Einge Action-Adventures für den Game Boy wie zum Beispiel "Link´s
Awakening" oder "Mystic Quest" brauchen sich vor ihren
großen Brüdern auf stationären Konsolen nicht zu verstecken.
Gekonnt verbinden sie epische Geschichten mit ausladenden Erkundungstouren.
Andere Titel verzichten dagegen bewusst auf Komplexität, um ein ideales
Handhelderlebnis zu bieten. Bei "Rolan´s Curse", das ich
euch nun vorstellen möchte, trifft genau dies zu.
Die Erzählung des Spieles besteht aus einem einzigen Satz: Als
edler Ritter zieht man aus, um das Land von dem mächtigen, bösen
Dämon Barius zu befreien. Obwohl der Spieler mehrere Städte
besucht, beschränken sich die Kommentare der Bewohner auf extrem
kurze Mitteilungen wie "You are strong!" oder "Please
help us!". Zwischen den einzelnen Bosskämpfen werden zwar
Texttafeln eingeblendet, sie verleihen dem Spiel aber weder Tiefe noch
Atmosphäre.
"Rolan´s Curse" ist in mehrere Abschnitte unterteilt,
die nacheinander bewältigt werden müssen. Dabei startet man
jedes Mal in einem Dorf, in dem nur die Bewohner angesprochen werden
können. Definitiv enttäuschend, denn es gibt keine Geschäfte
oder andere für das Genre typische Einrichtungen. Kein einziges
Gebäude lässt sich betreten, der einzige Ausgang versetzt
uns in die freie Wildbahn. Dort darf man endlich sein Schwert zücken
und die ersten Monster niedermetzeln. Die Kämpfe finden in Echtzeit
statt und werden im Laufe des Spieles mit zwei verschiedenen Waffen
bestritten. Neben dem starken Schwert gibt es noch einen nützlichen
Feuerstab, mit dem Gegner aus sicherer Entfernung gebrutzelt werden
können. Man muss sich jedoch für eine Waffe entscheiden, denn
beide gleichzeitig können nicht getragen werden. Da beide Waffen
regelmäßig in Schatztruhen auftauchen, kann sehr oft gewechselt
werden. Bei den Items gibt es dasselbe Dilemma. Es gibt zwar ein halbes
Dutzend interessanter Gegenstände zu finden, man kann aber auch
hier nur ein einziges im Inventar mit sich führen. Heiltränke
und eine Spitzhacke, mit der Blöcke zerschlagen werden, sind dabei
überlebenswichtig. Die anderen Items wie zum Beispiel ein Ring,
der uns in einen Baum verwandelt, sind witzig, aber nicht unbedingt
notwendig. Traditionelle Levelaufstiege mit Erfahrungspunkten sind ebenfalls
nicht vorhanden. Stattdessen müssen Rüstungs- und Handschuhsymbole
gesammelt werden, die die Lebensenergie und die Angriffskraft erhöhen.
Jeder Spielabschnitt läuft nach ein und demselben Schema ab. Man
läuft in die Wildnis hinaus und sucht den Endgegner. Dazwischen
erkundet man ein bisschen die Gegend, um ausreichend gewappnet zu sein.
Was sich recht monoton anhören mag, wird durch das abwechslungsreiche
Design der Spielumgebung interessant gehalten, da die Wälder, Burgen,
Strände und Höhlen richtig schön verschachtelt sind.
Die fiesen Dämonen, die sich einem in den Weg stellen, sind großteils
flink und schlagen hart zu. Außerdem erscheinen sie wenige Sekunden
nach dem Ableben wieder. Am Ende eines jeden Abschnittes wartet einer
von Barius Schergen. Leider unterscheiden sich die einzelnen Bereiche
kaum voneinander, Gegner und Landschaften wiederholen sich ständig.
Gespeichert wird mit einem kurzen Passwort, das jederzeit im Menü
abrufbar ist. Das "Game Over" schickt den Spieler an den Anfang
des aktuellen Gebietes, die gefundenen Items dürfen aber behalten
werden.
Bis auf die großen Sprites der Bosse ist die Game Boy-Grafik
von "Rolan´s Curse" absolut durchschnittlich. Die Musikstücke
sind dagegen in Ordnung und untermalen alles passend. Das bisschen Text
ist in Englisch. Die Spieldauer für einen Durchgang beträgt
ungefähr fünf Stunden. Die Möglichkeit, mit einem Link-Kabel
und einem weiteren Modul das Abenteuer zu zweit zu bestreiten, ist außergewöhnlich.
Leider konnte ich dieses Feature selbst nicht ausprobieren.
Fazit: An der stark limitierten Grafik und Spielmechanik erkennt man
sofort, dass "Rolan´s Curse" zu den älteren Spielen
auf dem Game Boy gehört. Das Spiel ist deshalb kurzweilig, aber
auf längere Zeit zu eintönig. Es ist nicht mehr als ein netter
Zeitvertreib für nostalgische Handheld-Fans.
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