TV Show, The
Puzzle

Minrod
Juni 11
 

Als eine der letzten Veröffentlichungen auf dem japanischen PC-Engine-Markt stellt "The TV Show" eine sehr seltene und dementsprechend auch sehr teure und kaum bekannte Publikation auf der edlen 8-Bit-Konsole dar. Wer dieses Spiel seiner Sammlung hinzufügen möchte, muss heutzutage in der Regel 150 bis 200€ ausgeben, vorausgesetzt, man wird in den verwinkelten Shopping-Meilen des Internets irgendwo fündig. Aus diesem Grunde ist "The TV Show" sogar für viele PC-Engine-Liebhaber ein ungeschriebenes Blatt, da kaum brauchbare Angaben dazu vorliegen. Die meisten Exemplare fristen wahrscheinlich ihr unangetastetes Dasein in gut behüteten Regalen diverser Hard-Core-Sammler, die aufgrund der immensen Auswahl diesem Spiel keine Beachtung schenken. Schließlich entpuppt sich "The TV Show" bei erster Betrachtung als ein unheimlich anstrengendes und verwirrendes Puzzle-Spiel, das eine intensive Auseinandersetzung voraussetzt. Definitiv nicht jedermanns Sache, und schon gar nicht, wenn man kein einziges Wort dem japanischen Handbuch zu entlocken vermag. Um der gähnenden Informationsleere in Bezug auf das Spiel entgegenzuwirken, möchte ich es nun etwas näher beleuchten, denn es ist wirklich wert, gespielt zu werden.

Dem Titel entsprechend basiert das Spiel auf einer fiktiven Fernseh-Show, in der die Kandidaten durch die Erledigung bestimmter Aufgaben unterhaltsam, risikofrei und schnell ans dicke Geld kommen. Es ist also eine Show, die wir in unserer eigenen Realität in zahllosen Variationen in der Flimmerkiste gesehen, geliebt oder gehasst haben. Die skurrilen japanischen Sendungen wie zum Beispiel "Takeshi´s Castle" schossen dabei den Vogel ab. Und in diese Richtung tendiert auch "The TV Show", in der die Kandidaten heikle Aufgabenstellungen mit Hilfe explosiver Bomben lösen müssen. Die acht zur Auswahl stehenden Kandidaten sind aber ebenfalls nicht von der Stange und werden in schicken kleinen Filmchen mit japanischer Sprachausgabe mitsamt ihren Motiven vorgestellt: ein frustrierter Baseball-Spieler, ein von seiner Enkelin genötigter alter Mann, eine fresssüchtige Furie, ein übelgelauntes Schulmädchen mit einem tödlichen Jojo, ein megacooler Rapper, ein verrückter Motorrad-Junkie, ein verirrter Ninja-Krieger und eine notgestrandete Außerirdische. Von der Wahl des Charakters abhängig, fällt das Spiel immer anders aus, was für eine Menge Motivation sorgt. Die Zielsetzung ist dabei aber immer dieselbe. In jedem der insgesamt 12 Spielabschnitte müssen mithilfe von Bomben alle Holzschiffchen zerstört werden, damit sie ihren Inhalt in Form leuchtender Klunker preisgeben. Diese gilt es dann einzusacken, wenn man weiterkommen möchte. Übersteht man alle 12 Runden, muss man sich im Finale nur noch mit drei anderen übrig gebliebenen Kandidaten auseinandersetzen, um letztendlich als Sieger ausgerufen zu werden. Was sich jetzt so simpel anhört, ist in der Praxis aber extrem knifflig und schwer, denn schließlich sind die aus der Vogelperspektive dargestellten, bildschirmgroßen Spielarenen sehr tückisch gestaltet.

