In Bezug auf Rollenspiele werden für das Sega Mega CD meistens nur
die beiden Lunar-Teile genannt, anderen Titeln schenkt man dagegen kaum
Beachtung. Oft leider zu Unrecht, weshalb ich mit "Vay" für
etwas Abhilfe sorgen möchte.
Königliche Hochzeiten sind einfach romantisch! Die Zeremonie wird
jedoch jäh unterbrochen, als gewaltige Kriegsroboter des Reiches
Danek die Festung zerstören und kurzerhand die junge Braut Elin
mitnehmen. So steht Prinz Sandor von Lorath alleine vor den Trümmern
seines Schlosses. Dass er seiner Geliebten zu Hilfe eilen muss, das
versteht sich von selbst, doch wie soll er gegen eine derart geballte
Übermacht ankommen? Daneks neuartige Technologie ist in seinem
Land komplett unbekannt, hier wird noch traditionell mit Schwert und
Magie gekämpft. Ein Besuch beim Ortsweisen Otto schafft jedoch
Abhilfe. Von ihm erfährt Sandor, dass vor langer Zeit eine todbringende
Kampfmaschine aus dem All herunterfiel, die nur durch die gemeinsamen
Anstrengungen fünf mächtiger Magier gestoppt und versiegelt
werden konnte. Die Sage der unbesiegbaren Rüstung Vay wurde bis
zum heutigen Tag aufrechterhalten und scheint die letzte Hoffnung für
Sandor zu sein. Zu seiner Unterstützung gibt ihm Otto seinen jungen
Elfenschüler Pottle als Begleitung mit. Um Vay aktivieren zu können,
müssen jedoch erst einmal die fünf Siegel-Orbs gefunden werden.
Dies ist wahrlich kein leichtes Unterfangen, da auch die Häscher
aus Danek hinter ihnen her sind. Auf der daraus resultierenden Reise
durch verschiedene Kontinente trifft Sandor auf neue Mitstreiter und
erfährt nach und nach mehr über die Hintergründe der
Sage. Die Geschichte kommt vor allem in der zweiten Hälfte richtig
in Fahrt und überzeugt mit überraschenden Plotwendungen.
Auch wenn die Mischung aus Science-Fiction und Fantasy etwas ungewohnt
erscheint, so bleibt "Vay" im Herzen doch ein Rollenspiel
der alten Machart. Die rundenbasierten Zufallskämpfe sind häufig
und fordernd. Während einige Charaktere sich als geschickt im Umgang
mit dem Schwert erweisen, verlassen sich andere lieber auf ihre Magiekräfte.
Mit seiner Truppe zieht Sandor jeweils von einer Stadt in den nächstgelegenen
Dungeon, wo er einem üblen Endgegner gegenüber treten muss,
dessen Ableben das Spiel vorantreibt. Die abwechslungsreiche Erzählweise
sowie die interessanten Dungeons gestalten die Routine jedoch spannend
und halten die Motivation aufrecht. Der Fokus liegt eindeutig auf den
Kämpfen, auf Rätseleinlagen sowie die Erforschung der Umgebung
wurde gänzlich verzichtet. Stattdessen ist regelmäßiges
Aufleveln notwendig, um den gegnerischen Horden überhaupt Paroli
bieten zu können, denn der Schwierigkeitsgrad ist recht hoch, mit
der richtigen Ausrüstung und ausreichend Items aber trotzdem fair.
Dazu tragen noch die beiden spielerfreundlichen Aspekte bei: die Möglichkeit
(fast) jederzeit speichern zu können und die vollständige
Regeneration der Lebens- und Magieleiste bei einem Levelaufstieg.
Die Grafik fällt größtenteils zweckmäßig
aus. Die farbenfrohen, allerdings nicht besonders detaillierten Städte
sowie die Oberwelt erinnern an Klassiker wie "Dragon Slayer".
Die Gegner-Sprites sind auffallend groß und animiert. Das Monsterdesign
wirkt aber manchmal etwas missglückt, wie zum Beispiel bei den
Pilzkreaturen am Anfang, wird aber später mit bunten Drachen, sexy
Harpyien oder blutigen Chimären viel besser. An Abwechslung mangelt
es also nicht, so dass grafische Farbvariationen kaum auftreten. Die
Dungeons sind ebenfalls etwas karg, können aber durch ihre Größe
überzeugen. Die Zwischensequenzen im Anime-Stil sind natürlich
echte Highlights. Sie tragen viel zur Atmosphäre bei und sorgen
für die nötige Prise Dramatik. Musikalisch gibt es keine Höhepunkte,
der durchweg rockige Soundtrack passt aber gut.
Mit etwa 25 Stunden hat das Abenteuer genau die richtige Länge.
Leider gibt es keinerlei optionale Bereiche zu erkunden oder irgendwelche
Extras zu finden. Das Spiel wurde durch Working Designs in den USA veröffentlicht,
die sich mit guter Übersetzung von ihrer besten Seite zeigen. Die
englische Sprachausgabe mag zwar nicht immer sehr professionell wirken,
aber man merkt, dass die Sprecher sich bemüht haben. Die Tatsache,
dass ein Remake für das iPhone existiert, dürfte für
viele von Interesse sein. Leider kann ich mangels Testversion nicht
viel dazu sagen. Auf alle Fälle wurde das Spiel einer grafischen
Überarbeitung unterzogen, die mir anhand der gesehenen Screenshots
nicht richtig zusagen würde.
Fazit: Ganz ehrlich, "Vay" ist besser als sein Ruf und kann
sich locker mit der Mega CD-Version des ersten Lunar-Teiles messen.
Dazu tragen die coole Geschichte, die herausfordernden Kämpfe sowie
die toll designten Gegner bei. Wer vor Rollenspielen mit Biss nicht
zurückschreckt, der sollte auf alle Fälle einen Blick riskieren!
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