Zak McKracken and the Alien Mindbenders
Adventure

Riemann80
Juli 11
 

Was wäre die Videospielbranche ohne Invasionen von Außerirdischen? Seit der Frühzeit der Unterhaltungssoftware sind sie ein steter Garant für Beschäftigung kampfeswilliger Spieler, denn in den seltenen, glückseligen Friedenszeiten der Erde verhindert die freundliche Armada aus der Nachbargalaxie den Stellenabbau im Bereich der globalen Verteidigung. Und da es besonders in den 80´ern gang und gäbe war, dass ein einziges irdisches Raumschiff eine komplette Eroberungsflotte vernichtete, versuchen die als Caponier bezeichneten Aliens im 1988 erschienenen "Zak McKracken and the Alien Mindbenders" eine etwas subtilere Methode, die Herrschaft über die Erde zu übernehmen. Anstatt mit lautem Getöse einen Krieg anzuzetteln, haben sie stattdessen die Telefongesellschaften infiltriert und übernommen und unterlegen die Telefongespräche mit der Frequenz einer eigens konstruierten Dummheitsmaschine, um alle Menschen in sabbernde Idioten zu verwandeln.

Das schreit natürlich nach einem heldenhaften Retter der Menschheit, womit wir bei unserem Hauptcharakter und Namensgeber Zak McKracken wären, seines Zeichens frustrierter Boulevardjournalist und Junggeselle aus San Francisco. Nachdem ihn sein Chef breitgeschlagen hat, noch eine letzte Story für den "National Inquisitor" (bzw. das "Nachtecho" in der deutschen Version) zu schreiben, hat Zak in der Nacht einen seltsamen Traum, in dem Außerirdische, seltsame Maschinen, eine Weltkarte und eine schöne, unbekannte Frau vorkommen. Letztere hört auf den Namen Annie und schließt sich ihm nach kurzer Spielzeit an. Daraufhin fliegen sie zusammen mit Annies Freundinnen Leslie und Melissa mit einem umgebauten Kleinbus zum Mars. Wie sich herausstellt, existierte dort ein anderes Volk von Außerirdischen, dass eine Maschine hinterlassen hat, mit deren Hilfe sich die Invasoren vertreiben lassen. Unglücklicherweise sind die Einzelteile derselbigen auf der ganzen Erde und obendrein dem Mars verstreut, so dass es an unserem Heldenquartett liegen bleibt, diese zu finden, die Maschine zu bauen und zu aktivieren.

"Zak McKracken" ist ein klassisches Point & Click-Adventure und nach "Maniac Mansion" das zweite Spiel von Lucas Arts, das mit der legendären SCUMM-Engine entwickelt wurde. Das Interface wurde dabei im Wesentlichen vom Vorgänger übernommen. Dabei besteht etwa das untere Drittel des Bildschirms aus der Inventaranzeige und einer Liste von Verben. Aus letzterer klickt man sich in Verbindung mit benutzbaren Objekten in der Spielumgebung die einzelnen Befehlssätze zusammen. Zu Beginn des Spiels steuert man nur Zak, später natürlich auch Annie und ihre beiden Freundinnen Leslie und Melissa, wobei man jederzeit zwischen den Figuren wechseln kann.

Grafisch gibt es keinen Grund zur Klage. Auch wenn das Spiel in dem Punkt nicht das absolute Nonplusultra verkörpert, ist es schön anzusehen und punktet durch eine interessante Gestaltung der Schauplätze. Etwas eigentümlich wirken jedoch die Figuren, die vom Gehen mal abgesehen die Arme nicht bewegen, auch nicht beim Klettern oder Benutzen von Gegenständen. Das fällt allerdings nicht groß ins Gewicht. Wie bei "Maniac Mansion" gibt es keine durchgängige musikalische Untermalung während des Spiels, sondern nur im Intro und punktuell an bestimmten Stellen. Die vorhandenen Melodien gefallen mir jedoch sehr gut, besonders die des Intros. Im Rahmen des Möglichen sind die Soundeffekte ebenfalls sehr gelungen.

