Ys Seven
Action-RPG


Minrod
Oktober 10

 


Adol Christin und sein langjähriger Freund Dogi scheinen regelrecht von der Wanderlust besessen zu sein, denn kurz nach den turbulenten Ereignissen von "Ys 6" brechen sie auf der Suche nach neuen Abenteuern in Richtung Afroca auf. Dort verschlägt es sie in das Königreich Altago, dessen Wunder sie mit eigenen Augen bestaunen möchten. Kaum in der Hauptstadt angelangt, geraten sie jedoch in Schwierigkeiten, als sie eine Blumenverkäuferin aus dem Armenviertel vor ungehobelter Stadtmiliz in Schutz nehmen. Daraufhin landen sie im Gefängnis, werden aber kurz danach wegen Adols mittlerweile legendärem Ruf als Abenteurer zum König berufen. Dieser entschuldigt sich bei ihnen für das schlechte Benehmen seiner Soldaten und bittet sie um eine kleine Gefälligkeit. Aufgrund seiner Erfahrung mit den Hinterlassenschaften untergegangener Kulturen soll Adol eine durch ein Erdbeben freigelegte antike Stätte untersuchen. Freudig und ohne viel nachzudenken stimmt er dem Vorschlag zu, was ihm, ohne es zu ahnen, ein Abenteuer mit einer ungeheuren Tragweite beschert. Mit diesem beinahe zweistündigen Auftakt, der aufgrund mangelnder Action etwas langatmig ausfällt, nimmt "Ys Seven", das exklusiv für die PSP entwickelt wurde, seinen Anfang.

Als man endlich die Stadt verlassen darf, geht es sogleich richtig zur Sache. Dabei schnetzelt man sich nicht wie gewohnt nur mit Adol allein durch die Monstermassen, sondern gemeinsam mit Dogi. Das neue, speziell auf die PSP-Bedürfnisse zugeschnittene Kampfsystem stellt somit die wohl gravierendste Änderung gegenüber den Vorgängern dar. Zum ersten Mal in der langen Tradition der Ys-Reihe ist man mit einer mehrköpfigen Heldentruppe unterwegs, die insgesamt sieben Mitglieder umfasst, wovon nur drei aktiv am Kampfgeschehen teilnehmen dürfen. Man steuert allerdings nur einen einzigen Charakter, die beiden anderen agieren entsprechend einigen einstellbaren Vorgaben computergesteuert. Per Knopfdruck kann man jedoch jederzeit zwischen ihnen wechseln. Der Austausch mit passiven Charakteren erfolgt über das Menü und ist aufgrund der gegnerischen Resistenz bzw. Anfälligkeit gegenüber diversen Waffentypen stets notwendig. Dies funktioniert aber nicht bei den Bosskämpfen, womit wir direkt zum Herzstück des Spieles kommen.

Die Bosse sind riesig, spektakulär und unheimlich fordernd, was unter anderem dem stark beschränkten Zugriff auf Heil-Items sowie der fehlenden Möglichkeit, gefallene Charaktere durch andere austauschen zu können, zuzuschreiben ist. Dies ist aber gut so, da dem Spiel ansonsten jeglicher Anspruch fehlen würde. Um die abwechslungsreichen Angriffe der mächtigen Titanen zu überstehen, ist viel Geschicklichkeit von Nöten. Dabei darf man auf ein Ausweichmanöver zurückgreifen, das die Sprungfähigkeit des Vorgängers ersetzt. Ausweichen und im richtigen Moment zuschlagen, so lautet die Devise von "Ys Seven". Es ist aber leichter gesagt als getan, denn viele Angriffe der Bossgegner sind dermaßen flächendeckend, dass nur wenig Raum zum Rückzug übrig bleibt. Sollte man bei einem Endgegner nicht weiterkommen, muss man zuvor aufleveln oder zusehen, dass man in einem der zahlreichen Shops eine bessere Ausrüstung findet.

Hierbei treten besonders die Waffen hervor, die die Drachenkraft des Landes nutzen und die Träger mit diversen Spezialangriffen ausstatten. Durch häufigen Einsatz werden diese permanent erlernt und verbessert. Dabei verbrauchen sie jedes Mal eine gehörige Portion der verfügbaren magischen Kraft. Diese wird wiederum am besten durch aufgeladene Standardattacken gespeist, die durch längeres Halten der Angriffstaste ausgeführt werden. Ein taktisches Vorgehen bei der Nutzung der zahlreichen Angriffsmöglichkeiten ist somit an der Tagesordnung. Die Möglichkeit, nicht nur alle Standardgegner sondern auch alle Bosse betäuben zu können, verleiht dem Spieler noch einen weiteren Vorteil, den es geschickt zu nutzen gilt. Das neue Kampfsystem fällt folglich sehr vielschichtig aus, ist dabei aber ganz leicht zu handhaben. Falcom hat hier wahrlich ganze Arbeit geleistet!

