gesamte Geld sowie die Hälfte der Items. Erfahrungspunkte bleiben zum Glück erhalten. Nach dem Durchspielen, was ungefähr 20 Stunden in Anspruch nimmt, öffnen sich neue Gebiete und Aufgaben. Diese richten sich an echte Profis und unterhalten mit knackigem Anspruch. Die Langzeitmotivation ist deshalb hoch, da hier die Geschichte vervollständigt wird und sogar neue Charaktere eingeführt werden. Die drei Versionen des Spieles alias "Pokémon Mystery Dungeon - Erkundungsteam Zeit", "Pokémon Mystery Dungeon - Erkundungsteam Dunkelheit" und die Zusatzversion "Pokémon Mystery Dungeon - Erkundungsteam Himmel" unterscheiden sich nur in einigen Missionen und den Start-Pokémon voneinander.

Fazit: Eigentlich hatte ich durch die vielen uninspirierten Pokémon-Spiele, die den Markt nach dem Debüt überfluteten, die Serie für mich abgehakt. Doch "Pokémon Mystery Dungeon" konnte mich erneut überzeugen. Es ist definitiv ein Geheimtipp für Liebhaber von Dungeon-Crawlern! Ein riesiger Umfang und eine herzerwärmende Geschichte rechtfertigen den Kauf, zumal das Spiel bereits recht günstig zu bekommen ist. Abzüge gibt es nur für die schwache Technik.