Als eine der letzten Veröffentlichungen auf dem japanischen PC-Engine-Markt
stellt "The TV Show" eine sehr seltene und dementsprechend auch
sehr teure und kaum bekannte Publikation auf der edlen 8-Bit-Konsole dar.
Wer dieses Spiel seiner Sammlung hinzufügen möchte, muss heutzutage
in der Regel 150 bis 200€ ausgeben, vorausgesetzt, man wird in den
verwinkelten Shopping-Meilen des Internets irgendwo fündig. Aus diesem
Grunde ist "The TV Show" sogar für viele PC-Engine-Liebhaber
ein ungeschriebenes Blatt, da kaum brauchbare Angaben dazu vorliegen.
Die meisten Exemplare fristen wahrscheinlich ihr unangetastetes Dasein
in gut behüteten Regalen diverser Hard-Core-Sammler, die aufgrund
der immensen Auswahl diesem Spiel keine Beachtung schenken. Schließlich
entpuppt sich "The TV Show" bei erster Betrachtung als ein unheimlich
anstrengendes und verwirrendes Puzzle-Spiel, das eine intensive Auseinandersetzung
voraussetzt. Definitiv nicht jedermanns Sache, und schon gar nicht, wenn
man kein einziges Wort dem japanischen Handbuch zu entlocken vermag. Um
der gähnenden Informationsleere in Bezug auf das Spiel entgegenzuwirken,
möchte ich es nun etwas näher beleuchten, denn es ist wirklich
wert, gespielt zu werden.
Dem Titel entsprechend basiert das Spiel auf einer fiktiven Fernseh-Show,
in der die Kandidaten durch die Erledigung bestimmter Aufgaben unterhaltsam,
risikofrei und schnell ans dicke Geld kommen. Es ist also eine Show,
die wir in unserer eigenen Realität in zahllosen Variationen in
der Flimmerkiste gesehen, geliebt oder gehasst haben. Die skurrilen
japanischen Sendungen wie zum Beispiel "Takeshi´s Castle"
schossen dabei den Vogel ab. Und in diese Richtung tendiert auch "The
TV Show", in der die Kandidaten heikle Aufgabenstellungen mit Hilfe
explosiver Bomben lösen müssen. Die acht zur Auswahl stehenden
Kandidaten sind aber ebenfalls nicht von der Stange und werden in schicken
kleinen Filmchen mit japanischer Sprachausgabe mitsamt ihren Motiven
vorgestellt: ein frustrierter Baseball-Spieler, ein von seiner Enkelin
genötigter alter Mann, eine fresssüchtige Furie, ein übelgelauntes
Schulmädchen mit einem tödlichen Jojo, ein megacooler Rapper,
ein verrückter Motorrad-Junkie, ein verirrter Ninja-Krieger und
eine notgestrandete Außerirdische. Von der Wahl des Charakters
abhängig, fällt das Spiel immer anders aus, was für eine
Menge Motivation sorgt. Die Zielsetzung ist dabei aber immer dieselbe.
In jedem der insgesamt 12 Spielabschnitte müssen mithilfe von Bomben
alle Holzschiffchen zerstört werden, damit sie ihren Inhalt in
Form leuchtender Klunker preisgeben. Diese gilt es dann einzusacken,
wenn man weiterkommen möchte. Übersteht man alle 12 Runden,
muss man sich im Finale nur noch mit drei anderen übrig gebliebenen
Kandidaten auseinandersetzen, um letztendlich als Sieger ausgerufen
zu werden. Was sich jetzt so simpel anhört, ist in der Praxis aber
extrem knifflig und schwer, denn schließlich sind die aus der
Vogelperspektive dargestellten, bildschirmgroßen Spielarenen sehr
tückisch gestaltet.
Ein wesentliches Problem kann die Anzahl der vorhandenen Bomben darstellen,
die so eingesetzt werden müssen, dass sie mehrere benötigte
Objekte zerstören. Die unterschiedliche Beschaffenheit der Sprengkörper
ist ebenfalls nicht unbedeutend, da sie verschiedene Auswirkungen haben.
Als Faustregel gilt, dass fast alle Bomben nach dem Auflesen aktiviert
werden und nach einer bestimmter Zeit detonieren. Durch farbige Blinkzeichen
kann man dabei absehen, wann es soweit ist. Neben den normalen Standardbomben
gibt es einige mit bedeutend höherer Zerstörungskraft und
einige die unsere Protagonisten beim Auflesen mit diversen Fähigkeiten
ausstatten. So friert zum Beispiel die Stop-Bombe alle Gegner auf dem
Bildschirm ein, während die Speed-Bombe den Besitzer schneller
laufen lässt. Mit der Flug-Bombe kann man sogar über Abgründe
fliegen, die einen wesentlichen Bestandteil der Rätseleinlagen
bilden. Die Arenen sind nämlich keineswegs sicher, sondern bilden
oft eine Ansammlung loser Plattformen über einem tiefen Abgrund.
