Valkyrie Profile - Covenant of the Plume
Strategie-RPG


Patricia
Januar 11

 


Mit "Valkyrie Profile - Covenant of the Plume" stattet die aus zwei Playstation-Spielen bekannte Valkyrie erstmalig einer Nintendo Konsole einen Besuch ab. Im Gegensatz zu den actionorientierten Vorgängern wird diesmal allerdings rundenbasierte Taktik geboten. Dabei steuert man nicht die namensgebende Schlachtjungfer, sondern den jungen Soldaten Wylfried. Ob der Genre- und Sichtwechsel der Spielreihe alle Ehre macht, verrate ich euch in diesem Review.

Für alle, die sich mit der nordischen Mythologie nicht auskennen, möchte ich zuerst eine Erklärung zur Valkyrie bzw. Walküre, wie es auf Deutsch heißt, abgeben. Nach dem Verständnis der alten nordischen Völker ist sie eine Botin der Götter, deren Aufgabe es ist, die Seelen aller tapferen gefallenen Krieger vom Schlachtfeld in die heiligen Hallen von Walhalla zu begleiten, wo sie auf die letzte Schlacht der Götter, Ragnarök genannt, warten. Unser Held Wylfried verspürt auf dieses Wesen eine unsägliche Wut, da sie die Seele seines auf einem Schlachtfeld verstorbenen Vaters mitnahm, wie eine Feder auf seinem Leichnam bewies. Diese elende Diebin hat ihn einfach geraubt und damit Wyl und seine Familie ins Elend gestürzt. Seit diesem Tag gibt es für den jungen Krieger nur noch ein Lebensziel: die Vernichtung der Götterbotin. Doch was kann man schon als einzelner Mensch ausrichten? Da bietet ihm die geheimnisvolle Hel einen Handel an. Wenn er die gefundene Feder mit Tod und Sünden zu füllen vermag, wird ihm die nötige Kraft zuteil, die für die Vernichtung der Valkyrie nötig ist. Als kurz darauf im Königreich ein Bürgerkrieg um die Herrschaft entbrennt, scheint der ideale Zeitpunkt für dieses Vorhaben gekommen zu sein. Die Geschichte fängt wirklich sehr vielversprechend an, gleitet aber recht schnell in trockene Politikgespräche ab. Die Möglichkeit, zahlreiche Intrigen spannend zu erzählen, wurde meiner Ansicht nach vertan.

Wer klassische Strategie erwartet, wird durch einige Innovationen überrascht. Gleich am Anfang fällt auf, dass nur vier Mitstreiter in den Kampf ziehen dürfen, wobei jedem eine Taste zugewiesen wird. Wenn sich mindestens zwei Mitstreiter in Angriffsnähe gleichzeitig befinden, kann durch geschicktes Drücken der entsprechenden Angriffstasten die Hitleiste gefüllt werden. Ist diese voll, werden Spezialangriffe vom Stapel gelassen, die meist das Aus für den Gegner bedeuten. Manche Missionen sind vom Schwierigkeitsgrad her jedoch so deftig, dass man nicht umhin kommt, die verfluchte Feder einzusetzen. Mit ihr kann ein Verbündeter in eine wahre Kampfmaschine verwandelt werden, die jeden Feind im Nu vernichtet. Natürlich hat das Ganze auch einen Haken. Der Berserker stirbt nach der Schlacht, da die Feder seine Lebensenergie vollständig aufsaugt. Zurück bleibt nur ein besonders starker Magiespruch für Wyl. Noch ein Grund für das Opfern, denn jede Person hinterlässt einen anderen Spruch. So kann es passieren, dass die stets vorhandene Verführung auf einen leichten Sieg unseren Krieger am Ende alleine dastehen lässt. Der Preis für das leichtfertige Opfern der eigenen Leute wird nach dem finalen Kampf in Form eines unbefriedigenden Endes gezahlt. Zum Glück lässt sich anschließend ein neues Spiel mit allen bereits erworbenen Fähigkeiten, Sprüchen und Items beginnen. Nun ist auch die schwierigste Stelle ein Kinderspiel, die Feder muss nicht eingesetzt werden und das positive Ende ist endlich in Sicht. Natürlich vorausgesetzt, dass man sich dazu aufraffen kann, einen weiteren Durchgang anzugehen, denn durch die Eingrenzung auf vier Kämpfer wollte bei mir kein richtiges Strategiegefühl aufkommen. Es reicht immer aus, den Gegner zu umzingeln und mit gemeinsamen Attacken gleichzeitig anzugreifen. Des Weiteren läuft jede Mission gleich ab, da ändern die verschiedenen Wetterverhältnisse und Ziele auch nichts dran.

Bei der Präsentation beeindruckt zunächst das tolle CG-Intro. (Am Ende gibt es ebenfalls kurze Clips.) Im Spiel angelangt, wurde ich aber mit braunem, grauem und grünem Pixel-Matsch konfrontiert. Die Ingame-Grafik ist kurz gesagt ausgesprochen hässlich! Selbst einige Genrevertreter auf dem Game Boy Advance wie zum Beispiel "Final Fantasy Tactics Advance" stehlen diesem Spiel locker die Show. Hier wirkt alles detailarm und öde, egal ob es sich nun um die Kampffelder oder die Oberwelt handelt. Die Spezialattacken ähneln einem wild umherzuckenden Pixelbrei. Die Charakterporträts sind dagegen in Ordnung, vom Design her aber langweiliger Durchschnitt. Das Gleiche gilt für die Musik. Einen Lichtblick stellt die englische Sprachausgabe dar. Jeder Charakter weist seine eigenen spezifischen Sprüche auf, die zur Person passen.

Die etwas mehr als zehn Stunden Spielzeit pro Durchlauf ziehen sich dadurch wie Kaugummi. Der seltsam ausbalancierte Schwierigkeitsgrad ist meiner Meinung nach nur dazu da, um den Einsatz der Feder zu erzwingen und somit das Spiel unnötig in die Länge zu ziehen. Will man das gute Ende sehen, kommt man um eine zweite Runde nicht umhin.

Fazit: Für die schöne Valkyrie kann ich leider keine Empfehlung abgeben, da mir sowohl das eigentlich interessante Kampfsystem wie auch die Feder-Features zu unausgeglichen erscheinen. Neben dem Feinschliff stößt mir auch die mangelhafte Präsentation auf, die wirklich eine Schande für den Nintendo DS ist. Es ist ein Jammer, dass der gute Name der Serie für dieses Spiel herhalten musste.