Sakura Wars - So Long, My Love
Strategie

Patricia
September 10
 

Mitte der Neunziger wurde mit "Sakura Wars" ein echtes Juwel für den Sega Saturn veröffentlicht, das gekonnt ein Textadventure mit rundenbasierten Strategiekämpfen sowie einem Schuss Dating-Simulation vereinte. Aufgrund der exzellenten Anime-Grafik und einem wahren Ohrwurm als Titellied war dieses Spiel an Charme kaum zu übertreffen. Trotz guter Verkaufszahlen blieb es jedoch mitsamt einigen Fortsetzungen und Spin-Offs nur den Japanern vorbehalten. Bis jetzt, denn mit dem fünften Hauptteil der Reihe, welcher den Untertitel "So Long, My Love" führt, wagt Sega endlich den Sprung in den Westen. Dieser hat allerdings bereits etwas Staub angesetzt, ist er doch bereits vor fünf Jahren für die Playstation 2 erschienen. Unser einer darf sich aber erst ab diesem Jahr mit der Wii-Portierung vergnügen, die ich euch nun ausführlich näher bringen möchte.

"Sakura Wars - So Long, My Love" spielt Ende der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts in New York. Es wird hier aber kein historisches Abbild dieser Zeitepoche geliefert sondern eine idealisierte und witzige Interpretation mit einer guten Portion Steampunk. Das Steampunk-Genre beruht auf der Idee, dass sich Dampf als Energieträger durchgesetzt hat, so dass alles stark an die Welten des Schriftstellers Jules Verne erinnert.

Auf der ganzen Welt treten natürliche Energievorkommen auf, an denen als logische Konsequenz riesige Menschenanballungen in Form großer Städte entstehen. Doch die starke Ausstrahlung der Energie (im Spiel Pneuma genannt) zieht auch Dämonen an. Deshalb werden große Metropolen von Spezialtruppen beschützt. Die New Yorker "Star Division" wurde erst kürzlich gegründet und benötigt dringend Unterstützung. Mit einer entsprechenden Bitte an die erfahrene Tokyo-Blütensturmtruppe fängt unsere Geschichte an. Statt des erfahrenen Kapitäns Ogami wird aber der junge Leutnant Shinjiro Taiga (aka Shin) in die Höhle des Löwen geschickt. Selbstverständlich übernimmt der Spieler die Rolle des jungen Recken, der durch einen frostigen Empfang in New York erst einmal verunsichert wird. Weil niemand ihm etwas zutraut, wird er zum Putzdienst verdonnert! Doch als kurz darauf Dämonen die Stadt angreifen, bekommt Shin die Gelegenheit seinen Wert zu beweisen. Die gesamte Geschichte entspricht einer simplen Gut-Gegen-Böse-Rahmenhandlung und lebt vor allem durch die Charaktere, die sich nach und nach um Shin versammeln. Die "Star Division" besteht aus folgenden Mitgliedern:

Cheiron Archer - Mit der Afroamerikanerin aus Harlem ist nicht zu spaßen. Sie hat ein aufbrausendes Temperament und flucht gerne. Wenn sie als Anwältin vor Gericht steht, ist sie in ihrem Element.

Subaru Kujo - Die junge Japanerin gilt als Genie. Sie praktiziert das traditionelle japanische No-Theater und hat eine Vorliebe für Jazz. Ihre kühle Distanziertheit umgibt sie mit einer geheimnisvollen Aura. Ihr Geschlecht bleibt lange im Dunkeln.

Rosarita Aries - Die Mexikanerin verlor früh ihre Eltern und schlägt sich als Kopfgeldjägerin durch. Sie hat IMMER Hunger und liebt es ihre Sätze in Reime zu verpacken. Mit nur elf Jahren ist sie das jüngste Mitglied der Truppe.

Diana Caprice - Eine Ärztin, die an einer schweren Krankheit leidet. Sie liebt Vögel und ist durch fast nichts aus der Ruhe zu bringen.

Gemini Sunrise - Ein echtes Cowgirl aus Texas, das sich für den Schwertkampf der Samurai begeistert. Sie ist eine schusselige Tagträumerin mit einem großen Herz.

