Ys - The Oath in Felghana
Action-RPG


Minrod
Dezember 10

 


"Ys 3 - Wanderers from Ys" gilt aufgrund seines recht kurzen Umfangs sowie des begangenen Stilbruchs für viele als der schlechteste Ableger der Reihe. Um dieses Unrecht an der Fan-Gemeinde wieder gut zu machen, wurde vielleicht deshalb dieser Teil als erster mit einem zeitgemäßen Remake bedacht. Die Neuauflage erschien bereits vor fünf Jahren für die japanischen PC´s, und zwar unter dem brandneuen Namen "Ys - The Oath in Felghana". Weitere fünf Jahre dauerte es, bis man dieses Spiel für die PSP portierte, diesmal aber nicht nur in Japan sondern dank Xseed Games auch im Westen. Aus diesem Grund darf ich euch über meine Erfahrungen mit "The Oath in Felghana" berichten, denn die Anschaffung dieses Spieles stand für mich bereits seit der Ankündigung unabwendbar fest.

Das Offensichtlichste, das einem nach dem Start sofort auffällt, ist die optische Ähnlichkeit zu Adols sechstem Abenteuer "The Ark of Napishtim". Dies hängt wahrscheinlich mit der zeitnahen Entwicklung beider Titel zusammen, die aus Kostengründen auf derselben Engine basieren. Da die PSP-Portierung des sechsten Ys-Ablegers den meisten Spielern eine Gänsehaut verursacht, gebe ich direkt eine Entwarnung: "The Oath in Felghana" weist keinen einzigen technischen Mangel auf! Die Grafik wurde erheblich aufpoliert und strotzt regelrecht vor Details, störende Ladeunterbrechungen sind an keiner Stelle zu finden. Wenn das keine frohe Botschaft ist? Getoppt wird das Ganze aber noch von der überarbeiteten und teilweise neuen Musikuntermalung, die in wirklich jeder Situation mitreißt und überzeugt. "Wanderers from Ys" beinhalt bereits einige der schönsten Stücke der gesamten Ys-Reihe, die in den arrangierten Neufassungen einfach nur herrlich anzuhören sind. Von einer lauen Portierung, die man "The Ark of Napishtim" ganz sicher nicht abstreiten kann, kann hier keine Rede sein. Und bei den spielerischen Qualitäten verhält es sich ähnlich.

Die ursprüngliche Erzählung von "Ys 3" wurde komplett überarbeitet und um zahlreiche neue Aspekte ergänzt. So treffen Adol und Dogi bereits am Anfang auf Elena Stoddart, Dogis langjährige Freundin aus seinen Kindertagen, die sie vor marodierenden Ungeheuern retten. Ausschweifende Dialoge zwischen den einzelnen Charakteren enthüllen daraufhin viele interessante Details aus Dogis Vergangenheit und geben viel über die Bewohner seines idyllischen Heimatstädtchens Redmont preis. Die malerische Stadt beherbergt diesmal einige Personen mehr, die jedoch allesamt im Schatten eines großen Unheils leben. Die Gerüchte über die missliche Lage von Redmont sind auch der Grund für Adols und Dogis Besuch. Und ehe sie sich versehen, stecken beide kopfüber in einem düsteren und gefährlichen Abenteuer, das mit Elenas Bruder Chester, dem bösartigen Lehnsherren McGuire und einer mysteriösen Sekte aus der Vergangenheit zusammenhängt, die wiederum indirekt Verbindungen zur alten Zivilisation von Ys aufweist, denn schließlich wurde deren bösartiger Gott von einem mächtigen Krieger mit Flügeln besiegt und gebannt. Die sehr ausgeschmückte Geschichte, die ebenfalls nicht mit schönen Anime-Zwischensequenzen lumpt, lässt diesmal keine Fragen offen und räumt allen Hauptprotagonisten, auch wenn nur Adol spielbar ist, eine wichtige Stellung ein. Die Hauptspielzeit verlängert sich dadurch gegenüber dem Original mindestens um das Doppelte. Daran ist aber nicht nur die erweiterte Erzählung beteiligt, sondern auch die überarbeiteten Schauplätze.