Durch die Erwähnung der Drachenkraft möchte ich wieder auf die geschichtliche Entwicklung des Spieles zurückkommen. Das Erkunden der antiken Stätte bringt einige Überraschungen mit sich, die beinahe den Ablauf des gesamten Spieles bestimmen. Bei der Untersuchung einer geheimnisvollen Säule wird Adol von einer geheimnisvollen Stimme zum erlösenden Drachenkrieger bestimmt, woraufhin er seine Stärke gegen einen schildkrötenähnlichen Titano beweisen muss. Dieser erste Boss bringt einen direkt richtig ins Schwitzen, lässt sich aber glücklicherweise durch den Einsatz einer zusätzlichen Kraft, die als Extra-Skill bezeichnet wird und den stärksten Angriff im Spiel darstellt, bezwingen. Zurück im Königspalast erfährt man vom König etwas mehr über den mysteriösen Drachenkrieger, dessen Schicksal es ist, Altago vor dem drohenden Untergang zu bewahren. Dieser ist zwar noch nicht absehbar, aber ein häufiges Auftreten von Naturkatastrophen, das Erscheinen gigantischer Titano-Monster sowie der Ausbruch einer unbekannten Krankheit lassen nichts Gutes erahnen. Der König legt deshalb Adol nahe, die restlichen heiligen Stätten der insgesamt fünf Altago-Stämme aufzusuchen, um den Rat der anderen Drachen einzuholen. Denn einer Sache ist sich der König sicher: Adol ist von einem der fünf heiligen Drachen, die Altago erschufen und als Götter verehrt werden, auserkoren worden. Daraufhin begibt man sich auf die Suche nach den heiligen Stätten, die im ganzen Königreich verstreut sind. Die Geschichte entwickelt sich wenig und verläuft ganz klassisch, wartet gegen Ende jedoch mit einer großen Überraschung auf. Hier wird aber nur noch verraten, dass Tia, das arme Blumenmädchen, mit dem alles anfing, dabei eine entscheidende Rolle spielt. Die Tatsache, dass die drohende Katastrophe auf die aktuellen Probleme unserer Gesellschaft anspielt, verleiht dem Spiel einen düsteren Charakterzug.

Ansonsten ist man ständig in den weitläufigen Landstrichen von Altago unterwegs, kämpft gegen Monster und sucht versteckte Truhen. Die thematisch unterschiedlich gestalteten Dungeons stechen dabei mit netten Rätseln sowie den bereits angesprochenen Bossen hervor. Begleitet wird man dabei von den Vertretern der jeweiligen Stämme. Aber auch der aus "Ys 6" bekannte Geis tritt hier in Erscheinung und schließt sich sogar unserer Truppe an. Mit Ausnahme von Adol, der immer stumm und deshalb blass bleibt, wurden alle Charaktere mit Leben gefüllt und gewähren dem Spieler Einblicke in ihre Denkweisen. Optionale Missionen, versteckte Items sowie eine Vielzahl an Ausrüstungsgegenständen, die aus diversen Utensilien auch selbst hergestellt werden können, lassen dem Spieler genügend Freiraum jenseits des Hauptplots. "Ys Seven" kann deshalb als gelungen bezeichnet werden und ist mit einem Umfang von mindestens 30 Stunden das längste Spiel der Reihe.

Das Gleiche trifft auf die technische Umsetzung zu. Auch wenn alle Grafiken aus Polygonen bestehen und deshalb etwas eckig aussehen, kann man hier an keiner Stelle meckern. Die bunten und vor allem vielseitigen Schauplätze gewähren dem Spieler oft atemberaubende Panorama-Einblicke, die auf einer PSP nicht selbstverständlich sind. Das Alles wird natürlich von einer bombastischen Musikkulisse unterstrichen, die mittlerweile zum Aushängeschild der Reihe geworden ist und niemals enttäuscht. Eine Soundtrack-CD gehört deshalb wieder zum Pflichtprogramm, es sei denn man kauft sich die in Amerika erschienene Premium-Edition, bei der neben einem Artbook sowie einer Landkarte aus Stoff auch eine Musik-CD mit ausgewählten Titeln zu finden ist. Ein Anime-Intro am Anfang des Spieles rundet den tollen Gesamteindruck ab.

Zum Schluss bleibt nur noch zu sagen, dass "Ys Seven" von keinem Fan der Reihe vernachlässigt werden sollte. Echte Ys-Fans haben nun einen Grund sich eine PSP zu kaufen, zumal Xseed Games, die für die westliche Lokalisierung verantwortlich sind und sich der ewigen Dankbarkeit der Fan-Gemeinde sicher sein können, die PSP-Remakes der ersten drei Ys-Teile bereits für die nahe Zukunft angekündigt haben.