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Adol Christin und sein langjähriger Freund Dogi scheinen regelrecht
von der Wanderlust besessen zu sein, denn kurz nach den turbulenten
Ereignissen von "Ys 6" brechen sie auf der Suche nach neuen
Abenteuern in Richtung Afroca auf. Dort verschlägt es sie in das
Königreich Altago, dessen Wunder sie mit eigenen Augen bestaunen
möchten. Kaum in der Hauptstadt angelangt, geraten sie jedoch in
Schwierigkeiten, als sie eine Blumenverkäuferin aus dem Armenviertel
vor ungehobelter Stadtmiliz in Schutz nehmen. Daraufhin landen sie im
Gefängnis, werden aber kurz danach wegen Adols mittlerweile legendärem
Ruf als Abenteurer zum König berufen. Dieser entschuldigt sich
bei ihnen für das schlechte Benehmen seiner Soldaten und bittet
sie um eine kleine Gefälligkeit. Aufgrund seiner Erfahrung mit
den Hinterlassenschaften untergegangener Kulturen soll Adol eine durch
ein Erdbeben freigelegte antike Stätte untersuchen. Freudig und
ohne viel nachzudenken stimmt er dem Vorschlag zu, was ihm, ohne es
zu ahnen, ein Abenteuer mit einer ungeheuren Tragweite beschert. Mit
diesem beinahe zweistündigen Auftakt, der aufgrund mangelnder Action
etwas langatmig ausfällt, nimmt "Ys Seven", das exklusiv
für die PSP entwickelt wurde, seinen Anfang.
Als man endlich die Stadt verlassen darf, geht es sogleich richtig
zur Sache. Dabei schnetzelt man sich nicht wie gewohnt nur mit Adol
allein durch die Monstermassen, sondern gemeinsam mit Dogi. Das neue,
speziell auf die PSP-Bedürfnisse zugeschnittene Kampfsystem stellt
somit die wohl gravierendste Änderung gegenüber den Vorgängern
dar. Zum ersten Mal in der langen Tradition der Ys-Reihe ist man mit
einer mehrköpfigen Heldentruppe unterwegs, die insgesamt sieben
Mitglieder umfasst, wovon nur drei aktiv am Kampfgeschehen teilnehmen
dürfen. Man steuert allerdings nur einen einzigen Charakter, die
beiden anderen agieren entsprechend einigen einstellbaren Vorgaben computergesteuert.
Per Knopfdruck kann man jedoch jederzeit zwischen ihnen wechseln. Der
Austausch mit passiven Charakteren erfolgt über das Menü und
ist aufgrund der gegnerischen Resistenz bzw. Anfälligkeit gegenüber
diversen Waffentypen stets notwendig. Dies funktioniert aber nicht bei
den Bosskämpfen, womit wir direkt zum Herzstück des Spieles
kommen.
Die Bosse sind riesig, spektakulär und unheimlich fordernd, was
unter anderem dem stark beschränkten Zugriff auf Heil-Items sowie
der fehlenden Möglichkeit, gefallene Charaktere durch andere austauschen
zu können, zuzuschreiben ist. Dies ist aber gut so, da dem Spiel
ansonsten jeglicher Anspruch fehlen würde. Um die abwechslungsreichen
Angriffe der mächtigen Titanen zu überstehen, ist viel Geschicklichkeit
von Nöten. Dabei darf man auf ein Ausweichmanöver zurückgreifen,
das die Sprungfähigkeit des Vorgängers ersetzt. Ausweichen
und im richtigen Moment zuschlagen, so lautet die Devise von "Ys
Seven". Es ist aber leichter gesagt als getan, denn viele Angriffe
der Bossgegner sind dermaßen flächendeckend, dass nur wenig
Raum zum Rückzug übrig bleibt. Sollte man bei einem Endgegner
nicht weiterkommen, muss man zuvor aufleveln oder zusehen, dass man
in einem der zahlreichen Shops eine bessere Ausrüstung findet.
Hierbei treten besonders die Waffen hervor, die die Drachenkraft des
Landes nutzen und die Träger mit diversen Spezialangriffen ausstatten.
Durch häufigen Einsatz werden diese permanent erlernt und verbessert.
Dabei verbrauchen sie jedes Mal eine gehörige Portion der verfügbaren
magischen Kraft. Diese wird wiederum am besten durch aufgeladene Standardattacken
gespeist, die durch längeres Halten der Angriffstaste ausgeführt
werden. Ein taktisches Vorgehen bei der Nutzung der zahlreichen Angriffsmöglichkeiten
ist somit an der Tagesordnung. Die Möglichkeit, nicht nur alle
Standardgegner sondern auch alle Bosse betäuben zu können,
verleiht dem Spieler noch einen weiteren Vorteil, den es geschickt zu
nutzen gilt. Das neue Kampfsystem fällt folglich sehr vielschichtig
aus, ist dabei aber ganz leicht zu handhaben. Falcom hat hier wahrlich
ganze Arbeit geleistet!