Ein wesentliches Problem kann die Anzahl der vorhandenen Bomben darstellen, die so eingesetzt werden müssen, dass sie mehrere benötigte Objekte zerstören. Die unterschiedliche Beschaffenheit der Sprengkörper ist ebenfalls nicht unbedeutend, da sie verschiedene Auswirkungen haben. Als Faustregel gilt, dass fast alle Bomben nach dem Auflesen aktiviert werden und nach einer bestimmter Zeit detonieren. Durch farbige Blinkzeichen kann man dabei absehen, wann es soweit ist. Neben den normalen Standardbomben gibt es einige mit bedeutend höherer Zerstörungskraft und einige die unsere Protagonisten beim Auflesen mit diversen Fähigkeiten ausstatten. So friert zum Beispiel die Stop-Bombe alle Gegner auf dem Bildschirm ein, während die Speed-Bombe den Besitzer schneller laufen lässt. Mit der Flug-Bombe kann man sogar über Abgründe fliegen, die einen wesentlichen Bestandteil der Rätseleinlagen bilden. Die Arenen sind nämlich keineswegs sicher, sondern bilden oft eine Ansammlung loser Plattformen über einem tiefen Abgrund. Hinzu kommt noch, dass intakte Bodenplatten durch Detonationen rissig werden, während beschädigte direkt baden gehen und benachbarte Platten mit Rissen mit in die Tiefe reißen. Wenn eine Bombe an der falschen Stelle explodiert, kann sie einem dadurch förmlich den Boden unter den Füßen wegziehen oder auch die begehrenswerten Trophäen auf Nimmerwiedersehen verschwinden lassen. Die bereits erwähnten Gegner tun ebenfalls ihr Bestes, um den Spieler zu stören. Als ob dies nicht reichen würde, können viele Hindernisse nur durch einen exakt geplanten Wurf zerstört werden, was sehr delikat zu handhaben ist. Rückstöße, die die Kandidaten bei einer Explosion einige Felder nach hinten befördern, müssen genauso in die Überlegungen mit einbezogen werden, wie deren Sonderfähigkeiten. Die meisten der Kandidaten weisen besondere Begabungen auf, die stark in das Spiel implementiert wurden. So kommt das missgelaunte Schulmädchen mit Hilfe ihres Jojos problemlos an entfernt liegende Bomben dran oder sie lässt sie mit ihrem Spin-Angriff, der durch das Drücken beider Tasten ausgelöst wird, aus sicherer Entfernung explodieren. Der Motorrad-Freak, mit dem man aufgrund seines permanenten Geschwindigkeitsrauschs nie zur Ruhe kommt, darf noch zusätzlich beschleunigen und sogar hüpfen, womit seine Handhabung mit einer richtigen Geschicklichkeitsprobe verbunden ist. Das Spiel fällt deshalb je nach Charakter immer etwas anders aus.

Der Nachteil dieser enormen Vielfalt an Möglichkeiten äußert sich allerdings im extrem hohen Schwierigkeitsgrad. Recht schnell wird man einem Problem ratlos gegenüberstehen, was in manchen Fällen zur Frustrationen führen kann. Bei diesem facettenreichen Szenario kann man wirklich sehr leicht den Überblick verlieren, so dass man das Spiel sogar als benutzerunfreundlich deklarieren könnte. Aus diesem Grund wird es oft nur als ein Sammlerobjekt betrachtet. Wenn man sich an "The TV Show" jedoch richtig festbeißt, wird man seine helle Freude an den haarsträubenden Herausforderungen haben. Ein festgelegtes Zeitlimit, das bei Ablauf einen schicken Bombenregen heraufbeschwört, sowie die begrenzte Fortsetzungsmöglichkeit (der Einsatz der Continue-Option zieht einem 100$ vom hart verdienten Gewinn ab) mögen zusätzlich abschreckend wirken. Die Speicherfunktion, die das Spiel nach vier abgeschlossenen Levels automatisch sichert, bringt aber wiederum Erleichterung.

Technisch bietet "The TV Show" keine sensationellen Neuerungen, präsentiert sich aber fröhlich bunt und liebevoll. Die zahlreichen Animationen begeistern ebenfalls wie die vielen Zwischensequenzen, und die musikalische Untermalung passt immer hervorragend zum Geschehen. Ein VS-Modus, in dem man sich mit anderen Spielern messen kann, sowie ein Ex-Modus, der freie Levelauswahl beinhaltet und separat für jeden Charakter erst nach Beendigung des Spieles freigeschaltet wird, stellen nicht unbedingt notwendige, aber nette zusätzliche Schmankerl dar.

Fazit: "The TV Show" ist unheimlich frisch und originell, aber aufgrund des komplexen und nicht leicht durchschaubaren Spielverlaufs ganz sicher nicht jedermanns Sache. Wer wirklich auf ganz harte Puzzle-Spiele steht, der hat hiermit sein Spiel gefunden. Alle anderen lassen lieber die Finger davon, zumal der aktuelle Anschaffungspreis so hoch ist. Ich habe es glücklicherweise recht günstig bekommen und habe immer noch sehr viel Spaß daran, so dass ich entsprechend unserer Bewertungsskala bedenkenlos acht Punkte vergebe.