Vay
RPG

Patricia
April 11
 

In Bezug auf Rollenspiele werden für das Sega Mega CD meistens nur die beiden Lunar-Teile genannt, anderen Titeln schenkt man dagegen kaum Beachtung. Oft leider zu Unrecht, weshalb ich mit "Vay" für etwas Abhilfe sorgen möchte.

Königliche Hochzeiten sind einfach romantisch! Die Zeremonie wird jedoch jäh unterbrochen, als gewaltige Kriegsroboter des Reiches Danek die Festung zerstören und kurzerhand die junge Braut Elin mitnehmen. So steht Prinz Sandor von Lorath alleine vor den Trümmern seines Schlosses. Dass er seiner Geliebten zu Hilfe eilen muss, das versteht sich von selbst, doch wie soll er gegen eine derart geballte Übermacht ankommen? Daneks neuartige Technologie ist in seinem Land komplett unbekannt, hier wird noch traditionell mit Schwert und Magie gekämpft. Ein Besuch beim Ortsweisen Otto schafft jedoch Abhilfe. Von ihm erfährt Sandor, dass vor langer Zeit eine todbringende Kampfmaschine aus dem All herunterfiel, die nur durch die gemeinsamen Anstrengungen fünf mächtiger Magier gestoppt und versiegelt werden konnte. Die Sage der unbesiegbaren Rüstung Vay wurde bis zum heutigen Tag aufrechterhalten und scheint die letzte Hoffnung für Sandor zu sein. Zu seiner Unterstützung gibt ihm Otto seinen jungen Elfenschüler Pottle als Begleitung mit. Um Vay aktivieren zu können, müssen jedoch erst einmal die fünf Siegel-Orbs gefunden werden. Dies ist wahrlich kein leichtes Unterfangen, da auch die Häscher aus Danek hinter ihnen her sind. Auf der daraus resultierenden Reise durch verschiedene Kontinente trifft Sandor auf neue Mitstreiter und erfährt nach und nach mehr über die Hintergründe der Sage. Die Geschichte kommt vor allem in der zweiten Hälfte richtig in Fahrt und überzeugt mit überraschenden Plotwendungen.

Auch wenn die Mischung aus Science-Fiction und Fantasy etwas ungewohnt erscheint, so bleibt "Vay" im Herzen doch ein Rollenspiel der alten Machart. Die rundenbasierten Zufallskämpfe sind häufig und fordernd. Während einige Charaktere sich als geschickt im Umgang mit dem Schwert erweisen, verlassen sich andere lieber auf ihre Magiekräfte. Mit seiner Truppe zieht Sandor jeweils von einer Stadt in den nächstgelegenen Dungeon, wo er einem üblen Endgegner gegenüber treten muss, dessen Ableben das Spiel vorantreibt. Die abwechslungsreiche Erzählweise sowie die interessanten Dungeons gestalten die Routine jedoch spannend und halten die Motivation aufrecht. Der Fokus liegt eindeutig auf den Kämpfen, auf Rätseleinlagen sowie die Erforschung der Umgebung wurde gänzlich verzichtet. Stattdessen ist regelmäßiges Aufleveln notwendig, um den gegnerischen Horden überhaupt Paroli bieten zu können, denn der Schwierigkeitsgrad ist recht hoch, mit der richtigen Ausrüstung und ausreichend Items aber trotzdem fair. Dazu tragen noch die beiden spielerfreundlichen Aspekte bei: die Möglichkeit (fast) jederzeit speichern zu können und die vollständige Regeneration der Lebens- und Magieleiste bei einem Levelaufstieg.

Die Grafik fällt größtenteils zweckmäßig aus. Die farbenfrohen, allerdings nicht besonders detaillierten Städte sowie die Oberwelt erinnern an Klassiker wie "Dragon Slayer". Die Gegner-Sprites sind auffallend groß und animiert. Das Monsterdesign wirkt aber manchmal etwas missglückt, wie zum Beispiel bei den Pilzkreaturen am Anfang, wird aber später mit bunten Drachen, sexy Harpyien oder blutigen Chimären viel besser. An Abwechslung mangelt es also nicht, so dass grafische Farbvariationen kaum auftreten. Die Dungeons sind ebenfalls etwas karg, können aber durch ihre Größe überzeugen. Die Zwischensequenzen im Anime-Stil sind natürlich echte Highlights. Sie tragen viel zur Atmosphäre bei und sorgen für die nötige Prise Dramatik. Musikalisch gibt es keine Höhepunkte, der durchweg rockige Soundtrack passt aber gut.

Mit etwa 25 Stunden hat das Abenteuer genau die richtige Länge. Leider gibt es keinerlei optionale Bereiche zu erkunden oder irgendwelche Extras zu finden. Das Spiel wurde durch Working Designs in den USA veröffentlicht, die sich mit guter Übersetzung von ihrer besten Seite zeigen. Die englische Sprachausgabe mag zwar nicht immer sehr professionell wirken, aber man merkt, dass die Sprecher sich bemüht haben. Die Tatsache, dass ein Remake für das iPhone existiert, dürfte für viele von Interesse sein. Leider kann ich mangels Testversion nicht viel dazu sagen. Auf alle Fälle wurde das Spiel einer grafischen Überarbeitung unterzogen, die mir anhand der gesehenen Screenshots nicht richtig zusagen würde.

Fazit: Ganz ehrlich, "Vay" ist besser als sein Ruf und kann sich locker mit der Mega CD-Version des ersten Lunar-Teiles messen. Dazu tragen die coole Geschichte, die herausfordernden Kämpfe sowie die toll designten Gegner bei. Wer vor Rollenspielen mit Biss nicht zurückschreckt, der sollte auf alle Fälle einen Blick riskieren!