Soul of Dracula, The
Action

Lyrion
Mai 11
 

Mit dem japanischen Freeware-Spiel "The Soul of Dracula" liegt uns ein Titel vor, das nicht nur namentlich sondern auch spielerisch sofort an die bekannte Castlevania-Reihe erinnert. Bei einer genaueren Betrachtung meinerseits wurde dieser erste Eindruck auch wasserdicht untermauert, denn dieses Spiel steht den alten Castlevania-Spielen auf dem Nintendo Entertainment System in puncto Grafik, welche mich übrigens mehr an Irems Hard-Core-Game "Holy Diver" erinnert, und Spielbarkeit in nichts nach. Nur der Sound kann es nicht mit den melodischen Castlevania-Musikstücken aufnehmen, was aber nicht auf die Waage geworfen werden kann, denn noch schönere Melodien mit zur Vampir-Thematik passenden barocken Einschlägen als in den Konami-Spielen sind kaum zu komponieren. Da "The Soul of Dracula" ein waschechtes Fan-Projekt ist, das vielleicht als eine Art Tribut-Spiel an "Castlevania" und die gute alte NES-Zeit verstanden werden kann oder muss, darf man überhaupt nichts zu meckern haben, zudem hier auch wirklich alles auf einem qualitativ hohen Level angesiedelt ist. Hervorzuheben sind zum Beispiel die Hintergründe mit dem Parallax-Scrolling. Nicht wenige offizielle NES-Spiele würden von diesem Werk direkt ins Abseits befördert werden, wenn es sich hierbei ebenfalls um ein vermarktetes Stück Software handeln würde. Es ist jedoch ein frei herunterladbares Spiel, das absolut nichts kostet, aber auf jeden Fall viel Spaß bereitet und jedem Castlevania-Fan die Wartezeit auf das nächste Abenteuer aus Konamis Dracula-Gruft verkürzen kann.

Von den anwählbaren Schwierigkeitsgraden Normal und Hard sollte man zunächst den ersten wählen, denn auch wenn das Spiel relativ einfach anfängt, wird man spätestens im dritten Level merken, dass es mit dem Peitsche schwingenden Vampir-Jäger nicht einfach sein wird, Dracula zu erreichen. Die sechs Level, welche sich über einen Friedhof, einen Wald, eine Höhle sowie Draculas Gemäuer erstrecken und jeweils in der Mitte durch einen Rücksetzpunkt geteilt werden, sind gut durchdacht und weisen gar keine unfairen Stellen auf, so dass es wirklich einzig und alleine der Geschicklichkeit des Spielers obliegt, wie weit man in diesem Spiel kommt. Castlevania-Anhängern werden fast alle Spielelemente und Grafiken sehr bekannt vorkommen, nur gelegentlich wird man kleine Unterschiede bzw. Neuerungen feststellen können, wie zum Beispiel die Seilkletterpartie mit dem Sense schwingenden Tod vor dem Ende des fünften Levels. Die sehr schön designten und gezeichneten Mittel- (Level 1 und 6 ausgenommen) sowie Endbosse stellen wie in den meisten Spielen dieser Art auch die grafischen wie spielerischen Glanzpunkte dar. Vor allem die Endbosse sind wirklich nicht einfach zu besiegen und fordern dem Spieler schon einiges ab. Spätestens ab dem dritten Endboss sollten die obligatorischen und ebenfalls aus Castlevania-Spielen entliehenen Subwaffen wie Messer, Axt, Weihwasser und Kreuz zum Zuge kommen. Wie beim Vorbild werden für deren Gebrauch Herzen benötigt, die von Kerzen freigegeben werden. Weitere unverzichtbare Gegenstände treten in Form von Fleischkeulen zur Regenerierung der Lebensenergie, des bekannten Peitschen-Orbs sowie der seltenen und gut versteckten Extraleben auf.

"The Soul of Dracula" ist eine wirklich sehr gelungene Adaption der Castlevania-Spiele, welche mit einem tollen Leveldesign und einer einwandfreien Spielbarkeit überzeugt. Durch die Levelauswahl, die jederzeit den Wiedereinstieg am zuletzt erreichten Rücksetzpunkt erlaubt, bleibt die Motivation lange erhalten, zumindest so lange, bis man vor Dracula höchstpersönlich steht. Draculas Dämonenform ist allerdings eine wirklich sehr schwer zu knackende Nuss, so dass nur die wenigsten in der Lage sein werden das Spiel zu beenden. Diese Gegebenheit und die stellenweise auftretende grafische Detailarmut lassen mich je einen Punkt von der Wertung abziehen. Das Spiel ist es aber auf jeden Fall wert ausgiebig gespielt zu werden, daher kann ich es nicht nur waschechten Castlevania-Fans wärmstens empfehlen.