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Als Ende der Neunziger Nintendo die Pokémon auf die Spieler losließ,
gehörte ich ebenfalls zu der Masse von Begeisterten, die von der
Monsterjagd auf dem Game Boy nicht genug kriegen konnten. Nach unzähligen
mehr oder weniger gleichen Fortsetzungen hat der einstige Zauber jedoch
ernsthaft an Stärke verloren. Erst der Ableger "Pokémon
Mystery Dungeon" vermochte erneut meine Aufmerksamkeit auf die
Reihe zu lenken, weil mir der Zusatz so verdammt bekannt vorkam. Natürlich,
dies kennt man doch von der Shiren the Wanderer-Reihe, hinter der sich
ein bockschwerer Dungeon-Crawler, der es nur vereinzelt in den Westen
geschafft hat, verbirgt. Eine Vermischung der beiden Konzepte klang
verlockend, weshalb ich dem zweiten Teil der Pokémon Mystery
Dungeon-Reihe auf dem Nintendo DS eine Chance gab.
Bei "Pokémon Mystery Dungeon" übernimmt der Spieler
nicht wie üblich die Rolle eines Pokémon-Trainers, sondern
schlüpft in die Haut eines Pokémon. In welchen genau, wird
indirekt durch eine Befragung sowie einen Aura-Test ermittelt. Dies
ist übrigens auch die einzige Stelle im Spiel, bei der der Touchscreen
eine sinnvolle Verwendung findet, denn für den Aura-Test müssen
beide Daumen an den unteren Bildschirm gepresst werden. Damit wird die
"Energie" des Spielers ermittelt, die bei mir rot ausgefallen
ist. Durch diese rote Aura wurde mir daraufhin Glumanda zugewiesen.
Damit man das Abenteuer nicht alleine bestreiten muss, darf man sich
daraufhin noch einen Partner aussuchen. Ich habe mich ganz klassisch
für Pikachu entschieden. Zusammen starten wir als Lehrlinge in
der Knuddeluff-Gilde. Als Erkundungsteam sollen wir mysteriöse
Orte unter die Lupe nehmen, Geheimnisse lüften und dabei natürlich
jede Menge Spaß haben. Als roter Faden dient eine überraschend
spannende Geschichte um Zeitreisen, die sich auch vor anderen Rollenspielen
nicht zu verstecken braucht. Die Pokémon in Schatzstadt und in
der Gilde wachsen einem durch unzählige Dialoge und Zwischensequenzen
schnell ans Herz. Das coole Gildenoberhaupt Knuddeluff ist mir dabei
besonders im Gedächtnis haften geblieben.
Das Hauptaugenmerk des Spieles liegt aber auf den zufallsgenerierten
Dungeons, die sich jeweils über mehrere Ebenen erstrecken und mit
Geld, Items, Fallen sowie Pokémon-Gegnern vollgestopft sind.
Jeder eigene Zug lässt dabei auch die Gegner agieren. Neben dem
Standardangriff stehen einem noch vier Spezial-Techniken zur Verfügung.
Wenn beim Levelaufstieg eine neue Attacke erlernt werden soll, muss
dafür eine der vier vorhandenen vergessen werden. Wenn man Glück
hat, schließen sich besiegte Pokémon-Gegner unserer Gilde
an. Das bringt enorme Abwechslung in die letztendlich vierköpfige
Gruppe, da mehrere hundert (!) der kleinen Monster rekrutierbar sind.
Bei den dutzenden Dungeons ist jede Hilfe auch bitter nötig. Dichte
Wälder, zauberhafte Grotten, düstere Höhlen, staubige
Wüsten und geheimnisvolle Ruinen warten nur darauf, erkundet zu
werden. Wer eine Pause von der Story braucht oder auch einfach nur aufleveln
möchte, kann diverse Subquests erledigen, die meistens fürstlich
belohnt werden.
Neben dem ganzen Lob muss ich aber nun auch etwas an negativer Kritik
loswerden, denn technisch betrachtet haben wir es hier mit einem Game
Boy Advance-Spiel zu tun. Ich liebe 2D-Grafiken, und es gibt hier auch
einige hübsche Hintergründe zu bewundern, aber das Spiel bleibt
trotzdem weit hinter den Möglichkeiten eines Nintendo DS zurück.
"Pokémon Mystery Dungeon" beruht eindeutig auf der
Vorlage des GBA-Vorgängers, die allem Anschein nach ohne Verbesserungen
auf den NDS übertragen wurde. Dies macht sich auch bei der Steuerung
bemerkbar, die komplett mit den Tasten erfolgt. Eine Touchscreen-Steuerung
ist zwar vorhanden, sie fühlt sich aber zu schwammig an, um eine
ernsthafte Alternative darzustellen.
Wie bei allen vorangegangenen Pokémon-Spielen ist das gesamte
Konzept auch hier primär an Kinder gerichtet. Trotzdem hatte ich
meinen Spaß beim Zocken. Gewitzter Humor und eine heitere Atmosphäre
haben mich öfters zum Schmunzeln gebracht, was den sehr gut übersetzten
deutschen Texten zu verdanken ist. Das Geschehen wird passend durch
fröhliche Melodien untermalt, richtige Ohrwürmer gibt es aber
nicht. Der Schwierigkeitsgrad ist angenehm und der Einstieg leicht,
spätere Dungeons und Endgegner sind ohne Taktik jedoch nicht zu
knacken. Beim Scheitern wird man zurück in die Gilde befördert,
verliert dabei aber das gesamte Geld sowie die Hälfte der Items.
Erfahrungspunkte bleiben zum Glück erhalten. Nach dem Durchspielen,
was ungefähr 20 Stunden in Anspruch nimmt, öffnen sich neue
Gebiete und Aufgaben. Diese richten sich an echte Profis und unterhalten
mit knackigem Anspruch. Die Langzeitmotivation ist deshalb hoch, da
hier die Geschichte vervollständigt wird und sogar neue Charaktere
eingeführt werden. Die drei Versionen des Spieles alias "Pokémon
Mystery Dungeon - Erkundungsteam Zeit", "Pokémon Mystery
Dungeon - Erkundungsteam Dunkelheit" und die Zusatzversion "Pokémon
Mystery Dungeon - Erkundungsteam Himmel" unterscheiden sich nur
in einigen Missionen und den Start-Pokémon voneinander.
Fazit: Eigentlich hatte ich durch die vielen uninspirierten Pokémon-Spiele,
die den Markt nach dem Debüt überfluteten, die Serie für
mich abgehakt. Doch "Pokémon Mystery Dungeon" konnte
mich erneut überzeugen. Es ist definitiv ein Geheimtipp für
Liebhaber von Dungeon-Crawlern! Ein riesiger Umfang und eine herzerwärmende
Geschichte rechtfertigen den Kauf, zumal das Spiel bereits recht günstig
zu bekommen ist. Abzüge gibt es nur für die schwache Technik.
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