Time Hollow
Adventure


Motherfreak
August 10

 


Die sogenannten Nischenspiele definieren sich dadurch, dass sie, obwohl von den Videospielern und der Fachpresse gut bis sehr gut bewertet, sich nur mäßig oder schlecht verkaufen und bei vielen Spielern gar nicht oder nur flüchtig bekannt sind. Derartige Spiele gelten dann später oft als Geheimtipp. Zu solchen Spielen gehören eindeutig Drill Dozer und Soul Bubbles, aber auch Time Hollow, das in diesem Review vorgestellt wird, kann dazu gezählt werden. Das Nintendo DS-Spiel erschien 2008 in Japan und den Vereinigten Staaten und am Anfang des darauffolgenden Jahres auch bei uns. Das Spiel wurde von Junko Kawano entwickelt, welche für die Thematisierung von Zeitreisen und Zeitparadoxien bekannt ist. Ihr Playstation 2-Spiel Shadow of Memories bzw. Shadow of Destiny, das im Jahre 2001 hierzulande herausgebracht wurde, war schon ziemlich erfolgreich, wodurch Junko Kawano einen gewissen Bekanntheitsgrad bei vielen Videospielern erlangte. Time Hollow nimmt sich erneut dieser Thematik an und verbindet sie mit dem Adventure-Genre.

Die Geschichte von Time Hollow beginnt damit, dass der ganz normale Junge Ethan Kairos am Morgen seines siebzehnten Geburtstages nach einem Alptraum aufwacht und plötzlich feststellen muss, dass seine Eltern angeblich bereits seit zwölf Jahren verschwunden sein sollen, was eigentlich gar nicht sein kann, da er noch gestern mit ihnen zusammengelebt hat. Alles deutet darauf hin, dass sich während der Nacht das Zeitgefüge auf mysteriöse Art und Weise irgendwie verändert hat. Wie kann aber so etwas überhaupt möglich sein? Als Ethan am Halsband seiner Hauskatze Sox einen Hinweis auf den Aufenthalt eines seltsamen, stiftähnlichen und als Hollow Pen benannten Gegenstandes entdeckt, möchte er unbedingt in Erfahrung bringen, was mit seinen Eltern geschehen ist bzw. diese gegebenenfalls ausfindig machen. Wie er bald herausfindet, befähigt ihn der Hollow Pen Zeitlöcher in die Vergangenheit zu öffnen, um so die Zeit zu manipulieren. Im Laufe seiner Ermittlungen trifft er unter anderem auf ein seltsames Mädchen namens Kori Twelves, eine Klassenkameradin, die Ethan noch nie zuvor gesehen hat und welche mehr zu wissen scheint, als es anfangs den Anschein hat. Und wer ist der seltsame Irving Onegin, welcher ebenfalls einen Hollow Pen in seinem Besitz hat. Das sind Fragen, die im Verlauf des Spieles, aber nicht mehr hier beantwortet werden. Die in einzelne Kapitel aufgeteilte Story ist wirklich sehr spannend und motiviert stets zum Weiterspielen. Immer wieder gilt es die durch die Zeitlöcher entstandenen Paradoxien und Mysterien aufzudecken und die mit ihnen zusammenhängenden Komplikationen und Probleme zu lösen.

Das Gameplay läuft ganz klassisch über Standbilder ab. Man kann Gegenstände untersuchen, mit Personen interagieren und durch verschiedene Bereiche wandern. Der Wechsel zwischen den Bereichen erfolgt über Türen oder über einen der kleinen Icons, mit dem man schnell zum vorherigen Raum gelangen kann. Mit den Icons kann auch die Oberwelt betreten sowie die Karte oder das Hauptmenü, welches Beschreibungen von Items, Personen, deren Beziehungen zueinander und ähnliches liefert, aufgerufen werden. Außerdem kann hierüber auch gespeichert werden. Primäres Element des Gameplays sind natürlich die Zeitlöcher, welche vom Protagonisten Ethan mit Hilfe seines Hollow Pens geöffnet werden. Wie man sich sicher denken kann, werden die Zeitlöcher mittels des Touchpens gezeichnet. Um ein Zeitloch zu erzeugen, müssen aber immer erst bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Ist dies vollbracht, wird die Vergangenheit und somit auch die Zukunft, also die Gegenwart der Spielwelt geändert. Ethan hat dann einen Flashback, was in einigen Bildern, die Anhaltspunkte über die momentan geltende Vergangenheit verbergen, angezeigt wird. Wenn man dann mit allen nötigen Informationen den Ort aus dem Flashback in der Gegenwart aufsucht, leuchtet der Hollow Pen auf und man kann ein weiteres Zeitloch öffnen. Als Spieler hat man jedoch nur begrenzt die Möglichkeit dazu, was in Form einer Zeitleiste angezeigt wird, deren Einheiten mit dem Fortlaufen der Geschichte abnehmen. Das normale Gameplay wird von aufwendig gemachten Anime-Sequenzen unterbrochen, welche von Anima International Company entwickelt wurden. Auch sonst sind die Charaktere, Hintergründe und übrigen Grafiken im Anime-Stil gehalten und machen einen guten Gesamteindruck. Dieser setzt sich im Soundtrack fort. Allein schon das Hauptthema, komponiert von Masanori Akita, passt wunderbar in die Situation, und auch die restlichen Tracks unterstreichen jeden Moment und integrieren sich gut in das Spiel, ohne nervig zu wirken.

Time Hollow ist ein wirklich gelungenes Spiel, welches mit seiner fesselnden Story, dem überzeugenden Soundtrack und der guten Grafik im Anime-Stil punkten kann. Allerdings weist es im Gameplay einige Schwächen auf und die Rätsel sind viel zu einfach gehalten. Nichtsdestotrotz macht es insgesamt einen guten Eindruck und ist auf jeden Fall einen Blick wert. Deswegen vergebe ich acht von zehn Punkten.