Spindizzy
Geschicklichkeit

Minrod
Mai 11
 

Wer eine besonders ausgefallene Herausforderung sucht, dem möchte ich heute das von Paul Shirley entwickelte Spiel "Spindizzy" empfehlen, das ich auf meinem guten alten Commodore 64 kennenlernen durfte. Hierbei handelt es sich um einen isometrischen Geschicklichkeitstest, der einen regelrecht in den Wahnsinn treiben kann. Die zu bewältigende und absolut gewaltfreie Aufgabe klingt dabei ganz harmlos: mit einem kreiselähnlichen Gefährt, das auf den Namen GERALD hört, was abgekürzt für "Gyroscopic Environmental Reconnaissance And Landmapping Device" steht, gilt es zwecks Kartographierung eine abstrakte Welt zu erforschen. Um die Herausforderung zu meistern, muss somit wirklich jeder Abschnitt des Spieles einmal besucht werden. Die Umstände, unter denen man sich der Aufgabe annehmen darf, sind jedoch extrem schwierig.

Das eigentliche Problem dabei stellt die stark begrenzte Energie der ferngesteuerten GERALD-Einheit dar, die in Form von Zeit ausgewiesen wird. Man beginnt das Spiel mit 108 Sekunden, wobei einem für die Erschließung eines jeden neuen Abschnitts weitere acht Sekunden als Prämie gutgeschrieben werden. In Anbetracht der unheimlich riesigen Welt, die aus 386 Abschnitten besteht, kann man somit weitere 3088 Sekunden für gute Arbeit gewinnen. Natürlich vorausgesetzt, man bekommt alles zu sehen, denn das schwierige Terrain der wirren Spindizzy-Welt ist alles andere als leicht begehbar. In den unzähligen verworrenen Gängen mit Rampen, Sprungschanzen und unsicheren Laufstegen lauern permanent Absturzgefahren, die jede Unachtsamkeit mit einem Malus von fünf Sekunden bestrafen. Aufgrund der delikaten Steuerung der GERALD-Einheit erweist sich die gesamte Reise durch die surreale Welt stets als riskant. Glücklicherweise lassen sich überall blinkende Kristalle finden, die beim Aufsammeln unsere Energiereserven um weitere zehn Sekunden aufstocken. Oft sind sie jedoch schwer zu erreichen. Schalter, die Aufzüge aktivieren oder die Beschaffenheit des Geländes ändern, verleihen der so schon heiklen Angelegenheit noch mehr Dramatik und einen gewissen Puzzle-Faktor.

Um bei "Spindizzy" einigermaßen erfolgreich zu sein, muss man sich zunächst intensiv mit der Steuerung auseinandersetzen. Ein präziser Joystick ist dafür unentbehrlich, da man nicht nur die Richtung sondern auch die Geschwindigkeit des Gefährts, die durch das Drücken des Feuerknopfs noch erhöht wird, stets im Griff haben sollte. Ansonsten landet man allzu oft in einem Abgrund, da man nach einem Sprung nicht mehr rechtzeitig bremsen kann und über das Ziel hinausschießt. Durch das Drücken der Leertaste kann man im Ernstfall die Bodenhaftung der GERALD-Einheit verstärken, was sich besonders bei der Überwindung schräger Wegabschnitte positiv auswirkt. Diese Hilfestellung zehrt jedoch enorm am Energievorrat, so dass man sie nur im äußersten Notfall in Anspruch nehmen sollte. Eine gänzlich kostenlose Unterstützung bietet die Morph-Fähigkeit unseres Fahrzeugs, das sich durch das Drücken der I-Taste von der auf einer Nadel tänzelnden umgedrehten Pyramide in einen richtigen Kreisel oder einen Ball verwandeln kann. Je nach Form fällt die Steuerung sowie die Bodenhaftung etwas anders aus, so dass es den Morph-Effekt taktisch klug zu nutzen gilt. Die Möglichkeit mit Hilfe der Funktionstasten die Perspektive zu wechseln sorgt stets für den nötigen Durchblick, während eine Übersichtskarte, die mit der M-Taste aufgerufen wird, einen groben Überblick über den Fortschritt und die aktuelle Lage verschafft. Interessant ist noch die Tatsache, dass das Spiel einen simultanen Zweispieler-Modus beinhaltet, bei dem die Steuerung geteilt wird. Während der eine Spieler nur nach oben oder unten steuern kann, ist der andere für links und rechts zuständig.

Das auf den ersten Blick scheinbar simpel gestrickte "Spindizzy" erweist sich nach genauerer Betrachtung als ein extrem tiefsinniges und komplexes Spiel, das höchsten Ansprüchen gerecht wird. Mit einem derart ausgeklügelten und intelligenten Leveldesign sowie der trotz fehlender Soundkulisse glänzenden technischen Umsetzung hätte "Spindizzy" der C-64-Klassiker schlechthin werden können, wäre es nicht derart brutal schwer, wenn nicht sogar unlösbar. Man kann ruhig davon ausgehen, dass man bei tausend Anläufen tausend Mal scheitern wird. Trotzdem schadet dies dem Spielspaß nicht, da hier eindeutig der Weg das Ziel ist und man sich stets in unterschiedlichen Bereichen beweisen kann. Bevor man sich an das ganze Spiel wagt, sollte man versuchen, es portionsweise zu perfektionieren. Eine Möglichkeit, seinen Spielstand zu speichern, hätte dem Spiel deshalb gut getan. Aus diesem Grund bleibt "Spindizzy" ein Spiel mit einer Lebensaufgabe, weshalb ich ihm die an sich verdiente Höchstwertung verwehren muss.