Mit dem japanischen Freeware-Spiel "The Soul of Dracula" liegt
uns ein Titel vor, das nicht nur namentlich sondern auch spielerisch sofort
an die bekannte Castlevania-Reihe erinnert. Bei einer genaueren Betrachtung
meinerseits wurde dieser erste Eindruck auch wasserdicht untermauert,
denn dieses Spiel steht den alten Castlevania-Spielen auf dem Nintendo
Entertainment System in puncto Grafik, welche mich übrigens mehr
an Irems Hard-Core-Game "Holy Diver" erinnert, und Spielbarkeit
in nichts nach. Nur der Sound kann es nicht mit den melodischen Castlevania-Musikstücken
aufnehmen, was aber nicht auf die Waage geworfen werden kann, denn noch
schönere Melodien mit zur Vampir-Thematik passenden barocken Einschlägen
als in den Konami-Spielen sind kaum zu komponieren. Da "The Soul
of Dracula" ein waschechtes Fan-Projekt ist, das vielleicht als eine
Art Tribut-Spiel an "Castlevania" und die gute alte NES-Zeit
verstanden werden kann oder muss, darf man überhaupt nichts zu meckern
haben, zudem hier auch wirklich alles auf einem qualitativ hohen Level
angesiedelt ist. Hervorzuheben sind zum Beispiel die Hintergründe
mit dem Parallax-Scrolling. Nicht wenige offizielle NES-Spiele würden
von diesem Werk direkt ins Abseits befördert werden, wenn es sich
hierbei ebenfalls um ein vermarktetes Stück Software handeln würde.
Es ist jedoch ein frei herunterladbares Spiel, das absolut nichts kostet,
aber auf jeden Fall viel Spaß bereitet und jedem Castlevania-Fan
die Wartezeit auf das nächste Abenteuer aus Konamis Dracula-Gruft
verkürzen kann.
Von den anwählbaren Schwierigkeitsgraden Normal und Hard sollte
man zunächst den ersten wählen, denn auch wenn das Spiel relativ
einfach anfängt, wird man spätestens im dritten Level merken,
dass es mit dem Peitsche schwingenden Vampir-Jäger nicht einfach
sein wird, Dracula zu erreichen. Die sechs Level, welche sich über
einen Friedhof, einen Wald, eine Höhle sowie Draculas Gemäuer
erstrecken und jeweils in der Mitte durch einen Rücksetzpunkt geteilt
werden, sind gut durchdacht und weisen gar keine unfairen Stellen auf,
so dass es wirklich einzig und alleine der Geschicklichkeit des Spielers
obliegt, wie weit man in diesem Spiel kommt. Castlevania-Anhängern
werden fast alle Spielelemente und Grafiken sehr bekannt vorkommen,
nur gelegentlich wird man kleine Unterschiede bzw. Neuerungen feststellen
können, wie zum Beispiel die Seilkletterpartie mit dem Sense schwingenden
Tod vor dem Ende des fünften Levels. Die sehr schön designten
und gezeichneten Mittel- (Level 1 und 6 ausgenommen) sowie Endbosse
stellen wie in den meisten Spielen dieser Art auch die grafischen wie
spielerischen Glanzpunkte dar. Vor allem die Endbosse sind wirklich
nicht einfach zu besiegen und fordern dem Spieler schon einiges ab.
Spätestens ab dem dritten Endboss sollten die obligatorischen und
ebenfalls aus Castlevania-Spielen entliehenen Subwaffen wie Messer,
Axt, Weihwasser und Kreuz zum Zuge kommen. Wie beim Vorbild werden für
deren Gebrauch Herzen benötigt, die von Kerzen freigegeben werden.
Weitere unverzichtbare Gegenstände treten in Form von Fleischkeulen
zur Regenerierung der Lebensenergie, des bekannten Peitschen-Orbs sowie
der seltenen und gut versteckten Extraleben auf.
"The Soul of Dracula" ist eine wirklich sehr gelungene Adaption
der Castlevania-Spiele, welche mit einem tollen Leveldesign und einer
einwandfreien Spielbarkeit überzeugt. Durch die Levelauswahl, die
jederzeit den Wiedereinstieg am zuletzt erreichten Rücksetzpunkt
erlaubt, bleibt die Motivation lange erhalten, zumindest so lange, bis
man vor Dracula höchstpersönlich steht. Draculas Dämonenform
ist allerdings eine wirklich sehr schwer zu knackende Nuss, so dass
nur die wenigsten in der Lage sein werden das Spiel zu beenden. Diese
Gegebenheit und die stellenweise auftretende grafische Detailarmut lassen
mich je einen Punkt von der Wertung abziehen. Das Spiel ist es aber
auf jeden Fall wert ausgiebig gespielt zu werden, daher kann ich es
nicht nur waschechten Castlevania-Fans wärmstens empfehlen.
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