Das Spiel besteht aus acht Kapiteln, die in unterschiedliche Abschnitte aufgeteilt sind. Zuerst müssen, vorwiegend in Form von Gesprächen mit Standbildern, Informationen gesammelt werden. Mit den richtigen Antworten und Entscheidungen werden dabei nicht nur allgemein, sondern vor allem bei den Mädchen Punkte gesammelt. ^^ Das Ganze wird mit einfachen Reaktions-Minispielen aufgelockert. Wenn es zur Konfrontation mit den Dämonen kommt, wechselt das Spiel ins Strategiefach. Sowohl Shin als auch jedes der Mädels besitzt einen "STAR", einen Kampfroboter mit individueller Waffe, der sich sogar in einen fliegenden Jet verwandeln kann. Der Handlungsrahmen jedes Kampfroboters wird durch eine Aktionsleiste dargestellt, die durch Aktionen verbraucht wird. Dabei kann auf Angriff, Verteidigung und eine Superattacke zurückgegriffen werden. Noch besser ist es aber zusammen mit einem Partner anzugreifen, um mit der Join-Attacke massiven Schaden zu verursachen. Items gibt es keine. Einmal pro Runde kann auf Kosten der Skill-Leiste geheilt werden. Diese lädt sich bei gegnerischen Angriffen langsam wieder auf und wird auch für die Join- und Superattacken in Anspruch genommen. Je mehr Punkte eure weiblichen Partner aus den vorangegangenen Gesprächen haben, desto besser sind ihre Statuswerte. Die aktuelle Situation kann jederzeit im Speichermenü abgerufen werden. Mit den gemeinsamen Angriffen steigert man auch die Freundschaft zwischen den einzelnen Charakteren. Im letzten Drittel darf sich der Spieler dann sogar ein Herzblatt für das Happy End aussuchen (Wie ROMANTISCH!). Die Strategiekämpfe weisen anfangs noch einen lockeren Schwierigkeitsgrad auf, in späteren Kämpfen ist die richtige Taktik zum Überleben notwendig.

Obwohl "Sakura Wars - So Long, My Love" nicht auf dem aktuellen Stand der Technik ist, gehört die Grafik zu den Pluspunkten. Die wunderschönen Zwischensequenzen und Standbilder entsprechen einem richtigen Anime-Festschmaus. Teilweise hat man wirklich den Eindruck, eine interaktive Anime-Serie vor sich zu haben. Die 3D-Umgebung ist dagegen zweckmäßig, aber vollkommen ausreichend. Sie findet vorwiegend während den Kampfphasen Verwendung, aber auch die Umgebung ist teilweise in 3D-Arealen begehbar. Die Schlachten sind stets übersichtlich und weisen liebevolle Details auf, wie zum Beispiel Rosaritas ungeduldiges Wippen. Die Musik passt hervorragend zum Geschehen und das Titellied ertönt glücklicherweise in japanischer Sprache. Die restliche Sprachausgabe ist in Englisch. Zuerst habe ich etwas neidisch auf die amerikanische Playstation 2-Version geschielt, die eine zweite Disk mit japanischer Synchronisation beinhaltet, aber die gute Qualität der englischen Sprecher lässt diese kaum vermissen. Gute Englischkenntnisse sind aufgrund der vielen Texte jedoch Pflicht!

Da sich die Endsequenz je nach erwählter Favoritin ändert, ist der Wiederspielwert relativ hoch. Beim ersten Durchgang braucht man für das Spiel etwa fünfzehn Stunden. Ein zweiter Anlauf wird mit erhöhten Statuswerten belohnt und der bereits bekannte Text darf weggeklickt werden. Ungefähr in der Mitte der Geschichte öffnet sich im Startmenü ein Extrapunkt, unter dem Musik, Bilder und Filme nochmals genossen werden können.

Würde ich die ersten beiden Teile der Reihe nicht kennen, hätte ich dem Spiel vielleicht eine perfekte Wertung verliehen. Im direkten Vergleich punkten die ersten beiden Teile für den Sega Saturn mit mehr Abwechslung bei den Minispielen und die Mädchen sind dort noch einen Tick sympathischer.

Fazit: "Sakura Wars - So Long, My Love" ist ein echter Geheimtipp! Es bietet dramatische Ereignisse, Action und Herzschmerz sowie viel zum Lachen. Darüber hinaus besticht es durch den fabelhaft umgesetzten Genre-Mix und eine bezaubernde Präsentation, die vor allem Anime-Fans ansprechen dürfte. Somit kann ich diesen Titel eigentlich allen Wii-Besitzern wärmstens empfehlen!