Nach wie vor hat man es hierbei mit nur fünf unterschiedlichen Schauplätzen zu tun, die je nach Kameraführung mal seitlich, isometrisch oder ganz aus der Vogelperspektive dargestellt werden. Das Design der einzelnen Spielabschnitte gehört jedoch zum Besten, das mir in der gesamten Ys-Reihe begegnet ist. Da Adol seine Sprungfähigkeit, die später sogar zu einem Doppelsprung ausgebaut werden kann, beibehalten hat, gibt es hier neben den Auseinandersetzungen mit diversen Monstern zahlreiche knifflige Jump´n´run- und Geschicklichkeitspassagen, die sehr oft mit gemeinen Fallen kombiniert werden. Der spielerische Aspekt steht hier nach wie vor im Vordergrund, was sich ebenfalls in den großartig inszenierten, aber beinharten Bosskämpfen widerspiegelt. Die Action überragt den Rollenspielanteil erheblich, so dass man alleine mit Aufleveln nicht allzu weit kommt, zumal Adol wirklich auf keine Heilkräuter oder Tränke zurückgreifen kann. Für unerfahrene Joypad-Akrobaten kann das Spiel dann recht schnell zu einem Frusterlebnis werden, zumindest wenn man mindestens den normalen Schwierigkeitsgrad spielt. Fairerweise darf bei häufigem Misserfolg der Schwierigkeitsgrad gesenkt werden. Eine komfortable Continue-Funktion, die einen nicht zum letzten Speicherort sondern an den Beginn des letzten Spielabschnitts befördert, sorgt zusätzlich für Abhilfe. Wie sich das Spiel auf Easy oder gar Very Easy dann gestaltet, kann ich jedoch nicht sagen, da ich auf diese Option nie zurückgegriffen habe. Die beinharten Ys-Fans freuen sich neben der Schwierigkeitsstufe Hard noch über Nightmare und Inferno, wobei letztere laut Falcom nur mit einem "New Game Plus" zu bewältigen ist. "The Oath in Felghana" beinhaltet wahrlich eine Menge an positiven Neuerungen, zu denen auch Adols Boost-Status gezählt werden darf, der seine Kampfkraft für eine kurze Zeit erhöht und in späterer doppelter Ausführung sogar seine Wunden heilt. Diese Option stellt deshalb einen unheimlich wichtigen taktischen Bestandteil des Spieles dar. Die drei Ringe, die im Originalspiel zeitweise Adols Werte verbesserten, wurden durch drei magische Armreifen ersetzt, mit denen sich Magie ausüben lässt. Durch das Aufsammeln gut versteckter Kristalle kann diese noch erheblich verbessert werden. Ansonsten ist sie gut in das Spiel einbezogen, sei es beim Einsatz in Bosskämpfen oder für die Lösung einiger simpler Rätsel. Auf die kurzfristige Verbesserung der Statuswerte wurde hier dennoch nicht verzichtet, denn diese Aufgabe übernehmen die farbigen, von Monstern hinterlassenen Phiolen. Somit kann man sagen, dass das gesamte Spiel verbessert wurde und in jeder Hinsicht einen gut durchdachten Eindruck hinterlässt. Einige schöne Extras bekräftigen noch das sehr positive Gesamtergebnis.

"Ys - The Oath in Felghana" ist für mich definitiv nicht nur der beste PSP-Ableger der Reihe sondern auch eines der besten Ys-Spiele überhaupt, da es sich kompromisslos auf die Wurzen und Stärken der ersten Teile beruft. Damit meine ich die stark auf die Action fokussierte Spielgestaltung, die einfach makellos umgesetzt wurde. Jetzt weiß ich auch endlich, was mich an "Ys Seven" gestört hat, das ich allerdings nicht direkt benennen konnte. "Ys Seven" wirkt mit seinen zig Charakteren, unendlich vielen Waffen und Speziallangriffen überladen und erinnert mehr denn je an ein x-beliebiges Rollenspiel. Wenn man also den wahren Geist der Reihe verspüren möchte, sollte man unbedingt zu "The Oath in Felghana" greifen. Wie bereits "Ys Seven" liegt das Spiel auch in einer schicken Premium Edition vor, die neben der tollen Soundtrack-CD auch einen Kalender für das Jahr 2011 beinhaltet.