Was wäre die Videospielbranche ohne Invasionen von Außerirdischen?
Seit der Frühzeit der Unterhaltungssoftware sind sie ein steter Garant
für Beschäftigung kampfeswilliger Spieler, denn in den seltenen,
glückseligen Friedenszeiten der Erde verhindert die freundliche Armada
aus der Nachbargalaxie den Stellenabbau im Bereich der globalen Verteidigung.
Und da es besonders in den 80´ern gang und gäbe war, dass ein
einziges irdisches Raumschiff eine komplette Eroberungsflotte vernichtete,
versuchen die als Caponier bezeichneten Aliens im 1988 erschienenen "Zak
McKracken and the Alien Mindbenders" eine etwas subtilere Methode,
die Herrschaft über die Erde zu übernehmen. Anstatt mit lautem
Getöse einen Krieg anzuzetteln, haben sie stattdessen die Telefongesellschaften
infiltriert und übernommen und unterlegen die Telefongespräche
mit der Frequenz einer eigens konstruierten Dummheitsmaschine, um alle
Menschen in sabbernde Idioten zu verwandeln.
Das schreit natürlich nach einem heldenhaften Retter der Menschheit,
womit wir bei unserem Hauptcharakter und Namensgeber Zak McKracken wären,
seines Zeichens frustrierter Boulevardjournalist und Junggeselle aus
San Francisco. Nachdem ihn sein Chef breitgeschlagen hat, noch eine
letzte Story für den "National Inquisitor" (bzw. das
"Nachtecho" in der deutschen Version) zu schreiben, hat Zak
in der Nacht einen seltsamen Traum, in dem Außerirdische, seltsame
Maschinen, eine Weltkarte und eine schöne, unbekannte Frau vorkommen.
Letztere hört auf den Namen Annie und schließt sich ihm nach
kurzer Spielzeit an. Daraufhin fliegen sie zusammen mit Annies Freundinnen
Leslie und Melissa mit einem umgebauten Kleinbus zum Mars. Wie sich
herausstellt, existierte dort ein anderes Volk von Außerirdischen,
dass eine Maschine hinterlassen hat, mit deren Hilfe sich die Invasoren
vertreiben lassen. Unglücklicherweise sind die Einzelteile derselbigen
auf der ganzen Erde und obendrein dem Mars verstreut, so dass es an
unserem Heldenquartett liegen bleibt, diese zu finden, die Maschine
zu bauen und zu aktivieren.
"Zak McKracken" ist ein klassisches Point & Click-Adventure
und nach "Maniac Mansion" das zweite Spiel von Lucas Arts,
das mit der legendären SCUMM-Engine entwickelt wurde. Das Interface
wurde dabei im Wesentlichen vom Vorgänger übernommen. Dabei
besteht etwa das untere Drittel des Bildschirms aus der Inventaranzeige
und einer Liste von Verben. Aus letzterer klickt man sich in Verbindung
mit benutzbaren Objekten in der Spielumgebung die einzelnen Befehlssätze
zusammen. Zu Beginn des Spiels steuert man nur Zak, später natürlich
auch Annie und ihre beiden Freundinnen Leslie und Melissa, wobei man
jederzeit zwischen den Figuren wechseln kann.
Grafisch gibt es keinen Grund zur Klage. Auch wenn das Spiel in dem
Punkt nicht das absolute Nonplusultra verkörpert, ist es schön
anzusehen und punktet durch eine interessante Gestaltung der Schauplätze.
Etwas eigentümlich wirken jedoch die Figuren, die vom Gehen mal
abgesehen die Arme nicht bewegen, auch nicht beim Klettern oder Benutzen
von Gegenständen. Das fällt allerdings nicht groß ins
Gewicht. Wie bei "Maniac Mansion" gibt es keine durchgängige
musikalische Untermalung während des Spiels, sondern nur im Intro
und punktuell an bestimmten Stellen. Die vorhandenen Melodien gefallen
mir jedoch sehr gut, besonders die des Intros. Im Rahmen des Möglichen
sind die Soundeffekte ebenfalls sehr gelungen.
