Heute möchte ich einen Titel der berüchtigten Zelda-Reihe behandeln,
nämlich "The Legend of Zelda - The Wind Waker", das 2002
bzw. 2003 für den Nintendo Game Cube erschienen ist. Diesem Zelda-Spiel
wohnt ein gewisser Fluch inne, da es der erste Teil der Reihe war, der
die riesige Fan-Gemeinde in zwei Lager spaltete. Während die einen
es inbrünstig lieben, hassen die anderen es über alle Maßen.
Schuld daran war der neue kindliche Grafikstil, welcher mit Cel Shading
gepaart ein gänzlich ungewohntes Bild bot. Die meisten Fans haben
sich damals endlich einen erwachsenen Link erhofft. Ich für meinen
Teil zähle mich zur ersten Gruppe, die mit den Änderungen mehr
als nur zufrieden ist. Wie hätte es auch anders sein können?
Die Handlung fällt wie immer relativ schlicht aus und dient eher
nur als Alibi für die Abhandlung der einzelnen Dungeons. Als das
Königreich Hyrule von Dunkelheit verschluckt wurde und kein Held
zur Rettung des Landes erschien, versammelten die Götter alle Bewohner
auf den Bergspitzen und überschwemmten das Land mit einer großen
Flut, so dass nur jene Bergspitzen aus dem riesigen, neuentstandenen
Meer als Inseln herausragten. Im untergegangenen Königreich wurde
dagegen die Zeit angehalten, und mit ihr alle Kreaturen der Finsternis.
So schien es jedenfalls.
Unsere Geschichte beginnt sehr viele Jahre nach diesen Ereignissen.
Link hat Geburtstag und bekommt neben neuer Kleidung ein Fernrohr geschenkt.
Den Himmel absuchend, erspäht er durch diesen einen riesigen Vogel,
welcher ein Mädchen in seinen Fängen hält und von einem
Piratenschiff verfolgt wird. Als der Vogel von einer Kanonenkugel getroffen
wird, lässt er das Mädchen im örtlichen Wald fallen.
Natürlich eilt Link der Unbekannten sofort zur Hilfe. Als er das
Mädchen, das sich als Piratenkapitän Tetra herausstellt, rettet,
wird fälschlicherweise seine Schwester Aril von dem großen
Vogel entführt. Zusammen mit den Piraten macht er sich sogleich
auf die Suche nach ihr.
Mit einer Menge Wasser und der Gesellschaft von Piraten fällt
somit auch das Setting von "The Wind Waker" ziemlich ungewohnt
aus. Eine gewichtige Rolle fällt dem Taktstock des Windes zu, der
nach einigen Erlebnissen in Links Besitz gelangt. Mit seiner Hilfe ist
Link in der Lage, den Wind herbeizurufen und zu kontrollieren. Da man
einen Großteil des Spieles mit einem Segelboot auf den Weiten
des Meeres unterwegs ist, stellt der Wind das zentrale Element des Spieles
dar. Kreativ wie Nintendo ist, kommt er auch bei vielen anderen Situationen
zum Einsatz. Ansonsten orientiert sich das Spiel sehr stark an "Ocarina
of Time", womit man natürlich nichts falsch machen konnte.
Die Steuerung ist quasi dieselbe und deshalb intuitiv und praktisch
zu handhaben. Nichtsdestotrotz weist das Spiel noch unzählige Eigenheiten
auf. Die ganze Welt ist in viele quadratische Bereiche unterteilt, die
einige Gemeinsamkeiten, wie zum Beispiel einen Laden, aufweisen. Unzählige
Nebenaufgaben wie zum Beispiel die Bergung von Schätzen oder das
Photographieren bieten neben der Hauptaufgabe ein kunterbuntes Betätigungsfeld.
Die Dungeons, die das Herzstück eines jeden Zelda-Spieles darstellen,
sind allesamt über die zahlreichen Inseln verstreut. Eine Fahrt
von einer Insel zur nächsten kann sich allerdings recht in die
Länge ziehen, was manchmal stark an der Geduld zehrt. Zum Glück
kann man hier auch einen Warp einsetzen, aber erst, wenn ein bestimmter,
zufällig auftauchender Bossgegner in einem Kartenbereich besiegt
wurde. Die Suche nach diesen Monstern kann allerdings zu einer langwierigen
Aufgabe ausarten. Die Dungeons an sich verlaufen nach dem klassischen
Zelda-Prinzip. Es gibt wie immer einen Kompass, eine Karte sowie den
Masterschlüssel, der den Zugang zum Dungeon-Boss gewährt.
Zuvor müssen aber wie immer einige Aufgaben geknackt werden, die
von einfachen, altbewährten Schieberätseln bis hin zu komplexen
Licht- und Reflexionsspielen reichen. Die einzelnen Dungeons fallen
unheimlich abwechslungsreich und auch völlig unterschiedlich aus.
Die Bosse sind teilweise gigantisch und absolut phänomenal. Der
Spielspaß stimmt hier hundertprozentig und lässt keine Wünsche
offen.
Die Grafik ist wirklich gut und erinnert aufgrund der Cel Shading-Technik
an einen Zeichentrickfilm. Trotz der Schlichtheit geizen die Entwickler
nicht mit Details, die beispielsweise in Form von Schatten, die sich
im Licht der Fackeln verändern, zur Geltung kommen. Tropfendes
Wasser, schwebende Glühwürmchen und wehendes Gras sind ebenfalls
keine Seltenheit. Auf jeden Fall versprüht das Spiel eine großartige
Atmosphäre, welche ich bisher nicht erlebt habe. Der Soundtrack
braucht sich auch nicht zu verstecken. Die teils mediterranen oder irischen
Klänge passen sehr gut zur Inselthematik und gehören für
mich zum Besten, was die Zelda-Reihe zu bieten hat. Die Untermalung
der Musikstücke mit Schwertklängen bei den Minibosskämpfen
stellt ein nettes zusätzliches Gimmick dar.
Fazit: "The Legend of Zelda - The Wind Waker" ist für
mich der Lieblingstitel der 3D-Zelda-Spiele. Es gefällt mir durchaus
besser als der realistische Nachfolger "Twilight Princess".
Ich vermag es nicht richtig nachzuvollziehen, wieso viele Zelda-Fans
es aufgrund der Andersartigkeit direkt im Vorfeld als schlecht abgestempelt
haben, ohne sich darauf überhaupt eingelassen zu haben. Es hängt
wohl mit der Engstirnigkeit der Menschen zusammen. Ich vergebe aufgrund
der etwas zu langwierigen Seereisen neun von zehn Punkten sowie eine
klare Kaufempfehlung, zumal die Erstausgabe des Spieles die Bonus-Disc
mit der Master Quest-Variante von "The Legend of Zelda - Ocarina
of Time" aufweist.
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