Wer eine besonders ausgefallene Herausforderung sucht, dem möchte
ich heute das von Paul Shirley entwickelte Spiel "Spindizzy"
empfehlen, das ich auf meinem guten alten Commodore 64 kennenlernen durfte.
Hierbei handelt es sich um einen isometrischen Geschicklichkeitstest,
der einen regelrecht in den Wahnsinn treiben kann. Die zu bewältigende
und absolut gewaltfreie Aufgabe klingt dabei ganz harmlos: mit einem kreiselähnlichen
Gefährt, das auf den Namen GERALD hört, was abgekürzt für
"Gyroscopic Environmental Reconnaissance And Landmapping Device"
steht, gilt es zwecks Kartographierung eine abstrakte Welt zu erforschen.
Um die Herausforderung zu meistern, muss somit wirklich jeder Abschnitt
des Spieles einmal besucht werden. Die Umstände, unter denen man
sich der Aufgabe annehmen darf, sind jedoch extrem schwierig.
Das eigentliche Problem dabei stellt die stark begrenzte Energie der
ferngesteuerten GERALD-Einheit dar, die in Form von Zeit ausgewiesen
wird. Man beginnt das Spiel mit 108 Sekunden, wobei einem für die
Erschließung eines jeden neuen Abschnitts weitere acht Sekunden
als Prämie gutgeschrieben werden. In Anbetracht der unheimlich
riesigen Welt, die aus 386 Abschnitten besteht, kann man somit weitere
3088 Sekunden für gute Arbeit gewinnen. Natürlich vorausgesetzt,
man bekommt alles zu sehen, denn das schwierige Terrain der wirren Spindizzy-Welt
ist alles andere als leicht begehbar. In den unzähligen verworrenen
Gängen mit Rampen, Sprungschanzen und unsicheren Laufstegen lauern
permanent Absturzgefahren, die jede Unachtsamkeit mit einem Malus von
fünf Sekunden bestrafen. Aufgrund der delikaten Steuerung der GERALD-Einheit
erweist sich die gesamte Reise durch die surreale Welt stets als riskant.
Glücklicherweise lassen sich überall blinkende Kristalle finden,
die beim Aufsammeln unsere Energiereserven um weitere zehn Sekunden
aufstocken. Oft sind sie jedoch schwer zu erreichen. Schalter, die Aufzüge
aktivieren oder die Beschaffenheit des Geländes ändern, verleihen
der so schon heiklen Angelegenheit noch mehr Dramatik und einen gewissen
Puzzle-Faktor.
Um bei "Spindizzy" einigermaßen erfolgreich zu sein,
muss man sich zunächst intensiv mit der Steuerung auseinandersetzen.
Ein präziser Joystick ist dafür unentbehrlich, da man nicht
nur die Richtung sondern auch die Geschwindigkeit des Gefährts,
die durch das Drücken des Feuerknopfs noch erhöht wird, stets
im Griff haben sollte. Ansonsten landet man allzu oft in einem Abgrund,
da man nach einem Sprung nicht mehr rechtzeitig bremsen kann und über
das Ziel hinausschießt. Durch das Drücken der Leertaste kann
man im Ernstfall die Bodenhaftung der GERALD-Einheit verstärken,
was sich besonders bei der Überwindung schräger Wegabschnitte
positiv auswirkt. Diese Hilfestellung zehrt jedoch enorm am Energievorrat,
so dass man sie nur im äußersten Notfall in Anspruch nehmen
sollte. Eine gänzlich kostenlose Unterstützung bietet die
Morph-Fähigkeit unseres Fahrzeugs, das sich durch das Drücken
der I-Taste von der auf einer Nadel tänzelnden umgedrehten Pyramide
in einen richtigen Kreisel oder einen Ball verwandeln kann. Je nach
Form fällt die Steuerung sowie die Bodenhaftung etwas anders aus,
so dass es den Morph-Effekt taktisch klug zu nutzen gilt. Die Möglichkeit
mit Hilfe der Funktionstasten die Perspektive zu wechseln sorgt stets
für den nötigen Durchblick, während eine Übersichtskarte,
die mit der M-Taste aufgerufen wird, einen groben Überblick über
den Fortschritt und die aktuelle Lage verschafft. Interessant ist noch
die Tatsache, dass das Spiel einen simultanen Zweispieler-Modus beinhaltet,
bei dem die Steuerung geteilt wird. Während der eine Spieler nur
nach oben oder unten steuern kann, ist der andere für links und
rechts zuständig.
Das auf den ersten Blick scheinbar simpel gestrickte "Spindizzy"
erweist sich nach genauerer Betrachtung als ein extrem tiefsinniges
und komplexes Spiel, das höchsten Ansprüchen gerecht wird.
Mit einem derart ausgeklügelten und intelligenten Leveldesign sowie
der trotz fehlender Soundkulisse glänzenden technischen Umsetzung
hätte "Spindizzy" der C-64-Klassiker schlechthin werden
können, wäre es nicht derart brutal schwer, wenn nicht sogar
unlösbar. Man kann ruhig davon ausgehen, dass man bei tausend Anläufen
tausend Mal scheitern wird. Trotzdem schadet dies dem Spielspaß
nicht, da hier eindeutig der Weg das Ziel ist und man sich stets in
unterschiedlichen Bereichen beweisen kann. Bevor man sich an das ganze
Spiel wagt, sollte man versuchen, es portionsweise zu perfektionieren.
Eine Möglichkeit, seinen Spielstand zu speichern, hätte dem
Spiel deshalb gut getan. Aus diesem Grund bleibt "Spindizzy"
ein Spiel mit einer Lebensaufgabe, weshalb ich ihm die an sich verdiente
Höchstwertung verwehren muss.
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