Wie bereits angedeutet, führt einen die Handlung zu den verschiedensten
Schauplätzen auf der Welt. Dabei verstanden es die Designer geschickt,
verschiedene Legenden, UFO-Sichtungen sowie bekannte Orte rätselhaften
Ursprungs wie zum Beispiel Stonehenge oder das Bermudadreieck in die
Handlung einzuarbeiten, ohne sich dabei an "Indiana Jones"
anzulehnen. Dementsprechend viel kriegt man auch zu sehen. Da man beliebig
umherreisen kann, sofern man über genügend Geld verfügt,
versteht sich, ist das Spiel erfreulich nicht-linear. Angenehm fällt
auch auf, dass man, wie schon in "Maniac Mansion", manche
Rätsel nur mit einem bestimmten Charakter oder auch mehreren Charakteren
lösen kann, und die vier Figuren somit kein Selbstzweck sind. Weiterhin
gibt es eine ganze Reihe von Puzzles, die sich auf unterschiedliche
Arten lösen lassen, was zum Experimentieren ermuntert. Leider muss
man dazu sagen, dass aufgrund der offenen Struktur des Spieles den Entwicklern
einige Sackgassen entgangen sind. Allerdings ist es in derartigen Fällen
relativ leicht nachzuvollziehen, wo das Problem liegt. Zudem ist es
bei "Zak McKracken" noch möglich zu sterben, was für
das Adventure-Genre etwas untypisch ist. Vor den relativ selten vorkommenden
tödlichen Gefahren wird man jedoch mehr als ausdrücklich gewarnt.
Ansonsten sind die Rätsel sowie der Humor erstklassig. Neben dem
für Lucas Arts typischen Metahumor gibt es haufenweise skurrile
Ideen, wie das zweiköpfige Eichhörnchen oder die Sphinx mit
Nasenbrille, und zündende Gags, zum Beispiel wenn Leslie im Fernsehen
erzählt, dass Außerirdische ihnen im Traum gezeigt haben,
wie man den Bus umbaut und ihnen auftrugen, auf dem Mars auf weitere
Instruktionen zu warten... Ein weiteres nettes Detail ist noch die dem
Spiel beiliegende Ausgabe von Zaks Zeitung, deren gelungene alberne
Artikel nicht nur unterhalten, sondern auch viele Tipps zur Lösung
des Spieles geben.
Als interessant dürfte man nebenbei noch die Tatsache empfinden,
dass das Spiel die nahe Zukunft des Jahres 1997 aus der Sicht von 1988
umreißt. Dabei nahm man zum Beispiel an, dass Bargeld von den
sogenannten Cash Cards abgelöst sein würde und dass Kassetten
als Medium zur Datenspeicherung fortbestehen bleiben würden, womit
die Autoren nur bedingt richtig lagen.
Zwei Aspekte trüben den Spielspaß aber nachhaltig. Zum einen
muss man auf sein Geld achten und kann daher nicht beliebig umherreisen,
weil man ansonsten irgendwann kein Flugticket mehr bezahlen kann. Zum
anderen kommen im Spiel sehr viele Labyrinthe vor. Wenn sie nicht gerade
ein Puzzle für sich darstellen, wie zum Beispiel die Höhlen
in "Monkey Island", kann ich sie generell nicht leiden, da
sie eine spaßlose, aber einfache Möglichkeit darstellen,
die Spieldauer in die Länge zu ziehen. Angesichts der Häufigkeit,
mit der sie in diesem Spiel auftreten, dürften selbst tolerantere
Naturen mit den Zähnen knirschen.
Fazit: "Zak Mc Kracken and the Alien Mindbenders" ist und
bleibt ein Klassiker, und das völlig zu Recht. Der brillante Humor
und die abgedrehte Geschichte wissen auch heute noch zu gefallen, die
Rätsel sind tadellos und das Spiel geizt nicht mit originellen
Ideen und witzigen Details. Wären da nicht die erwähnten gröberen
Scharten im Design, so gäbe es die Höchstwertung, für
dicke neun Punkte reicht es aber allemal.
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