Durch die Erwähnung der Drachenkraft möchte ich wieder auf
die geschichtliche Entwicklung des Spieles zurückkommen. Das Erkunden
der antiken Stätte bringt einige Überraschungen mit sich,
die beinahe den Ablauf des gesamten Spieles bestimmen. Bei der Untersuchung
einer geheimnisvollen Säule wird Adol von einer geheimnisvollen
Stimme zum erlösenden Drachenkrieger bestimmt, woraufhin er seine
Stärke gegen einen schildkrötenähnlichen Titano beweisen
muss. Dieser erste Boss bringt einen direkt richtig ins Schwitzen, lässt
sich aber glücklicherweise durch den Einsatz einer zusätzlichen
Kraft, die als Extra-Skill bezeichnet wird und den stärksten Angriff
im Spiel darstellt, bezwingen. Zurück im Königspalast erfährt
man vom König etwas mehr über den mysteriösen Drachenkrieger,
dessen Schicksal es ist, Altago vor dem drohenden Untergang zu bewahren.
Dieser ist zwar noch nicht absehbar, aber ein häufiges Auftreten
von Naturkatastrophen, das Erscheinen gigantischer Titano-Monster sowie
der Ausbruch einer unbekannten Krankheit lassen nichts Gutes erahnen.
Der König legt deshalb Adol nahe, die restlichen heiligen Stätten
der insgesamt fünf Altago-Stämme aufzusuchen, um den Rat der
anderen Drachen einzuholen. Denn einer Sache ist sich der König
sicher: Adol ist von einem der fünf heiligen Drachen, die Altago
erschufen und als Götter verehrt werden, auserkoren worden. Daraufhin
begibt man sich auf die Suche nach den heiligen Stätten, die im
ganzen Königreich verstreut sind. Die Geschichte entwickelt sich
wenig und verläuft ganz klassisch, wartet gegen Ende jedoch mit
einer großen Überraschung auf. Hier wird aber nur noch verraten,
dass Tia, das arme Blumenmädchen, mit dem alles anfing, dabei eine
entscheidende Rolle spielt. Die Tatsache, dass die drohende Katastrophe
auf die aktuellen Probleme unserer Gesellschaft anspielt, verleiht dem
Spiel einen düsteren Charakterzug.
Ansonsten ist man ständig in den weitläufigen Landstrichen
von Altago unterwegs, kämpft gegen Monster und sucht versteckte
Truhen. Die thematisch unterschiedlich gestalteten Dungeons stechen
dabei mit netten Rätseln sowie den bereits angesprochenen Bossen
hervor. Begleitet wird man dabei von den Vertretern der jeweiligen Stämme.
Aber auch der aus "Ys 6" bekannte Geis tritt hier in Erscheinung
und schließt sich sogar unserer Truppe an. Mit Ausnahme von Adol,
der immer stumm und deshalb blass bleibt, wurden alle Charaktere mit
Leben gefüllt und gewähren dem Spieler Einblicke in ihre Denkweisen.
Optionale Missionen, versteckte Items sowie eine Vielzahl an Ausrüstungsgegenständen,
die aus diversen Utensilien auch selbst hergestellt werden können,
lassen dem Spieler genügend Freiraum jenseits des Hauptplots. "Ys
Seven" kann deshalb als gelungen bezeichnet werden und ist mit
einem Umfang von mindestens 30 Stunden das längste Spiel der Reihe.
Das Gleiche trifft auf die technische Umsetzung zu. Auch wenn alle
Grafiken aus Polygonen bestehen und deshalb etwas eckig aussehen, kann
man hier an keiner Stelle meckern. Die bunten und vor allem vielseitigen
Schauplätze gewähren dem Spieler oft atemberaubende Panorama-Einblicke,
die auf einer PSP nicht selbstverständlich sind. Das Alles wird
natürlich von einer bombastischen Musikkulisse unterstrichen, die
mittlerweile zum Aushängeschild der Reihe geworden ist und niemals
enttäuscht. Eine Soundtrack-CD gehört deshalb wieder zum Pflichtprogramm,
es sei denn man kauft sich die in Amerika erschienene Premium-Edition,
bei der neben einem Artbook sowie einer Landkarte aus Stoff auch eine
Musik-CD mit ausgewählten Titeln zu finden ist. Ein Anime-Intro
am Anfang des Spieles rundet den tollen Gesamteindruck ab.
Zum Schluss bleibt nur noch zu sagen, dass "Ys Seven" von
keinem Fan der Reihe vernachlässigt werden sollte. Echte Ys-Fans
haben nun einen Grund sich eine PSP zu kaufen, zumal Xseed Games, die
für die westliche Lokalisierung verantwortlich sind und sich der
ewigen Dankbarkeit der Fan-Gemeinde sicher sein können, die PSP-Remakes
der ersten drei Ys-Teile bereits für die nahe Zukunft angekündigt
haben.
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