Wie bereits angedeutet, führt einen die Handlung zu den verschiedensten Schauplätzen auf der Welt. Dabei verstanden es die Designer geschickt, verschiedene Legenden, UFO-Sichtungen sowie bekannte Orte rätselhaften Ursprungs wie zum Beispiel Stonehenge oder das Bermudadreieck in die Handlung einzuarbeiten, ohne sich dabei an "Indiana Jones" anzulehnen. Dementsprechend viel kriegt man auch zu sehen. Da man beliebig umherreisen kann, sofern man über genügend Geld verfügt, versteht sich, ist das Spiel erfreulich nicht-linear. Angenehm fällt auch auf, dass man, wie schon in "Maniac Mansion", manche Rätsel nur mit einem bestimmten Charakter oder auch mehreren Charakteren lösen kann, und die vier Figuren somit kein Selbstzweck sind. Weiterhin gibt es eine ganze Reihe von Puzzles, die sich auf unterschiedliche Arten lösen lassen, was zum Experimentieren ermuntert. Leider muss man dazu sagen, dass aufgrund der offenen Struktur des Spieles den Entwicklern einige Sackgassen entgangen sind. Allerdings ist es in derartigen Fällen relativ leicht nachzuvollziehen, wo das Problem liegt. Zudem ist es bei "Zak McKracken" noch möglich zu sterben, was für das Adventure-Genre etwas untypisch ist. Vor den relativ selten vorkommenden tödlichen Gefahren wird man jedoch mehr als ausdrücklich gewarnt. Ansonsten sind die Rätsel sowie der Humor erstklassig. Neben dem für Lucas Arts typischen Metahumor gibt es haufenweise skurrile Ideen, wie das zweiköpfige Eichhörnchen oder die Sphinx mit Nasenbrille, und zündende Gags, zum Beispiel wenn Leslie im Fernsehen erzählt, dass Außerirdische ihnen im Traum gezeigt haben, wie man den Bus umbaut und ihnen auftrugen, auf dem Mars auf weitere Instruktionen zu warten... Ein weiteres nettes Detail ist noch die dem Spiel beiliegende Ausgabe von Zaks Zeitung, deren gelungene alberne Artikel nicht nur unterhalten, sondern auch viele Tipps zur Lösung des Spieles geben.

Als interessant dürfte man nebenbei noch die Tatsache empfinden, dass das Spiel die nahe Zukunft des Jahres 1997 aus der Sicht von 1988 umreißt. Dabei nahm man zum Beispiel an, dass Bargeld von den sogenannten Cash Cards abgelöst sein würde und dass Kassetten als Medium zur Datenspeicherung fortbestehen bleiben würden, womit die Autoren nur bedingt richtig lagen.

Zwei Aspekte trüben den Spielspaß aber nachhaltig. Zum einen muss man auf sein Geld achten und kann daher nicht beliebig umherreisen, weil man ansonsten irgendwann kein Flugticket mehr bezahlen kann. Zum anderen kommen im Spiel sehr viele Labyrinthe vor. Wenn sie nicht gerade ein Puzzle für sich darstellen, wie zum Beispiel die Höhlen in "Monkey Island", kann ich sie generell nicht leiden, da sie eine spaßlose, aber einfache Möglichkeit darstellen, die Spieldauer in die Länge zu ziehen. Angesichts der Häufigkeit, mit der sie in diesem Spiel auftreten, dürften selbst tolerantere Naturen mit den Zähnen knirschen.

Fazit: "Zak Mc Kracken and the Alien Mindbenders" ist und bleibt ein Klassiker, und das völlig zu Recht. Der brillante Humor und die abgedrehte Geschichte wissen auch heute noch zu gefallen, die Rätsel sind tadellos und das Spiel geizt nicht mit originellen Ideen und witzigen Details. Wären da nicht die erwähnten gröberen Scharten im Design, so gäbe es die Höchstwertung, für dicke neun Punkte reicht es aber allemal.