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Die sogenannten Nischenspiele definieren sich dadurch, dass sie, obwohl
von den Videospielern und der Fachpresse gut bis sehr gut bewertet,
sich nur mäßig oder schlecht verkaufen und bei vielen Spielern
gar nicht oder nur flüchtig bekannt sind. Derartige Spiele gelten
dann später oft als Geheimtipp. Zu solchen Spielen gehören
eindeutig Drill Dozer und Soul Bubbles, aber auch Time Hollow, das in
diesem Review vorgestellt wird, kann dazu gezählt werden. Das Nintendo
DS-Spiel erschien 2008 in Japan und den Vereinigten Staaten und am Anfang
des darauffolgenden Jahres auch bei uns. Das Spiel wurde von Junko Kawano
entwickelt, welche für die Thematisierung von Zeitreisen und Zeitparadoxien
bekannt ist. Ihr Playstation 2-Spiel Shadow of Memories bzw. Shadow
of Destiny, das im Jahre 2001 hierzulande herausgebracht wurde, war
schon ziemlich erfolgreich, wodurch Junko Kawano einen gewissen Bekanntheitsgrad
bei vielen Videospielern erlangte. Time Hollow nimmt sich erneut dieser
Thematik an und verbindet sie mit dem Adventure-Genre.
Die Geschichte von Time Hollow beginnt damit, dass der ganz normale
Junge Ethan Kairos am Morgen seines siebzehnten Geburtstages nach einem
Alptraum aufwacht und plötzlich feststellen muss, dass seine Eltern
angeblich bereits seit zwölf Jahren verschwunden sein sollen, was
eigentlich gar nicht sein kann, da er noch gestern mit ihnen zusammengelebt
hat. Alles deutet darauf hin, dass sich während der Nacht das Zeitgefüge
auf mysteriöse Art und Weise irgendwie verändert hat. Wie
kann aber so etwas überhaupt möglich sein? Als Ethan am Halsband
seiner Hauskatze Sox einen Hinweis auf den Aufenthalt eines seltsamen,
stiftähnlichen und als Hollow Pen benannten Gegenstandes entdeckt,
möchte er unbedingt in Erfahrung bringen, was mit seinen Eltern
geschehen ist bzw. diese gegebenenfalls ausfindig machen. Wie er bald
herausfindet, befähigt ihn der Hollow Pen Zeitlöcher in die
Vergangenheit zu öffnen, um so die Zeit zu manipulieren. Im Laufe
seiner Ermittlungen trifft er unter anderem auf ein seltsames Mädchen
namens Kori Twelves, eine Klassenkameradin, die Ethan noch nie zuvor
gesehen hat und welche mehr zu wissen scheint, als es anfangs den Anschein
hat. Und wer ist der seltsame Irving Onegin, welcher ebenfalls einen
Hollow Pen in seinem Besitz hat. Das sind Fragen, die im Verlauf des
Spieles, aber nicht mehr hier beantwortet werden. Die in einzelne Kapitel
aufgeteilte Story ist wirklich sehr spannend und motiviert stets zum
Weiterspielen. Immer wieder gilt es die durch die Zeitlöcher entstandenen
Paradoxien und Mysterien aufzudecken und die mit ihnen zusammenhängenden
Komplikationen und Probleme zu lösen.
Das Gameplay läuft ganz klassisch über Standbilder ab. Man
kann Gegenstände untersuchen, mit Personen interagieren und durch
verschiedene Bereiche wandern. Der Wechsel zwischen den Bereichen erfolgt
über Türen oder über einen der kleinen Icons, mit dem
man schnell zum vorherigen Raum gelangen kann. Mit den Icons kann auch
die Oberwelt betreten sowie die Karte oder das Hauptmenü, welches
Beschreibungen von Items, Personen, deren Beziehungen zueinander und
ähnliches liefert, aufgerufen werden. Außerdem kann hierüber
auch gespeichert werden. Primäres Element des Gameplays sind natürlich
die Zeitlöcher, welche vom Protagonisten Ethan mit Hilfe seines
Hollow Pens geöffnet werden. Wie man sich sicher denken kann, werden
die Zeitlöcher mittels des Touchpens gezeichnet. Um ein Zeitloch
zu erzeugen, müssen aber immer erst bestimmte Voraussetzungen erfüllt
werden. Ist dies vollbracht, wird die Vergangenheit und somit auch die
Zukunft, also die Gegenwart der Spielwelt geändert. Ethan hat dann
einen Flashback, was in einigen Bildern, die Anhaltspunkte über
die momentan geltende Vergangenheit verbergen, angezeigt wird. Wenn
man dann mit allen nötigen Informationen den Ort aus dem Flashback
in der Gegenwart aufsucht, leuchtet der Hollow Pen auf und man kann
ein weiteres Zeitloch öffnen. Als Spieler hat man jedoch nur begrenzt
die Möglichkeit dazu, was in Form einer Zeitleiste angezeigt wird,
deren Einheiten mit dem Fortlaufen der Geschichte abnehmen. Das normale
Gameplay wird von aufwendig gemachten Anime-Sequenzen unterbrochen,
welche von Anima International Company entwickelt wurden. Auch sonst
sind die Charaktere, Hintergründe und übrigen Grafiken im
Anime-Stil gehalten und machen einen guten Gesamteindruck. Dieser setzt
sich im Soundtrack fort. Allein schon das Hauptthema, komponiert von
Masanori Akita, passt wunderbar in die Situation, und auch die restlichen
Tracks unterstreichen jeden Moment und integrieren sich gut in das Spiel,
ohne nervig zu wirken.
Time Hollow ist ein wirklich gelungenes Spiel, welches mit seiner fesselnden
Story, dem überzeugenden Soundtrack und der guten Grafik im Anime-Stil
punkten kann. Allerdings weist es im Gameplay einige Schwächen
auf und die Rätsel sind viel zu einfach gehalten. Nichtsdestotrotz
macht es insgesamt einen guten Eindruck und ist auf jeden Fall einen
Blick wert. Deswegen vergebe ich acht von zehn Punkten.
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