Hinzu kommt noch, dass intakte Bodenplatten durch Detonationen rissig
werden, während beschädigte direkt baden gehen und benachbarte
Platten mit Rissen mit in die Tiefe reißen. Wenn eine Bombe an
der falschen Stelle explodiert, kann sie einem dadurch förmlich
den Boden unter den Füßen wegziehen oder auch die begehrenswerten
Trophäen auf Nimmerwiedersehen verschwinden lassen. Die bereits
erwähnten Gegner tun ebenfalls ihr Bestes, um den Spieler zu stören.
Als ob dies nicht reichen würde, können viele Hindernisse
nur durch einen exakt geplanten Wurf zerstört werden, was sehr
delikat zu handhaben ist. Rückstöße, die die Kandidaten
bei einer Explosion einige Felder nach hinten befördern, müssen
genauso in die Überlegungen mit einbezogen werden, wie deren Sonderfähigkeiten.
Die meisten der Kandidaten weisen besondere Begabungen auf, die stark
in das Spiel implementiert wurden. So kommt das missgelaunte Schulmädchen
mit Hilfe ihres Jojos problemlos an entfernt liegende Bomben dran oder
sie lässt sie mit ihrem Spin-Angriff, der durch das Drücken
beider Tasten ausgelöst wird, aus sicherer Entfernung explodieren.
Der Motorrad-Freak, mit dem man aufgrund seines permanenten Geschwindigkeitsrauschs
nie zur Ruhe kommt, darf noch zusätzlich beschleunigen und sogar
hüpfen, womit seine Handhabung mit einer richtigen Geschicklichkeitsprobe
verbunden ist. Das Spiel fällt deshalb je nach Charakter immer
etwas anders aus.
Der Nachteil dieser enormen Vielfalt an Möglichkeiten äußert
sich allerdings im extrem hohen Schwierigkeitsgrad. Recht schnell wird
man einem Problem ratlos gegenüberstehen, was in manchen Fällen
zur Frustrationen führen kann. Bei diesem facettenreichen Szenario
kann man wirklich sehr leicht den Überblick verlieren, so dass
man das Spiel sogar als benutzerunfreundlich deklarieren könnte.
Aus diesem Grund wird es oft nur als ein Sammlerobjekt betrachtet. Wenn
man sich an "The TV Show" jedoch richtig festbeißt,
wird man seine helle Freude an den haarsträubenden Herausforderungen
haben. Ein festgelegtes Zeitlimit, das bei Ablauf einen schicken Bombenregen
heraufbeschwört, sowie die begrenzte Fortsetzungsmöglichkeit
(der Einsatz der Continue-Option zieht einem 100$ vom hart verdienten
Gewinn ab) mögen zusätzlich abschreckend wirken. Die Speicherfunktion,
die das Spiel nach vier abgeschlossenen Levels automatisch sichert,
bringt aber wiederum Erleichterung.
Technisch bietet "The TV Show" keine sensationellen Neuerungen,
präsentiert sich aber fröhlich bunt und liebevoll. Die zahlreichen
Animationen begeistern ebenfalls wie die vielen Zwischensequenzen, und
die musikalische Untermalung passt immer hervorragend zum Geschehen.
Ein VS-Modus, in dem man sich mit anderen Spielern messen kann, sowie
ein Ex-Modus, der freie Levelauswahl beinhaltet und separat für
jeden Charakter erst nach Beendigung des Spieles freigeschaltet wird,
stellen nicht unbedingt notwendige, aber nette zusätzliche Schmankerl
dar.
Fazit: "The TV Show" ist unheimlich frisch und originell,
aber aufgrund des komplexen und nicht leicht durchschaubaren Spielverlaufs
ganz sicher nicht jedermanns Sache. Wer wirklich auf ganz harte Puzzle-Spiele
steht, der hat hiermit sein Spiel gefunden. Alle anderen lassen lieber
die Finger davon, zumal der aktuelle Anschaffungspreis so hoch ist.
Ich habe es glücklicherweise recht günstig bekommen und habe
immer noch sehr viel Spaß daran, so dass ich entsprechend unserer
Bewertungsskala bedenkenlos acht Punkte vergebe.
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